Juliane Werding 05

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Sehnsucher 2006

Die neue CD begeistert mich wieder einmal. Sie ist musikalisch so geraten, wie ich es gerne höre, etwas poppig, abwechslungsreich, instrumental vielfältig und ein bisschen geheimnisvoll.

"Wer hat Angst vorm Glück" ist vielleicht weniger die Aufforderung, das Glück zu suchen oder ein Hinweis, wie man das verlorene Glück wiederfinden kann, als der Gedanke darüber, wie wir dem Glück hinterherjagen. Ungebremst, ständig die Jagd nach dem Erfolg, nach dem Besonderen, es erinnert mich sehr an die Arbeitswelt junger aufstrebender Menschen, und ein bisschen wird dabei vielleicht auch übersehen, wie wir das Glück wirklich finden könnten, in der Liebe zum Beispiel.

Ein bisschen warnt die CD auch davor, dass alles verloren gehen kann, was uns so wichtig erscheint, wenn wir die Liebe verlieren.

Auch eine verlorenen Insel wird besungen (Ballade von St. Kilda), und ein bisschen die Illusion vermittelt, dass ihre verlorenen Kinder doch niemals vergessen werden. Hier findet man ein bisschen Mystik und Geborgenheit in der Religion. Die Traurigkeit des Liedes besteht aber auch darin, dass es diese Geborgenheit vielleicht gar nicht gibt, vor allem dann, wenn es die einzige sein sollte, die wir uns vorstellen können.

Ich habe die CD öfter gehört, bevor ich zu einer Einschätzung gekommen bin, ich fand sie aber auch von Anfang an sehr interessant. Sie bietet keine sehr leichte Kost, die man problemlos verdauen kann, und ich hoffe sie wird sich auch auf lange Sicht als etwas Besonderes herausstellen.


Wie ich im vorangehenden Text bereits beschrieben habe, "Sehnsucher" warnt für mich vor der Jagd nach einem virtuellen Glück, das dem Einzelnen wenig bringt. Ich halte die Besinnung auf die Natürlichkeit des Menschen für wichtiger, und die Suche nach Liebe im Bereich des körperlichen Seins. Ob für uns dahinter noch irgendetwas anderes möglich ist, wissen wir gar nicht. Ich glaube aber, dass die Einheit von Seele, Geist und Körper möglich ist, und diese Art von Sehnsuche beschreite ich gerne. Vielleicht wissen wir die Besonderheit unserer Körperlichkeit gar nicht richtig zu würdigen, und die Trennung von Seele und Körper ist der eigentliche Verzicht auf das große Glück, das jeder einzelne Mensch aus seinem Inneren heraus empfinden könnte. Vielleicht geht das aber auch nur in der Gemeinschaft mit anderen Menschen, da wir die anderen brauchen, um nicht in uns selbst verloren zu gehen. Das ist nur so eine Idee, vielleicht sind auch andere Sichtweisen möglich, die ich gar nicht erfassen kann.

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