Arianne 04 - Ariannes verlorenes Haar

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Eine Stadt mitten in der Hölle, geschützt durch ein verlorenes Haar der Arianne.


Ariannes verlorenes Haar

So heißt eine Stadt mitten in der Hölle.

Und Arianne? Sie hatte ein Haar verloren. Ein kleines, das eigentlich noch wachsen wollte, hinein in die Unendlichkeit.

Ariannes verlorenes Haar ist eine hochmoderne Stadt, mit viel Verkehr zwischen den Wohneinheiten. Die Menschen haben alle lange Haare und sie bewundern sich
gegenseitig dafür. Niemand will kurze Haare haben, es ist einfach das Lebensgefühl, ein Teil dieser Langhaarwelt zu sein. Wer will auch schon freiwillig die
Grenze nach draußen überschreiten?

Eva: "Was hat dich eigentlich hierher verschlagen"

Egon: "Ach, bei mir wurde eingebrochen und um mich davor zu schützen hatte ich die ganze Wohnung elektrifiziert. Na ja, sie haben es dann auch nicht
überlebt. Sonst hätten sie mich wohl erwischt"

Eva: "Ja, wir haben wohl alle so eine Vergangenheit zu tragen".

Egon: "Nicht jeder wird von der Stadt akzeptiert. So manch einen hat sie wieder hinauskatapultiert."

Eva: "Ein bisschen ist es wohl so, dass wir nicht alle grundsätzlich böse sind, es waren eher die Umstände. Obwohl, entschuldigen soll das nicht. Es ist aber
der Wunsch nach dem Besseren, der uns vielleicht hierher gebracht hat"

Egon: "Schöne lange Haare hast du. Die gehen ja jetzt schon bis zu den Kniekehlen"

Eva: "Die Haare sind schön :-) und sie haben ein bisschen Magie in sich. Wenn ich will, kann ich mit ihnen teleportieren"

Egon: "Wirklich? Das schaffe ich noch nicht. Meine haben gerade mal Ellenbogenlänge. Ich bin auch noch nicht so lange hier"

Eva: "Eigentümlich, diese Enklave mitten in der Hölle. Ist das der Grund, warum wir alle so friedlich miteinander auskommen können? Es gibt keinen Streit, keine Eifersucht, als wenn wir nur nach unseren besten Eigenschaften leben. Aber was heißt hier schon leben?"

Egon: "Warum auch? Wir haben alles was wir uns wünschen. Die Stadt versorgt uns, und diese magischen Haare, mit ihrem Lichterspiel, ihren leisen
Einflüsterungen. Manchmal kann man Arianne spüren, wenn man ganz genau zuhört."

Eva: "Ariannes verloren Haar. Ob es sie wirklich gibt? Sie muss ein sehr mächtiges Wesen sein, mächtiger als die Hölle. Vielleicht sind wir auch die letzte
Chance für unsere Spezies, denn wenn es hier nicht mehr klappt, wer will uns dann noch?"

Egon: "Die Teufel. Die haben ihre Freude mit uns"

Eva: "Ja, die Teufel. Wer ist so mächtig, dass selbst die Teufel vor ihm kuschen müssen? Und das allgegenwärtige Böse. Selbst das Böse in uns wagt sich nicht
mehr hervor."

Egon: "Na ja, es würde wohl die Grenze nach draußen verwischen. Dagegen wehrt sich fast alles, was wir in uns tragen."

Eva: "Ob Arianne in uns ist?"

Egon: "Vielleicht. Manchmal denke ich, sie ist bei uns. Und wenn nicht, wir haben ja ihr verlorenes Haar. Hoffentlich will sie es nicht irgendwann wieder
zurückhaben."

Eine alltägliche Diskussion. Alltäglich? Es gab auch Wissenschaftler hier und eine Universität. Nur was sollte man dort erforschen?

Albert: "Wo sind hier die Gesetze der Physik? Alles was wir haben, kommt aus unserer Vergangenheit, wir haben es mitgenommen. Ansonsten ist das hier eher wie
ein Traum."

Herbert: "Wir haben die Möglichkeit verloren, unsere Welt selbst zu gestalten, mit Hilfe unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse"

Adelheid: "Dafür haben wir Magie, wir können lernen sie zu benutzen."

Harry: "Wie in einem Hexen-Universum. Na ja, die Umgebung ist ja so weit nicht davon entfernt."

Albert: "Eigentlich haben wir schon alles verspielt. Ich komme aus einer parallelen Welt, die durch einen Atomkrieg vernichtet wurde, und ich habe die Formel
dafür geliefert."

Harry: "Dafür bist du auch in der Hölle gelandet."

Erika: "Nicht ganz, die Stadt hat uns aufgenommen."

Albert: "Gibt es vielleicht eine andere Realität, in der es anders ausging?"

Harry: "Wo komme ich sonst her? Obwohl, manchmal frage ich mich, ob ich nicht einem Film entsprungen bin"

Jeannie: "Ja, ich komme aus einer haarigen Realität, die selbst aber eine Fiktion war, in einem anderen Universum"

Erika: "Das Musical Hair. Interessant, wie Figuren sich plötzlich realisieren können. Aber warum bist du in der Hölle?"

Jeannie: "Ich weiß es nicht. Vielleicht habe ich zu wenig gebetet oder ein zu gottloses zügelloses Leben geführt"

Erika: "Mmmmh. Wenn die Hölle Pararealitäten einer Religion umfassen würde, wäre das wohl möglich. Aber hier? Du musst Arianne verletzt haben, in ihrem Bewusstsein von der Welt."

Jeannie: "Nun bin ich ja hier. Vielleicht war das auch ein Irrtum. Kann Arianne sich nicht irren?"

Erika: "Nun ja. Arianne ist allmächtig. Sie ist aber auch das übergreifende Bewusstsein aller Wesen und durchlebt so auch alle Irrtümer das Lebens. Ich weiß es nicht. Es wäre aber denkbar, dass sich Arianne auch Irrtümer zugesteht. Daher vielleicht die Existenz von Ariannes verlorenem Haar. Ich glaube, unfehlbar will sie gar nicht sein."

Jeannie: "Vielleicht hilft Ariannes verlorenes Haar, Irrtümer zu korrigieren."

Albert: "Haarig sind wir alle geworden, ein bisschen fanatisch, aber es macht auch Spaß. Wenn sie richtig lang werden, sind sie wie Wellen, auf denen wir
reiten können."

Sophia: "Meine Zöpfe kann ich bereits 2 mal um mich herumwickeln, ich bin ganz drin."

Erika: "Wenn die Haare immer länger werden? Wo soll das enden?"

Albert: "Beim Frisör" *hämisch grins*

Erika: "Albert! Du hängst doch selbst an deinen Haaren. Die Haare sind magisch, sie tragen ihr eigenes Gewicht. Also leiden wir nicht unter der Länge. Wieso gibt es hier überhaupt ein oben und ein unten?"

Albert: "Das sind unsere Vorstellungen, die wir mitgenommen haben. Wir selbst befinden uns in einem anderen Traum, ein Traum des Bösen, vermute ich. Mit
Ariannes verlorenem Haar haben wir mehr als nur Glück gehabt."

Ariannes verlorenes Haar.

Es lag in einer durchsichtigen Vitrine und es leuchtete überirdisch schön. Gerade mal ein Zentimeter lang. Eher ein Baby-Haar, aber auch Teil eines unendlichen Wesens.

Es gab viele Prozessionen um die Vitrine herum. Die Menschen bewunderten es und ließen ihre eigenen Haare lang wachsen, auch als ein Symbol der
Verbundenheit. Das verlorene Haar schien es zu mögen. Oft sprang ein Funke über, in die Haare der Menschen, und er brachte Magie. So gab es neben den
öffentlichen Schwebegleitern auch Hexen, die auf Besen ritten. Das wallende lange Haar hinter sich her ziehend. Manche ritten auch auf ihren Haaren, wenn sie
sich wie Wellen ausbreiteten. Sie trugen den Körper, oder die Vorstellung davon, man wusste hier ja nicht so genau, was eigentlich real war. Im Grunde bestanden alle Wesenheiten aus Energie, wie Photonen, mit enthaltener Information, die sich selbst bewusst wurde. War das hier das wahre Leben? Diese Energie wurde von den Teufeln dort draußen absorbiert, wenn man ihnen zu nahe kam. Zumindest glaubten sie es, die Wesen in Ariannes Stadt. Die Teufel lebten vermutlich davon, wie grüne Pflanzen auf der Erde. Am Ende blieb dann wohl nichts mehr übrig. So wie das Leben aus dem Nichts entsteht, würde es dort auch wieder verschwinden. Aber stimmte das denn so? War nicht Arianne der Ursprung des Lebens? Konnte es daher überhaupt verschwinden oder kehrte es nur wieder zu ihr zurück?

Dann wäre die Hölle auch nicht für alle Ewigkeiten existent, denn sonst könnten die verlorenen Seelen niemals zurückkehren.

Es gibt so viele Möglichkeiten. Auch der Tod als kalte Wirklichkeit, in grenzenloser Einsamkeit, für eine nackte Seele, getrennt von aller lebendigen Materie. Alles Denkbare könnte irgendwo real sein, in den Unendlichkeiten der Arianne.

Und das Böse. Was ist seine Wirklichkeit? Ist es ein Teil von Arianne? Oder ist es ein eigenes Wesen und wieviele der unendlichen Wesen gibt es?

Wir verlassen hier den Pfad der Realität, treten ein in den Bereich der Fantasie. Vielleicht führt uns dieser Schritt am Ende wieder zurück auf den eigentlichen Bereich des Seins, auf die Körperlichkeit, in der wir existieren. Aber noch ist es nicht so weit, es wäre auch eine Vorwegnahme, die vielleicht nicht stimmt.


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