HAIR in Frankfurt

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Frankfurt 07.02.2009, the English Theatre

Insgesamt bin ich sehr zufrieden :-). Aus meiner Sicht haben die Darsteller "Hair" richtig gelebt, es gab sehr viel Ausdruck von Emotionalität, starke Emotionalität.
In Bezug auf den Protest gegen den Krieg. Das ging nicht spurlos an mir vorüber. HAIR drückte bei mir ein paarmal auf die Tränendrüse.

Vielleicht ist das für ein Theater nicht ungewöhnlich, bei HAIR versuchte ich oft den intellektuellen Hintergrund zu begreifen. Es scheint mir heute abend aber so, dass der Ausdruck der Gefühle mindestens genau so wichtig ist.

Es waren viele junge Leute im Publikum.

Manche der Fragen, die dort auftauchen, beschäftigen mich heute immer noch: "Where do I go". Vielleicht ist das der eigentlich wichtige Punkt, der mich immer wieder dort hinzieht.

Es gab ein bisschen Nacktheit, ohne dies allzusehr zu betonen. Vielleicht ein Tribut an die Geschichte von HAIR. Den damaligen Zeitgeist zu diesem Thema kann man aber heute kaum noch einfangen, denke ich. Es ist umgekehrt für mich auch nicht möglich, das Lebensgefühl der heutigen Jugend zu begreifen. Ich bin etwas vorsichtig geworden, denke dabei an Amy MacDonald und ihre Ballade "The youth of today".

Der haarige Aspekt wurde gewürdigt, in dem Lied "Hair", obwohl, vielleicht ein bisschen auf Sparflamme. HAIR entfernt sich immer weiter von seinem eigentlichen Titel, vermute ich. Für lange Haare gibt es viel extremere Ausdrucksmöglichkeiten. So sehr lang waren die Haare nicht, auf der Bühne, so bis "midback length", maximal, bei den weiblichen Darstellern. Bei den Männern, na ja, weniger als ein halbes Jahr Wachstum, vermute ich (Haar wächst mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 1,2 cm pro Monat).

Berger und seine Freunde wurden von der Polizei festgenommen, infolge der Unruhen, die nach dem Mord an Martin Luther King ausbrachen (aus dem Programmheft).
Ein weiblicher "police officer" will ihnen die Haare scheren, was aber an deren heftigen Widerstand scheitert. Das Lied HAIR liefert die Begründung, warum sie sich so sehr weigern. Als der police officer am Ende seine Mütze abnimmt, quellen lange Haare hervor :-)

Verstanden habe ich nicht alles, es gelingt mir nicht, die englische nSprache wirklich zu erfassen, so bleibt vieles rudimentär. Insbesondere betrifft dies "Electric Blues", "The Bed", Abbie Baby", "Sodomy". Zu schwierig für mich. Anderen Teilen konnte ich ganz gut folgen. "What a piece of work is man" habe ich zu Hause schon ausgebiebig analysiert, zum Vergleich habe ich auch die deutschen Texte.

Sehr gut fand ich "Walking in Space". Im Hintergrund wurden Bilder des Kosmos gezeigt, ich sah Sterne, eine Galaxies, aber auch Explosionen. Vielleicht eine Supernova Explosion. Sie zerfetzte das Bild der Galaxies.

Am Ende erschienen die Musiker auf der Bühne. Das hat mir sehr gut gefallen, da ich gerade auch ihren Beiträgen Anerkennung geben möchte. Den Beifall empfand ich als enthusiastisch, das Publikum war begeistert.

Die Zugaben kamen von selbst, wurden also nicht herbeigeklatscht. Das Licht ging relativ schnell an, was die Zuschauer zum Weggehen motivierte. Sonst hätte da sicher noch mehr dringelegen, an "erkämpften" Zugaben.

Das Theater ist nicht so ganz riesig, obwohl, ein paar hundert Besucher werden Platz finden, denke ich. Es macht das Ganze etwas "familiärer". Voll war's. :-)
Auf der Bühne zählte ich 12 Aktive. Ich denke, sie haben ihre Rollen sehr gut ausgefüllt, so wie ich es bei anderen Veranstaltungen mit 30 oder 40 Aktiven gesehen hatte. Ein vollständige Bewertung dieser Veranstaltung kann ich nicht abgeben, dafür habe ich zu wenig verstanden. Das ist manchmal traurig, aber ich kann es nicht ändern.

Ich werde das Programmheft genau durchlesen und die Eindrücke der Lektüre dann hier einarbeiten. Verstanden habe ich die Rahmenhandlung so: Berger liegt todkrank in einem Bett und denkt über sein Leben nach. Es erscheinen dann "Spukgestalten", schwarzgekleidete Wesen, die sich um ihn herum gruppieren. Vielleicht sind sie bereits alle tot.
Laut Programmheft wird Berger von seinen Freunden besucht, die ihm ein Lied aus seiner Jugend singen, den "Aquarius".

Die Szene wechselt dann in die Vergangenheit. Aus den "Zombies" werden junge Menschen, die die Vergangenheit lebendig werden lassen.

In allen Teilen der Handlungen bleibt der "alte Berger" dabei, zum Teil singt er die Lieder, insbesondere das "Finale", "The Flesh Failure".

Teile der Handlungen entsprechen dem, was ich auch von anderen HAIR Veranstaltungen kenne: "Manchester", "Easy to be hard", "I got life", "White boys", "Black Boys".
Berger und seine Freunde fliegen vom College ("Going down"). Als Konsequenz besteht die ernsthafte Gefahr, dass sie für den Vietnamkrieg eingezogen werden (aus dem Programmheft).
Claude verbrennt erst seine "Driver license", dann seinen Bibliotheksausweis, aber nicht seinen Einberufungsbescheid. Er kann sich seinen "Verpflichtungen" nicht entziehen. Die Gruppe kann ihn nicht umstimmen.

Es gab viele Gewehre zu sehen.  Die Transformation junger Menschen in Soldaten ist ein Schwerpunkt von HAIR.

Der Hubschrauber war wieder zu hören, aus dem die transformierten Hippies in den Krieg absprangen.

Abhraham Lincoln wurde von einer verkleideten Frau gespielt, der die Schuhe geputzt wurden.

Claude wird am Ende unsichtbar für die anderen, er ist tot. Sie rufen nach ihm, doch es ist vergeblich. Nur er kann sie hören. Zum Schluss gehen Claude und Berger gemeinsam in ein "Licht", das im Hintergrund der Bühne entsteht. Sie entfernen sich, aber ihre Schatten werden dabei größer, bis sie auf der Leinwand verweilen.

Das Finale geht in "Let the sunshine in" über.

In das Geschehen auf der Bühne wurden projizierte Filmausschnitte integriert. Über den Vietnamkrieg, Bilder, die man aus dem Fernsehen kennt. Es gab Ausschnitte von Politikerreden: Richard Nixon, John F. Kennedy.


Kommentar zu HAIR
Aus dem Programmheft
CAST (Ensemble)
Orchestra


Old Berger - Matt Harrop
Musical Director /Keyboards - Thomas Lorey


Berger - Peter Saul
Trumpet - Martin Krämer


Claude - Josh Canfield
Tenor Saxophone/Flute/Clarinet - Heinz Lyko


Hud - Matthew J. Henry
Electric and Acoustic Guitar - Kai Picker


Woof - Alan Pearson
Electric Bass - Stefan Kreuscher


Sheila - Ellie Boswell
Drums / Percussion - Thomas Elsner


Tribe Members: Rosalind James, Carly Mercedes Dyer, Grant Murphy, Jacqui Sanchez, Stephan Sinclair, Rebecca Wicking