Home

Kabale und Liebe

von Friedrich Schiller

Aufführung am Residenztheater in München, 20.12.03

Es spielten Anna Riedl, Eva Schuckardt, Anna Schudt, Rainer Bock, Jörg Hube, Stefan Hunstein, Marc Oliver Schulze

Regie Florian Boesch, Bühne Stefan Hageneier

Inhalt der Aufführung

Eine junge Frau aus bürgerlichen Verhältnissen (Louise) liebt den Sohn des Präsidenten, einen Major (Ferdinand). Der Präsident aber hat andere Pläne, durch eine Pflichtheirat mit einer Adeligen will er seine Position stärken, und die Adelige würde durch eine Zurückweisung beträchtlichen gesellschaftlichen Schaden erleiden. Für sie wäre es eine Befreiung aus ihrem eigenen Sumpf, den sie selbst auch nicht verschuldet hat.

Die Liebenden sind in ein komplexes Geflecht von egoistischen Interessen eingebunden, aus denen es keinen Ausweg zu geben scheint. Die Liebe scheint gesellschaftlich nicht tragfähig zu sein, und sie wird durch bösartige Intrigen zerstört, in dem das Gift der Eifersucht in das Herz des Liebenden gestreut wird.

Nur durch eine vernichtenden Brief, in dem sie die Gefühle ihres Geliebten zutiefst verletzt, kann sie ihren Vater vor dem Schaffott bewahren, und sie muss einen Eid schwören, dass dieser Brief aus freien Stücken von ihr verfasst worden ist.

Am Ende der Stückes bringt der Liebende seine Geliebte mit einem Giftgemisch um. Zwar hätte sie mit Worten alles klären können, fühlt sich aber an einen erzwungenen Eid gebunden, von dem sie erst der nahende Tod erlösen wird.

Interpretation

Im Grunde läßt das Stück ihren Wunsch nach ehrlicher Liebe in einer Welt aus Boshaftigkeit und Egoismus nicht zu. Selbst der Vater denkt vor allem an sich selbst, dass die Tochter ihm alles bedeutet, und dass er durch ihren Tod alles verlieren wird (als sie mit Selbstmord droht).

Schlimm ist an der Geschichte, dass der Bund der Liebe offenbar nicht ausreicht, um Unverstandenes zu hinterfragen, warum hat sie diesen Brief geschrieben, der ihn aufs Tiefste verletzte? Und warum muss er sie töten? Als ob die Stunden der Liebe und Glückseligkeit, die sie zusammen verbracht haben, plötzlich nichts mehr bedeuten. Es ist der verletzte Stolz, der ihn dazu getrieben hat, vielleicht aber auch der gleiche Stolz, um dessen wegen sie ihn geliebt hat.
 
Ich denke, dass diese Umkehrung der Gefühle jeder kennt, der schon einmal vergeblich geliebt hat. Es ist erschreckend und doch elementar menschlich zugleich. Aber ist es nicht grausam, wenn die ehrlich Liebende sterben muss und die Welt der Boshaftigkeit aber bestehen bleibt? 

Die Verstrickung in Intrigen scheint mir demgegenüber nur nebensächlich zu sein, auch wenn sie den Bund der Liebenden nicht zulassen will, und dazu auch zu mächtig erscheint. Selbst eine Flucht ist sinnlos, da sich der Präsident an ihren zurückgebliebenen Eltern rächen kann und wird.

Vielleicht hätte die Welt funktioniert, wenn der Bürgerliche bei den Bürgerlichen und der Adelige unter den Adeligen geblieben wäre. Es war der Ehrgeiz der Mutter, die für ihre Tochter das Besondere gesucht hat, und das sie letztendlich umgebracht hat.

Schuld trifft aber auch den Major, der seinen Gefühlen nach leben wollte, wohl wissend, welche Probleme er damit heraufbeschwören kann. Es ist gefährlich den Intellekt schweigen zu lassen, wenn er doch so viel sagen könnte.

Überhaupt scheint die Liebende die Einzige zu sein, die in diesem Stück frei von Schuld ist, und dafür wird sie dann auch umgebracht.

http://www.bayerischesstaatsschauspiel.de/ (Residenztheater, Max Joseph Platz 1)