Arianne 133 - Die Nebel der Persephonia

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Idu und Astra, ein Liebespaar zwischen Leben und Tod

Das Licht in der Nacht. Es durchdrang scheinbar die Wände, so intensiv war es. Zurück blieb ein grünliches Leuchten. Radioaktivität. Kein lebendes Wesen konnte eine solche Konzentration von Radioaktivität überstehen.

Astra stand am Fenster, schaute hinaus.

Idu schaute sie an. "Dieses Licht, was hast du gesehen?"

A: "Einen Atompilz, dort weit hinter dem Horizont. Ein gewaltiges Gebilde in großer Höhe."

Idu ganz entsetzt: "Du hast direkt in einen Atompilz geschaut? Du musst erblindet sein."

A: "Nein, bin ich nicht. Schon etwas merkwürdig, aber diese grüne Leuchten, wenn das Radioaktivität ist, dürften wir ohnehin nicht mehr leben."

P: "Siehst du irgendwelche Lebensformen dort draußen?"

A: "Nein, alles ist weg. Wie verbrannt und in Luft aufgelöst. Es gibt keine Bäume, Tiere, Menschen, nichts mehr. Nur nacktes Gemäuer und dieses grüne Leuchten an allen Ecken und dunklen Eingängen. Alle organischen Substanzen scheinen sich aufgelöst zu haben. Holztüren und Fenster gibt es nicht mehr. Nur noch Metall und Beton. Dabei sieht der Beton ganz schön morbide aus."

Idu ging an Fenster.

P: "Die Gebäude stehen ja alle noch. Dann war das wohl eine Mega-Neutronenbombe."

A: "Was machen wir nun? Wir dürften gar nicht mehr leben oder sind wir bereits tot?"

P: "Nein, tot fühle ich mich nicht."

Sanft berührte er Astra. "Und dich spüre ich auch."

A: "Ja, ich spüre dich."

Die beiden umarmten sich und gaben sich ihren Gefühlen hin.

A: "Lass uns nach draußen gehen. Da wir ohnehin nicht mehr leben dürften, was kann uns noch schlimmes passieren?"

Auuuoooo. Astra hatte sich an der Tischkante gestoßen, ein dicker blauer Fleck bildete sich.

Idu schaute sie an. "Wir müssen auf uns aufpassen. Einen Freibrief für Unverletzbarkeit haben wir nicht."

Sie zogen sich an und gingen nach unten.

Auf der Straße. Alles war menschenleer. Auch die Blumenkübel waren leer, bis auf ein bisschen Erde darin. Kein bisschen Leben war zu sehen. Der Himmel war von Farben durchzogen, teils rot, teils blau, gelb, lila, grün. Schwarze Streifen waren zu sehen und dunkle Löcher, die scheinbar auf sie herabblickten.

A: "Du, Idu, ich glaube wir sind tot. Dies kann nur das Reich des Todes sein."

Ein Taxi näherte sich.

Idu winkte.

Das Taxi hielt und der Fahrer stieg aus, öffnete ihnen die Tür.

Beide waren zunächst einmal sprachlos. Das war ein Skelett, ein Skelett mit rotglühenden Augäpfeln in den sonst leeren Augenhöhlen. Wie eine Karrikatur des Todes.

"Bitte steigen sie ein."

Ein krächzende Stimme, passend zu der Gestalt.

Sie stiegen ein und ergaben sich erst einmal der Dinge die nun kommen würden.

...

Sie fuhren durch die Stadt. Sie war nicht leer. Überall gab es merkwürdig anzusehende Gestalten. Alptraumhafte Gebilde, halbtransparente Vögel mit riesigen Schnäbeln. Manche davon schienen nur aus Schnäbeln zu bestehen. Überdimensionale schwarze Raben mit rotglühende Augen. Lichtgestalten, die durch die Luft schwebten, zum Teil in menschlicher Gestalt.

Idu: "Dort, siehst du sie, das ist Annabella. Anhalten!"

Das Skelett stoppte die Fahrt abrupt ab. Idu wurde nach vorne geschleudert, aber er war angeschnallt, das rettete ihn. Wer hatte ihn angeschnallt? Als er eingestiegen war, gab es überhaupt keine Gurte.

Idu riss die Tür auf, rannte nach draußen. Merkwürdig, gerade war er doch noch angeschnallt gewesen.

Skelett: "Was macht er da? Das ist Persephonias Nebelstreifen, der Eingang zur Unterwelt. Sie werden ihn zerfetzen."

Aber es geschah nichts. Die Formen und geisterhaften Strukturen bildeten eine Gasse. Idu erreichte Annabella, fasste sie an der Schulter. "Komm mit."

Sie schaute ihn an. Erst völlig verständnislos. Dann zeigte sich so etwas wie Erkennen in ihren Augen.

"Idu? Du hier? Du siehst gar nicht so tot aus."

Idu: "Tot? Ich bin nicht tot. Und du?"

Isabella. "Ja, ich bin tot."

Idu: "Du kommst jetzt mit". Er fasst sie am Arm. "Siehst du, ich kann dich anfassen, und da ich nicht tot bin..."

Annabella lies sich mitziehen. Dann rannten beide zum Auto.

Skelett: "Was willst du hier? Geh zurück in den Randbereich, sie warten bereits auf dich."

Astra: "Fahr los. Sie gehört zu uns."

Das Skelett schaute sie unschlüssig an. Ein schwarzer Rabe landete auf dem Auto, direkt vor der Windschutzscheibe, krächzte das Skelett an.

Astra: "Nun schau nicht so dumm, fahr endlich los."

Das Skelett schüttelte den Kopf, aber fuhr los. Der Rabe wurde davongeschleudert. Ein mächtiger großer Klotz krachte auf die Straße, dorthin, wo das Auto gerade noch gestanden hatte. Er riss ein metertiefes Loch. Das Auto wurde 20 Meter durch die Luft nach vorne geschleudert, landete aber auf seinen 4 Reifen. Irgendetwas federte den Stoß ab.

Krachhhhhh. Nachdem sich alle wieder gefasst hatten.

Skelett: "Ihr müsst ganz mächtige Beschützer haben. So etwas gibt es doch gar nicht."

Idu: "Skelett, wo sind wir hier?"

Skelett: "Im Randbereich zu Persephonias Welt. Er ist nur für die Toten sichtbar. Euch dürfte es hier gar nicht geben."

Astra: "Dann sind wir nicht tot?"

Skelett: "So wahr ich der Tod bin. Nein. Ich kann euch nicht fassen. Ihr seid unberührbar. Nur dieses Wesen zwischen euch, es gehört hierher. Es scheint aber durch euch mitbeschützt zu werden. Sonst hätte sie der Rabe geholt. Durch die Windschutzscheibe hindurch. Die gibt es gar nicht. Nur eure merkwürdigen Vorstellungen davon. Irgendwann wird Persephonia das mitkriegen. Dann wäre ich an eurer Stelle lieber nicht hier. "

Astra: "Annabella, was ist passiert?"

Annabella: "Eine mächtige Explosion außerhalb des Sonnensystems. Die Feuerwalze wälzte sich auf den Planeten zu, mit Lichtgeschwindigkeit. Wir haben alles ganz genau mitbekommen, über unsere überlichtschnelle Hypertechnologie. Aber wir konnten nichts tun. Dann erreichte sie uns und hat alles zerfetzt. Nicht einmal Staub blieb übrig."

Idu: "Dann ist außerhalb nichts, aber was ist das hier?"

Annabella: "Das Totenreich. Nachdem alles zerfetzt war meldete sich mein Bewusstsein plötzlich wieder. Etwas flüsterte mir den Weg ein, den ich zu gehen hätte. Dann kamst du, Idu. Ich weiß nicht, wohin es mich geführt hätte."

...

Etwas streifte sie. Es vermittelte unendliche Größe, Spiritualität.

Skelett: "Persephonias Schatten. Nun hat sie euch entdeckt."

Aber nichts geschah. So fuhren sie einfach weiter.

Astra: "Idu, diese kleine rote Kugel hier. Weißt du, was das ist?"

Das Skelett erblickte die Kugel und verlor seine Kugelaugen. Nur die Höhlen blieben zurück. Die Augen rannten davon. Es krächzte ein letztes mal und fiel dann auseinander, wurde zu Staub.

Idu: "Eine sehr eindrucksvolle Kugel."

Annabella: "Was hast du da? Es vermittelt Lebensenergie, etwas, dass ich gar nicht mehr selbst habe. Ich spüre sie trotzdem."

Astra: "Die Kugel haben wir schon seit Generationen in unserem Besitz. Sie hat nie etwas anderes dargestellt, als das, was wir in ihr sehen. Überliefert wurde uns, dass sie ungeheuer wertvoll sein soll. Nun vernittelt sie Lebensenergie an Annabella. Vielleicht ist sie unser Beschützer."

Die Kugel begann zu strahlen. Die Aura hüllte das ganze Auto ein. Drumherum standen überhaus seltsame Gestalten. Formen, die ständig in Auflösung begriffen waren, aber sich permanent wieder neu zurückbildeten. Die Aura schien sie zurückzuhalten.

Dann sahen sie sie. Es musste Persephonia sein. Die drei wussten es sofort. Persephonia hatte menschliche Gestalt angenommen. Alle anderen Formen verschwanden schlagartig, als hätte es sie nie gegeben.

Es wurde dunkel, rabenschwarz. Selbst die Aura wurde schwarz. Dennoch konnten sie Persephonia erkennen.

Persephonia näherte sich dem Auto, berührte die Aura mit der Hand und sie hörte auf zu existieren. Das Leuchten der kleinen Kugel erlosch, nein, nicht völlig. So eine Art "Stand bye modus". Die Kugel blieb rot, ein sehr dunkles düsteres Rot. Das einzige bisschen Farbe in der Dunkelheit.

Persephonia musterte die drei. In ihren Augen lag so etwas wie Güte, sie zeigte damit, man musste keine Angst vor ihr haben.

<< Bitte zeigt mir die rote Kugel >>

Idu gab sie ihr. Durch die Scheibe hindurch.

Persephonia betrachtete sie und gab sie Idu zurück.

<< Eine Kugel der Liebe. Sie ist etwas sehr wertvolles. Behüte sie gut >>

<< Ja, was mache ich jetzt mit euch? Die Liebe will nicht, dass ihr in die Transzendenz eingeht. Das ist für das Liebespaar kein Problem, denn ihr lebt ja noch, aber Annabella? Ich bin das Wesen des Todes, ich kann ihr das Leben nicht zurückgeben. Aber die Kugel kann es. Idu, bitte gib die Kugel Annabella in die Hand. >>

Und so geschah es. Annabella begann aus sich heraus zu strahlen, wurde erst transparent und nahm dann eine feste Gestalt an. Mit großen weiten Augen verfolgte sie ihre Metamorphose.

Annabella: "Ich .. ich .. ich ..."

P: << Ja, du lebst wieder. >>

Dann erfasste Annabella ein tiefer Schmerz, sie krümmte sich zusammen und schrie ihr Elend hinaus.

P: << Ich helfe dir, sonst bist du gleich wieder tot >>

Annabella beruhigte sich wieder, aber sie war tränenüberströmt. Etwas musste ihr sehr weh tun.

<< So ihr drei, ich bringe euch am besten gleich zurück ins Leben. Aber wohin? Euer Planet existiert nicht mehr. In eine parallele Welt? Irgendwie passt ihr dort nicht hinein. Ich will auch nicht in das kosmische Geschehen außerhalb der Transzendenz eingreifen. Dann gibt es nur eine Lösung. Ich liefere euch in Ariannes Heimat ab. Sie als Wesen der Existenz, sie kann euch eine eigene parallele Welt schaffen. >>

Astra: "Persephonia ..."

P: "Sprich ruhig weiter, ich bin Persephonia."

Astra: "Persephonia, was ist passiert. Warum wurde alles ausgelöscht, wie Annabella es beschreibt, warum sind wir hier?"

P: "Eine Selbstentzündung des Vakuums. Mächtiger als jede Hypernova. In den Träumen der weißen Frau gab es so etwas nicht. Aber nun, da Arianne Realität geworden ist, hat sie die Phänomene der Leere geerbt."

Idu: ?

P: "Die Leere kann nicht auf ewig leer bleiben, es gibt in der Realität keine unendliche Monotonie. So kommt es zu Fluktuationen des Vakuums, die sich entzünden können."

Idu: "Und wir?"

P: "Die Kugel der Liebe, zwischen euch gibt es wahre Liebe und es ist auch eure Liebe zu Annabella, die die Kugel aktiviert hat. Mich würde es nicht wundern, wenn sie hier in der Nähe wäre."

Astra: "Sie?"

P: "Die Liebe. Sie ist eine kosmische Entität. Wenn ihr irgendjemanden von euch plötzlich doppelt seht *grins*. Nun, der Wille der Liebe ist mehr als jedes Naturgesetz. Ich widerspreche ihm nicht. Kommt mit mir, ich bringe euch zu Arianne."

Idu: "Persephonia, warum ist deine Welt so skurill?"

P: "Es sind unbewusste seelischer Vorgänge, die freigesetzt wurden. Seelische Vorgänge, die Gestalt annehmen, Ängste, Wünsche, Hoffnungen, Fantasie. Sie werden jetzt vordergründig, nachdem sie solange im verborgenen existierten. Also, es ist nicht von mir gewollt. Vor dem Übergang in die Transzendenz suchen diese Dinge nach einem Ausgleich."
...

Link zu einem Bild der Persephonia (244 kB)

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