HAIR in Nürnberg 02

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Nürnberg, 01.02.2010, Meistersingerhalle

The Island Musical Theatre

Es hat mir wieder sehr gut gefallen. Ich mag diese Gruppe :-). Es ist aber auch so, dass ich die Inhalte inzwischen ganz gut kenne und vermehrt darauf achte, wie sie durch Tanz, Berührung und Bewegung vermittelt werden. Und das ist hier sehr gut gelungen, meiner Meinung nach.

Vielleicht ist man aber auch ein bisschen verloren, wenn man HAIR nicht so genau kennt und aus den Texten und Liedern auf den Inhalt schließen will. HAIR erfordert meiner Meinung nach ein Hintergrundstudium, wenn man es verstehen will.

So wie manche Lieder von Tori Amos.


Die Meistersingerhalle war gut besucht. Die Veranstaltung war am Anfang wieder interaktiv, die Schauspieler gingen ins Publikum. Auch ich wurde persönlich begrüßt :-) (Reihe 5, Platz 1).

Einige personenbezogene Dinge, die mir in besonderer Weise in Erinnerung geblieben sind:

Wunderschöne lange Haare gab es zu sehen, vor allem die von Claudia Rosta (Jeanie), hüftlange Haare :-)). Etwas, was dem Musical auch einen besonderen Reiz vermittelt, denke ich. Ich mag aber auch vollkommen glatte Haare in dieser Länge sehr gerne. Auch die Verteilerin der Programmhefte hatte sehr schöne lange Haare :-)).

Den Gesang von Erika Steinkohl (Sheila) fand ich sehr eindrucksvoll.

Tibor Pinter überzeugte mich als Berger und Mark Taborosi als Woof.

Die Lieder, die mir heute am besten gefallen haben: Aquarius, Hashish, Sodomy, I believe in love, HAIR, Walking in Space, 3500. Vor allem auch der instrumentelle Teil von Hashish, es waren Akkorde und Melodien, die mir irgendwie entsprechen. Das gilt auch für die anderen Lieder.

Einige Teile habe ich nicht verstanden, das rythmische Stampfen mit Stangen (Bambus oder Holz?). Männer und Frauen waren hier getrennt, jede Gruppe hatte ihren eigenen Teil. Die Männer stampften auf den Boden, die Frauen klatschten in die Hände und auch auf den Körper.

Die Inhalte sind zum Teil nicht so leicht zu verstehen. Der Auftritt von Berger in der Kaserne, es ist mir erst beim zweitenmal aufgegangen, dass die Situation ähnlich ist wie im Film zu HAIR, Berger und die Tribe besuchen Claude. Beim erstenmal habe ich Berger tatsächlich als Soldaten gesehen, obwohl, mit langen Haaren?

Der Übergang zu "Flesh failure" ist dann unmittelbar, man sieht den Grabstein von Berger. Ich glaube, Leute die den Film nicht gesehen haben, verstehen diese und die vorangehende Situation gar nicht so ohne weiteres.

HAIR ist in manchen Teilen sehr kompliziert, ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit diesem Stück und die letzten 5 Jahre auch recht intensiv mit den Texten. Manches kann ich gar nicht übersetzen. Manchmal wünsche ich mir eine deutsche Version, wie die in Halberstadt. Immerhin bin ich damals 3 mal dorthin gefahren, 6 1/2 Stunden reine Bahnfahrt in eine Richtung.

Na ja, mein eigenes Leben ist ja auch irgendwie eine Episode von HAIR.

Am Ende gab es einige Buhrufe, wenn auch nur vereinzelt. Der Beifall dominierte. Die meisten Menschen, die ich anschließend gesehen habe, hatten sehr fröhliche Gesichter. Bei Eventim gibt es einige Kommentare aus denen man ersehen kann, was manche Menschen stört. Nun ja, meine eigene Einschätzung verändert das nicht. Ich finde es gut, dass man bei weiblicher Nacktheit eher zurückhaltend ist, einfach auch deswegen, weil sie schon viel zu sehr ausgebeutet wird. Nackte Männer, na ja, darüber  kann ich mich eigentlich nicht aufregen. HAIR wollte zu Beginn seiner Zeit auch provozieren, gerade mit Nacktheit. Ein wenig scheint sich die Zeit wieder zurückzuentwickeln, aber das ist meine Interpretation.

Am Ende fehlte der Elan ein wenig, um noch eine Zugabe herbeizuklatschen. Das machte mich auch ein bisschen traurig, denn die Truppe hätte es verdient gehabt. Irgendwie fordert mich das auch heraus, jetzt erst recht, ich will mal sehen, ob ich noch günstige Karten für eine weitere Veranstaltung finden kann. In München bin ich wieder dabei.

HAIR wirkt auf mich emotional. Manchmal erkenne ich Zusammenhänge, die unendlich traurig sein können. Dann muss ich ein Taschentuch benutzen. Das Brennen in den Augen kann so stark werden, dass ich gar nichts mehr sehe. Auf diese Weise habe ich schon einmal fast eine Halbzeit von HAIR mit geschlossenen Augen verbracht. Aber das geschieht eher unbewusst,  und es ist nicht übergreifend, auf das ganze Stück bezogen. Manchmal sind diese emotionalen Ausbrüche für mich selbst überraschend. Aber sie passieren einfach. Das macht es für mich auch so wertvoll, es ist dann so, als wäre ich in meiner eigenen Zeit angekommen. Und genau diese Dinge passierten auch bei dieser Aufführung.

Wenn ich mir die Kommentare in Eventim so angucke: Ich denke, die Texte von HAIR habe ich lange genug analysiert und die Perfektion in der Darstellung ist mir nicht so wichtig. "Schnickschnack" interessiert mich ohnehin nicht. Es geht mir um Identifikation, letztendlich ist es für mich auch ein Teil meiner eigenen Realität. Wenn eine Vorführung dies leistet, bin ich mehr als zufrieden, und das leistet diese Performance. Ich bin ja auch einer der ganz wenigen Männer im Publikum mit langen Haaren, auch aus den Gefühlen heraus, die damals für lange Haare maßgeblich waren. (19.02.2010)

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