Arianne 11 - Juliane

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Eine Geschichte über Julianes lange Haare und den Widerspruch Akadias gegen Haarabschneideforderungen.


Juliane

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Juliane hatte zwei sehr schöne lange, dicke Zöpfe, sie reichten bis zu den Kniekehlen. Wenn sie die Haare öffnete, es war ein  Traum von Langhaarigkeit. Die Haare umfluteten sie, rahmten sie ein. Sie konnten stundenlang darin verweilen, einfach nur glücklich sein.

Die Schulaufsichtsbehörde. Eine neue Verordnung. Die Haare für Mädchen dürfen nicht über den Kragen ragen.

Nun stand sie vor dem Portal und wusste ganz genau. Sie würde ihre langen Haare dort lassen müssen, mit einer ganz kurzen Frisur wieder herauskommen.

Es tat so weh. Der Gedanke daran. Sie hatte keine Wahl.

Hinter ihr waren noch viele andere. Vielen sollten die Haare geschnitten werden. Sie war die erste.

Juliane trat durch die Pforte, ihre Augen waren feucht. Ihre Seele weinte.

Vor ihr, ein Lehrer. "Setz dich hier hin. Die Zöpfe hätten schon längst ab sein können. Aber das haben wir gleich. Der Barbier wird dir dann anschließend die Haare stilgerecht zurechtschneiden."

Er holte ein Monstrum von Schere hervor.

Juliane weinte. So hatte sie noch nie geheult. Ihr Körper erbebte. Sie fiel vom Stuhl und lag heulend auf  dem Boden.

"Nun aber". Zwei andere Personen kamen hinzu. Sie setzten Juliane wieder auf den Stuhl.

"Diese Heulerei. Hör auf damit. Der Fußboden ist schon ganz nass. Die Haare sind doch völlig unwichtig. Ordnung und Disziplin, das muss sein. Mit den kurzen Haaren seid ihr weniger abgelenkt vom Unterricht und diese ewigen Haarspielereien hören endlich auf."

Der Lehrer nahm einen der Zöpfe in die Hand, in der anderen Hand die Schere. Er wollte die Schere ganz weit oben ansetzen.

Die Tränen von Juliane flossen auf den Boden. Sie weinte hemmungslos.

Warum musste die Schule so grausam sein? Sie liebte ihre Haare doch so sehr, es war so, als wenn sich für ihre Seele ein sehr inniger Wunsch erfüllt hätte. Das alles sollte nun einfach  abgeschnitten werden, weggeworfen, weil es den anderen nichts bedeutete? Nein, das konnte sie nicht ertragen.

Plötzlich, ein Krampf in der Hand des Lehrers. Die Schere polterte auf den Boden.

Er bekam einen epikeleptischen Anfall, schrie, lag auf dem Boden.

Totenstille in der großen Halle. Alles starrte herüber.

Es gab noch mehr Frisierstühle, auf denen bereits Delinquenten saßen. Manche hatten knielange Haare, das nun lose über die Stullehnen fiel. Überall konnte man feuchte Flecke auf dem Boden sehen. Aber noch war kein einzelnes Haar geschnitten worden.

Die epikeleptischen Anfälle hörten auf. Der Lehrer rappelte sich wieder auf, ging zurück zu Juliane und wollte sein Werk doch tatsächlich forsetzen.
Auch an den anderen Stühlen griffen Lehrer nach den langen Haaren der Mädchen. Es war jetzt nur noch eine Frage der Zeit. In ein paar Minuten würden man nur noch kurzhaarige Mädchen in diesem Raum sehen.

Dann wäre das Werk vollbracht. Lauter unglückliche Menschen, aber zufriedene Schulautoritäten.

ES REICHT.

Sehr laut tönte es durch die Halle. Die Schallwellen ließen die Wände erbeben, die Fensterscheiben barsten.

Eine Frau mit körperlangen Haaren, die sie umrahmten.

Alle starrten sie wie hypnotisiert an. Juliane hört auf zu weinen.

Die Frau ging zu Juliane, wischte ihr die Tränen aus den Augen, umarmte sie. Dann zu den anderen Mädchen, sie umarmte eine nach der anderen.

Falls ihr mich nicht kennt, ich bin Akadia, die Hüterin des Tempels der Langhaarigkeit. Meine Haare haben mir vermittelt, was hier geschehen soll. Es wird nicht geschehen.

"Wer bist du. Du kannst uns keine Befehle erteilen"

"So, bist du dir da sicher. Ich habe es satt, diese ewigen Verordnungen, die nur zerstören und nichts bewirken. Da ihr eure Macht hemmungslos an Abhängigen auslassen wollt, werde ich euch eure Grenzen aufzeigen. Der epikeleptische Anfall war nur eine Warnung. Das Universum braucht euch nicht. Seid froh, dass Arianne nicht hier ist"

Plötzlich eine zweite Frau im Raum, auch mit superlangen Haaren.

"Akadia, was tust du?"

"Janine?  Ja, du bist Janine :-))) *freu* Ich kann es nicht ertragen, was sie hier vorhaben."

Janine: "Nein, es ist nicht richtig. Aber so massiv dürfen wir nicht eingreifen. Ein bisschen Schicksalsmacht spielen, das geht schon, z.B. zufällig löst sich ein Schnürsenkel und der Lehrer stolpert darüber, oder ein Stuhl bricht plötzlich zusammen, ohne dass das daraufsitzende Mädchen verletzt wird. Scheren brechen auseinander, schlechte Ware. Am Ende geben sie einfach auf, weil es ein schlechter Tag ist.

Das Zeitwesen hat alles wieder zurückgesetzt, auf den Beginn, bevor du eingegriffen hast. Nun werden wir beide gemeinsam ein Chaos veranstalten, dass sich die Clowns des Universums darüber freuen können :-)))

Am Ende des Tages, lauter genervte Lehrer und ein völlig zerknirschter Barbier. Nichts hatte er heute zu tun  gehabt. Kein einziges Haar war geschnitten worden. Da sich selbst die Schulordnung zersetzt hatte durch papierfressende Insekten, gab es keine Vorschriften mehr, und holzfressende Käfer, die die Stühle zerstört hatten. Wo sollten sich die Mädchen hinsetzen? Die Scheren waren alle unbrauchbar, verrostet, zerbrochen. So ein Haufen schlechter Ware. Hosengürtel waren geplatzt, Lehrer in Unterhose, was für ein Anblick. Der Dachstuhl war eingebrochen, schlechte Bausubstand, überall lagen Trümmer herum.

Nein, für das Haareabschneiden hatte man erstmal keine Zeit. Es gab  ja auch keine Vorschrift mehr, die es forderte.

Eine Akadia  hatte sich angemeldet, sie wollte einen Vortrag halten, "Über das Wesen der Menschlichkeit, die Schönheit der Natur im Menschen und mit dem Menschen". Was sollte das nun werden? Na ja, die Schulaufsichtsbehörde hatte es ja genehmigt.

Die langhaarigen Mädchen, sie staunten nur über das Chaos, freuten sich, dass sie ihre langen Haare noch hatten. Noch nie hatten sie das Gefühl für ihre langen Haare so intensiv gespürt.

Juliane mit offenen Haaren

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