Juliane Werding 06

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Die Ruhe vor dem Sturm


Die neue CD hat einige Lieder, die ich nach zweimaligem Hören zu meinen Favoriten zählen würde: "Janine", "Unsichtbar", "Manchmal", "Das Haus überm Meer". Aber auch die anderen Lieder finde ich sehr ansprechend. Begeistern tut mich auch die melodische Vielfalt, insbesondere das Piano in "Schwarz", oder die Gitarren in "Advocatus Diaboli".

Was mich begeistert ist die Art, wie sie mit ihrer Stimme Melodien konstruiert. Das ist typisch Juliane Werding, und ich glaube auch nicht, dass man das kopieren kann. Davon gibt es einiges auf dieser CD, insbesondere in "Janine", "Advocatus Diaboli". Die Lieder erinnern mich auch ein bisschen an vergangene Zeiten. Vielleicht bei "Janine" an "Stimmen im Wind", obwohl Melodie und Text doch ganz anders sind. Bei anderen Liedern tauchen auch Erinnerungen auf, vielleicht Berührungen mit einer verborgenenen Architektur, die ihr Lebenswerk umfasst. Oder die beteiligten Musikschaffenden haben sich ein Denkmal gesetzt :-)

Diesen Gedanken kann ich momentan nicht genauer konkretisieren, vielleicht geht er auch zu weit. Ich glaube die CD ist so, wie ihre Fans es gerne mögen, in gewisser Weise ist sie damit auch ein Geschenk.

Die Texte sind nicht so stark esotherisch wie in Sehnsucher, finde ich. Es wird zwar auch mit dem Untergang gedroht (Advocatus Diaboli), aber dabei wird auch argumentiert. "Advocatus Diaboli" erinnert ein bisschen an den Disput über die Liebe, und dabei stellt sich mir doch gleich eine Frage. Wer ist es denn genau, der mit den Menschen experimentiert? Es muss ja nicht unbedingt Gott selbst sein, ich glaube zwischen Gott und Mensch gibt es noch sehr viele verschiedene Dinge (Erich von Dänicken wird vielleicht manchmal auch Recht haben).
Und auch wenn wir von fremden Welten und übermenschlichen Mächten nichts wissen, manche unserer eigenen Spezies versuchen ja Gott zu ersetzen. Vielleicht ist das diabolische Lachen dann gar nicht unbedingt vom Teufel selbst, so manch einer könnte sich über die Naivität der Menschen lustig machen, weil sie ja seine Macht damit niemals gefährden.

Das Lied scheint am Ende in ein absolutes Klangchaos abzurutschen, und bricht dann abrupt up. Wie Totenstille eben.

Ob Juliane mit solchen Intentionen arbeitet, eigentlich glaube ich es nicht so richtig. Es sind mehr die Schicksale von Menschen, die sie zu interessieren scheinen ("Janine"). Und darin finde ich sie auch sehr stark. Janine ist ein echter Top Hit für mich, ähnlich wie "das Würfelspiel" oder "Stimmen im Wind".

Insgesamt empfinde ich die CD als sehr emotional.

"Unsichtbar" ist für mich von der Thematik her interessant. Vielleicht sind es die Gefühle und Gedanken der Verstorbenen, die sich in der Natur manifestieren. Und wir ahnen nichts davon. Es erinnert mich ein wenig an "Alles". Natürlich kann es auch ganz anders gemeint, jemand der liebt, ist doch irgendwie ganz nahe.

Eingefügt 12.10.08: ein bisschen schade finde ich es, dass Lieder wie "Janine", "Manchmal", "Wie im Dezember" keinen Eingang in die allgemeinen Pop Charts finden, weil sie aus meiner Sicht konkurrenzfähig sind mit dem, was man dort so hört. Mir ist die "Schlagerecke" eher fremd, ich höre auch die Sender nicht, die vorwiegend Schlager spielen. Ein großer Teil von Julianes Erfolg begründet sich aber auch dort. Wie auch immer, die Klassifizierung "Deutscher Pop" in "myspace" finde ich ganz gut gelungen.


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