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Arianne 131 - Spezies

Die menschliche Spezies am Scheideweg.

Julia und ihre Welt

In den Tiefen der Meere entwickelte sich Intelligenz. Intelligenz die ganzheitlich orientiert war. Über die Verbundenheit mit der Natur gelangten die Wesen zu paranormalen Fähigkeiten, sie verständigten sich durch Telepathie.

...

Über den Meeren, das digitale Zeitalter. Alles war vollständig automatisiert. Computer-Chips ermöglichten sogar den Empfang von Gedanken befreundeter Wesen. Aber jeder Zusammenhang musste erst durch digitale Transformation konstruiert werden. Ein sehr umständliches Verfahren. Es entstanden dabei sehr viele assoziative Verknüpfungen, die keinen Sinn ergaben und erst ausgefiltert werden mussten.

So gab es auch keine künstliche Intelligenz, die ihren Namen verdient hätte. Was erwartet man auch mehr von einer "Rechenmaschine" als ein funktionelles Abarbeiten von "Algorithmen"?

Die Menschen passten sich an. Ihre Denkvorgänge wurden immer abstrakter, angepasst an die Anforderungen der digitalen Informationsverarbeitung. Sie sahen die Gefahr nicht, die dabei entstand. Der Mensch entfernte sich immer mehr von seinen natürlich vorhandenen Potentialen und dann, eines Tages, war er nicht mehr die dominante Spezies des Planeten. Trotz aller technischen Errungenschaften.

...

Julia: "Ich habe Angst, mein Gefühl sagt mir, dass es so nicht weitergeht."

Hans: "Warum denn? Es ist doch alles geregelt. Was soll uns passieren?"

Julia: "Es ist diese allgegenwärtige Kontrolle, warum verhält du dich so und nicht anders? Für alles müssen wir eine Antwort finden. Warum sind wir nicht glücklich? Wie müssen wir uns verhalten um einen optimalen Beitrag für das Funktionieren des Zusammenlebens zu leisten? Alle diese Gedanken, sie beschäftigen mich ständig. Was ist mit meinem Gefühl? Wenn ich verhaltensauffällig werde, dann werden sie mir die Fähigkeit nehmen, Gefühle empfinden zu können. Davor habe ich Angst."

Hans: "Was nimmst du diese Gefühle so wichtig? Es ist doch nur ein animalisches Erbe. Wir haben so viele Möglichkeiten unseren Verstand zu entwickeln. Sieh, diese ganzen virtuellen Welten, sie können alles darstellen, was wir wollen."

Julia: "Ja, aber das reale Leben. Unsere eigene Fantasie. Wir folgen nur noch den Gedanken von anderen. Alles ist an Sachzwängen orientiert. Ich mag dieses Leben nicht. Ich möchte frei sein, meine Gefühle ausleben, mich an der Natur erfreuen. Ich möchte dies nicht alles verlieren und mich einpassen in eine Maschinerie, die mein Leben bis ins Detail hinein bestimmt. Ich möchte die Natur  begreifen lernen und nicht immer nur irgendwelche Programme. Weiß ich, wie die zustandekommen."

Hans: "Das sind revolutionäre Gedanken. Man wird dich bestimmt bald zu einer psychologischen Beratung auffordern."

Julia: "Ja, und dann nehmen sie mir meine Gefühle."

...

Es war Nacht. Julia lag im Bett und weinte. Sie hatte heute eine Nachricht erhalten, von der allgegenwärtigen sozialen Kontrolle. Morgen sollte sie sich bei Doktor Hasibus melden. Sie wusste, was das bedeutete.

Sie konnte nicht schlafen, dämmerte so vor sich dann. Dann, mit einem mal, so zwischen Wachen und Träumen, etwas driftete in ihr Gehirn. Ein Gedanke, der nicht von ihr kam. So etwas kannte sie schon, es geschah, wenn sie diesen digitalen Telepathiehörer aufsetzte.

Nein, sie hatte sich strikt geweigert, einen Chip implantieren zu lassen.

Ein fremder Gedanke, irgendwie nicht menschlich. Er vermittelte ein Gefühl von Tiefe. Sie wehrte sich nicht gegen den eindringenden Gedanken. Dann plötzlich konnte sie etwas sehen. Sehen in vollkommener Dunkelheit? Ja, sie sah Wasser um sich herum und sie wusste plötzlich wo sie war, in der Tiefe des Meeres.

Sie sah Tiere mit großen Augen und vielen Tentakeln. Sie schienen sie anzublicken. Julia tauchte ein in die Gefühlswelt der Wesen und erkannte, dass sie eine komplexe Sozialstruktur aufgebaut hatten. Orientiert an der Natur, in ständiger Wechselwirkung mit dem Meer und mit ... der elektromagnetischen Strahlung des Planeten!

...

Sie fühlte sich hinein in die Gedanken der Tentakelwesen und erkannte ihre Pläne. Sie wollten die Menschheit einschlafen lassen. Sanft, unbemerkt von den Betroffen. Und dann, dann würden sie deren Hinterlassenschaft übernehmen..

Julia schrie ihrer Gedanken hinaus: << NEIN, DAS IST MORD. Das dürft ihr nicht. Wenn ihr darauf eure Zivilisation begründet wollt, dann lastet der Fluch des Verbrechens ewig auf euch, bis es euch selbst dahingerafft hat >>

Nun kamen tatsächlich Gedanken zurück, die sie verstehen konnte.

<< Aber ihr Affenähnlichen habt es nie geschafft, eine dauerhafte Zivilisation aufzubauen. Ihr seid zu sehr in eurem Individualismus gefangen, berauscht euch an euren Allmachtsgefühlen. Ihr seid abhängig von euren Endomorphinen >>

Julia: << UND ICH!!! WAS BIN ICH!!! >>

<< Eine Ausnahme, aber das ist einfach zu wenig. Du bist sehr isoliert. >>

Julia: << NEIN, DAS BIN ICH NICHT. HANS IST EIN COMPUTER FREAK, ABER ALIA, REBECKA, ASTARA, SIE LIEBEN DAS LEBEN SO WIE ICH >>

Juliane vergaß ihr persönliches Schicksal völlig, hier ging es um sehr viel mehr.

<< Ihr Affenähnlichen schafft es nicht die Ungerechtigkeiten in euren Sozialstrukturen zu beseitigen. Ihr begreift das Elend der anderen nicht. Es ist oft nur Gegenstand der Unterhaltung. Ihr könnt darüber weinen aber tut nichts um es zu verändern. Daher ist auch jede Kultur, die ihr jemals geschaffen habt, wieder zugrunde gegangen. Nun ist es genug, wir haben euch in der Entwicklung der Arten überholt.  >>

Julia: << Nein, das stimmt doch nicht für alle Menschen. Seht ihr denn nur einen Teil der Gesamtheit, so dass es für euch gerade passt? >>

<< Es ist zu wenig, es fällt nicht mehr ins Gewicht. Das Universum hat sich von euch abgewandt. Das Universum mag diese endlose Wiederholung immer der gleichen Probleme nicht mehr. Euer Geist hat es nicht geschafft, sich von der animalischen Vergangenheit zu trennen. Ihr seid nichts anderes als höher entwickelte Freßzellen, die sich gegenseitig verdauen wollen. >>

Julia: << Wie kann eine Spezies nur so selbstherrlich und selbstgerecht sein? Ihr wollt uns überholt haben? Ist Entwicklung nicht auch Verständnis? Was wollt ihr? Ihr seid einfach nur die größere Freßzelle geworden. >>

Es kam nichts mehr zurück bis auf einen leichten Druck im Gehirn. Fingen sie bereits damit an, die Menschheit auszulöschen?

Aber dann, eine leise Stimme im Hintergrund. Mehr ein Erahnen, aber ein Erahnen von Größe.
Der Druck verschwand schlagartig.

<< Ich will dir helfen. Weißt du, vor vielen Millionen Jahren beherbergte ich ein ganz besonderes Wesen. Damals gab es eine Spezies, die so ähnlich aussah wie ihr. Sie hat sich selbst vernichtet. Schade, es gab so viel Schönes in ihr neben der ganzen Häßlichkeit. Aber dieses eine Wesen, es hat kosmische Größe erreicht >>

Julia: << Ich ... wer bist du? >>

<< Ahnst du es nicht *telepathischen Lächeln*. Ich werde sie suchen. Es ist aussichtlos, denn sie ist nicht die Janine dieses Zeitstromes. Irgendwo verschollen in der Unendlichkeit. Aber ich werde die Sonne um Hilfe bitten, und sie fragt dann die anderen Sonnen der Galaxis, bis die ganze Galaxis es weiß. Und so geht es dann fort, hinein ins Universum. Glaube mir, einen solchen Ruf hat es noch nie gegeben >>

Julia: << Eine Janine? Kann sie uns helfen. Die Tentakelwesen haben paranormale Fähigkeiten. Wenn sie sich zusammenschließen, wer kann dieser Macht widerstehen? >>

<< *lächeln*. Du weißt nicht, was eine Janine ist. Glaube mir, sie kann euch helfen >>

...

Julia schlief ein. Die Tentakelwesen meldeten sich nicht mehr. Ob sie bereits daran arbeiteten, die Menschen einschlafen zu lassen? In einen Schlaf, der nur den Tod zur Folge haben konnte? Sie wusste es nicht. Aber diese Stimme, sie gab ihr Vertrauen, dass sie alle noch eine Chance hatten.

Plötzlich ein Geräusch, das sie weckte. Es war dunkel im Raum, nur durch das Fenster fiel etwas Licht.

Was war dort am Fenster? Sie sah einen Schatten.

...

Ein Gedanke in ihrem Bewusstsein.

<< Hab keine Angst, ich habe den Ruf gehört >>

Julia: "Dann bist du die Janine? "

<< Nein, die bin ich nicht. Ich bin Arianne, das Wesen der Existenz >>

...

Julia saß mit einem mal im Bett. "Das Wesen der Existenz?"

Es wurde hell im Zimmer.  Julia konnte nicht sehen, woher das Licht kam. Ihr kleiner Vogel saß in seinem Käfig, sah das langhaarige Wesen an, das am Fenster stand. Fast hatte sie Eindruck, er würde sie anbeten. Ein absurder Gedanke. Aber selbst ihre Zimmerpflanzen schienen sich zu verneigen. Vielleicht doch nicht so absurd.

A: << Ja, das bin ich, alles was ist, es ist ein Teil von mir >>

Juliane konnte nicht mehr denken. Ihre Gefühle liefen Sturm.

J: "Das Wesen der Existenz. Ich brauche Hilfe, für mich und für meine Spezies. Kannst du sie mir geben? "

A: "Ich weiß. Deswegen bin ich hier. Ob ich dir helfen kann? Wisse, ich greife ein in das Geschehen das Welt, alleine schon dadurch, dass ich dir bewusst werde. Ich mag dein Wesen, deine Art. Du bist so verloren in deiner Welt aber du glaubst an dich und an das Leben."

J: "Ja, aber ich möchte nicht, dass mein Volk vernichtet wird. Das Wort Rasse möchte ich nicht benutzen. Sind die Tentakelwesen denn so viel wertvoller, dass sie uns völlig ersetzen können? >>

A: << Wertvoller? Woran will man das messen? Es ist eine Entwicklung innerhalb der Evolution. Darwinia hat es geduldet und sie widerspricht ihr nicht. Aber ich, ich bin fasziniert von dir. Du bist nicht so isoliert, wie es aussieht. Du trägst das ganze Potential deiner Spezies in dir drin. Dadurch hast du selbst paranormale Fähigkeiten entwickelt, die denen der Tentakelwesen in nichts nachstehen >>

J: "Aber doch nicht nur für mich? Ich möchte den anderen helfen. Ein wenig andere Gedanken in die Welt streuen, die vielleicht auch eine Berechtigung haben. Die digitale Welt allein kann doch nicht alles sein. Ist es nicht eine Beschränkung der Entwicklungsmöglichkeiten?"

A: "Es kommt darauf an. Wenn digitale Systeme hinreichend komplex werden, kann man den Unterschied zu anderen kommunikativen Formen nicht mehr sehen.

Du solltest das kleine digitale Programm kennenlernen, das eine Seele entwickelt hat. Das würde auch in deinen Gedanken einiges verändern >>

J: << Ein digitales Programm mit einer Seele. Das gibt es? >>

A: << Ja, das gibt es. Es stammt aus einer computerisierten Welt. Eine andere Möglichkeit des Seins. Es gibt so viele davon. Sie alle haben ihre Berechtigung in der Existenz. Nur manchmal, manchmal muss ich eingreifen, wenn ich eine bestimmte Form am Leben erhalten will, die mir selbst sehr am Herzen liegt. Weißt du, nur ich kann Raum und Zeit verändern, ohne dass es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommt. Ich bewahre den ursprünglichen Zweig dann als gelebte Parallelität in mir auf. Ich könnte ihn auch einfach auslöschen, oder ersetzen, aber das will ich nicht >>

J: << Dann willst du uns bewahren? >>

A: << Ja, ich werde mit den Tentakelwesen reden. Wenn sie nicht wollen, dann schaffe ich für sie eine parallele Welt, nur für sie, in denen ihr nicht vorkommt >>

Arianne ging noch nicht.

Ein Gedanke bildete sich, der nicht an Julia gerichtet war, aber sie verstand ihn.

<< Planet, du hast ein Feuerwerk entzündet, das beispielhaft ist. Ich habe sie dir mitgebracht >>

Ein telepathischer Seufzer ertönte, der es in sich hatte. Hat schon mal jemand einen Planeten vor Freude weinen sehen?

...

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