HAIR in Kassel

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Kassel 11.06.2009, Theater Kassel, Opernhaus

"HAIR in Kassel" hat mir sehr gut gefallen. Gäbe es Punkte, so gäbe ich volle 5 Punkte für die Schauspieler und die Musiker (Punkte in Anlehnung an Amazon :-)). Als ich im Anschluss ins Hotel ging, habe ich sie alle richtig vermisst. Es gab einige Stellen, bei denen mir Tränen in die Augen kamen, ohne Taschentuch hätte ich nicht mehr viel gesehen.

Die nachfolgenden Ausführungen sind ein Gedächtnisprotokoll, erstellt am Tage danach.

Die Bühne wurde durch einen "Orchestergraben" unterbrochen, in dem die Musiker "versteckt waren". Vor den Zuschauer-Reihen gab es noch einen schmalen "Bühnen-Laufsteg", der von den Schauspielern auch genutzt wurde. Ein bisschen mussten sie da schon aufpassen, dass sie nicht in den Graben hineinfielen. Man konnte vom Anfang der Bühne aus in den Graben hineinsehen, und somit die Musiker begrüßen oder am Ende der Vorstellung mit ihnen reden (sie zumindest aber freundlich anlächeln :-)). Das Publikum war zum Teil etwas gesetzt, dazu zähle ich inzwischen ja auch schon <*seufz*>, es gab aber auch viele junge Leute. Das Theater schien voll besetzt zu sein.

Die Lieder wurden englisch gesungen. Der Text zwischen den Liedern war in deutsch.

Eine Nacktszene gab es am Anfang, als die Schauspieler ihre Alltagskleidung ablegten und in die bunten Hippie-Kostüme schlüpften. Nicht völlig nackt, nackt bis auf die Unterwäsche.

Schöne lange Haare gab zu sehen :-), zum Teil vor, aber auch auf der Bühne. Es gab richtige Mähnen bei den Schauspielerinnen, bis hüftlange Haare, und es sah alles echt aus :-). Die langen Haare wirkten sehr natürlich, ein bisschen gewellt, nicht völlig glatt (oder geglättet). Es gab auch einiges an Locken zu sehen. Ich denke der haarige Aspekt von HAIR wurde überzeugend gewürdigt.

Ich saß in der ersten Reihe, Orchestersessel, Platz 5. Von dort hatte ich einen sehr guten Überblick auf das Geschehen, vor allem die Gesichter der Akteure konnte ich sehr deutlich sehen. Die Schauspieler  gingen meiner Meinung nach sehr gut in ihren Rollen auf :-). Musik und Gesang passten sehr gut zusammen, auch wenn die Klänge nicht immer ganz der gewohnten Akustik aus anderen Musical HAIR Ereignissen entsprachen, die ich gesehen habe. Die Unterschiede in der Musik kann ich leider nicht genauer analysieren.
Dennoch, mir hat es gefallen :-)).

Ein bisschen Interaktion mit dem Publikum war auch da. So begrüßten die Schauspieler insbesondere die Zuschauer in den hinteren Rängen. Einige Zuschauer in der ersten Reihe wurden zum Mittanzen motiviert. Da ich selbst in der ersten Reihe saß, fühlte ich mich plötzlich mitten drin im Geschehen, als die Schauspieler nach vorne kamen :-).

Der Beifall am Schluss war enthusiastisch. Es gab Standing Ovations und einige Zugaben ("Hair", "Black Boys/White boys"). Dabei wurde rhythmisch mitgeklatscht und es gab auch Bewegung bei den Zuschauern, soweit es die engen Reihen zuließen.

Das Bühnenbild war übewiegend sehr hell erleuchtet, mit weißen Wänden an den Seiten, die diesen Eindruck noch verstärkten. Damit konnte eine düstere Stimmung gar nicht erst aufkommen, was bei Liedern wie "Black Boys/White Boys" wohl auch gar nicht beabsichtigt war.

Das Bühnenbild änderte sich während der Veranstaltung. Am Anfang waren es Kletterwände, an denen die Schauspieler zum Teil hinaufkletterten, zum Schluß war es eher baukastenartig. In den Nischen konnten sich Soldaten verstecken. Zu Beginn konnte man im Hintergrund eine große amerikanische Flagge bewundern. Der Hintergrund wurde im Laufe des Stückes dann schwarz, ein Vorbote des drohenden Unheils. Die Beleuchtung wurde auch heruntergedreht, bei einigen sehr traurigen Szenen.

Eine blonde Frau ging ruhig den "Laufsteg" vor dem Orchestergraben entlang. Ich dachte mir erst nichts besonderes dabei, versuchte sie einzuordenn, dann begriff ich den Zusammenhang. Kleidung und Körper waren mit roten Flecken übersäht, es sah aus wie Blut. Eines der dunklen Kapitel der Hippie-Zeit. Sie stellte die ermordete Sharon Tate dar (so meine Interpretation). Später erschien Charles Manson. Er hielt eine Rose in der Hand. Die Frau bewegte sich bereits außerhalb seiner Reichweite, auf der anderen Seite der Bühne. Dann zerfetzte er die Rose in seiner Hand.

Einige Darsteller der Hippie Tribe stellten Yoko Ono und John Lennon dar, in einer bekannten Bettszene. Es gab auch Auftritte von Timothy Leary, Andy Warhol, Abharahm Lincoln (in doppelter Ausführung), von Popey, den Seemann und anderen.

Ausschnitte der Reden von John F. Kenndey und Martin Luther King wurden gezeigt. Bilder wurden auf eine Leinwand projiziert. Der Mord an Martin Luther King wurde kommentiert.

In einer Szene hängten Vermummte einen Schwarzen.

Über "Agent Orange" und "LSD" wurde ausführlich referiert.

Ich empfinde es als schwierig, alle Details zu erfassen, bei nur einem Besuch. Gerade auch deswegen, weil diese Interpretation von HAIR sich von anderen Veranstaltungen nicht unwesentlich unterscheidet.
Für die "Rahmenhandlung" verweise ich zunächst einmal auf die Reviews der anderen Veranstaltungen.

Einige Anmerkungen

"Sodomy" und "Hashisch" sind sehr schöne Lieder, ich mochte es, wie sie herüberkamen.
Bei "3500" vermisste ich ein bisschen diese zerfetzenden Geräusche, wie sie durch Gitarren erzeugt werden können. Vielleicht habe ich auch nicht genau hingehört.
"I believe in love" hat mir sehr gut gefallen und ich fand es schön, als die Schauspieler dabei nach vorne kamen. Es kam sogar ein bisschen Rührseligkeit bei mir auf.
Das Zusammenwirken aller Akteure fand ich sehr gut, gerade bei schwierigen Passagen wie "Ain't got no".

zur Handlung

Wegen der langen Haare und der Kleidung gibt es Konflikte zwischen Burger und seinen Eltern, er fliegt deswegen auch von der Uni.
Zum Teil geraten die Hippies untereinander in Streit, das Lied "easy to be heard" ist eine Reaktion darauf.
Einmal wird jemand völlig ausgeschlossen und verzieht sich dann in seiner Einsamkeit.

Das Lied "HAIR" beschreibt die Liebe zu langen Haaren.
Ein Aspekt, der heute zum Teil gar nicht mehr verstanden wird. Dabei können Haare so schön sein. Ich weiß, das ist subjektiv, aber warum nicht, diesen subjektiven Eindruck vermittele ich eben. Es ist nicht nur der optische Eindruck, es ist schön, wenn sie die nackte Haut streicheln, sich gegen den Körper bewegen. Die langen Kopfhaare können Gefühle voller Zärtlichkeit und Sensibilität vermitteln, es macht Spaß in ihnen zu ruhen und das Leben mit ihnen zu teilen. Ich  finde es schade, dass sie so sehr in Vergessenheit geraten.

Claude schafft es nicht, sich dem Militärdienst zu entziehen.
Er zieht in den Krieg und wird am Ende umgebracht.
Das Finale endet in dem Lied "Let the sunshine in".