Unvorhersehbares - Arianne 151 <<Home>> nächste Seite =>

Gegen das bittere Ende

Jasmina betrachtete ihre Pflanze.  << Was ist los mit dir? Warum wirfst du so viele Blätter ab? Wenn ich nur wüßte ... >>

Lange Jahre hatte sie die Pflanze nun schon. Es gab so viele Gründe, die den Blattabwurf bewirken konnten, aber die genauen Gründe wusste sie nicht.
"Missing knowledge". Ja, wenn sie nur ein bisschen besser Bescheid wissen würde.

Die vielen Experten halfen auch nicht wirklich weiter. Ja, das Internet, hier ein bisschen Information, dort ein bisschen. Alles in allem, es half ihr nicht.

Vielleicht waren es auch mehrere Gründe. So verändert sie ihre Plegeroutine von Zeit zu Zeit und hoffte, es würde helfen.

Das waren ihre Gedanken, eine Antwort erwartete sie nicht. Sie mochte die Pflanze und es tat ihr weh, wenn sie so viele Blätter verlor.

Der Gedanke daran gebar eine Träne.

War da nicht etwas, ganz im Hintergrund ihres Bewußtseins? Nein, sie schüttelte den Kopf, schaltete den Nachrichtensender ein.

Immer wieder das gleiche. Wirtschaftskrise, Finanzkrise, Zusammenbrüche. Irgendjemand musste ja die Zeche zahlen. Aber wozu? Damit weiter spekuliert werden konnte?

Man kaufte und verkaufte Waren, die man nie bessessen hatte und das auch noch mit Gewinn. Wie kann sich der Wert einer Ware von selbst erhöhen? War nicht genug Geld vorhanden, so mußten diejenigen dafür haften, die noch Geld besaßen, oder die zumindest glaubten, dass sie noch etwas besaßen.

Die Kaufkraft des Geldes verringerte sich dabei ständig, aber wer bestimmte eigentlich den Wert?

Die Banken der reichen Länder gingen pleite, weil ein paar arme Länder ihre Schulden nicht bezahlen konnten, war da nicht auch eine Überbewertung dieses Reichtums vorgenommen worden?

Irgendwann gab es vielleicht auch für das gesparte Geld nichts mehr. Dann waren wieder alle gleich.

Eine Art Kommunismus durch die Hinterür. Oder das Ende von allem.

Eine weitere merkwürdige Nachricht über einen Teufel, der irgendwo gesehen wurde. So etwas in einem soliden Nachrichtensender? Nein, sie schaltete den Sender wieder ab und ... aber, was war das? Ihre Pflanze hatte die Farbe verändert, sie leuchtete jetzt in allen Farben des Regenbogens, sie gab Licht von sich! Und noch etwas hatte sich verändert, sie spürte Emotionen, Emotionen der Pflanze. Irgendwie total fremd aber auch wieder vertraut. Sie verstand, was die Pflanze fühlte. Es war eine Art von Zuwendung, Zuwendung, die sie selbst der Pflanze über Jahre gegeben hatte.

Die Gefühle der Pflanze, sie beschützte sie. Aber wovor? Vor dem Teufel. Der sammelte Seelen ein. Ob er dabei immer nur die Schuldigen traf? Nein, sicher nicht.

Jasmina wurde ganz merkwürdig zumute. Was war nur mit der Wirklichkeit geschehen, so wie sie sie kannte? Alles erschien ihr wie ein Traum.

Dann ein Dämon im Raum. Er grinste sie an, wollte nach ihr greifen. Ungläubiges Erstauen in seinen Augen. Wie durch einen Peitschenhieb getroffen wurde er aus dem Raum-Zeit-Kontinuum geschleudert.

Jasmina sah noch das Schwarze Loch, wie es sich krachend schloss.

...

Ein kleiner Planet, irgendwo in den Weiten der Existenz. Nennen wir ihn Erde und seine Bewohner Menschen. Was sich wirklich dahinter verbirgt? Es ist für diese Geschichte nicht wesentlich. Leise Rufe waren zu hören, Rufe, die um Hilfe baten. Aber da war noch etwas anderes. Das Echo von Zerstörung und Tod, Raffgier und Maßlosigkeit. Es war so viel lauter als die kleinen zaghaften Rufe. Konnte es vielleicht sein, dass die leisen Rufe daher nicht gehört wurden?

Aber was heißt das schon, Maßlosigkeit. Ist es nicht der Sinn allen Seins, immer nur mehr zu wollen? Bis es irgendwann nicht mehr geht?

Ja, aber warum gibt es so etwas wie Verstand und Bewusstsein?

Nur um die Maßlosigkeit noch weiter steigern zu können?

Wir wissen es nicht. Die Frage nach dem Sinn hinter allem, gibt es darauf eine Antwort? Wenn ja, dann müssen wir vielleicht auch akzeptieren, dass dieser Sinn verloren gehen kann. Was bleibt dann noch?

Fantasie und Träume. Bevor auch der letzte Gedanke erlischt.

...

Der Teufel auf der Erde. Er hatte Gestalt angenommen. Es war an der Zeit den Planeten in das diabolische Netzwerk einzugliedern. Das Maß war voll, der spirituelle Zusammenhang des Planeten zerstört. Hier war die Entwicklung fehlgeschlagen, er würde auslöschen, was keine Bedeutung und keine Zukunft mehr hatte.

Keine Bedeutung und keine Zukunft?

Der Strom der Zeit, er ließ keine Alternativen mehr zu als den grenzenlosen Fall. Die Menschheit hatte eine Art spirituellen Ereignishorizont überschritten. Von dort gab es keine Rückkehr mehr.

?

Sie sind alle schon tot. Sie wissen es nur noch nicht. In diesem Grenzbereich zwischen Sein und Nicht Sein konnte er ungestört agieren.

So ein Blödsinn. Das sind doch alles nur seine Machenschaften. Als gottgleiches Wesen hat er ja die Möglichkeit, solche Dinge zu konstruieren. Er ist nur hier, weil an einer anderen Stelle Eingriffe in die Naturgesetzte stattgefunden haben und ein Ausgleich notwendig ist, um die Stabilität der Existenz nicht zu gefährden.

Und wenn schon, die Wächter der Naturgesetze widersprechen dem nicht. Das Ende würde auch ohne ihn eintreten, und dann hätte er sie in der Transzendenz. Der Hölle kann niemand entrinnen, der schuldig ist.

Und die Unschuldigen?

Sie bleiben dort nicht.

Wer spricht hier überhaupt mit wem?

Jeder Eingriff eines unendlichen Wesens in die Existenz führt zu Fragen, die auf dieser Ebene der Wirklichkeit selbst eine unendliche Form mit Eigenbewusstsein annehmen können. Es ist der Widerpart. Er hat die gleiche Macht wie das unendliche Wesen, das ihn hervorgerufen hat. Aber nur sehr selten neutralisiert er den Eingriff in die Welt. In der Regel stellt er einfach nur Fragen. Und wer hören kann, der erfährt von ihm alles.

Der Widerpart? Was ist denn dann der Widerpart der Arianne? Ennaira?

Arianne umfasst die Gesamtheit der Existenz, also auch den Widerpart darin. Damit ist sie ein unendliches Wesen, dass ihren eigenen Widerspruch in sich trägt.

...

Zunächt einmal widmete sich der Teufel den großen Glaubensgemeinschaften. Ja, er erschien den Bewohnern des Planeten. Dabei blieb es nicht. Wo er auftauchte verschwanden viele, sie waren einfach nicht mehr auffindbar. So kam es dann, dass er in den Nachrichtensendungen erwähnt wurde. Was man auf die Dauer nicht geheimhalten konnte, und wenn es noch so widersinnig erschien, man machte es zum Gegenstand der Unterhaltung.

Wie der mit den verbogenen Löffeln?

Ja, so ähnlich *grins*

...

Link: Ein Disput über den Glauben

...

Der Teufel im Zentrum des Geldhandels. Plötzlich gab es dort keine Spekulanten mehr, sie waren einfach weg. Niemand kümmerte sich mehr um die Währungskurse. Sie waren bedeutungslos geworden. Und es gab niemanden, der den Spekulanten hinterhertrauerte.

Wirklich nicht?

Ein paar Politiker, Mächtige und Reiche vielleicht.

Weil ihnen ihr Monopolie verlorenging?

Ach schweig.

Frage lieber, hat der Teufel hier nicht auch etwas Gutes bewirkt?

Nein, es ist ein Eingriff in die Gesetzmäßigkeiten der Welt, deren Konsequewnzen unabsehbar sind.

Es sei denn, darauf kommt es nicht mehr an. Weil schon alles vorbei ist. Nur die Betroffenen haben es noch nicht gemerkt.

...

Merkwürdig, einer der Teufels-Dämonen war spurlos verschwunden. Das konnte doch einfach nicht sein. Er, der Teufel, als Wesen der vierten Stufe der Unendlichkeit, er hätte die Spur des Verschwundenen sehen müssen. Was ging hier vor? Sicher, es gab Fluktuationen der Existenz, die auch er nicht kontrollieren konnte. Aber so etwas?

...

Eine leuchtende Pyramide senkte sich über eine große Stadt. Dort verharrte sie, in 50 km Höhe. Sie war riesig, maß mehrere hundert Kilometer bis zur Spitze.

...

Der Teufel sah die Pyramide nicht. Sehr sehr merkwürdig. Er erfasste in den Gedanken der Menschen, dass dort etwas war, aber er konnte die Pyramide nicht sehen. Was zum Teufel, äh, ging dort vor? Er bewegte sich an den Ort des Ereignisses. Nichts. Nur die Bewohner des Planeten rannten umher, aufgescheucht wie eine Horde Hornissen.

Hornissen? Wo kam dieser Gedanke denn her?

Also gut, dann verfolgte er die Ereignisse eben mit Telepathie.

...

Die Spitze der Pyramide öffnete sich. Etwas wuchs dort heraus, ohne jeden Zweifel, es sah aus wie eine Pflanze. Eine riesige rote Blüte entfaltete sich.
Der Teufel dachte nach. Eine Pflanze? Er erinnerte sich an die Legende der Plantia. Nein, das konnte nicht sein. Plantia war noch nie in Erscheinung getreten, in allen Unendlichkeiten, die er existiert hatte. Sie war doch nur ein Hauch von Fantasie.

Aber warum konnte er die Blüte nicht erfassen? Er erkannte sie in den Bewußtseinen der Menschen. Alle hatten den gleichen Eindruck. Als wäre es ein kollektiver Traum, der sich hier manifestierte.

Seine Dämonen schafften es nicht, in diesen Traum einzudringen. Die Blüte schützte die Menschen vor seinem Zugriff.

Er als Wesen der Realität, so etwas kannte er nicht.

Aber war nicht die Realität selbst der Traum eines höheren Wesens?

Ja, aber wer sich selbst Ich nennen kann, ist auch real.

Da gab es schon einmal eine andere Geschichte ...

ArianneW? Er hatte davon gehört. Nicht so wichtig. Für ihn war real, was seine Gedanken umfassen konnten.

Und nun? Er war ausgeschlossen aus dem Traum, der die Menschen schützte. Es war der Traum der Menschheit, so wie sie hätte sein sollen. Und es waren die Pflanzen, die diesen Traum auslösten und die die Menschen vor der drohenden Vernichtung schützten. Nein, sie wollten ihre Menschen nicht aufgeben.

Nach all dem, was die Menschen ihnen angetan haben?

Ja. Frage Jasmina warum.

...

Dass die Pflanzen im Kollektiv so stark sein konnten. Sie schafften einen Traum, der für ihn nicht zugänglich war.

Er stampfte mit dem Fuß auf und zertrat dabei eine kleine Pflanze. Aua, das tat weh.

Erschrocken wich er zurück.

Die Pflanze regenerierte sich, strahlte wie ein leuchtender Diamant.

War das nun auch ein Traum? Nein, er konnte sie ja wahrnehmen. Und er erkannte die Kraft in der Pflanze.

Sie war unendlich groß aber das allein konnte ihn nicht erschrecken, denn er war ja selbst ein unendliches Wesen.

Dennoch, diese Kraft gehörte nicht zur Realität, ihr Ursprung lag in dem Traum.

Neu war jetzt nur, dass eine Wirkung auf seine Realität stattfinden konnte. Der Schmerz in seinem Fuß.

Etwas, dass ihm Schmerzen bereiten konnte, es musste schon sehr bedeutungsvoll sein. Und dabei erkannte er dieses Etwas nicht einmal.

Langsam schlich so etwas wie Verwirrung in sein Bewusstsein.

Nun gut, der Planet war physikalische Realität. Wenn er ihn vernichtete, dann gab es diese Pflanzen und auch diesen Traum nicht mehr.

<< Denke nicht einmal daran >>

Er empfand die Botschaft. Sie kam direkt aus der Blüte. Ja, es musste Plantia sein, die zu ihm sprach. Dass sie so mächtig war, es überraschte ihn.
Immerhin umfasste er 4 Stufen der Unendlichkeit und die Wächter der Naturwissenschaften hielten ihn nicht davon ab, diesen Planeten ins diabolische Netzwerk einzuverleiben.

Nein, er wollte es nicht ausprobieren, gegen sie zu kämpfen. Dann sollte sie doch zusehen, wie sie mit den Problemen dieser Spezies klarkam.
Außerdem hatte sie einen Konvergenzpunkt aufgelöst.

Einen Konvergenzpunkt?

Alle möglichen Entwicklungen konvergieren zum gleichen Ergebnis, in diesem Fall ins Nichts.

Auflösen von Konvergenzpunkten, das war etwas, das im Rahmen der Existenz gar nicht erlaubt wurde. Wo kam man denn hin, wenn kausale Zusammenhänge plötzlich nicht mehr gelten sollten?

...

Wenn es den Geist gibt, kann er auch solches ermöglichen. Nur der Geist, der stets verneint, hat sich hier geirrt.

Die Menschen in ihrem Traum, unter der Obhut der Pflanzen, sie erlebten die Wiedergeburt ihrer spirituellen Gesamtheit.

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