Kinder der Ewigkeit - Arianne 146 <<Home>> nächste Seite =>

Adero und Astra

Es war eine wilde Zeit. Voller Intrigen, Mord und Totschlag. Nicht immer setzte sich der Stärkere durch, oft war es der Gerissenste, der Bösartigste, der die Möglichkeiten seiner Zeit am besten für sich selbst ausnutzen konnte. Oder jemand der seine Reichtümer geerbt oder geklaut hatte, oft wusste man das gar nicht so genau.

Raffgierige, die einfach nicht genug kriegen konnten.

Wie konnte eine solche Gesellschaft überleben?

Es waren die Menschen, die keinen Profit brachten, nicht zum Objekt der Begierde wurden. Versteckt unter ihrer Kleidung, den Hauben, Hüten, Schleiern. Sie lebten in ihrer Bescheidenheit, zeugten ihre Kinder und erhielten so die Zivilisation, Generation für Generation.

"Silent running?"

Vielleicht.

Wünsche und Hoffnungen, sie entstanden immer wieder neu. Nicht die Mächtigen und jene, die es werden wollten, waren das Wichtigste im Leben. Sie existierten irgendwie, mehr als Ballast als dass die Zeit ihnen eine besondere Rolle eingeräumt hätte.

Es waren die Kleinen, die wenig besonderen, die in ihrem Gemüt mit dem zufrieden waren was sie hatten, die das Leben liebten, das ihnen gegeben wurde und die dafür sorgten, dass es weitergeführt wurde. Oft wurden sie geschlagen, versklavt, verkauft, umgebracht, weil andere es so wollten.

Wie klein muss jemand sein, der sich nur auf Kosten von anderen groß fühlen kann?

Der Geist kann andere Spielregeln befolgen als es die Natur vorgibt, nur will er das überhaupt?

Manche nutzen ihre Intelligenz nur um sich an ihren Endorphinen berauschen zu können.

Nein, es waren nicht diejenigen, die im Licht standen und ihre Wichtigkeit feierten. Es waren die, die im Dunkeln lebten, die Bescheidenen, die wichtig waren.

Sie, und nur sie erfuhren manchmal, was es bedeutete, ein Kind der Ewigkeit zu sein.

...

"Astra, wir lieben uns doch so. Warum können wir nicht zusammen sein?"

"Weißt du, Adero, ich muss den Geboten meines Vaters gehorchen, der Königin. Ich kann ihnen nicht widersprechen.
Dieser Graf, ich muss ihn heiraten."

"Aber wenn unsere Liebe daran zerbricht? Wenn wir beide mit gebrochenen Herzen leben müssen? Ist das dann
überhaupt noch ein Leben?"

Sie schauten sich an und der ganze Zweifel verschwand mit einem mal. Es war so schön den anderen zu sehen.

Der Moment des Glücks, er gehörte ihnen. Was sie nicht wussten, niemand hatte eine Chance, diesen Moment zu stören.

So lagen sie eng umschlungen zusammen in ihrem Bett und schliefen friedlich miteinander ein.

Am anderen Morgen.

"Astra, wach auf. Es ist schon Tag geworden."

Sie schlug die Augen auf, lächelte ihn an.

Es klopfte an der Tür.

"Aufmachen."

Bruch. Die Tür wurde eingetreten, dann standen sie im Zimmer. 5 Bewaffnete und ein Sittenwächter.

Bevor sie sich überhaupt richtig erschrecken konnten geschah etwas seltsames. Die ganze Situation wurde  unwirklich, wie in einem Traum. Adero und Astra, sie lagen sich gegenseitig in den Armen und ergaben sich ihren Gefühlen von Liebe und Geborgenheit. Es war mit einem mal stärker als die ganze Wirklichkeit um sie herum.

Beide machten die Augen zu, ließen sich in ihren Gefühlen fallen. Einfach nur darauf vertrauend, dieser Moment würde nie vorübergehen und die Ewigkeit würde sie beschützen. Wo kam nur dieses Gefühl her? In Liebe vereint und so voller Urvertrauen. Es war wunderschön, schöner als alles, was sie jemals erlebt hatten.

Als sie die Augen wieder öffneten, waren die Eindringliche verschwunden. Als hätte es sie nie gegeben.

Am Tag danach, so manch einer wunderte sich. Die Soldaten und der Sittenwächter. Sie hatten sich auf den Weg zu einem Regelverstoß gemacht und waren mit einem mal unauffindbar.

Niemand würde sie jemals wiedersehen.

Die Königin war in der Nacht überraschend gestorben und der Vater von Astra war unauffindbar.

...

In der Akademie der Parawissenschaften.

Professor: "Es könnte eine Vermischung zwischen Traum und Realität sein, die wir nicht mehr auseinanderhalten können. Das Eindringen der Soldaten empfandet ihr als Traumzustand. Und dann dieses plötzliche Urvertrauen, es würde euch nichts passieren. Das sieht sehr nach einem Traumzustand aus.

Dass es so direkt ist, ist aber sehr selten. Meistens geschieht es eher versteckt. Die Soldaten finden das Haus nicht, obwohl sie direkt davorstehen. Verwechseln eine 6 mit einer 9. Oder suchen nach der nicht vorhandenen 13.

Dass die Königin über Nacht gestorben ist? Ein Zufall, vielleicht. Aber die Dinge, die sie für euch entschieden hat, sie werden in Vergessenheit geraten."

Astra: "Aber wie können Wesen aus der Realität in einen Traum geraten? Gibt es denn Träume, die unabhängig von uns existieren, die wir mit unseren eigenen nur berühren?"

"Gegenfrage: wie entstehen Quantenfluktuationen? Warum realisieren sich nur bestimmte Lösungsmöglichkeiten und nicht alle?"

Adero: "Die realisieren sich doch, in parallelen Universen."

Professor: "*grins*. Okay. Genau so kann es aber auch passieren, dass kausale Zusammenhänge spontan brechen. Ohne dass hier parallele Universen als Erklärungsmodell herhalten müssen. Damit wir solche Erscheinungen überhaupt verarbeiten können, erscheinen sie uns als Traum."

Astra: "Spontan brechen? Ohne Ursache?"

Professor: "Ja, Fluktuation der Realität. Nichts bleibt wie es ist, eine monotone Unendlichkeit ist ausgeschlossen."

Adero: "Das heißt, Naturgesetze werden verletzt, weil sie sonst ewig gelten könnten?"

Professor: "Eine schwierige Situation für die Naturgesetze. Sie sollen ewig gelten und dann geht das gerade nicht. Ich denke, dass Veränderung etwas grundsätzliches für Realität ist. Eine ewige, monotone Unendlichkeit gibt es dort nicht. Das sind nur Vorstellungen der Fantasie, Träume. Man denke an eine unendlich ausgedehnte Sinusfunktion, so etwas gibt es in der Realität nicht. "

Adero: "Aja, dann verändert sich die Realität spontan, nur die Mathematik bleibt ewig und unendlich?"

Professor: "Ja, ich denke so sieht es aus. Warum das alles so ist? Um noch einmal auf euer Erlebnis zurückzukommen. Vielleicht erreichen manche Situationen eine Eigenstabilität, die sich nicht stören lässt. Ihr beide in Liebe miteinander vereint, das könnte so etwas sein. Es ist ja auch eine ganz besondere Situation. Die Wirklichkeit um euch herum hat sich verändert, damit diese Situation erhalten bleibt. Ein spontaner Bruch der Realität.

Fühltet ihr euch dabei nicht ein wenig wie die Kinder der Ewigkeit?"

Adero und Astra schauten sich an und lagen sich einen Augenblick später in den Armen. Sie waren so glücklich in diesem Moment. Dieses Gefühl der Ewigkeit, sie empfanden es. Alles davon war von ihrer Liebe erfüllt.

Leise entfernte sich der Professor, auf gar keinen Fall wollte er die beiden jetzt stören. Er war jetzt überzeugt, er hatte Kinder der Ewigkeit gesehen.
...

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