The Wall

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The Wall ist eine "Rockoper" nach dem gleichnamigen Album von Pink Floyd.

Ich beziehe mich bei meinem Artikel auf eine Veranstaltung im Zirkus Krone, München, 15. - 23. April 2004,
aufgeführt von GREAT GIG IN THE SKY e.V. (die ich dreimal besucht habe).

Es werden nicht alle Einzelheiten wiedergeben, ich versuche nur meinen Eindruck zu schildern und was mir insgesamt erhalten geblieben ist.
 
Music & Lyrics: Roger Waters
Conception & Story: Markus Beck
Musical Director: Ulrich Graner
Directors: Katja Willebrand and Markus Beck
Darsteller
Pink:Stefan Erz
Floyd: Hans von Chelius
Joker: Fred Röttcher
Mother: Kerstin Frank
Vera: Marina Trost
Father: Alex Dechert
Groupie: Susanne Hörmann
Groupie: Kerstin Dietrich
Groupie: Stefanie Dietrich


Background Choir
Gina Merkl
Alisa Palmer
Nadine Rohde
Band
Keyboards: Michael Armann
Guitars: Ulrich Graner
Drums: Andy Lind
Guitar, Keyboards: Christian Schwarzbach
Bass, Upright Bass: Uwe Schwidewski
Violin, Viola, Keyboards, Guitar: Tobias Weber

Inhalt der Aufführung

Von der Veranstaltung habe ich insgesamt einen sehr positiven Eindruck. Die Musik kam klar und deutlich rüber, "man hörte Pink Floyd". Es wurde die Musik aus dem Album einschliesslich der dort verwendeten Lyrik gespielt. "The Wall" ist nicht nur ein Konzert, es wird die Geschichte des Musikers Pink gespielt.

Die Texte der Lieder wurden in Englisch gesungen, auch die Dialoge fanden in Englisch statt. Die Musik lieferte "Hintergrundemotionen", eine Gefühlslage, in der die Handlung ablief. So war die Musik ständig allgegenwärtig.

Oberhalb der Bühne befand sich eine zweite Handlungsebene, ein Zimmer mit Fenster, Tür und einem Bett, in dem Teile der Geschichte des Musikers Pink dargestellt wurden. Die schauspielerischen Leistungen haben mich sehr beeindruckt, man konnte die Handlung verfolgen, ohne dass alle Details der Sprache gegenwärtig sein mussten.

Aber ich denke, man muss die Musik mögen, um voll auf seine Kosten zu kommen.

Pink baute eine Mauer um sich herum auf ("The Wall"), die ihn vom Rest der Welt abschotten und auch schützen soll. Für den Bau der Mauer steht beispielhaft der Song "Another Brick in the Wall" (frei übersetzt: ein anderer Ziegelstein in der Mauer).

"... All in all it was just a brick in the wall..."
(alles in allem es war nur ein Ziegelstein in der Mauer)

Er wird dreimal mit unterschiedlichen Inhalten gesungen.

Der erste "Brick in the Wall"  behandelt den Tod des Vaters von Pink, der einen Heldentod sterben mußte. Für den Jungen blieb nichts übrig als ein paar Erinnerungen im Familienalbum.

"... Daddy's flown across the ocean, leaving just a memory. A snapshot in the family album..."
(frei übersetzt: Vater flog über den Ozean, er läßt nur Erinnerungen zurück. Ein Bild im Familenalbum)

Hier findet der "Joker" seinen ersten Ansatzpunkt, den Jungen für seine Ziele einzuspannen, ihn zu einem Popstar aufzubauen. Er übergibt ihm den Mantel seines verstorbenen Vaters, und er singt  ihm das Lied über die Grausamkeit der Schule vor:
"... there were certain  teachers who would hurt the children in any way they could ... "
(es gab gewisse Lehrer die Kinder überall dort verletzten, wo sie nur konnten)

Das Lied wird dann von Pink perfekt nachgesungen und führt zum zweiten "Brick in the Wall":
"... we don't need no education, we don't need no thought control..."
(wir brauchen keine Erziehung, wir brauchen keine Gedankenkontrolle)
"no dark sarcasm in the classromm"
(keinen dunklen Sarkasmus im Klassenzimmer)

Anschliessend kommt Vera ins Spiel und es gibt einige Szenen voller Zärtlichkeit, allerdings verliert sich Pink bereits hier in Zweifeln über die Welt. Aber die beiden trennen sich noch voller Harmonie.

Der Joker bietet Pink einen Vetrag an, und während der Unterzeichnung jagd er ihm bereits die Nadel in den Arm.

Pink wird zum Popstar und tritt in dieser Rolle auch vor seinem Publikum auf. Seine Frage "I need a dirty woman" wird prompt beantwortet, drei Groupies stürmen auf die Bühne. Mit denen zieht er sich in sein Zimmer zurück.

Vera kommt zurück und findet die drei Mädchen im Bett liegend, mehr tot als lebendig, und Pink ist nicht ansprechbar. Sie brachte ihm Blumen mit. Erst nach geraumer Zeit wird er wieder lebendig, gerät aber in einen Zustand voller Selbstzweifel:
"... day after day love turn grey, like the skin on a dying man..."
(tag für tag wird die Liebe grau, wie die Haut eines sterbenden Mannes)
 Pink wird immer aggressiver, sperrt die Tür ab und verbreitet Angst.
Schliesslich bricht er vor der Tür zusammen, Vera "klaut" den Schlüssel und läuft davon.

Dies führt zum dritten und letzten Stein im Wall: Pink will keine Umarmungen mehr zulassen.
"... I don't need no arms around me..."
(Ich brauche keine Umarmungen mehr)

Der Manager (Joker) kommt zurück und pumpt ihn wieder mit Drogen voll.

Aber Pink kann sich nicht mehr fangen. Er wird immer labiler und bricht schliesslich auf der Bühne zusammen.

Der Manager versucht ihn wieder mit Drogen aufzurichten (indem er immer stärkere - grössere - Ampullen verwendet), das führt dann aber zur Spaltung des Ichs von Pink, Floyd tritt auf, und er will die Rolle von Pink einnehmen.

Floyd und Pink bekämpfen sich, aber keiner kann gewinnen. Floyd kann sich auf der Bühne nicht durchsetzen, er beschimpft sein Publikum und bricht zusammen. Pinkt erschiesst Floyd, als er eines der Groupies mit der Pistole bedroht. Aber Pink kann Floyd nicht töten, ohne selbst zusammenzubrechen.

Die Handlung beginnt von neuem mit Floyd anstatt Pink (der Vater stirbt erneut, und Floyd nimmt die Rolle von Pink ein). Der Manager führt ihm Vera zu, aber die Zärtlichkeit weicht Obszönität und Floyd  kann Vera nicht gewinnen.

Floyd und Pink bedrohen sich gegenseitig mit Pistolen, Floyd bricht letztendlich aber zusammen.

Die Handlung geht über in das Finale, eine Gerichtsverhandlung, in der Floyd und Vera als Ankläger auftreten. Das Urteil wird von Pink's Vater gesprochen, er spricht ihn schuldig, und das Urteil lautet "tear down the wall" (der Wall wird eingerissen). Pink überlebt diese Entscheidung nicht.


The Wall von Pink Floyd

Nun habe ich einen DVD Player erstanden und mir die Wall DVD vom Berliner Konzert besorgt, original mit Roger Waters.
Es war doch alles ganz anders.
Eine riesige Mauer, die zu Beginn des Konzertes noch unvollendet einen Blick auf die Musiker ermöglichte, und die während des Konzertes immer weiter vervollständigt wurde, bis die Musiker völlig hinter der Mauer verschwanden.

Auf der Mauer wurden riesige Zeichentrickfilmaufnahmen gespielt, und ein überdimensionales Monstrum mit einem fürchterlichen Rachen schaute über die Mauer, es erinnerte an ein Schwein.

Es gab einen Massenaufmarsch uniformierter Fahnenträger, das Fahnensymbol bestand aus 2 sich kreuzenden Hammern. Pink selbst erschien in Uniform und erinnerte ein wenig an einen ordensgeschmückten Despoten, der den Marsch abnahm.

Eindrucksvoll war das Lied "bring the boys back home". Während des Liedes wurden die Namen von hunderten wenn nicht tausenden von Menschen auf die Mauer projiziert.

Gegen Ende des Konzertes wurde die Mauer eingerissen, dies entspricht dem Gerichtsverfahren der vorangehenden Schilderung.
Ein riesiges Gebilde, bestimmt mehrer dutzend Meter hoch und einige hundert Meter breit. Es sollte wohl auch ein bisschen den Abriß der Berliner Mauer symbolisieren.