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Beginn der Arianne Erzählungen

Akadia will ihre superlangen Haare der Arianne opfern, aber ihre Göttin widerspricht.


Akadia

Die Mönche saßen in einem Kreis und beteten. Akadia wurde bereits erwartet. Ihre knöchellangen Haare sollten geschoren werden, eine Opfergabe, um Arianne zu dienen. Arianne, die Göttin des Krieges und der Leidenschaft.

Akadia trat in den Kreis und kniete sich nieder, faltete die Hände. Ein Mönch fasste ihre langen Haare mit beiden Händen, legte sie sich zurecht und griff nach einem Messer.

Plötzlich fiel ein Licht auf die Szene, sehr intensiv, es blendete die Augen. Der Mönch vergaß seine Absicht und legte die Hände aufs Gesicht.

Es wurde fast dunkel, aber irgendwo war noch ein Licht. Die Mönche nahmen ihre Hände von den Augen und schauten in die Richtung, aus der das Licht kam.
Seltsam, in dieser Richtung gab es nichts, was Tageslicht hätte Einlaß geben können.

Ein Schatten war zu sehen, umrahmt von einem Kranz aus Licht. Er kam langsam näher.

Der Schatten wurde zu einer Gestalt, die Konturen immer deutlicher.

Eine Frau. Lange wallende Haare umrahmten ihren Körper und reichten bis zum Boden.

Das Gesicht wurde erkennbar.

Arianne.

So wie das Gesicht der großen Skulptur in der Mitte des Tempels.

Die Mönche erfasste ein tiefes spirituelles Gefühl. Sie neigten ihre Köpfe Richtung Boden und beteten intensiv, verloren sich in diesem Gefühl.

Arianne kam näher, ergriff die Hand von Akadia.

Akadia blickte sie an, erst verwirrt, dann mit ungläubigem Staunen. Ein tiefes Gefühl religiöser Zuwendung erfasste sie.

Nein, sie war es nicht wert, niemand war es wert ...

Sei nicht so bescheiden, flüsterte Arianne. Ich bin deinetwegen hier. Du bedeutest mir sehr viel.

Akadia: Aber ich bin nur ein kleiner Mensch ...

Arianne: Menschsein kann sehr viel bedeuten, ihr wisst es nur manchmal nicht. Erhebe dich bitte, lass dich ansehen. Hab keine Angst.

Akadia blickte Arianne scheu in die Augen und konnte darin nur Güte und Liebe erkennen.
Ein tiefes, intensives Glücksgefühl durchströmte sie.
Welcher Mensch durfte schon so viel Glück erfahren?

Ich mag dich, sprach Arianne, und ich mag deine Haare. Sie sind sehr schön, weil sie so liebevoll behandelt werden. Immer hast du sie als ein Geschenk der Götter betrachtet, nie warst du deswegen überheblich. Sieh selbst, was für eine Mähne ich habe.

Ich will nicht, dass sie dir abrasiert werden, du selbst willst es doch auch nicht. Nur, weil ein Opfer weh tun muss, um ein richtiges Opfer zu sein? Die Mönche verstehen so wenig von dem, was ich wirklich bin. Darum bitte ich, sei, was du wirklich bist. Dann bist du auch das, was ich in dir sehen will. Alles andere dient nur der Verwerflichkeit.

Akadia wusste nicht, was sie reden, was sie denken sollte. Sie betete zu Arianne seit vielen Jahren und hatte immer ein Gefühl der Geborgenheit dabei. Sie achtete die göttlichen Gebote, liebte das Leben und ihre Mitmenschen. Nun war ihr spirituelles Bedürfnis so tief geworden, dass sie in den Dienst der Göttin treten wollte. In diesen Tempel, bei den Mönchen.

Die saßen im Kreis und beteten, wagten gar nicht zu schauen.

Was geschah eigentlich mit den abgeschnittenen Haaren? Die wurden abgeholt, von Menschen, die daran verdienten. Manchmal gaben sie den Mönchen dafür ein Laib Brot.

Das sollte im Einklang mit Ariannes Geboten sein?

Am Eingang des Tempels erschienen einige der Händler. Sie wollten die Ware abholen. Doch da war nichts. Sie sahen nur 2 Frauen mit langen Haaren.

Hey ihr beiden, warum habt ihr die Haare noch nicht geschoren?

Arianne ignorierte sie, nahm Akadia bei der Hand und beide näherten sich dem Ausgang.

Ein grober Kerl stellte sich in den Weg. Halt, ihr könnt gehen, aber die Haare bleiben hier.

Weiß du, wo du hier bist, fragte Arianne.

Kerl: Ein Tempel wie viele andere, uns interessieren nur die Haare. Die Erleuchteten brauchen sie ja nicht mehr.

Arianne: Weißt du wer ich bin?

Nichts als eine Frau, was sonst, lachte er, also niederknien, wirds bald.

Arianne schaute ihn an.

Arianne: Man kann niemanden dafür verurteilen, was er nicht weiß. Also wisse, du bist im Begriff dich zu vergreifen, in eine Sache, die zu hoch für dich ist. Ich bin Arianne, für dich die Göttin des Krieges.

Kerl: Ha, ha, ha, ich bin der große Schreckliche von hinter den Bergen. Jetzt reicht es aber. Er griff nach Ariannes Haaren.

Halt, ein Mönch hielt seinen Arm fest. Du weißt nicht, was du tun willst. Drei andere Mönche kamen hinzu, schleppten ihn Richtung Ausgang.

Kerl: Seid ihr des Wahnsinns, Geschäft ist Geschäft, wir werden euch ...

Mönche im Chor: Wir danken dir, Arianne, für unser Leben.

Arianne: Und was tut ihr hier, rasiert den Menschen die Haare ab und verkauft sie? Wo steht das geschrieben?

Mönch: Wir dachten, dass spirituelle Erleuchtung am besten ist, wenn wir alles Weltliche von uns geben. Noch nie hast du unsere Opfergaben genommen, wir dachten, sie haben nur symbolischen Wert.

Arianne: So, vielleicht wollte ich dieses Opfer gar nicht. Begreift ihr nicht, dass ihr damit etwas zerstört, dass ich euch gegeben habe? Ohne mich zu fragen? Ich will gar nicht sagen, in wessen Dienste ihr damit tretet. Liebt das Leben, so wie es ist und lasst es sich entfalten. Spirituelle Erleuchtung kommt im Einklang mit der Natur und ihren Gaben. Ihr nennt mich die Göttin des Krieges, das bin ich nicht. Das ist euer Bild von mir. Ich bin die Göttin des Lebens. Ihr findet mich überall, wo es Leben gibt, in jedem Windhauch, in jedem Tropfen Regen, der vom Himmel fällt.

Ich möchte nicht, dass ihr eure Weltlichkeit wegwerft, vor allem nicht die von anderen, die vielleicht nur Schutz bei euch suchen oder gar nicht euretwegen da sind. Da ihr immer noch Symbole braucht, gebe ich euch eine neue Hohepriesterin, Akadia, sie ist von mir geweiht. Akadia, die Hohepriesterin mit den langen Haaren. Lasst euch von ihr leiten, sie weiß sehr viel über das Leben und damit auch von den Göttern.

Langsam verblasste ihre Gestalt. Zurück blieben die Mönche und Akadia. Es wird sich jetzt so einiges ändern, im Tempel.


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