Arianne 135 - Die Nebel der Persephonia 03

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Ariannes Zorn

Ein Tunnel bildete sich. Er spuckte etwas aus, eine menschliche Gestalt. Eher einen Geist, der wie ein Mensch aussah.

P: << Der Geist eines Massenmörders. Der irdischen Gerechtigkeit konnte er entkommen, nicht aber dem Tod. Die Elemente der Transzendenz werden ihn zerfetzen, denn es gibt niemanden mehr, der ihn schützen will. Haben will ihn auch keiner mehr. Schaut besser nicht dort hin. >>

Annabella: << Was sind das für leuchtende Geistwesen dort, die in der Luft schweben? >>

P: << Mordopfer, Rusalkas, sie können keinen Frieden finden. Es ist eine Begegnung in der Transzendenz, die einen Ausgleich schaffen will. Wenn ihr euch auf sie konzentriert, könnt ihr ihre Schicksale erkennen >>

Idu konzentrierte sich auf eines der Wesen und ... ihm wurde schlecht. Er kniete nieder, stützte sich mit den Händen auf den Boden und erbrach sich.

Die Geistwesen bewegten sich um die Gestalt des Massenmörders herum.

Blitzschnell griff er zu und fasste eines der Geistwesen am Bein. Dann zerfetzte er sie.

<< Ha, seht ihr, was ich mit euch mache !!! Ich bin euer zukünftiger Teufel, ja, genau das will ich sein  >>

Die Wesen der Transzendenz waren schockiert. Sie bewegten sich nicht mehr, starrten nur noch auf diese Gestalt.

Das zerfetzte Geistwesen löste sich auf, lauter kleine leuchtende Teile bildeten sich, sie driften auseinander. Persephonia hob eine Hand. Die Lichtteilchen sammelten sich wieder, bildeten eine Kugel und schufen das Leuchtwesen neu.

Weit hinter dem Mörder, er konnte es nicht mehr sehen. Sie war jetzt unerreichbar für ihn.
Herausfordernd blickte er in die Runde und lachte dabei.

<< Ha, ha, die Transzendenz. Persephonia, glaubst du ich habe Angst vor dir? Der Teufel ist mit mir >>

Eine Materialisation, einige hundert Meter hinter ihm. Alle wussten sofort, um wen es sich handelte. Nur die Gestalt, er sah ihn nicht. Der Teufel bewegte sich entschlossen auf den Mörder zu. Nicht einmal ein Grinsen war in seinem Gesicht.

P: << Dies ist ein Ort, an dem Buße getan werden soll. Die letzte Möglichkeit, deine Verfehlungen zu bereuen, und was tust du? >>

Der Mörder lachte sie an.

Persephonia wurde zornig, aber dann, dann hielt sie sich zurück. Auch der Teufel blieb stehen. Eine weitere Gestalt materialisierte.

P: << Arianne!!! Sie selbst will ihn richten? Dann muss sie sehr sehr zornig sein >>

...

Arianne stand vor dem Massenmörder, schien ihm etwas mitzuteilen. Ihm verging das Lachen. Er sank in die Knie, bettelte um Gnade, lag auf dem Boden, kroch auf Arianne zu, wollte ihre Füße küssen.

Er erstarrte zu Stein. Ein Geist, der zu Stein wurde? Oder der Geist eines Steines?
Eine verrückte Welt.

Nicht die Welt ist verrückt, es sind die Geister, die sie bevölkern.

Tunnel öffneten sich, in parallele Welten. Welten, in denen er existierte. Ein wenig andere Ausgangsbedingungen und das Verhalten änderte sich. Manchmal wurde er zu einem sehr geachteten und geliebten Wesen. Aber es gab auch Abgründe, in denen er sehr vielen anderen Elend und Leid brachte, sei es persönlich oder als Kaiser, Feldherr, Diktator.

Astra, Idu und Annabella wurde Zeuge der vielen Schicksale, die er dort erfahren hatte.

Astra: "Was hat Arianne vor?"

P: << Sie will seine multiple Existenz auslöschen, alles, was seine Gesamtheit ausmacht. So, dass es ihn nie gegeben hat. Sie betrachtet seine Entwicklung als Fehlschlag der Existenz und will alles damit verbundene auslöschen >>

Astra: "Aber dann zerstört sie doch auch die positiven Entwicklungen, die geschehen sind, in den parallelen Welten."

P: << Mehr als das, sie vernichtet einen Teil ihrer selbst, denn alles ist auch ein Teil von ihr, selbst dieser Massenmörder. Sie schafft damit einen Sargnagel der Existenz >>

Annabella: "Arianne, bitte tue das nicht."

Arianne schaute sie an und Annabella lag auf dem Boden, krümmte sich vor Schmerz. Weepy berührte sie sanft. Es machte den Schmerz für sie erträglich.

P: << Arianne, was tust du da? Du verhälst dich wie ein Gott, der seine Geschöpfe für Unbotmäßigkeit straft >>

Arianne schaute sie an. In ihren Augen lodert ein wildes Feuer. Nur ein unendliches Wesen konnte diesem Blick überhaupt widerstehen. Persephonia spürte den Druck, der von Arianne ausging.

P: << Willst du mich vernichten, weil ich dir widerspreche? Arianne, bitte beachte deine eigenen Regeln und vernichte Teile deiner Existenz nicht einfach so, weil dich der Zorn überrannt hat. Bitte, teile den Schmerz mit Weepy. Tust du es nicht, dann wird Weepy dich für immer verlassen, aber wenn Weepy dich verlässt, wie willst du dann weiterexistieren? >>

Arianne wirkte mit einem mal sehr nachdenklich. Das Feuer in ihren Augen erlosch. Sie stand einfach nur da, betrachtete den Stein vor sich und die vielen Wesen aus den parallelen Welten. Aber sie handelte nicht.

...

Eine weitere Gestalt materialisierte. Ein rötliches, halbtransparentes Wesen, eingehüllt in lange rote Haare. Die Farben etwas verschwommen. Eine Wirkung des Nebels.



P: << Die Liebe!!! In ihrer eigentlichen Gestalt. Wenn sie so erscheint, muss es für sie sehr wichtig sein >>

Die Liebe ging auf Arianne zu, umarmte sie, hüllte sie ein in ihre Haarpracht. Arianne begann zu weinen, die Liebe trocknete ihre Tränen mit den langen Haaren. Weepy ging auf die beiden zu, umarmte sie. So weinten sie dann zu dritt.

Heimlich unter der gewaltigen Haarpracht, die alle drei zustandebrachten und die sie jetzt einhüllten, wie eine Burg.

Nein, nicht heimlich, alle Außenstehenden konnten es sehen.

...

Die parallelen Existenzen des Massenmörders verschwanden. Die Tore in die parallelen Welten schlossen sich wieder. So behielten sie ihr eigenes Sein. Die Rusalkas umringten die drei kosmischen Entitäten. Arianne löste sich von Weepy und von der Liebe, umarmte die Leuchtwesen, jedes einzelne von ihnen. Dann drangen die Rusalkas in sie ein. Arianne nahm sie in sich auf und verschwand zusammen mit Weepy und der Liebe.

Und Wischna?

Weepy kehrte kurz zurück und nahm Wischna mit.

Dann erschien Arianne noch einmal, ging auf Annabella zu.

<< Ich möchte mich bei dir entschuldigen, ja, ich hätte deine Motive berücksichtigen müssen anstatt einfach nur zu reagieren. Weißt du, die jungen Frauen, die er umgebracht hat, sie erinnern mich an meine Janines. Nur sie hatten nicht diesen ultimativen Schutz der Existenz, diese kleinen, schwachen, schutzbedürftigen Wesen mit so viel positiver Lebensenergie. Es tut mir leid, ich hätte dich nicht vernichtet, nur so viel Schmerz zugefügt, wie du gerade ertragen konntest. Das entschuldigt mein Verhalten nicht. Ich bin fehlbar, obwohl ich ein ultimatives Wesen bin. >>

Annabella: "Arianne, dass du zu mir kommst ... ich danke dir, ja, ich entschuldige es, Weepy hat mir geholfen, den Schmerz zu ertragen. Ich bin so klein, so mächtige große Wesen, wie ihr seid ..."

Arianne: << Auch ich lerne von dir. Du hast sehr viel Mut gewesen, ein Wesen wie mich einfach so anzusprechen, in so einer Situation, dazu gehört sehr viel. Ich danke dir. >>

Und weg war sie.

Auch Persephonia entfernte sich zusammen mit den anderen aus diesem Bereich.

Zurück blieb der Massenmörder, ganz allein, alle Wesen der Transzendenz wandten sich von ihm ab, selbst der Teufel kehrte ihm den Rücken. Die Welt drifte davon. Nun war er ganz allein, für mehr als nur für eine Ewigkeit. Die Existenz wollte die spirituelle Energie nicht zurück, die noch in ihm vorhanden war. Nicht einmal die Ebene wollte ihn noch. So drifte sie davon und er blieb zurück in seiner Welt, allein, nackt, körperlos, im grenzenlosen Nichts.

...

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