Arianne 125 - Monsterdaemmerung <<Home>> nächste Seite =>

Monsterdämmerung

Es herrschte Krieg. Zerstörte Wohnblöcke. Zwischen den Trümmern Zivilisten und Soldaten. Eine Gruppe junger Menschen hatte sich in einem Keller versteckt. Sie hofften so sehr, dass man sie nicht finden würde.

9 Mädchen und 8 Jungen. Sie brauchten den Krieg nicht, aber er wollte sie zerfetzen, der Zukunft jede Hoffnung nehmen.

Waren sie nicht mal 16 gewesen? Wo kam das eine Mädchen her?

Eine bleiche blasse Gestalt. Wunderschön mit körperlangen offenen Haaren. Sie wirkte etwas unausgeschlafen.

"Ich möchte mich euch anschließen. Bitte schickt mich nicht fort."

"Wer bist du? Ja, aber das ist jetzt auch nicht so wichtig. Bleib bei uns. Du bist so wunderschön und was du für Haare du hast, einfach traumhaft. Verstecken wir uns gemeinsam. Hoffen wir, dass sie uns nicht finden."

Die Hoffnung war trügerisch. Ein Stoßtrupp durchkämmte jedes Haus. Es sollten keine Gefangenen gemacht werden.

Nun hatten sie die jungen Leute gefunden. Sie stellten sie in einer Reihe auf.

Sie wussten, was jetzt geschehen würde. Tränen flossen über ihre Gesichter.

18 Soldaten legten ihre Gewehre auf die 17 jungen Leute an. Ja, es war immer einer darunter mit Übungsmunition. So konnte sich jeder herausreden, er wäre es vielleicht ja gar nicht gewesen ...

Plötzlich regnete es Blumen. Irritiert senkten sie ihre Gewehre. Wo kamen die denn her?
Sie schauten sich um, dann nach oben. Sie schienen direkt aus dem Himmel zu kommen.

Nach kurzer Zeit lagen die Blumen zentimeterhoch auf der Straße.

Ein Unteroffizier betrachtete sich eine der Blumen genauer.

Es war überhaupt keine Schnittblume, aber eine Wurzel hatte sie auch nicht. Der Stengel schloß ab und kleine Härchen ragten am Ende in die Luft. Schon merkwürdig.

Der Blumenregen hörte auf. Was nun? Die 17 Zivilisten standen noch immer in einer Reihe da.
Unteroffizier Niesmeier nahm das Geschehen einfach mal so hin. Was man nicht erklären konnte, gab es eigentlich auch nicht, aber Befehl ist Befehl.

"Legt an".

Ein neuer Versuch.

Die Gewehre zerflossen in den Händen der Soldaten, als würden sie sich in Wasser verwandeln.

Gewehre aus Eis, die in der Hitze zerschmolzen. Jedes mechanische Teil war eingefroren, in Eis konvertiert.

Die Soldaten standen da wie begossene Pudel. Unteroffizier Niesmeier vergaß zum erstenmal in seinem Leben einen Befehl.

Die Reihe der jungen Menschen löste sich auf. Sie bildeten einen Kreis, rückten zusammen und umarmten sich.

Die einsame Single darunter, sie nahmen sie in ihre Mitte.

Eine Szene voller Liebe und Zärtlichkeit inmitten einer zerstörten Welt.

ArianneW nahm die Situation in besonderer Weise war. Die anderen waren ja Liebespaare! Und sie schlossen sie darin ein :-))). Die Liebe, sie konnte diese Wesen doch nicht einfach im Stich lassen!

Aber dann hatte ArianneW auch schon die Antwort. Sie war ja da. Also brauchte  sich  die Liebe nicht darum zu kümmern.

So musste es wohl sein.

Die Soldaten und Unteroffzier Niesmeier konnten nur noch gaffen. Sie hatten jetzt keine Gewehre mehr. Der Befehl lautete erschießen. Den konnte man nun nicht mehr befolgen.

Aber in einem Krieg gibt es vielleicht einmal einen ruhigen Moment, mehr nicht.

3 Kampfpanzer rollten die Straße herunter. Dann sahen die Kommandanten das Blumenmeer und mitten drin Soldaten und Zivilisten.

Nun, ein eiserner Kämpfer ließ sich durch Blumen nicht aufhalten. Die Zivilisten standen in einem Kreis und die Soldaten schienen sich nicht um sie kümmern zu wollen. Da ging doch etwas nicht mit richtigen Dingen zu.

Was machten die da eigentlich. Umarmen und streicheln? Da musste man doch gleich einmal dazwischenschießen. Panzerschütze Erlmeier nahm sein Gewehr, legte an und ... ploop. Eine Blume steckte im Lauf.

Großes Staunen.

Natürlich konnte er das seinem Vorgesetzten nicht erklären, aber dies war kein Einzelfall. Gewehre verwandelten sich in Eis und schmolzen dahin. Hier schien sich alles in Blumen und Wasser verwandeln zu wollen.

Nun begann es in der ganzen Stadt Blumen zu regnen. Der militärische Einsatz kam ins Stocken.

...

Die Merkwürdigkeiten blieben nicht unbemerkt. Weniger Tote, weniger Seelen konnten gefressen werden. Ein großer schwarzer Vogel näherte sich dem Ausgangspunkt der Dinge.

Die Flügel hatten eine Spannweite von mehr als 40 Metern. Nun, so ein richtiger Vogel war das gar nicht. Eher ein Seelenfresser.

Er landete inmitten der Blumen, keine hundert Meter von der Gruppe der jungen Leute entfernt.

Das blasse Wesen in ihrer Mitte. "Danke, dass ihr mich aufgenommen habt. Das war sehr wichtig für mich und auch für euch."

Die anderen blickten sie an. Merkwürdig, keiner hatte Angst vor dem riesigen schwarzen Vogel. Sie beachteten ihn gar nicht.

"Du bist etwas besonderes. Hast du uns geholfen. Ja, es muss so gewesen sein."

Das blasse Wesen musste lächeln. "Denkt euch nichts dabei. Nehmt die Dinge so wie sind."

Der schwarze Vogel fühlte sich misachtet. So etwas hatte er noch nie erlebt.

"Krächzzz".

Donnernd hallte es über den Platz, brachte die noch stehenden Häuserwände zum Zittern und zum Teil zum Einsturz. Eigentlich hätten die Trommelfelle der Menschen platzen müssen, der Schall ihnen die Seele aus demn Körper treiben sollen, aber es geschah ihnen nichts.

Sie hörten gar nichts.

Die Trümmer der einstürzenden Häuser bewegten  sich alle von ihnen fort.

Dieses bleiche blasse Wesen, das konnte doch nicht die Ursache für alles sein? Er als Wesen der Unendlichkeit, er würde dieses Nichts absorbieren.

Er griff sie an, aber nichts geschah. Als wäre sie gar nicht vorhanden. Dabei war es eher umgekehrt. ArianneW träumte ihren Traum von der Wirkungslosigkeit der Mächtigen unendlicher Größe.

...

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