nach unten
Home Mobil   Home PC

Hypatia Teil B 2 - Überlegungen zur antiken Wissenschaft


Die nachfolgenden Ausführungen sind zunächst einmal spekulativ, sie regen mich nur dazu an, diesen Gedanken weiter zu verfolgen.

Hypatia hat sich mit Astronomie beschäftigt. Daher nehme ich an, sie hatte Informationen über die Bewegungen der Sterne.

Sie soll sich mit Kegelschnitten beschäftigt haben. Hierzu gehören auch Ellipsen.

Vorstellungen über die Bewegung der Erde um die Sonne gab es schon vor ihr, soweit ich mich erinnern kann. Da sie das historische Wissen der Antike aufbereitet haben soll, ist anzunehmen, dass sie davon Kenntnis hatte.

Einerseits gibt es ein Zeitwissen, das zum Teil historisch belegt ist, andererseits sind aber viele Teile der antiken Forschungstätigkeit verloren gegangen.

Man müsste untersuchen, ob es mit dem historisch belegten vorhandenen Wissen möglich war, zu einer Modellvorstellung des Sonnensystems zu kommen, in dem sich die Erde auf einer elliptischen Bahn um die Sonne bewegt.

Sollte das möglich gewesen sein, so könnte sie es auch gewusst haben, denn sie war ja die überragende Wissenschaftlerin ihrer Zeit.

Wie weit solche Analysen gemacht worden sind, weiß ich allerdings nicht.

Nun ja, dies sind Gedanken, die mir gekommen sind. Daher verwerfe ich die Aussagen von Agora auch nicht so ohne weiteres. Ich akzeptiere sie auch nicht ohne Vorbehalt. Aus meinem jetzigen Kenntnisstand heraus sind es unscharfe Dinge. Aber eigentlich sollte ich den Film auch einmal gesehen haben und mich nicht nur auf Beschreibungen verlassen. Ich habe ihn ja, ich traue mich nur nicht.

EDIT 27.10.2010: Ich habe ihn gesehen. Link: Review.

Der folgende Link beinhaltet eine Herleitung, dass die Planetenbahnen Kegelschnitte sein müssen: Link: Newtonsche Mechanik und Keplersche Gesetze.
Dabei werden einige Dinge verwendet, die in der Antike nicht bekannt gewesen sein dürften.
(1) das Newtonsche Kraftgesetz
(2) Differentialgleichungen, Differentiation und Integration
(3) Vektorrechung, Darstellung von Vektoren, Rechnen mit Vektoren

Ob man das Endergebnis empirisch aus Beobachtungen herleiten kann? Dazu braucht man dann aber auch Wissen über die Planeten, den Abstand der Planeten von der Sonne, ihren Abstand zur Erde. Im Prinzip reicht es dabei, den Abstand der Sonne von der Erde und den Abstand der Planeten von der Erde zu kennen.

Ob diese Informationen in den verschwundenen Aufzeichnungen der Antike vorhanden gewesen sein könnten? Ohne technische Geräte wie Fernrohre ist das eher unwahrscheinlich.

Man bestimmt die Entfernung von Fixsternen in der Nähe der Sonne über Triangulation (wenn ich mich richtig erinnere). Im Prinzip wäre das bei den Planeten auch möglich gewesen. Die antiken Wissenschaftler hätten aber sehr genau messen müssen. Ob dafür die Voraussetzungen vorhanden waren? Momentan sehe ich keine Evidenz, dass sie über die Bewegungen im Sonnensystem Bescheid wussten. Planeten als solche konnten sie aber identifizieren, denn sie bewegen sich gegenüber dem Fixsternhimmel.

Vielleicht gab es Aufzeichnungen, die die Entfernung der Erde von der Sonne beschrieben haben. Über das Jahr verteilt. Mit diesen Informationen und Kenntnis über Ellipsenbahnen? Dann geht es doch darum, das Modell mit den empirischen Daten in Übereinstimmung zu bringen. Wobei das Modell dann besagen könnte, die Erde bewegt sich auf einer Ellipsenbahn um die Sonne. Unter der Annahme, dass solche Aufzeichnungen existiert haben, halte ich es für möglich, dass sie es gewusst hat. Aber gab es diese Aufzeichnungen? Wie misst man als antiker Wissenschaftler die Entfernung der Erde von der Sonne? Durch Triangulation? Ich glaube für so große Entfernungen fehlte ihnen die Vorstellung.

Heutiger Wert der Entfernung der Sonne von der Erde: 150 Millionen Kilometer.
Die Entfernung schwankt dabei zwischen 147 und 152 Millionen Kilometern

Bereits Aristarchos von Samos postulierte im 2. Jahrhundert v. Chr., dass die Sonne das Zentrum der Welt darstelle (Wikipedia, Artikel Sonne, Okt. 2010).

Das zumindest sollte Hypatia gewusst haben.

Die folgende Webseite macht Aussagen über die Messungen antiker Wissenschaftler: http://www.venus-transit.de/distance/index.html

Aussagen dieser Webseite:

Aristarch von Samos (um 320 - 250 v. Chr.) hatte die Entfernung zwischen Erde und Sonne zu 19 Mondabständen bestimmt. 19 * 365000 = 6,9 Millionen Kilometer.
Hipparchus (190 - 120 v. Chr.) und Ptolemäus (85 - 165) leiteten aus Beobachtungen von Mondfinsternissen einen Sonnenabstand von 1210 Erdradien her.

1210 * 6371 = 7,7 Millionen Kilometer.

Mittlerer gerundeter Erdradius: R0 = 6.371 m (Wikipedia, Artikel Erdradius, Oktober 2010).

Also Vorstellungen von großen Entfernungen hatten sie schon, die antiken Wissenschaftler. Damit ist mein oben angegebener Glaube widerlegt.
Zitat aus der Webseite: dieser Wert hatte viele Jahrhunderte mit nur kleinen Änderungen Bestand.

Ob darüberhinaus Aufzeichnungen existiert haben, die genauere Werte beinhalteten? Das ist leider spekulativ. Aus den vorhandenen Werten lässt sich eine Ellipsenbahn der Erde um die Sonne nicht berechnen.

Folgendes Buch beschäftigt sich mit der antiken Astronomie
Kurt von Fritz - Grundprobleme der Geschichte der antiken Wissenschaft - de Gruyter, 1971

Dort gibt es eine Beschreibung des heliozentrischen Weltbildes und Begründungen, warum es abgelehnt wurde.
Es waren u.a. Abweichungen gegenüber den Beobachtungen. Die Annahme, die Sonne sei im Zentrum und die Annahme exakter Kreisbahnen für Himmelserscheinungen, traf das Modell nicht.
Da kommt dann doch die Ellipse ins Spiel.
Referenziert werden in dem Buch u.a. Hieron von Syrakus, Aristarch (die Erde bewege sich auf einer Kreisbahn um die Sonne). Es existierte sogar schon eine Vorstellung über die Größe des Kosmos. Zitat: die Fixsternspäre sei so weit entfernt, dass im Vergleich dazu die Kreisbahn der Erde um die Sonne wie ein Punkt erscheint.

Was unsere Hypatia betrifft, da gehen doch einige Dinge ein, die ihren Stellenwert in der Wissenschaft anders beleuchten könnten.

Kepler beschäftigte sich später mit elliptischen Bahnen und ihm lagen wesentlich genauere Beobachtungsergebnisse vor.


nach oben