Lange Haare in der Gesellschaft

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Ich glaube, dass langhaarige Menschen heute vor allem die Schönheit ihrer Haare erleben möchten. Es ist nicht so sehr der Protest gegen das Establishment, wie in den 60er/70er Jahren, oder "das Andersein" wollen. Es hat auch nichts mit fehlgeleiteter sexueller Orientierung zu tun. Es ist einfach die Freude an den langen Haaren.

Warum sollte man diesen Menschen ihre Freude nicht gönnen? Menschen, die mit einem Teil ihrer selbst glücklich sein können, entwickeln auch ein viel positiveres Gefühl für ihre Umwelt. Schöne lange Haare sind etwas, das man nicht kaufen muss. Sie drücken Individualität aus und müssen nicht in irgendwelche modeorientierten Rahmen gezwungen werden.

Natürlich gewachsene Haare, die ein bisschen geliebt werden, schlagen die meisten Stylingprodukte. Es ist wohl auch so, dass ständig auf Hochglanz polierte Haare darunter leiden, und wenn sie das nicht mehr mitmachen wollen? Die Kurzhaarfrisur wartet dann schon. Für Kurzhaarfrisuren kann man andere Stylingprodukte verwenden als für lange Haare, da eventuelle Haarschäden nach relativ kurzer Zeit abgeschnitten werden und gesundes Haar nachwächst.

Es  müsste nicht so sein. Die Pflege langer Haare erfordert eine gewisse Kompetenz, die man auch gerne bei Frisören finden würde. Es ist aber so, dass die meisten Menschen einen Kurzhaarschnit fordern und sich an das regelmäßige Haareschneiden gewöhnt haben.

Bei langen Haaren muss man berücksichtigen, dass die Haare über Jahre Kämme, Shampoos und andere Dinge ertragen müssen und dass sich der Haarstrang biologisch nicht regeneriert. Gespaltene und anderweitig beschädigte Haare lassen sich nicht mehr reparieren. Allersdings schaffen es einige Stylingprodukte, das Sichtbarwerden der Schäden etwas zu unterdrücken.

Heute ist es so, dass Langhaarigkeit in vielen gesellschaftlichen Bereichen akzeptiert wird, in manchen allerdings auch nicht. Meistens gibt es aber auch nur vereinzelt Männer und Frauen mit sehr langen Haaren. Ich arbeite in einem mittelständischen Betrieb und meine, für männliche Verhältnisse extrem langen Haare, haben mir bisher keine Probleme bereitet. Es gibt Frauen mit langen und sehr langen Haaren, auch im Managementbereich. Es kommt dann doch eher auf die Inhalte der Arbeit an, solange die Haare einen gepflegten Eindruck vermitteln. Selbst mit offenen Haaren hatte ich bisher keine Probleme.

Einige Presse-Referenzen

Sonntag, 19. Oktober 2003 DIE WELT

Keinen Zopf für Polizist
Koblenz

Ein uniformierter Polizeibeamter darf seine Haare nicht in Form eines schulterlangen Pferdeschwanzes tragen. Jeder Polizeibeamte sei verpflichtet, das Ansehen der Polizei zu wahren, entschied das Oberverwaltungsgericht Koblenz in einem veröffentlichten Beschluss. Ein 26-jähriger Polizist aus der Pfalz war vor Gericht gezogen, weil seine Vorgesetzten ihm den Zopf verbieten wollten. Das Gericht begründete sein Urteil damit, dass lange Haare bei Männern in weiten Teilen der Bevölkerung auf Ablehnung stießen. AP


Ref: Stephan Lebert:
Ein total verrocktes Weib
Cosmopolitan 1/94

"... Dazu ihre langen blonden Haare, ihre Mähne, wie sie sagt. Früher erzählt sie, hat sie immer furchtbar aufpassen müssen auf ihre Haare. Draußen in den Straßen war sie immer nur mit Kopftuch unterwegs, "in der DDR waren lange Haare nicht erwünscht. Wenn ein Polizist wollte, hat er dich auf die Wache geschleppt und alles abrasiert..." "

Tamara Danz starb 1997 an Krebs


Eigene Erfahrungen mit Langhaarigkeit und Gesellschaft vermittelt die folgende Seite.

In manchen Arbeitsbereichen gibt es Zwänge zur Kurzhaarigkeit, ohne dass dies durch arbeitsbedingte Notwendigkeiten gefordert wäre. Es sei denn, die  "Meinung der Kunden" impliziert eine solche Notwendigkeit. Im Informatikbereich existiert relativ viel Gestaltungsfreiheit, dort arbeiten auch Männer mit langen Haaren. Langhaarigkeit bei Männern drückt sich meistens durch einen Pferdeschwanz aus.

Im Bereich der Universität gibt es kaum Probleme mit langen Haaren, es sei denn, man arbeitet in einem An-Bei-Institut, das durch Industrieunternehmen gefördert wird, und bei Vorgesetzten herrscht die Meinung vor, lange Haare der Mitarbeiter könnten den Projekten schaden. Manchmal ist solchen Instituten eine gar nicht so lange Lebenszeit vergönnt.

Bei Polizisten wird auf ein einheitliches Erscheinungsbild geachtet. Individualität, die sich z.B. durch die Haartracht ausdrücken könnte, ist nicht erwünscht. Man darf sich dennoch fragen, ob es wirklich die Bevölkerung ist, die Polizisten mit langen Haaren ablehnt, oder ob es nicht eher den individuellen Vorstellungen des Dienstvorgesetzten entspricht. Ich frage mich auch, wie groß ist der Anteil der Bevölkerung, der Kontakt zur Polizei hat. Wer Ärger mit der Polizei bekommt, dem ist es vielleicht egal, ob der Polizist nun kurze oder lange Haare hat, und dass langhaarige Polizisten Straftaten herausfordern, oder die Arbeit der Polizei erschweren, ist nicht bewiesen.

Schade wäre es, wenn weibliche Beamte aus Konformitätsgründen auch kurze Haare tragen müßten.

Ich sehe nicht, dass Zwangsmaßnahmen zum Haare-abschneiden in irgendeiner Weise sinnvoll sind. Die meisten Männer bevorzugen ohnehin freiwillig kurze Haare. Das führt nun zu der Argumentation, dass Männer, die lange Haare tragen wollen extreme Individualisten sind. Genau so extrem ist aber auch jemand, der sich z.B nicht für Fußball interessiert oder den das alltägliche Unterhaltungsfernsehen nur anödet.

Meiner Meinung nach wäre es wichtiger, die Persönlichkeitentwicklung zu fördern, und dazu gehören auch Zeichen von Individualität, die niemandem schaden. Heute sieht es aber eher so aus, als wenn die Errungenschaften vergangener Zeiten sehr schnell wieder verloren gehen können. Das führt dann vielleicht mal irgendwann zu einem zweiten Zeitalter der Beatles (vorher kommt vielleicht noch etwas anderes), aber was lernen wir dann eigentlich aus der Geschichte? Oder die allgemeine Glatzenbildung führt auf natürliche Weise zur Vereinheitlichung. Ob das dann die bessere Menschheit ergibt?

Bei Banken, Versicherungen und oft auch im Dientstleistungsgewerbe hängt es von der individuellen Einstellung des Arbeitgebers ab, wie sich die Leute präsentieren dürfen, und in Zeiten zunehmender Arbeitslosigkeit sieht es eher so aus, dass man sich diesen Vorstellungen unterwerfen muß.


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