HAIR in Pforzheim <<Home>>

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HAIR am 04.06.04 in Pforzheim, Theater Pforzheim, Premiere.

Die Vorführung war in Deutsch und in Englisch,  einige Lieder wurden in Deutsch gesungen  (Abie Baby, My Conviction), alle anderen in Englisch. 

Das Theater war voll besetzt, ich konnte keine leeren Plätze mehr entdecken (ich saß in der 1. Reihe, Platz 24). Am Ende der Vorstellung gab es minutenlangen stürmischen Applaus, einige Zugaben und "Standing Ovations". Dieser Teil hat richtig Spass gemacht :-)

Dabei "flüchteten" die Schauspieler nach 3 Zugaben aus dem Theater, das Publikum hätte sicher noch mehr verlangt, die Musiker spielten dann noch eine weitere Zugabe.

Die Musiker befanden sich unterhalb der Bühne, allerdings gab es ein "Loch" (gegen hineinfallende Menschen gesichert) in das man vom Rand der Bühne aus hineinsehen konnte. Die Zuschauer konnte auf diese Weise auch den Musikern ihre Anerkennung ausdrücken, was sie auch gerne taten :-)

Das Publikum war ähnlich zusammengesetzt wie am Deutschen Theater in München allerdings ist das Theater etwas kleiner (es fasst vielleicht 500 Menschen - grobe Schätzung -). Es erinnerte ein bisschen an einen Vorlesungssaal, die hinteren Reihen befinden sich "weit oberhalb" der vorderen Reihen.


Meiner Meinung ist die Veranstaltung gut gelungen, Musik, Gesang und Tanz wirkten sehr professionell, und die Zuschauer vermittelten in der Pause und der anschliessenden Premierenfeier eine fröhliche Stimmung (die sie durch das Stück aufgenommen hatten).

Der Hintergrund der Bühne zeigte sich meistens in schwarz oder grau, es gab auch keine Bühnenaufbauten und keinen Baum wie in Halberstadt. Mir vermittelte dies eine etwas düstere Stimmung,  da der Hintergrund die Situation nicht aufhellte, aber dies zeigt vielleicht auch, dass HAIR eigentlich gar kein fröhliches Stück ist.

Die Andeutungen sexueller Handlungen waren sehr direkt (als Schattenspiele).

Der Alptraum des Krieges kam für mich nicht so deutlich herüber. Der Auftritt von George Washington und Abhraham Lincoln und der Indianer wirkte auf mich eher wie ein bisschen "Klamauk". Aber vielleicht habe ich den Hintergrund auch immer noch nicht verstanden, ich finde es schwierig, diesen Teil der amerikanischen Geschichte richtig zu verstehen.

Ganz anders stellte sich das Lied What a Piece of Work is Man (hat's der Mensch nicht weit gebracht) dar. Nach meinen Informationen stammt der Text von William Shakespeare. Im Hintergrund wurde ein Geflecht von Seilen heruntergelassen, in dem sich die ehemaligen Hippies nach den "Kriegsspielen" als tote Soldaten fingen. Dieser Teil war sehr eindrucksvoll.

Zum Teil liefen Videos auf dem Hintergrund ab, die aus dem Fernsehen bekannte Kriegsszenarien zeigten, und man konnte Atombombenexplosionen sehen. Wenn ich mich recht erinnere, auch bei dem Stück "where do I go" (wo gehe ich hin).

Es gab mehr Interaktion als bei den anderen Veranstaltungen, die ich gesehen habe. Die Schauspieler gingen direkt in die Reihen hinein und sprachen die Leute an, es gab auch Bezüge während des Stückes von der Bühne zum Publikum, in dem z.B. das Publikum für die Schauspieler ausgeleuchtet wurde.

Selbst die "Putzfrauen" agierten interaktiv mit dem Publikum.

Es gab einige Nacktszenen und kurz vor der Pause den Auftritt eines Polizisten, der die "Anstößigkeiten" des Stückes anmahnte und damit drohte, von allen Zuschauern die Personalien aufnehmen zu wollen.

Bei der Transformation der Hippies in Soldaten durften alle ihre Haare behalten, so konnte man Soldaten mit langen Haaren sehen.

Sehr gut gelungen fand ich das Teilstück "My Conviction" (Link s.o.), und die Versöhnung von Berger und Sheila nach "easy to be hard".
Die einzelnen HAIR Veranstaltungen, die ich im letzten halben Jahr gesehen habe, waren alle sehr unterschiedlich. 

Ob ich der Veranstaltung in Pforzheim  mit dieser Beschreibung gerecht werde, weiss ich nicht so genau. Es sind zu viele Gedanken da, die Vergleiche ziehen wollen.

Z.B. fand ich es in Halberstadt sehr gut, dass die Veranstaltung in Deutsch stattfand und auch die meisten Lieder in Deutsch gesungen wurden. Selbst nach eingehendem Studium der englischen Texte fällt es mir heute immer noch schwer, sie während der Vorstellung zu verstehen. Daraus schließe ich, dass es anderen ähnlich geht, und für Leute, die sich vorher nicht mit HAIR beschäftigt haben, wird einiges verlorengehen. 

Anderereits denke ich, dass viele Zuschauer die Texte von HAIR kennen und es wird auch eine Menge Leute geben, die die Texte lieber in English hören mögen. Manche Texte sind auch relativ leicht zu verstehen: "Frank Mills", "Where do I go", aber bei "Black Boys", "White Boys" wird es schon schwieriger, und "Electric blues" verstehe ich fast nicht.

Die Interaktion in Pforzheim ist etwas, das dem Stück ein besonderes Flair verleiht, man möchte es einfach noch einmal erleben. 

Der deutsche Text zu den Handlungen zwischen den Liedern war in Pforzheim gut zu verstehen, ein bisschen fehlte mir der dezente Humor von Halberstadt, manche Darstellungen und Textpassagen waren für mich einfach zu direkt.


In Pforzheim waren um die 30 Akteure auf der Bühne, hinzu kommen die  Mitglieder der Band.

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