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Jasmin 02

Sie spürte die Verfolger. Irgendetwas verdichtete das Vakuum, wollte sie zur Materialisation zwingen. Ob sie die Verfolger fürchten musste? Eigentlich nicht, sie hatte ja direkten Zugang zur Ebene, konnte in das Innere eindringen. Andere höhere kosmische Wesen konnten das nicht.

Der Druck wurde stärker. Es mussten mehrere sein. Unendliche körperlose Wesen, aber von immenser Geisteskraft. Mindestens zweite Stufe der Unendlichkeit. Nun gut, das war sie ja auch. Nur sie hatte einen Körper, stabilisiert durch das Wesen der Existenz. Nur stabilisert, d.h. sie konnte explosionsartig expandieren und einfach in die Ebene einsickern. Das war für körperliche Wesen nicht möglich, denn um in das Innere der Ebene zu gelangen, mussten sie das Kontinuum passieren. Selbst Chrystal war daran gescheitert, denn sie hatte eine stabile Körperstruktur.

Ob Arianne das konnte? Wahrscheinlich schon. Jasmin hatte unbedingtes Vertrauen zu ihr. Wenn nicht, wahrscheinlich würde die Ebene dann einfach Platz schaffen.

Jasmin materialisierte.

  

Im Umkreis von mehreren hundert Metern erschienen scheinbar aus dem Nichts 5 hühnenhafte Wesen. Ach ja, Hypermonster im Kollektiv.

Sollte sie sich mit denen auseinandersetzen? Nein, der direkte Kampf zwischen Wesen dieser Größenordnung konnte verheerende Auswirkungen auf die Umwelt haben. So tat sie einfach nichts.

H1:<< Gib auf, wir sind in der Überzahl >>

J: << Was habt ihr mit mir vor? >>

H2: << Wir werden dich zerlegen, deinen Körper einer beschleunigten Entropie unterwerfen. Am Ende bleibt dann nichts mehr übrig. Die Ebene wird wieder ein wenig flacher. >>

H3: << Und deinen Geist, die Energie nehmen wir gerne in uns auf. Gleichmäßig auf uns 5 verteilt, versteht sich. Damit können wir dann die Ebene noch viel viel flacher machen >>

J: << Nein, ich will nicht >>

H4: << Dann werden wir dich niederkämpfen. Gib besser gleich auf, das erspart dir einiges >>

Eines der Hypermonster sendete einen Vernichtungsimpuls. Jasmin reflektierte ihn und schlug ihn damit k.o. Nein, töten wollte sie ihn nicht, das war nicht ihre Art.

J: << Glaubt ihr wirklich, zu fünf könnt ihr mir etwas anhaben? >>

H1: << Ja, wir haben deinen Abwehrmechanismus analysiert. Wir werden gemeinsam gegen dich vorgehen >>

Jasmin hatte kein Interesse an weiteren Auseinandersetzungen. Die Hypermonster machten einen Denkfehler. Sie nahmen Jasmin's Körperstruktur als stabil an und wussten, dass ein Wesen mit einer stabilen Körperstruktur nicht ins Innere der Ebene entkommen konnte.

Jasmin löste ihren Körper auf. Er verschwand in der Unendlichkeit. Als unendliches Wesen konnte sie den Zusammenhang zu den Teilen aufrecht erhalten. Dann diffundierte sie durch das Kontinuum ins Innere der Ebene. Die Hypermonster blieben zurück.

Ja, so einfach war sie nicht zu fangen.

Aber schon merkwürdig, dass sie das konnte. Als Wesen der zweiten Stufe erfasste sie gerade das Kontinuum, aber dort hindurchdringen? Irgendwie musste sie einen Teil der dritten Stufe beinhalten. Zusammengerollte Unendlichkeiten, vielleicht. Warum musste sie gerade jetzt darüber nachdenken? Sie dachte an Arianne, ja, das war vielleicht auch ein Teil von Ariannes Hilfe für sie. Arianne stabilisierte ihren Körper, selbst wenn sie explosionsartig expandierte. Und Arianne half ihr vielleicht durch das Kontinuum hindurch.
...

Das Innere der Ebene. Sie sah den Raumfahrer vorüberziehen. Er bewirkte wellenförmige Bewegungen an der Oberfläche, die den Hypermonstern schwer zusetzen dürften.

Für sie musste es so sein, als würde ein Tera-Hypersturm durch die Raum-Zeit jagen. Jeder Wirbel erzeugte ein Schwarzes Loch. Das konnte sie ganz schön zerfetzen.

Das Raumschiff schien Jasmin zu spüren. Es sondierte in der Ebene nach ihr. Sie konzentrierte ihr Bewusstsein auf einen endlichen Raum-Zeit-Bereich, den Ich-Bereich.

Das Raumschiff stoppte seine Fahrt, relativ zu ihrem Ich-Bereich.

Der Raumfahrer meldete sich << Hallo Jasmin >>

J: << Du kennst mich? >>

R: << Ja, ich habe von dir gehört :-)))
Ich traf Arianne in meiner momentanen Existenz, daher erinnere ich mich noch an sie. Sie sprach sehr liebevoll von dir >>

J: << Danke :-)). Ich mag sie auch. Aber sie ist so viel größer als ich. Nie möchte ich mich mit ihr vergleichen >>

R: << Nein, nein, sie liebt dich um deinetwillen. Als kosmisches Wesen, so wie du bist. >>

J: << Ich nehme es an :-)). Danke. >>

R: << Diese Hypermonster über uns, wollten sie dich? >>

J: << Vergiss es, sie haben keine Chance mir etwas zu tun >>

R: << Ja, du hast Zugang zur Ebene. Aber glaube mir, wärst du nicht ins Innere der Ebene entkommen, die Ebene hätte sie geschluckt. Ich weiß es, denn sie hat  mich gerufen. Daher bin ich hier. Sie hat mir ein Bild von dir gezeigt. Dass ich dich sehen darf :-)). Du bist wirklich so schön wie Arianne dich sieht. >>

J: << Die Ebene hätte mich beschützt? Ich wusste gar nicht, dass sie das kann. >>

R: << Du bist sehr wichtig für die Ebene. Ihre Favoriten weiß sie zu schützen. Arianne ist ihr Wachbewusstsein, aber sie hat daneben sehr viele unterbewusste, traumartige Inhalte. Die schützen dich. Willst du einen Augenblick mit mir zusammen fahren? >>

Jasmin als Gast beim Raumfahrer. Licht brauchte er jetzt keins mehr. Jasmin strahlte aus sich heraus, gerade jetzt, wo es ihr so gut ging. Sie war ja das Wesen des Lichtes.

Beide mochten sich, irgendwie. Ein unendliches Wesen und ein Wesen der Unendlichkeit? Ja, mit dem Raumfahrer war es schwierig. Er lebte in endlichen Perioden, verschwand dann und wurde wieder neu geboren. So hatte er immer nur endlich viele Erinnerungen in sich drin. Die Ebene absorbierte seine Vergangenheit.

Der Raumfahrer war wichtig für die Ebene. Wie die Würmer im Erdreich schuf er das Potential für das strukturelle Wachstum der Ebene.

J: << Ich sehe, wie wichtig du bist. Du schaffst die Kanäle, in denen sich Zeitströme manifestieren können. Ich selbst lebe an der Oberfläche, schaffe Raum, Zeit und Materie für die Zeitströme, in denen die Janines das Leben verteilen, und ich bin verantwortlich für die Naturgesetze. 

Hast du schon einmal eine Janine gesehen? Sie sind ganz liebe Wesen, absolut positiv :-)) >>

R: << Nein, eine Janine sah ich noch nicht. Bist du nicht so etwas wie die Mutter der Janines? >>

J: << Ich helfe ihnen, wo ich nur kann. Das unstrukturierte Vakuum ist sehr gefährlich, dort kann man keine Janine hineinlassen. Den Janines darf nichts geschehen, da sie das Übergewicht des Lebens über die tote Materie aufrechterhalten. Ein Symmetriebruch der Schöpfung sozusagen. >>

R: << Die Schöpfung? Ein Teil kommt von mir, denn ich bewege die Ebene durch die Wellen, die ich hier erzeuge. Und der spirituelle Teil? >>

J: << Ein Traum der weißen Frau. Dort drin schafft sie Arianne, die ihrerseits in der Unendlichkeit Grenzen setzt. Grenzen, innerhalb derer sich das Leben entwickeln kann. Kleine endliche Bewusstseine, deren Gesamtheit das Wesen der Existenz ausmacht >>

R: << Und die unendlichen Wesen wie du? >>

J: << Es sind höhere Stufen der Spiritualität. Sie suchen den Kontakt zu den Wesen der Existenz, um sich entfalten zu können >>

R: << Die Frage nach der weißen Frau darf ich dir wohl nicht stellen? >>

J: << Ach weißt du, vielleicht hat sie sich selbst geschaffen, weil das Nichts seiner überdrüssig wurde, oder sie ist ein Teil einer höheren Entität, vielleicht auch ein Traum. Der Traum des Nichts von der Existenz. Oder Teil einer unendlichen Hierarchie von Träumen. Wer weiß das schon. Vielleicht dürfen wir das auch nicht wissen, um uns nicht selbst zu zerstören. Denn das Wissen unendlicher Wesen ist ein Teil der Wirklichkeit, in der sie leben. Ihre Gedanken können unmittelbar darauf einwirken. Stell dir einmal vor, das ganze wirkt zurück, wie eine Rekursive Funktion. >>

So fuhren sie durch die Ebene, jenseits von Raum und Zeit. Und sie hatten sich so viel zu sagen.

...



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