Arianne 122 - Die Verhaftung

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Kreuzigung

Fünf Geheimpolizisten näherten sich ihnen.

"Ihr seid verhaftet."

Erwin: "Verhaftet? Was haben wir getan?"

Polizist: "Das werdet ihr noch erfahren. Leistet jetzt keinen Widerstand."

Man sperrte sie in drei verschiedene Zellen, nebeneinander. So konnten sie zumindest miteinander reden.

"Ihr seid der Inzucht beschuldigt. Jemand hat euch dabei gesehen. Wie ihr wisst, steht darauf die Todesstrafe. Eine von euch wurde als Hexe identifiziert, ihr wisst was das bedeutet. Die anderen beiden haben mit der Hexe geschlafen. Auch dafür werdet ihr eure Strafe erhalten. Und ihr habt euch den Befehlen eures Vaters verweigert. Befehlsverweigerung wird nicht toleriert."

Hexen? Dieses aufgeklärte Zeitalter. Man würde sie öffentlich kreuzigen und dann solange dort hängen lassen, bis sie tot waren. Ein Spektakel für die Massen.

Kreuzigung. Man würde sie am Kreuz festbinden und dann Nägel durch Hände und Füße schlagen. Ja, in diesem Zeitalter der Zauberrei geschah das öfter. Vorher würde man sie auspeitschen. Die roten Striemen würden fürchterliche Narben hinterlassen. Zusammen mit den Verletzungen an den Händen und Füßen, alles würde voller Blut sein.

Die Symbolkraft der Kreuzigung hatte sich etwas verloren, sie war zu einer reinen Mordmaschine geworden. Ja, es war Mord. Diese Religion dahinter, die alles im Namen Gottes geschehen lassen wollte. Dabei waren es nur die weltlichen Autoritäten, die sich darauf beriefen.

Einst sollte sich ein Gott für die Menschen geopfert haben. Er starb am Kreuz. So weit die Legende. Er nahm das Leiden der Menschen auf sich, um sie zu retten.

Aber ob Gott nun männlich oder weiblich war? Spielte das für einen Gott überhaupt eine Rolle? Das Patriarchat war männlich, dazu passte ein männlicher Gott ganz gut. Das Weibliche war aber oft das Schöpferische im Universum, warum sollte Gott nicht auch weiblich sein dürfen?

Oft schien es doch eher so zu sein, dass die Frauen das Kreuz der Schöpfung auf sich nehmen mussten. Dominiert von den Männern und deren Aggressionen oft hilflos ausgeliefert. Manchmal völlig rechtlos, zum Teil nur als persönlicher Besitz betrachtet. Wer sich nicht anpasste, musste sterben. Dass auch viele Frauen am Kreuz sterben mussten, es passte doch nur dazu.

Dass eine Religion so zynisch sein konnte.

Aber vielleicht hatte sich Gott bereits abgewandt, weil er dieses Treiben nicht mehr ertragen konnte.

Der Kerkermeister mit seiner Peitsche. Erwin sollte der erste sein. Die anderen beiden durften zugucken.
Danach waren sie dann dran.

Die letzte durfte dann dreimal leiden, zweimal mit den anderen und einmal für sich selbst.

Sie liebten ihre Körper doch so sehr, und auch die Körper der anderen, es war sehr grausam, was auf sie zukommen sollte.

Oh, was für großartige Männer, die ihre ganze Kraft und Stärke dafür hergaben, Hilflose zu quälen. Wie fühlten sie sich dabei? Großartig, weil etwas Schwächeres mit Füßen getreten werden konnte? So sehr ausgeprägt war das individuelle Selbstbewusstsein dann wohl nicht.

Na ja, sie waren ja auch in Hierarchien eingebunden, in denen sie selbst getreten wurden. Verweigern konnten sie sich nicht, ohne selbst bestraft zu werden.

Vielleicht war es auch der Haß gegen die Obrigkeit. Die drei hatten sich ihrem Herrn und Meister verweigert und waren nun gefallene Engel. Manchen machten es einfach nur Spaß, sie jetzt quälen zu dürfen, nachdem sie so lange Hochachtung heucheln mussten. Ja, sie hatten wohl die Erlaubnis von Eurasius, dem sie sich verweigert hatten.

Nun wurde es allmählich Zeit, dass höhere Mächte eingriffen.

<< Losty, bitte lass uns nicht im Stich. Sie wollen unsere Körper zerstören, die wir so sehr lieben. Wir brauchen dich jetzt so dringend. >>

Irgendwie dachten sie alle drei das gleiche, im selben Moment. Was sehr merkwürdig war, sie spürten die Gedanken der anderen. Das war ja Telepathie! Dann waren sie doch so etwas wie Hexen?
Ob sie sich dann auch wehren konnten?

Der Kerkermeister vergaß sein Vorhaben, er vergaß es einfach. Mehr noch, er holte einen Kübel mit roter Farbe und goss sie damit voll. So sah alles ziemlich echt aus.

Kerkermeister: "Ich weiß zwar nicht was in mich gefahren ist, der Teufel wird es wohl nicht sein. Aber ich empfinde euch als so schön, dass ich euch einfach nicht verletzten kann. Die ganze Umgebung, in der ich lebe, sie ist bereits so hässlich. Ihr erinnert mich an meine drei Töchter, ja, das ist es wohl. Ich werde euch den Maskenbilder schicken, Narben lassen sich auch künstlich nachbilden."

...

Auf dem Richtplatz. Drei große Kreuze lagen bereit. Schaulustige gab es tausende. Ja, dieser blutrünstige Mob war schwer zu stoppen. Obwohl, so unbeliebt waren sie doch gar nicht gewesen. Hatte sich jetzt alles ins Gegenteil verkehrt?

Alle drei trugen Stofffetzen um die Hüfte, ansonsten waren sie nackt.

Sie mussten sich auf die Kreuze legen und wurden an Händen und Füßen festgebunden. Die Nägel würden später dran kommen.

Die Haare hatte man ihnen erst einmal gelassen. Ob sie das einfach nur vergessen hatten? Oder war der optische Eindruck dann um so wirkungsvoller?

Zum Teil lagen sie auf den Haaren, zum Teil bedeckten die Haare auch die nackte Haut.
Die Haare schienen ein Eigenleben zu haben, sie waren überall.

Erst einmal wurden die Kreuze aufgerichtet. So hingen sie dort, ohne dass man ihnen Nägel durch Hände und Füße geschlagen hatte. Aber das sollte noch kommen. Hammer und Nägel waren vorhanden und drei Leitern standen bereit.

Die drei Körper waren makellos, bis auf ein paar aufgemalte Narben. Die Menge begann zu murren, so ganz blutrünstig waren sie wohl doch nicht.

Die Schönheit der drei Körper, und wie sich das Licht in den Haaren brach, es war sehr eindrucksvoll. Daneben diese hässlichen alten Männer, Gottesinterpreter, die dies alles zerstören wollten. Mit der Obrigkeit hatte man ohnehin so seine Probleme. Und die Anklagen, sie waren etwas dünn. Man wusste ja um Inquisition, Heuchelei, falsche Zeugnisse.

Die drei waren eher der Garant für ein besseres Leben, aber nun als gefallene Engel, man wollte sie einfach beseitigen.

"Seht, sie sind wahrhaftig Hexen."

Der Oberheilige riss ihnen das bisschen Stoff vom Leib.

Aber dabei kamen auch die langen Haare nach vorne. Das was er der Menge zeigen wollte, war nun von Haaren bedeckt.

Die Haare waren in Bewegung geraten, nun bedeckten sie auch Erwins Hände und Füße.
Gerade die Stellen, wo man die Nägel hindurchschlagen wollte.

Auch bei den beiden Frauen bedeckten die Haare die Blößen, Hände und Füße. Schon merkwürdig, fast wie Zauberei.

Als wenn die Haare ihre Gliedmaßen und Geschlechtsteile schützen wollten, aber es waren doch nur Haare.

Erwin sah zwar aus wie eine Frau, aber er hatte ein männlicher Geschlechtsteil. Das sollte der Beweis sein, dass der Teufel in ihn gefahren war.

Das war nun fehlgeschlagen. Für die Menge sah es so aus, als wenn drei Frauen an den Kreuzen hingen.
Hände und Füße und Geschlechtsteile von Haaren bedeckt. Märchenhaft sahen sie aus, in ihren Haarkleidern.

Sie sahen gar nicht so aus, wie man sich Hexen vorstellte.

Dann stach die Sonne durch die Wolken, es bildete sich so etwas wie ein kleiner Heiligenschein um die Köpfe der drei.

Lichtspiegelungen, ein bisschen Nebel war ja auch da, aber den Aberglauben gab es auch. Die Menge verhielt sich ja schon fast so, als wenn es die an den Kreuzen hängenden Frauen anbeten wollte.

Der Oberheilige hielt sich erst einmal zurück, das Murren der Menge war ja so laut nicht. Die würden schon zu ihrem Vergnügen kommen. Mordlust hatte sich doch immer wieder durchgesetzt.

Die Leitern wurden an die Kreuze gestellt. Soldaten stiegen empor. Hände und Füße waren von Haaren bedeckt. Sollte man die Nägel direkt durch die Haare schlagen?

Nein, man wollte ja auch etwas sehen. So schoben sie die Haare zur Seite, aber die waren recht störrisch.

Dann eben mit Gewalt. Die Soldaten zückten ihre Messer und wollten die Haare abschneiden.

Ein Windstoß, die Haare fuhren ihnen direkt ins Gesicht. Sie verloren das Gleichgewicht und purzelten alle drei die Leiter hinunter.

Die Menge sagte gar nichts. Gaffte nur.
Hexerei, Zauberei. Es sah eher so aus als wenn drei Heilige an den Kreuzen hingen.
Die Stimmung schlug um.

Nun wollte die Menge die drei beschützen.

Die Soldaten waren vollauf damit beschäftigt, die Menge zurückzuhalten.
Die Menschen wollten zu den Kreuzen laufen, die drei Frauen befreien und sie als Heilige mit nach Hause nehmen.

150 Soldaten gegen 3000 Zuschauer. Das konnte nicht lange gut gehen. Aus der Sicht des Oberheiligen.

Es musste jetzt alles ganz schnell gehen. Der Oberheilige geriet in Zeitnot.
Am besten er tötete die drei schnell und direkt, dann würde die Menge schon wieder Ruhe geben.

Aber es war schon zu spät. Etwa 400 der Zuschauer hatten die Reihe der Soldaten durchbrochen und umringten die Kreuze. Mit Knüppeln und Steinen bewaffnet, dort kam er nicht mehr durch.

Bogenschützen. Er wies die anwesenden 10 Bogenschützen an die Frauen zu töten.

Die Menge hatten einige Schilder erbeutet. Damit stiegen sie nun auf die Leitern und schützten die drei.

Andere schützten sie mit ihren Körpern. Ja, vollständig angezogene Männer schützten die Leiber nackter Frauen mit ihrem Körper.

Einer von ihnen wurde von einem Pfeil getroffen. Damit opferte er sich für die drei.

Danach hatten die Bogenschützen nichts mehr, was sie hätten benutzen können.

Die Soldaten gaben auf.

...

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