Die letzte Ewigkeit 02 - Arianne 150 <<Home>> nächste Seite =>

Das Ende einer Ewigkeit

Eine Kugel war plötzlich vorhanden, etwa 100 Meter im Durchmesser. Sie landete 300 m von der Gruppe entfernt.

<< Das ist unser Raumschiff. Eine Kugel der Sensity >>

Die Gruppe bestieg das Raumschiff. Alle 150 der kleinen Wesen passten dort hinein. Auch Janine flog mit, zum Schluss stieg StringaL ein.

Das Raumschiff startete.

StringaL projizierte im Bewusstsein der Menschen einen schwarzen Kreis, der sich rasend schnell ausdehnte und schließlich das ganze Universum einzunehmen schien. Dass er bereits in die Unendlichkeit ragte, man konnte es nur erahnen.

"Wie kann der sich ausdehnende endliche Kreis den Sprung in die Unendlichkeit schaffen?"

<< Der Kreis ist nur eine Projektion. Stellt euch eine Kugel vor, die auf einer Ebene steht, von deren Pol aus ein rotierender Strahl einen Kreis in die Ebene zeichnet. Dass der Strahl dabei durch die Kugel gehen muss, ist wichtig für euch. Er symbolisiert meine Anwesenheit in der Kugel. Für jeden Winkel kleiner als 90 Grad zeichnet der Strahl einen endlichen Kreis. Aber wenn er die 90 Grad erreicht hat, ist dieser Kreis unendlich groß. >>

"Wenn er mehr als 90 Grad erreicht?"

<< Bedenkt, neben der einfachen Unendlichkeit gibt es auch noch höhere Unendlichkeiten. Sie beschreiben mögliche Besetzungszustände der Existenz. Was dabei wichtig ist, die höheren Unendlichkeiten enthalten mehr Besetzungszustände als das Kontinuum. Das Kontinuum ist die zweite Stufe der Unendlichkeit.  Mögliche Besetzungszustände des Kontinuums sind Raum-Zeit-Punkte.

Wenn der Winkel mehr als 90 Grad erreicht, kann der Strahl Besetzungszustände höherer Unendlichkeiten berühren.

...

Nicht alles kann durch dieses einfache Modell der Kugel erfasst werden. Das ganze geschieht multidimensional. Die drei Dimensionen der Kugel sind nur ein Modell. Aber selbst hier habt ihr schon das Problem erkannt, ein Winkel größer als 90 Grad. Glaubt mir, das führt über die realen Welten hinaus.

Die Ränder des Kreises haben bereits die erste Stufe der Unendlichkeit erreicht. Die Fläche darin, es ist das Kontinuum. Die zweite Stufe der Unendlichkeit.

Wir bewegen uns innerhalb des Kontinuums. Der Kreis wird sich multidimensional ausdehnen. Aber für eure Sinne ist das zweidimensionale Modell angemessen. >>

Ein winziger roter Punkt wurde sichtbar.

<< Dort befindet sich die entführte Stringa. Wir werden den Bereich in wenigen Augeblicken erreichen >>

...

Eine  Burg mit mächtigen Mauern. Sie schien der Ewigkeit trotzen zu wollen. Die Kugel landete etwa 500 Meter entfernt auf einem Felsplateau, an der Grenze zu endlosen Wäldern.

Ja, hier schien alles irgendwie unendlich zu sein. Der Wald vermittelte Gefühle, drohende Gefühle. Er war voller Magie. Rote glühende Punkte waren zwischen den Bäumen zu erkennen. Augen von Raubtieren?

Ohne den Schutz von StringaL und Sensity, es gibt Alpträume, die man sich besser nicht vorstellt.

Von hier zur Burg gab es einen Abgrund, dessen Tiefe man nicht abschätzen konnte. Wahrscheinlich unendlich tief. Irgendwie gewöhnt man sich an die Unendlichkeit, wenn man so oft damit zu tun hat.

<< Was ihr jetzt seht, es ist eine symbolische Darstellung der Situation, so dass sie für euch verständlich wird. Ich gestalte es so, da die Wirklichkeit für unendliche Wesen so beschaffen ist, dass ihr sie nicht verstehen könnt. Seht ihr die in der Luft schwebenden feenhaften Wesen dort hinten im Wald? Das sind Janine und ich. Ihr selbst könnt die Kugel jetzt verlassen. Sensity hat euch in so in Energie eingehüllt, dass ihr für die Wesen der Burg unangreifbar seid.

Ich werde eine Brücke über den Abgrund bauen und ihr könnt dann hinübergehen, die Stringa befreien. Janine und ich werden die Spukgestalten dieser Welt einfangen, Sensity wird euch beschützen >>

Eine leuchtende Brücke bildete sich scheinbar auf dem Nichts. Plötzlich waren die kleinen Wesen in schwere gepanzerte Rüstungen eingehüllt, mit Schwertern und futuristisch anmutenden Waffen ausgestattet.

<< Das sind Strahlenwaffen. Sensity hat sie euch beschafft. Sie sind defensiv orientiert, töten nicht, machen euch aber den Weg frei. Nun geht los, befreit eure Prinzessin >>

Sie gingen über den Abgrund und dann? Eine ganze Armee von Kobolden trat ihnen entgegen. Es blitze, donnerte und krachte, aber niemand wurde verletzt, niemand getötet. Einige der kleinen Wesen wurden zunächst zurückgedrängt, fielen von der Brücke, aber wie von Geisterhand gestützt standen sie sofort wieder oben. Als wenn sie sich die Brücke mit ihnen bewegt hätte. Den Kobolden ging es aber genau so. Niemand fiel in den Abgrund. Am Ende gaben die Kobolde auf, diese Invasion war mächtiger als sie.

Im Innern der Burg, vor dem Gefängnis der Stringa. Ein hühnenhaftes Wesen stand dort. Es vermittelte den Eindruck der Unbesiegbarkeit. Kein Vergleich mit den Kobolden. Das waren nur Hilfstruppen gewesen. Nun hatten sie einen wirklich ernsthaften Gegner vor sich.

Etwas Geisterhaftes näherte sich dem Hühnen von hinten, packte ihm an Kragen. Ungläubiges Erstaunen lag in seinen Augen. Dann von einem zum anderen Moment war er verschwunden.

Der Weg war frei.

Janine materialisierte. Mit ihrer paranormalen Energie sprengte sie den Käfig. Die Stringa lag zusammengekauert in einer Ecke, rührte sich nicht. Janine kniete nieder, nahm sie sanft in ihre Arme. Es war ein Moment der Zärtlichkeit und der Ruhe. Ja, es war ein Moment der Sensitivität.

Alle spürten den Geist von Sensity. Er streichelte ihre Seelen. So viel Schönheit war unvorstellbar, aber sie konnten es erleben.

Die anderen umrahmten Janine und die Stringa. So viele, wie gerade in den Käfig hineinpassten.

Dann, plötzlich war sie da, außerhalb des Käfigs, direkt zwischen den Menschen, die dort standen. Es war wie eine Geburt, als wenn das Leben selbst zu ihnen gekommen wäre und sich offenbahrte.
Alle standen nur da, sprachlos vor Staunen. Sie wurden eins mit der Existenz.

Sie sahen ein Wesen mit superlangen Haaren, die in allen Farben des Spektrums leuchteten.

Nachdem die Zeit des Staunens vorbei war, machten sie ihr bereitwillig Platz.

Sie bewegte sich auf die Stringa zu, bat Janine, ihr die Stringa zu geben. Sie nahm sie in ihre Arme.

Plötzlich wechselte die Szene. Alle befanden sich wieder in der Kugel, die sie hierher gebracht hatte, aber diesmal war Sensity mit dabei.

Sie legte die Stringa vorsichtig in ein Bett, das einfach aus dem Nichts heraus entstand.
Ja, Sensity, jeder ihrer Gednanken konnte unmittelbar materiell werden.

Und dann? Die Stringa schlug ihre Augen auf, lächelte in die Runde. Sensity hatte ihr die volle Kraft der Lebensenergie zurückgegeben.

Draußen rumorte es. Die geschlagenen Geister formierten sich erneut. Aber was sollten sie hier schon ausrichten können?

Sensities Kugel verschwand von einem zum anderen Moment.

...

Der Einsame der Zeit. Irgendetwas hatte ihn versetzt, gegen seinen Willen. Hinein ins Nirwana. Dabei hatte er geglaubt allmächtig zu sein. Hier gab es nichts was er hätte jagen können. Aber als Wesen der Unendlichkeit, seine Gedanken ließen die Dinge entstehen, so wie er es gewohnt war. Aus der Erinnerung heraus schuf er sich seine Umgebung zurück. Nur es war anders als vorher, alles was war, es war ein Teil seiner selbst. Selbst die Wesen, die er jagen wollte. Er jagte sein eigenes Ich. Es zwang ihn zum Nachdenken. Was wollte er eigentlich, warum existierte er?

Die Wesen, die er geschaffen hatte, er gab ihnen ein Eigenbewusstsein, damit er nicht so alleine war und er verzichtete darauf, sie vollständig kontrollieren zu wollen.

Es bildete sich eine Welt, in der es Jäger und Gejagte gab, und eine Evolution, die Intelligenz hervorbrachte. So manifestierte sich sein Ich auch in den Wesen seiner Existenz. Wieviel Leiden das hervorbringen konnte, er wusste es noch nicht.

Seine Unendlichkeit, so wie er sie kannte, sie war vorbei. Aber was nun geschah, es war der Beginn einer neuen Ewigkeit. Und er gehörte dazu, das Ende seiner alten Zeit, es hatte ihn nicht zerfetzt.

...

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