Arianne 129 - Ohnmacht <<Home>> nächste Seite =>

Entscheidungsprobleme einer Janine

Wieder zurück in Ariannes Ebene. Irgendwo in der Unendlichkeit, auf einem kleinen Planeten in einer von Trilliarden Galaxien.

Anarchie

Es gab keine Macht, die das Land beherrschte. Alles zerfiel in kleine und kleinste Gruppierungen, die sich gegenseitig bekämpften. Das Land lag darnieder, die Ernte konnte nicht eingefahren werden, Lebensmittel wurden knapp.

Wer würde überleben?

Erste Fälle von Kannibalismus wurden bekannt.

Janine und ihr Zeitwesen Icefrost standen auf einem Hügel, sie beobachteten das Geschehen um sich herum.

Zwei Warlords hatten ihre Armeen aufgeboten. Verbissener Kampf um ein bisschen verbrannte Erde.

Janine: << Wir müssen eingreifen. Retten wir die Wesen in dem kleinen Dorf dort hinten. Sonst werden sie zwischen den Armeen zerrieben. Da die Armeen keine Lebensmittel mehr haben wird man die Dorfbewohner töten und auffressen >>

Iceforst: << Wir dürfen nicht eingreifen. Diesmal nicht. Jede Veränderung des Zeitstromes hätte katastrophale Auswirkungen, die sich nicht mehr eingrenzen lassen >>

Janine: << Aber dürfen wir das hier geschehen lassen? Was ist mit unserer Verantwortung für das Leben? >>

Icefrost: << Wenn wir 1000 Wesen retten, werden dafür Millionen sterben. Das ist die Struktur dieser Raum-Zeit. Ich kann sie verfolgen, in all ihren potentiellen Möglichkeiten >>

Janine: << Und wenn wir die Wesen in dem Dorf durch Matrizen ersetzen? Die kriegsführenden Parteien merken das doch gar nicht >>

Icefrost: << Das ist richtig. Aber im spirituellen Bereich gäbe es dann eine Lücke. Dieses Loch würde sich fortpflanzen ... >>

Janine: << Dann dürfen wir auch nicht auf Sensity hoffen. Nur Weepy, sie würde das Leiden in sich aufnehmen. Aber nein, ich will das nicht. Ich will sie retten. Es sind so schöne Wesen, so voller Harmonie und Liebe. Dies alles zerrieben in einem sinnlosen Krieg?  Können wir nicht einen parallelen Zeitstrom aufmachen? >>

Icefrost: << Das ging schon. Nur, die Wesen in dem alten Zeitstrom, ihr Schickal würde sich weiterhin erfüllen >>

Janine schaute sie ratlos an. Es tat so weh über die Macht zu verfügen, alles ändern zu können und doch so hilflos daneben stehen zu müssen >>

Janine: << Probleme entstehen doch nur dann, wenn wir paranormale Energie einsetzen. Machen wir uns selbst zu Wesen dieser Welt. Kämpfen wir auf dem Schlachtfeld für unsere Ideale. Wenn es uns umbringt, es ist doch nicht das Ende unserer Existenz >>

Icefrost: << Doch, das ist es. Das wäre die ultimative Konsequenz eines solchen Handelns >>

Janine: << Nein, das darf ich nicht riskieren. Ich bin eine Janine und damit ein Pfeiler des Lebens. Es würde die ganze Ebene gefährden. >>

Icefrost: << Das Empfinden einer solchen Ohnmacht gibt es wohl nur für unendliche Wesen, wie wir es sind >>

Janine: << Ja, aber leiden wir nicht mit, wenn sie unsere geliebten Wesen abschlachten wie Vieh? Ist das nicht auch ein Teil der Spiritualität? Warum muss das unveränderbar sein? >>

Icefrost: << Das ist es nicht. Wenn du das zukünftige Leiden dieser Wesen in dich aufnimmst, unabhängig davon was wirklich passiert, dann erzeugst du eine Wirkung ohne Ursache >>

Janine: << Das heißt doch, wenn ich mich irgendwo kreuzigen lasse und das ganze Leiden dabei in mich aufnehmen, dann habe ich einen Bonus die Raum-Zeit zu verändern? >>

Icefrost: << Ja, aber es wird dir sehr weh tun und die Konsequenzen für die Raum-Zeit? In einigen der potentiellen Fortsetzungen erzeugen wir mehr Leid als wir hier verhindern können. Es läuft auseinander, wir können nicht alles beeinflussen. Es ist fast so als würdest du fließendes Wasser mit einer Hand festhalten wollen >>

Janine: << Es ist doch manchmal sehr schwierig, ein höheres kosmisches Wesen zu sein >>

Icefrost: << Es ist die Selbständigkeit der Existenz. Die Zeit fließt wie ein Strom und sie verzweigt sich. Jeder Eingriff bewirkt Wirbel in der Zeit und damit auch ein verändertes Stromverhalten. Durch die Wirbel werden Veränderungen irreversibel. Ereignisse können nicht wieder rückgängig gemacht werden.  Jedes dabei entstehende potentielle Zeitparadoxon erzeugt einen neuen parallelen Zeitstrom.

Der ganze Zeitstrom ist hochgradig labil. Eingriffe würden neue Verzweigungen hervorrufen. Wenn wir die beinflussen würden, gäbe es wieder neue Verzweigungen. Wenn ich die potentiellen neuen Zeitströme entlanglaufe sehe ich sehr viel Leid und Elend darin. Also greifen wir hier lieber nicht ein >>

Janine: << Aber in Ariannes Heimat darf man doch auch eingreifen >>

Icefrost: << Ja, aber Ariannes Heimat ist eine Besonderheit. Arianne selbst steht hinter allem, sie bürgt für ihr Experiment. Es ist ihr Bonus, da die Ebene sie unbedingt als Wesen der Existenz haben wollte und sie hat es zur Bedingung gemacht. Sie wollte einen Bereich in dem sie ihre Vorstellung gestalten kann. Arianne ist auch so unendlich viel größer als wir. Sie kann simultan unendlich viele Verzweigungen beherrschen, die in jedem ihrer Raum-Zeit-Punkte selbst wieder unendlich viele Verzweigungen hervorrufen, und das alles beliebig fortgesetzt.

Das unterscheidet sie von uns, wie können nur eine einfache Unendlichkeit erfassen. Irgendwann laufen uns die Verzweigungen davon >>

Janine seufzte. So ein komplizierter Kosmos. Dabei ging es ihr doch nur darum ein paar bedrohte Seelen zu retten.

...

So nahmen die Dinge ihren Lauf. Im Rahmen einer Kausalität, die Janine zu hassen begann.

Janine wusste, was nun geschehen würde. Ihr wurde schlecht, sie musste sich übergeben. Nein, das nicht, sie wollte keine Janine mehr sein. Sie wollte gar nicht mehr leben.

Eine Eingebung.

Irgendetwas sprach zu ihr. Es musste ein höheres Wesen sein, denn sie konnte es nicht wahrnehmen.

<< Die Existenz höherer Wesen ermöglicht eine Veränderung. Ihr dürft die Dinge nicht so leblos betrachten. Materielle Existenz und Kausalität der Raum-Zeit ist nur ein Teil der Ewigkeit. Nur wenn es euch hier nicht gäbe, wäre alles unveränderlich. Was dann in der Zukunft passiert, ihr solltet dieses Wissen nicht ausschließlich zum Gegenstand eures Handelns machen. Auch die Zukunft kann beeinflusst werden >>

?

<< Die Auseinandersetzung findet dann auf der spirituellen Ebene statt. Ihr müsst euch rechtfertigen, gegenüber den Wächtern der Naturgesetze und gegenüber allen kosmischen Wesen, die durch euer Handeln beeinflusst werden. Das kann sehr unangenehm sein, aber in Ariannes Ebene wird argumentativ entschieden. Zu den Argumenten zählt auch euer Gefühl, euer Wesen, euer Geist, eure Wünsche, alles was ihr darstellt, warum ihr leben wollt. Ihr steht nicht alleine da. Es gibt Unterstützung von anderen höheren kosmischen Wesen. Es ist ein spirituelles Tribunal. Aber bedenkt auch, ihr müsst das Leiden in euch aufnehmen, das ihr verhindert wollt  >>

Janine dachte nach, nein, sie handelte spontan.

Wie ein Blitz fuhr sie hinunter ins Tal, hinein ins Dorf, krachte als Geist gegen eine Häuserwand und durchbrach sie.
Nun befand sie sich in einem Zimmer.

Von der anderen Seite kamen Soldaten herein.

Zwischen ihr und den Soldaten, Zivilisten.

Janine vervielfältigte sich. So stand sie nun überall im Dorf zwischen den Zivilisten und den Soldaten.

Icefrost fror die Raum-Zeit ein. Es gab keine Bewegung mehr. Mit einer Ausnahme, Janine konnte sich noch bewegen.

So konnte die multiple Janine mühelos die Waffen der Soldaten einsammeln.

Es würde dann wohl eine Ansprache geben und ganz so wirkungslos würde sie bestimmt nicht sein.

...


Wer hatte zu ihr gesprochen?

Ein höheres Wesen, sie konnte es nicht erkennen. Aber eins, das ihr zugewandt war.

...

Das Tribunal. Janine sollte sich rechtfertigen. Wächter der Naturgesetze hatten sich zusammengefunden, beleuchteten die Konsequenzen ihrer Handelns immer und immer wieder.
Ein paar höhere kosmische Wesen fühlten sich beeinträchtigt. Die Voraussetzungen ihrer Entwicklung fielen in einigen Punkten zusammen.

Janine argumentierte nicht mit Worten, sie zeigte ihre Gefühle, das, was sie auf sich genommen hatte. Es war erschütternd. Sie brach zusammen, lag auf dem Boden und rührte sich nicht mehr. Sie weinte leise. Man hörte es kaum, dennoch, es berührte die anwesenden kosmischen Wesen.  Selbst die Wächter konnten sich dem nicht entziehen, aber konnten sie gegen ihre Natur handeln?
Was geschehen war, war geschehen. Es lies sich nicht mehr rückgängig machen ohne der Spiritualität etwas wegzunehmen.

Arianne schaute zu.

Man kann sich das ganze wie einen Gerichtssaal vorstellen. Vorne die Richter, davor die Person, die sich rechtfertigen musste und Arianne hinten auf einem Podest sitzend.
Als Zuschauer.

Dass sie überhaupt dabei war, es brachte einiges an Unruhe in manche der anwesenden Geister. Man konnte wohl jeden ignorieren, nicht aber Arianne.

Nun ja, es ging um eine Janine.

Arianne fühlte sich zum Handeln gezwungen. Nein, das wollte sie beenden. Sie stieg von ihrem Podest herunter, ging zu Janine, nahm sie in ihre Arme, streichelte sie sanft. Dann ging sie zurück auf ihr Podest, nahm sie einfach mit. Plötzlich war niemand mehr da, der sich rechtfertigen musste.

Arianne: "Was tut ihr hier? Wollt ihr sie bestrafen? Janines sind Pfeiler des Lebens und sie sind absolut positive Wesen. Alles was sie tun dient nur der Verbreitung von Leben. Das sie sich dafür verantwortlich fühlen und dass sie sich für das Leben einsetzen wollen, es ist eine natürliche Reaktion. Das Leben erhalten zu wollen, es ist ihre Art, ihre Identität. Ich hinterfrage es nicht. Wozu habt ihr eure kosmische Macht und eure Intelligenz? Wenn Probleme entstehen, bewältigt sie. Die Existenz ist keine Maschine die nur nach vordefinierten Abläufen funktioniert.  Sie ist dynamisch, etwas lebendiges, ihr alle seid ein Teil davon und ihr und könnt sie verändern und gestalten.

Ich will niemals wieder eine Janine vor diesem Tribunal sehen. Für die Existenz sind viele von euch verzichtbar, die Janines sind es nicht."

Oh ja, wenn Arianne sich gezwungen sah, Stellung beziehen zu müssen, es brachte einige höhere Geister in ihrem Selbstverständnis ins Wanken.
Manchmal war sie auch sehr hart in ihren Aussagen.

...

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