Tori Amos << Home >>

nächste Seite =>

Beekeeper Konzert in München 24.06.05
American Doll Posse Konzert 07.06.07 in München
American Doll Posse Konzert in Stuttgart, 10.06.07 
 American Doll Posse Konzert in Nürnberg, 11.06.07 
Abnormally attracted to sin Konzert in München 14.09.09
 
 
 

CD American Doll Posse
Juni 2007
CD Abnormally attracted to sin (2009) CD Midwinter Graces
Das Buch Seelentanz

Discographie

Die Musik von Tori Amos ist für mich nicht immer leicht zu verstehen, vor allem wenn ich mich um ein Verständnis der Texte bemühe. Bei vielen Liedern muss ich schon mehr als nur einmal hinhören. 

Aber ihr Klavierspiel und ihr Gesang setzt sich bei mir durch und es ist immer wieder interessant ihr zuzuhören. Zum Teil vermittelt das Hören ihrer CDs mir ein Gefühl von Zufriedenheit, das ich bei anderen Künstlern so gar nicht kenne. 

Allerdings ohne gleichzeitiges Lesen der Texte würde ich von ihren Inhalten  nicht sehr viel verstehen. Das ist zum Teil sicher auch auf mein Englisch zurückzuführen, mit Sprachverständnis tue ich mich schwer (zum Teil schwerer als mit mathematisch naturwissenschaftlichen Inhalten).

Einige ihrer Lieder gehören klar zu meinen Musikfavoriten, selbst ohne die Texte, und mit den Texten zusammen erhalten sie so etwas wie eine Seele (wenn der Geist die Musik darstellt und der Körper die Instrumente).


Ob ich Toris Absichten und Botschaften richtig interpretiere, kann ich momentan oft selbst nicht beurteilen. Zumindest regen mich ihre Texte zum Nachdenken an. Sie warnt auch davor, ihre Texte fixieren zu wollen, dann würden die Lieder einen verprügeln.

Aber wie auch immer, ich meine, man muß ihre Texte oder Inhalte auch übersetzen können, mit der Bibel hat man es ja auch versucht. Ob meine Bemühungen dabei sehr erfolgreich sind, weiß ich nicht. Aber es ist ein Anfang (zumindest für mich).

Manche ihrer Texte wirken wie Träume auf mich, in denen verschiedene Teile scheinbar zusammenhanglos zusammenwirken. Aber jeder Traum hat auch seine eigene Logik und erscheint in sich schlüssig. Vielleicht sind es bei Tori eher Träume des Lebens, in denen verschiedene Handlungsebenen oder Wahrnehmungen gleichzeitg auftauchen. Die Logik darin kann subjektiv sein, und ist ohne Hintergrundinformation möglicherweise gar nicht zu verstehen. Und die Sprache selbst? Ich verstehe ja noch nicht einmal die Feinheiten der deutschen Sprache, wie sie von ihren Literaten verwendet wird. Hinsichtlich einer fremden Sprache erscheint das fast unmöglich. Aber dennoch, vieles im täglichen Leben ist unscharf und unklar, vor allem aber auch inkonsistent und verwirrend, und dennoch müssen wir damit zurechtkommen. Vielleicht erschließen sich Toris Texte ja doch irgendwann einmal. Und die für mich eher zugänglichen Teile ihrer Lyrik vermitteln mir ja schon einiges.

Darüber hinaus ist es nicht klar, ob alle Dinge, die im Leben passieren, irgendwie miteinander zusammenhängen. So kann der eine fröhlich und glücklich die Schönheiten des Universums erleben und preisen , während direkt neben ihm jemand in Schmutz und Unrat ertrinkt. Auch wenn er es nicht bemerkt, es geschieht. Lyrik kann solche Dinge gegenüberstellen.

Die nachfolgenden Abschnitte geben nur einen Teil der jeweiligen Texte wieder. Ob sie aus dem Zusammenhang gerissen wurden oder ob sie Toris Botschaft wiedergeben, muss man durch das Studium der Originaltexte selbst entscheiden. Zu ihren CDs werden in der Regel Texte mitgeliefert, mit Ausnahme von "Strange Little Girls". Bei dieser CD handelt es sich um Coverversionen anderer Interpreten (Lou Reed, Eminem, Beatles u.a.)


Die Auswahl der nachfolgenden Lieder ist subjektiv, es sind gerade jene, die mir sehr gut gefallen, und natürlich auch jene, zu denen ich überhaupt eine Zusammenfassung schreiben kann.
In dieser Reihenfolge:

Original sinsuality, A sorta fairytale, Marys of the sea, Silent all these years, Crucify, Witness, Playboy mommy, Bells for her, Carbon


"original sinsuality" (CD the beekeeper) behandelt einen originalen Sündenfall, erwähnt wird in dem Lied der Baum der Erkenntnis. Tori grenzt bewußt "original sinsuality" von "original sin" ab, letztere referenziert wahrscheinlich die "Erbsünde" der katholischen Christenheit. In dem Interview zur CD spricht sie von einer weiblichen Schöpfungsgestalt ("mother creator"). Sie erwähnt "Yaldaboath", der sich im Dunkeln nicht alleine fühlen muss ("you are not alone in your darkness"). Dass er sich im Dunkeln befindet (Entzug von Licht durch Sophia ?) ist wohl auf sein anmaßendes Verhalten zurückzuführen, z.B. der Anspruch, dass es vor ihm nichts gegeben hat.

Hier gibt es alttestamentarische Bezüge zu Sophia, Samael, Saklas, wobei Samael und Saklas andere Namen für Yaldaboath sind. Yaldaboath wird in manchen Internetdiskussionen als Gott des alten Testamentes bezeichnet, der z.B. die Entropie des Universums bestimmt hat. Er ist der Schöpfer der physikalischen Aspekte unserer Existenz.

Das Gottesbild, dass hierbei diskutiert wird, ist eher negativ. Yaldaboath wird als eifersüchtig bezeichnet, und als eine inhaltsleere Gestalt ("child of the void"), da er aus dem Nichts heraus entstanden ist. Er schuf die Materie, während Sophia die Seele des Universums repräsentiert. Sophia würde darauf bestehen, vom Baum der Erkenntnis zu essen.

Yaldaboath wird als "demiurge" bezeichnet, (demi = halb, urge = drängen auf, Drang, Verlangen). In verschiedenen Religionen wird seine Existenz unterschiedlich bewertet, von freundlich und gütig bis zur Verkörperung des Teufels.


Christ und Sophia werden als Paare von Wesenheiten bezeichnet, die sich aus dem ursprünglichen namenlosen Gott
(the "One") ableiten lassen. Auf Grund von Verwirrungen, die Sophia mit ihrer eigenen Existenz hat, kommt es zur Entstehung von Yaldaboath. Er schafft das physikalische Universum, wobei er Sophia ignoriert. Es gelingt ihr aber, spirituelle Funken dort hineinzubringen. Christ bringt Sophia das Licht zurück, das sie verloren hat, und das Wissen über den Geist. Christ kommt als Jesus auf die Welt, um die Menschen zur Spiritualität zurückzubringen.

Soweit, was bei mir hängengeblieben ist. Wahrscheinlich muss ich das Ganze noch viel genauer betrachten. Licht und Materie sind für den Naturwissenschaftler nicht grundverschieden, nach Einstein sind beide Zustandsformen von Energie. Ob diese Erkenntnis bei den alttestamentarischen Beschreibungen bereits berücksichtigt worden ist, wage ich zu bezweifeln. Somit müssen Begriffe wie Seele, Licht und Materie auch zeitabhängig betrachtet werden.

Interessant finde ich, dass Materie scheinbar aus dem Nichts entsteht, wenn man in Teilchenbeschleunigern Partikel mit hoher Geschwindigkeit aufeinander prallen läßt.

Licht hat eine Besonderheit gegenüber der "festen Materie", es hat keine Eigenzeit und kein Eigenvolumen.

"Eigenzeit" kann man z.B. mit einer Armbanduhr messen, die wir mit uns herumtragen. Das "Eigenvolumen", das wir haben, ist das Volumen unseres Körpers.

Ein Elementarteilchen ohne diese Eigenschaften könnte (in der Fantasie) ohne jeden Zeitverlust an jeden beliebigen Punkt des Universums gelangen, also im Prinzip überall zugleich existieren. Allerdings ist diese Interpretation eher fantasievoll, über die "wahre" Natur von Lichtteilchen können wir wenig aussagen. Eine andere Charakterisierung, die man in der physikalischen Literatur findet, sieht so aus: Lichtteilchen haben eine unendlich große Eigenbeschleunigung. "Eigenbeschleunigung" erfahren wir z.B. beim Beschleunigen eines Autos, sie drückt uns in den Sitz zurück.


"a sorta fairytale" (CD Scarlets walk) ist ein Lied über eine Beziehung, die wie ein Märchen wahrgenommen wird. Ein schönes Märchen zwar, aber am Ende bleibt sie doch alleine zurück. Ob er sie nun einfach stehen gelassen hat, oder ob die Beziehung eingeschlafen ist, so genau kann ich das nicht interpretieren. Sie kann die Zeit nicht zurückholen.

Andere Aspekte des Liedes behandeln die Beziehung zu dem Land, das sie beide durchqueren. Sie haben zwar ein wenig indianisches Blut in sich, sind aber dennoch Betrüger.


"Marys of the sea" (CD the beekeeper) behandelt die Flucht von Maria (Maria Magdalena ?) aus Jerusalem. Sie muss den Häschern entkommen, und sie möchte nicht weggestoßen werden, von denen die im Lichte stehen (und die auserkoren wurden, das Evangelium zu verkünden ?). Es spiegelt vermutlich eine Sicht von Jesus und der damaligen Ereignisse wieder, die von der Kirche nicht publiziert wurde. Wahrscheinlich bezieht sich Tori dabei auf das 5. Evangelium von Thomas, das von der Kirche verboten wurde. Die Worte (von Jesus ?), die in dem Lied zitiert werden, sind: "relax love", "the red of the red rose is it's own and something no man can divide" (das Rot der Rose gehört ihr allein und kein Mensch kann es entzweien)
Sie erinnert sich in dem Lied, dass er das Licht für alle Menschen darstellt. "Last time I checked he came to light the lamp for everyone" (das letzte Mal habe ich begriffen, dass er das Licht für alle Menschen brachte)

Maria rettet in dem Lied ihren Sohn, den sie (vermutlich) zusammen mit Jesus gezeugt hat.
 
Dieser Aspekt wird gelegentlich von gläubigen Christen als Sakrileg bezeichnet. Ob die angegebene Interpretation der Flucht aus Jerusalem wirklich dem entspricht, was Tori aussagen will, vermag ich nicht zu entscheiden.  Aber besteht nicht auch eine gewisse Freiheit in der Wahrnehmung künstlerischer Inhalte?  Und dieses "Sakrileg" wird von manchen Analytikern als Fakt betrachtet. 

Ich selbst bin weit davon entfernt, die katholische Seinslehre als unumstößliches Faktenwissen zu begreifen. Gott, so wie er dort dargestellt wird, erscheint mir eher eine von Menschen geschaffene Vorstellung zu sein. Wie können sich Menschen auch anmaßen, Aussagen über den "allmächtigen Gott" machen zu können, und was noch fragwürdiger ist, Gott im Sinne ihrer Wunschvorstellungen beeinflussen zu wollen. 

Wie auch immer, jedes subjektive Empfinden etwas begriffen zu haben, kann auch von Irrtümern geleitet sein, davon will ich mich nicht ausnehmen. Was ich spüre ist eine Kraft des Lebens in mir. Sie scheint den Körper in sich zu tragen, und der Körper trägt sie in sich, zumindest nehme ich sie so wahr. Das Ich kann sich dort hineinfallen lassen und wird dann davon getragen, es ist eine psychisch physische Wahrnehmung von Glück. Unter diesen Voraussetzungen kann ich mir eine Seele unabhängig vom Körper gar nicht vorstellen, welche Möglichkeiten hätte sie sich selbst wahrzunehmen? Somit versuche ich lieber in diesem Leben etwas zu begreifen, von der Schönheit der Körperlichkeit und seiner Existenz. Yaldaboath als Schöpfer des physikalischen Universums kann damit durchaus eine attraktive Vorstellung sein, obwohl, mehr als eine Vorstellung sehe ich auch darin nicht. Ich glaube, und diesmal tue ich es wirklich, wir müssen uns eine Umgebung selbst entwickeln, in der wir leben wollen, und die etwas geistig Gehaltvolles darstellen soll. Wenn wir das wollen. Wenn uns aber das Universum um uns herum egal ist, warum sollte es dann an uns interessiert sein?


nächste Seite =>