Arianne 139a - Liebende der Ewigkeit 02


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Die Hölle auf Erden

Julius und Julia. Man hatte sie gemeinsam in eine Zelle gesperrt.

Irgendwo tief unten im Keller des heiligen Palastes. Warum nur hatte man sie zusammen gelassen? Sie kauerten in einer Ecke, eng umschlungen. Beide spürten die warme nackte Haut des anderen und das ganze wundervolle Leben unter der Haut. Es gab ihnen Geborgenheit, trotz dieser Gefangenschaft im Folterkeller. So lange sie leben durften, es war doch so wunderschön. Warum nur konnte man nicht einfach nur lieben. Warum dieser ganze Hass, diese Mordlust und Zerstörung. Sie verstanden es nicht.



Die Inquisition hatte sie verhaftet. Ihr offener Lebensstil und die Freiheit ihrer Gedanken, es widersprach den Vorstellungen der Heilslehre.

Nein, was getan werden musste und wie sich die Menschen zu verhalten hatten, es stand in der ersten heiligen Schrift.

Ganz oben, in der Kathedrale der heiligen Andacht, direkt vor dem Alltar des Allerheiligsten sollten sie geopfert werden. Zur heiligen Andacht, mit dem Blutopfer wollten sie ihrem Gott danken.

Man würde ihnen das Fleisch von den Knochen schneiden, so wie es mit Hexen geschehen sollte, das Blut in den heiligen Kelchen sammeln.

Aber war es denn irgendetwas anderes als die Befriedigung reiner Mordlust und Blutgier?

Unten im Keller, sie hörten die Schreie der Gefolterten.

Es war dunkel im Verlies, nur erhellt durch Kerzenschein in den Gängen.

Merkwürdige Schatten bildeten sich an den Wänden. War das nur eine Illusion, hervorgerufen durch dieses flackernde Licht?

Die Schatten schienen zu tanzen, sie liefen an der Wand entlang.

Die beiden umklammerten sich noch fester. Sie hatten keine Angst, irgendetwas gab ihnen Zuversicht, sie spürten einen Geist, eine Hauch von Spiritualität, der so überhaupt nichts mit den Göttern dieser Wirklichkeit zu tun hatte.

Dann kamen sie. 3 Allerheilige und 2 Folterknechte. Quietschend öffneten sie die schwere eiserne Tür.

Aber irgendetwas entwickelte sich anders als gewohnt.

Die tanzenden Schatten waren immer noch da. Gesichter bildeten sich an der Wand, verschwanden wieder. Verzerrte Gesichter, mit weit offenen Mündern, aufgerissenen Augen. Sie erzählten den Liebenden ihre Schicksale, wie man sie auf bestialische Weise umgebracht hatte. Alles im Sinne des heiligen Geistes und im Angesicht Gottes.

Die Allerheiligen besannen sich. Schattenbilder, Illusionen, darum brauchte man sich nicht zu kümmern.

Eines der Gesichter fauchte sie an.

Dann materialisierte eine Gestalt in der Zelle. Klein und doch irgendwie unübersehbar diabolisch. Er grinste die Allerheiligen an. Dann fasst er dem Obersten unter die Kutte. Laut schrie er auf, aber es half ihm nicht.

Zerfetztes Fleisch, sie bekamen es nun selbst zu spüren. Es dauerte nur wenige Augenblicke, dann war alles vorbei. In dieser Zeit wurde alles ausgeglichen, was die Allerheiligen und Folterknechte an Schuld auf sich geladen hatten.

Der kleine Teufel wandte sich unserem Liebespaar zu, er verbeugte sich tief und weg war er.

Nun waren sie wieder allein.

Die Geräusche außerhalb der Zelle veränderten sich. Lautes Geschrei, Todesschreie, ja, aber es waren jetzt die Folterknechte, die sie dort hörten, und die Gottesinterpreter, die allem beiwohnten. Dann, nach wenigen Minuten, absolute Stille.

...

Die beiden verließen ihre Zelle. Auf dem Gang draußen, sie mussten sich übergeben, im Angesicht dessen, was sie dort sahen. Es stank fürchterlich.

Nachem auch der letzte Rest Mageninhalt nach außen gekehrt war, wankten sie weiter, in Richtung der Treppe nach draußen.

Sie verließen den Kerker, die Treppe nach oben. Es schien hier keine Lebenden mehr zu geben. Warum nur hatte man sie verschont?

Was war mit den anderen Gefangenen geschehen?

Am oberen Ende der Treppe, eine mächtige Gestalt mit einer starken spirituellen Ausstrahlung. Ganz in schwarz gekleidet.

<< Ich begrüße euch, Liebende der Ewigkeit >>

"Wir sind Liebende der Ewigkeit? Aber wir kennen doch nur dieses eine Leben. Und wer bist du?"

<< Der Teufel. Aber keine Angst, euch kann, darf und will ich nichts tun. Verlasst diesen Palast, geht hinaus in die Welt. Niemand von diesen Gottesanbetern wird euch noch belästigen, es gibt sie nicht mehr *grins* >>

"Aber was tust du hier? Was wir gesehen haben, es ist die Hölle. Willst du diese Welt vernichten?"

<< Soweit sie es verdient haben. Es hat ein Eingriff in die Natur der Welt stattgefunden, um euch zu schützen. Als Seiteneffekt haben sich die Tore der Hölle geöffnet >>

"Dann sind wir Schuld daran? Aber wir wollten doch nur ein bisschen leben, das was uns geschenkt wurde, wir wissen doch gar nichts über die Hölle >>

<< Ihr müsst euch nicht schuldig fühlen. Wahrlich, ihr kennt nur euer eigenes Leben und es nichts falsches daran. Aber ihr seid die Liebenden der Ewigkeit, auch wenn ihr es nicht wisst. Damit steht ihr weit über mir, auch ohne es zu wissen. Seht, ihr lebt in eurer Unwissenheit und was ihr tut, es ist gut so. Es gibt keinen Bezug zur Hölle. Diese Welt, ich werde sie nicht vernichten. Das diabolische Netzwerk hat seinen Ausgleich gefunden. Es wird für euch eine Zukunft geben, in dieser Welt. Und danach, nicht einmal ich weiß, wohin es euch dann verschlagen wird >>

...

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