Arianne 06 - Das Photonenschiff

Home   nächste Seite

Ein Zeitwesen trifft Akadia.
Zusammen machen sie sich auf die Suche nach der verlorengegangenen Arianne.
Sie reisen in einem Photonenschiff.


Das Photonenschiff

Akadia im Tempel der Langhaarigkeit. Arianne wollte nicht, dass man sie anbetete, sie wäre ja schließlich kein Gott. Also beschränkte sich Akadias Tätigkeit darauf zu vermitteln, den Geist und das Wesen hinter all dem, was Arianne initiiert hatte.

Ein Frau mit langen wallenden Haaren näherte sich Akadia, Haare bis zu den Fussknöcheln. Ein Wesen von überwältigender Schönheit. Irgendwie wirkte sie zeitlos.

"Hallo Akadia. Ich brauche deine Hilfe".

"Ja, gerne, wenn ich kann, kannst du mir bitte sagen, wer du bist?"

"Ach entschuldige, ich vergaß mich vorzustellen, ich bin ein Zeitwesen."

"Ein Zeitwesen? Was führt dich zu mir? Ich weiß nicht, was ich mir unter einem Zeitwesen vorstellen soll".

"Die Zeit ist nicht nur ein Fluss, hinter all dem steht ein lebendes Wesen, es vereint alle die sequentiellen und parallelen Ströme, führt die Zeit wieder zu sich selbst zurück und bildet dadurch neue Abläufe. Alles im Sinne des Lebens. Aber deswegen bin ich nicht hier. Arianne ist verschwunden."

"Arianne ist verschwunden?" *schreck*

"Ja, sie ist verlorengegangen in der Unendlichkeit. Wir müssen sie suchen."

"Wie kann ich dir da helfen. Ich kleines Wesen, verglichen mit der Zeit?"

"Arianne hat dir Magie gegeben, in den Haaren. Die Kraft darin ist ultimativ, nicht nur für dieses Universum. Zusammen mit dir und dieser Magie können wir das Photonenschiff steuern. Damit suchen wir zunächst Ariannes verlorenes Haar auf und zusammen schaffen wir es vielleicht, Arianne in der Unendlichkeit zu finden."

"Das Photonenschiff?"

"Es steht dort draußen, vor dem Tempel. Es hat den Weg allein zu dir gefunden und mich gerufen. Das Photonenschiff dient endlichen Wesen sich in der Unendlichkeit zu bewegen. Dafür wurde es von Arianne geschaffen. Aber nur besondere Wesen können es benutzen, nur solche, die Berührung mit Arianne hatten und nur in Begleitung eines Zeitwesens. Für den Flug durch die höheren Unendlichkeiten bedarf es eines Teils von Arianne. In diesen Bereichen der Unendlichkeit gibt es dafür nur Ariannes verlorenes Haar."

Das Photonenschiff sah aus wie eine Linse, 40 Meter Länge, an der dicksten Stelle 4 Meter. Es schwebte in der Luft, etwa 1 Meter über dem Boden. Seine Grenzen wirkten fließend, wellenförmig. Die Wellen umrahmten es und liefen scheinbar ins Unendliche hinaus. Es wirkte unscharf und doch äußerst massiv. Man konnte es nicht fixieren, versuchte man es, so verschwommen seine Konturen. Besser man betrachtete es aus den Augenwinkeln.

Sah so ein Photon aus?

"Wie können wir es besteigen?"

"Einfach nur wünschen, dass es dich aufnimmt"

Schwupps. Nun waren sie in seinem Innern. Es gab ein paar Sitzgelegenheiten, wie in einer kleinen Bar. Also setzten sich Akadia und das Zeitwesen. Die Wände waren durchsichtig, man konnte die Umgebung draußen sehen.

"Wisse, das Photonenschiff hat keine Eigenzeit und kein Eigenvolumen mehr, wenn es startet. Deswegen bin ich hier. Ich vermittele dir beides, denn auch du existierst dann nicht mehr in deiner bekannten Form. Ja, es bedarf eines Zeitwesen, um das auszugleichen. Dann ist das Schiff in diesem Universum nicht mehr lokalisierbar, es ist an allen Orten zu allen Zeiten mit der gleichen Wahrscheinlichkeit vorhanden. Es kann überall materialisieren, wie ein Quant. Wie vor dem Einstieg. Dadurch erreichen wir jeden Punkt des Universums zu jeder denkbaren Zeit"

"uuuiiihhhh"

"Um in parallele Universen zu reisen oder um die Unendlichkeit zu überwinden, müssen wir uns in der Nullzeit ohne Raum bewegen. Dadurch überwinden wir die einfache Unendlichkeit. Mit den höheren Unendlichkeiten ist es schwieriger. Dazu brauchen wir Ariannes verlorenes Haar."

"Parallele Universen?"

"Ariannes verlorenes Haar befindet sich in der Hölle. Wir müssen dort hinein ud natürlich auch wieder heraus. Es ist aber eher der Traum des Bösen, in den wir eindringen müssen. Nichts wirklich dramatisches. Es gibt schwierigere Probleme, die auf uns zukommen."

"Wie kann den ein unendliches Wesen wie Arianne verschwinden, sie ist doch überall präsent?"

"Es gibt Wahrscheinlichkeiten für Existenzbedingungen, die ohne sie auskommen. Wenn sie in so eine Schleife gerät ... Manchmal verlässt sie auch einen Bereich, weil sie enttäuscht ist, oder weil sie manche der Geschöpfe nicht mehr ertragen kann. Ja, Arianne ist manchmal sehr sensibel. Aber ein Leben ohne sie, es ist leer, es verliert seinen Zusammenhang. Wir Zeitwesen sind sehr unglücklich, wenn sie uns verlässt."

"Gibt es viele Zeitwesen?"

"So viele wie es belebte Zeitströme gibt, nicht unendlich viele, aber mehr als 10 hoch 123"

<< Das Photonenschiff startet >>

ein Raumschiff
          aus Licht

Die Umgebung im Innern veränderte sich nicht. Aber draußen, der Tempel, die Erde verschwand. Für einen Moment tauchten Planeten auf, die Scheibe der Galaxie, Andromeda, als wenn das ganze Universum durch sie hindurchfallen würde. Dann wurde es still...

Link: Einige Überlegungen zur Bewegung mit dem Photonenschiff, wie die Unendlichkeit überwunden werden kann

"Wir müssen uns jetzt bewegen. Bewegen wir uns ein paar Meter nach vorne. Siehst du dort den Lichtpunkt?".

Das Schiff schien die Bewegung mitzumachen. Dennoch entfernten sie sich um 2 Meter von ihren Sitzgelegenheiten. Plötzlich wurde es draußen hell. Feuer überall. Farbige schlieren.

"Was ist das?"

"Das Panorama der Hölle. Jetzt müssen wir die Stadt finden"

<< Was sucht ihr hier >>

"Ariannes verlorenes Haar"

<< Ach, das kenne ich. Ich materialisiere >>

Draußen sah man die Stadt. Eine Stadt mitten in der Hölle.

Klopf klopf ...

<< ein Teufel begehrt Einlass >>

"Nein, nein. Dafür haben wir keine Zeit. Flieg einfach hinein, in die Stadt."

...

"Wenn ihr das verlorene Haar mitnehmt, wer schützt uns dann vor den Teufeln?"

"Ja, das ist ein Problem. Ich werde die Stadt in mich aufnehmen, schließlich bin ich ein Zeitwesen. Dann wird die Hölle eine Zeitlang leer sein, ohne diese Enklave. Für die Wesen, die Zuflucht suchen wollen, kann ich dann leider nichts tun"

"Das ist sehr traurig, die Hölle ist dann so absolut. Nicht alle die hier sind, können etwas dafür"

"Na ja, so ganz stimmt das nicht. Aber keine Angst. Die Teufel können euch nicht vernichten. Eure Seelen kehren zu Arianne zurück, dort wo das Leben entstanden ist"

"Arianne ist doch verschwunden?"

"Nur für diesen Teil. Die Unendlichkeit ist aber sehr viel größer. Nur, wir haben den Zusammenhang verloren. Arianne ist nicht mehr hier"

"Darum suchen wir sie?"

"Ja, und wir haben eine Chance. Das Photonenschiff. Nutzen wir sie. Irgendwo in der Unendlichkeit muss sie ja sein"

"Und wenn wir einer verlorenen Seele folgen, die zu Arianne zurückkehrt?"

"Das würde gehen"

"Gut, ich werde mich den Teufeln ausliefern, dann folgt bitte meiner Seele"

...

Egon ging nach draußen, hinaus über die Stadtgrenze. Sie warteten bereits auf ihn. Nein, das wollte Akadia nicht sehen. Sie sah das Zeitwesen an und bemerkte eine Träne. Wenn ein Zeitweisen weinen musste, über das, was dort geschah? Warum gab es nur diese Hölle? Hatte Arianne einen schlechten Tag gehabt? Na ja, die Menschen waren manchmal sehr schlecht. Eigentlich trug ja jeder die Hölle zu einem kleinen Teil in sich und konnte selbst zu einem Teufel werden. Manche entschieden sich auch dafür.

Etwas weißes, flüchtiges. Es wurde von den Teufeln nicht gesehen. Ariannes verlorenes Haar erstrahlte in düsterem rot, sie vermittelte es Akadia und dem Zeitwesen.

"Schnell, ins Photonenschiff. Sonst verlieren wir sie"

Vor sich ein weißes Schemen, so bewegten sie sich durch die Unendlichkeiten. Die Seele war masselos, hatte keine Energie und konnten daher eine unendlich große Eigenbeschleunigung entwickeln, hieraus resultierte eine unendlich große Geschwindigkeit, schneller als das Licht. Ja, die Unendlichkeiten. Das Photonenschiff wurde ganz schön gefordert. Im Innern stellte es eine kleine Fähre zur Verfügung, in der sich das Zeitwesen, Akadia und das verlorene Haar in Nullzeit gegen einen nicht vorhandenen Raum bewegen konnten. Etwas verrückt, diese Vorstellung, aber so überwanden sie die Unendlichkeiten.

Dann waren sie am Ziel.

Arianne.

Die Seele verschmolz mit ihr.

Aber Arianne materialisierte nicht, in ein einzelnes Wesen, mit dem man reden konnten. Sie war plötzlich allgegenwärtig, überall. Akadia spürte sie in jeder Phase ihrer Existenz.

"Arianne, bitte melde dich"

Es war wohl so, dass nur Arianne selbst den Kontakt aufnehmen konnte. Durch Ariannes verlorenes Haar wurde nur ihre Existenz vermittelt. Auch das Zeitwesen wusste nicht, wie es Kontakt aufnehmen sollte. Arianne war so nah und doch so unendlich weit entfernt. Für ein Zeitwesen gab es nur die Naturgesetze, den Rahmen, in dem die Zeit ablief. Das Wissen über Arianne war schon etwas besonderes. Auch das kleine Wesen Akadia durfte von ihr wissen. So schwebten sie im "Raum" und in der "Zeit", spürten Arianne und konnten doch keinen Kontakt zu ihr aufnehmen. Ob Arianne von ihnen wusste? Dass sie nach ihr suchten?


nächste Seite