Liebende der Ewigkeit 04 - Arianne 156

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Liebe und Körperlichkeit


Die Nacht vor seinem Militäreinsatz. Er konnte nicht schlafen. Nackt lag er unter der Bettdecke und er spürte seinen Körper. Er zog die Bettdecke weg und berührte seine nackte Haut mit den Händen, er streichelte sie sanft...

Er ließ sich fallen, schloss das Denken aus, lebte nur mit seinem Gefühl. Wie schön das war, er fühlte sich ganzheitlich drin in seinem Körper. Der Körper gab ihm Gefühle, die er liebevoll aufnahm, und die Liebe drückte sich wieder in körperlichen Gefühlen aus. Es war wie eine Erfüllung der tiefsten Sehnsüchte seiner Seele, ein Paradies.

Gefühle durchströmten ihn, in denen er ruhen konnte. Er liebte sie so sehr.

Und das bei einem Mann.

Ja, es war so schön, sensibel zu sein, schwach, fragil und die Schönheit des Körpers zu spüren. Er fühlte sich dann so glücklich, wohl wissend, dass die Vorstellungen von Männlichkeit oft anders aussahen. Aber es gehörte nur ihm, sie hatten ihn nicht, die Hexenverbrenner und Prediger der körperlichen Enthaltsamkeit, die von Opferbereitschaft, Manneszucht, Kraft, Ehre und Ruhm redeten.

Er kannte auch die Macht der Endorphine, die eine Vorstellung von Größe vermittelten, aber dies hier war um so vieles schöner.

Wenn er die nackte Haut so elementar spürte.

Und nun das Militär. Kugeln oder Granaten würden seinen Körper zerfetzen. Oder sie würden ihn fangen, foltern, auspeitschen, aufhängen. Nein, bitte nicht. Er spürte die Schönheit seines Körpers bei diesen Gedanken so intensiv.

Er liebte ihn doch so.

Es war fast wie ein Trotz, die Schönheit der Gefühle zu spüren. Noch hatten sie ihn ja nicht.

Nach einer Weile stand er auf, schaute in den Spiegel. Ja, er liebte seine Nacktheit.



Seine körperlangen Haare hatte er auch noch. Noch etwas, das nicht in das Bild von Männlichkeit passte. Er konnte es einfach nicht, sie abschneiden. Es tat so weh, wenn er einen Strang der Haare in der einen Hand, in der anderen die Schere hielt. Spätestens morgen, dann würde es andere für ihn tun. Nein :-(((, warum das nur? Die Haare gaben ihm so schöne Gefühle, er liebte sie so. Wenn er mit seiner Freundin zusammen war, es machte so viel Spaß, mit den Haaren zu spielen. Orania hatte selbst körperlange Haare.

Beide konnten sich in den Haaren verstecken, sie waren dann wie eine Burg um die Liebenden herum.

Natürliche Langhaarigkeit. Darunter waren sie oft völlig nackt und spielten mit der Erotik, die sie beide durchströmte. Ein Paradies voller Glück in einer Zeit der Gewalt. Nun sollte es zu Ende sein?

In der Öffenlichkeit hatte er die Haare meistens unter der Kleidung versteckt. Nur wenige wussten um seine Langhaarigkeit. Oder Orania schminkte ihn als Frau. Dann gingen sie beide als Schwestern durch die Stadt. Langhaarigkeit bei Frauen wurde ja akzeptiert, selbst extreme Langhaarigkeit war bei Frauen nicht verpönt, es erzeugte eher Bewunderung.

Seine Haare, er glaubte sie zu spüren, was eigentlich gar nicht möglich war. Als wenn sie wüssten, was ihnen bevorstand. Lange Haare, ob sie weinen können, wenn sie abgeschnitten werden? Zwischen Wachen und Schlafen hatte er Visionen. Er sah sich zusammen mit seiner Freundin, wie sie ihn küßte. Seine Haare waren teilweise schwarz, mit einem rötlichen Schimmer, als wenn sie bluten würden, Bleeding hair.



War das nicht auch ein Symbol für das, was seinem Körper bevorstehen könnte?

Der Einberufungsbescheid lag auf seinem Nachttisch, mit einer kurzen Notiz, wie die Haare zu sein hätten. Er musste weinen. Mehr als 3 cm lange Haare gestanden sie ihm nicht zu.

Ein Mann, der um seine langen Haare weint? Ja, das gibt es. Es schaute ja niemand zu.

Was sollte er tun?

Irgendein höheres Wesen, höher als die Politiker und Generäle, ob es ihm helfen konnte? Er betete zu einem Wesen der Existenz, an das er glaubte, von dem er aber nichts wusste. Davon stand nichts in den heiligen Schriften. Wie denn auch, die Priester segneten ja die Kanonen, sinnbildlich gesprochen. Das ganze Land war in einem Zustand des Patriotismus und der Opferbereitschaft. War er der Einzige, der das für falsch hielt? Der Einzige, der überhaupt nur wusste, was sie dafür aufgeben würden? Er mochte die Existenz, das Leben, kein Gott hinter der Existenz und dem Leben würde so etwas machen, Kanonen oder Gewehre segnen. Es würde seine Größe so gewaltig einschränken, so dass er dann einfach überflüssig werden würde.

Gott, vielleicht war er auch weiblich, wenn seine Vorstellungen dabei irgendeine Bedeutung hatten.

Er betete die ganze Nacht, erfüllt von Demut und Hoffnung und Lebenswillen. Ob er um sein Leben bitten durfte? Er wusste es nicht. Es gab so viele, die gestorben waren, auf eine Weise, die alle Schrecken der Existenz wahr werden ließen. Keine Hölle blieb dabei unentdeckt. Und er? War er etwas besonderes, so dass gerade sein Leben verschont bleiben würde?

Liebe zur Körperlichkeit, sie lies sich auf andere Menschen übertragen. Alles wurde dadurch nur noch viel größer und schöner. Wenn man den Körper nicht weg haben wollte, aus dem Bewusstsein, vielleicht aus religiösen Motiven, sondern einfach nur herbeisehnte.

Liebe ohne Angst und Scham. Er war allein heute Nacht. Von seiner Freundin hatte er sich bereits verabschiedet. Sie alleine lassen zu müssen, es tat so weh.

Sie musste weg, man hatte sie angefordert, für einen Sozialdienst, den alle Frauen in diesen Zeiten leisten mussten. So musste er diese Nacht allein verbringen. Wie es ihr wohl so ging? Er sehnte sich so nach ihr und schloß sie in seine Gebete mit ein. Er bat das Wesen der Existenz um ihren Schutz.

Er hatte das Paradies gesehen und die Hölle wollte er ganz bestimmt nicht, aber musste er jetzt diese Erfahrung machen?

Sollte er sich selbst umbringen, um dem zu entgehen? Nein, er liebte das Leben doch so sehr. Und die lieben Menschen, die ihn vermissen würden, das wollte er ihnen nicht antun.

Nein, er würde seinen Weg gehen. Er hatte ihn sich nicht ausgesucht. Dinge, die unveränderlich waren, was sollte er dagegen tun? Würde er sich verstecken, sie würden ihn finden und als Deserteur erschießen. Also dankte er Gott für jede Minute die er leben durfte, für die Schönheit seines Körpers, die seelisch geistige körperliche Harmonie, die er erfahren durfte. Nein, er bat nicht um sein Leben, er wünschte sich so sehr, dass die Körperlichkeit allen Menschen erhalten bleiben würde, dass alle ihre Schönheit begreifen würden, sie war doch so schön.

So betete er die ganze Nacht.

...

Das Morgengrauen. Er schlief immer noch nicht. Die Beschäftigung mit dem Spirituellen, die ganze Nacht hindurch, sie hatte ihn in einen anderen Bewusstseinszustand versetzt. Es war fast so, als würde er seinen Gott direkt spüren. Ob das Realität war? Ja, in diesem Moment für ihn. Objektive Realität, darüber wollte er jetzt gar nicht nachdenken.

<< Manchmal muss man das auch nicht >>

Hatte er Halluzinationen? Diese Stimme in seinem Bewusstsein. Nein, er glaubte doch an das, wozu er betete. Ob es nun real war, wer sollte das entscheiden?

Er hoffte so sehr, dass es nicht nur die Realität in den Schulbüchern und in den Bewusstseinen seiner Mitmenschen gab.

<< So verkehrt ist diese Vorstellung nicht. Du bewegst dich auf dem schmalen Pfad zwischen Wahnsinn und Erkenntnis. Wofür willst du dich entscheiden? >>

Hatte er die Wahl? Sollte er an seine Halluzination glauben? Sein Leben lang hatte er Angst davor gehabt, verrückt zu werden. Und nun? Nein, irgendwie suchte er Wirklichkeit in dem, was jetzt gerade passierte. Und irgendwie hatte er die Freiheit dazu. Nachdem er sich so entschieden hatte, spürte er die Spiritualität eines anderen Wesens, etwas, das er mit seinen normalen Sinnen niemals wahrgenommen hätte.

<< Nun gut, ich stelle mich erst einmal vor, ich bin Erotica. Was sich dahinter verbirgt, du kannst es dir vielleicht denken. Ich wollte dich nicht die ganze Nacht umsonst beten lassen >>

Erotica. Ja, ich habe eine Vorstellung von dir. Es ist so schön, dass du hier bist, dass es dich gibt. Ich danke dir für deine Offenbarung.



<< Deine Gefühle sind echt und wahrhaftig, du glaubst an das, was du sagst und hast doch gleichzeitig den exakten Naturwissenschaften nicht den Rücken gekehrt. Eine interessante Mischung. Nun sollst du mich auch sehen, es wird dir erscheinen wie ein Traum, alles was du dir an Körperlichkeit wünschen könntest, ich stelle es dar >>

Erotica!!!. Er sehnte sich mit jeder Phase seines Lebens nach ihr. Und ob sie sich ihm hingeben würde? Allein die Vorstellung löste einen Rausch der Gefühle aus. Aber da war noch etwas. Das Wesen vor ihm, es war nicht Orania, seine Freundin. Er spürte die Liebe zu ihr tief in sich drin. Sie war stärker als der Rausch der Gefühle, die Sehnsucht nach körperlicher Vereinigung mit Erotica.

<< Du kannst selbst mich überraschen. Du kannst dich selbst lieben, völlig abschalten und gleichzeitig die Sehnsucht nach deiner Freundin in dir tragen. Wenn jemand anders mit dir deine Sexualität teilen möchte, denkst du nur an deine Freundin. Niemand, dem ich mich in endlosen Zeiten offenbart habe, konnte dem Verlangen nach mir widerstehen. Wisse, ich bin ein unendliches Wesen. Aber deine Liebe ist so einzigartig und so schön. Ich akzeptiere sie. Für dich bin ich wohl eher eine Sirene. >>

Gefühle, Liebe, Körperlichkeit, die Einheit in allem. Er wusste nicht mehr, was er denken sollte. Spirituelle Sexualität, sie offenbarte sich ihm hier.

Schlafen mit einem unendlichen Wesen. Und doch war die Liebe in ihm noch stärker.

<< Nun denn, du hast ja auch ein Anliegen. Du möchtest Körperlichkeit erleben und erfahren und bei anderen nicht zerstören, in einem Krieg, den du nicht gewollt hast. Deine Freundin, es geht ihr gut. Sie wird beschützt, du must keine Angst um sie haben. Und du selbst? Ja, wenn jemand Körperlichkeit so sehr liebt und die Liebe begriffen hat, diese Art der Erkenntnis ist schon mehr als man von einem einzigen endlichen Leben erwarten kann. Aber du hast auch Aggressivität in dir drin, die sich verwirklichen möchte. Mit all dem klarzukommen und dennoch das Leben zu lieben, es ist bemerkenswert. >>

Er hörte ihre Stimme und widersprach ihr nicht. Die Gefühle in ihm, er durfte sie nicht anschauen. Das Verlangen nach ihr, es war übermächtig.

<< Du kannst auch mit mir schlafen, ohne dass es deine Liebe beschädigt, denn ich bin ein spirituelles Wesen. Aber die Liebe, die du zu deiner Freundin empfindest, die kann ich dir nicht geben. Und so wie du Sexualität mit anderen erfahren möchtest, es würde nicht das sein, was du suchst. Lassen wir es also dabei bewenden. Ein Wesen, dem ich begegenet bin und das sich mir nicht hingegeben hat, ich kann es nicht fassen. Obwohl ...  Orania ... Aber es ist okay, was du tust. Ich biete dir meine Freundschaft an. >>

Ja, Erotica, ich möchte mit dir befreundet sein, auch wenn ich nicht weiß, was das für mich bedeutet. Es ist der Gedankenaustausch mit dir, er gibt mir so viel.

<< Danke, dann sind wir jetzt Freunde. Wenn mir danach ist, zu philosophieren, ich werde gerne wieder zu dir kommen. Aber ich möchte dir auch zeigen, was die Freundschaft zu einem unendlichen Wesen bedeuten kann. Ich öffne dir eine Tür in eine andere Welt, sie wartet dort auf dich. Lasse sie nicht zu lange warten, auch ihre Liebe möchte sich erfüllen. Die ganze Welt, die ihr dort erleben werdet, sie gehört euch. Wenn ihr dort bleiben wollt, so soll es geschehen. Wisse, ich kann nicht eure reale Welt so verändern, dass alle eure Wünsche in Erfüllung gehen. Was ich tun kan, ich helfe euch, eure Liebe zu verwirklichen. Was ihr dann tut, es liegt an euch. Wenn ihr Hilfe braucht, bitte ruft nach mir.  Und noch etwas möchte ich euch sagen. Mit dem Wissen und den Möglichkeiten, die ich euch vermittele, seid ihr jetzt Liebende der Ewigkeit. >>

Liebende der Ewigkeit?

<< Ich bin auch deiner Orania erschienen, als Inkarnation ihrer sexuellen Wünsche. Sie dachte nur an dich. Eure Liebe ist so stark, dass sie den Tod überwinden kann. Gleichzeitig ist die tiefste Sehnsucht eurer Seele eure Körperlichkeit, die Erfüllung eures größten Wunsches an die Existenz. Wenn jemand Körperlichkeit so sehr liebt und darüber hinaus gehen kann, nicht in seinem Narzismus kollabiert, es berührt nicht nur mich, auch das Wesen der Existenz ist davon betroffen. Es vermittelt ihr, wie schön ihre Existenz sein kann.

Ihr werdet wiedergeboren, wenn eure endliche Existenz einmal zu Ende sein sollte. Aber auch das ist nicht sicher, die Berührung mit einem unendlichen Wesen kann euch Unsterblichkeit vermitteln, wenn ihr sie wollt. Wenn ihr wiedergeboren werdet, dann existiert ihr zur gleichen Zeit auf demselben Planeten. Ihr könnt euch wiederfinden, immer und immer wieder.  Aber all dies, es kommt später erst auf euch zu. Nun kommt erst einmal zusammen, lasst eure Liebe leben. >>
...



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