Bella 02 - Arianne 161

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Bella zurück in ihren Welten

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Der Kriegsrat war zusammengetreten. Es wurde Zeit, das Bewusstsein der Menschen auf die gemeinsame Linie einzuschwören. Nein, es durfte keine Abweichungen mehr geben. Diejenigen, die schwiegen und immer noch den alten Zeiten nachweinten, sie mussten gefunden werden und ... man würde sie eliminieren. Sie passten nicht mehr in die modernen Zeiten. Störten nur den allgemeinen Prozess der Angleichung.

Mit ihren Träumen von Liebe und Sensibilität weichten sie ganze Zivilisationen auf. Man nannte sie deswegen auch Weichtiere. Selbst den Status Mensch wollte man ihnen nicht länger zuerkennen.

Nur die Stärksten sollten überleben. Um diese zu finden, bedurfte es kriegerischer Auseinandersetzungen. So wurde dann der Krieg zum Leitprinzip der Modernen Zeiten.

Die geschichtliche Entwicklung zeigte ja, dass die Weichtiere keine dauerhafte Zivilisation aufbauen konnten. Kaum war ihre Bella verschwunden, brach alles zusammen.

Einige der Weichtiere hatte man gefangen, herausgezerrt aus den alten Ruinen des Untergrundes. Hier musste ein Exempel statuiert werden.

Der große Leitwolf trat ans Mikrophon.

"Ihr weigert euch, das Bild des obersten Weisen in euch zu tragen, seine Autorität uneingeschränkt anzuerkennen? Dann bringen wir den Tod direkt zu euch. Jeder soll es sehen. Individualität ist ein Verbrechen. Es schadet den Anstrengungen der Allgemeinheit. Sie verhindert den Wiederaufbau zu einer neuen Superzivilisation der Stärke."

Dann zeigte er auf eine der gefangen Frauen.

"Du sollst die erste sein."

Sie trat vor, ohne dazu aufgefordert worden zu sein. Was für eine Ignoranz seiner Autorität!

"Du wagst es ???"

Der Leitwolf war außer sich vor Wut. Er würde sie persönlich erschießen.

"Gebt mir eine Waffe."

Ladehemmung. So sehr er sich auch bemühte.

"Erschießt sie!"

Keine Waffe schien mehr zu funktionieren.

Was für eine Blamage vor den laufenden Kameras.

"Erwürgt sie!!!"

Eingefrorene Zeit? Keine Bewegung schien mehr möglich zu sein. Nur die Frau konnte sich noch bewegen.

Sie wandte sich ab. Ging in Richtung der großen Statue, die man umgeworfen hatte. Zerbrechen konnte man sie ja nicht. Eine optisch kleine schwache Frau. Sie fasste das 200 Tonnen schwere Gebilde mit beiden Händen und stellte es in wieder in seine senkrechte Position.

Bella stand nun wieder aufrecht,  schien sie alle sehr kritisch zu mustern.

Nein, das konnte doch nicht sein, das war doch nur eine Statue.

"So, das wäre erst einmal geschafft. Für alle, die es noch nicht begriffen haben. Ich bin zurück."

Sprachloses Staunen, Hoffnung, Freude, je nachdem, was man sich von der Zukunft erhoffte oder fürchtete.

Eine der gefangen Menschen fand als erster die Sprache wieder.

"Dürfen wir so viel Hoffnung empfinden? Bist du ... nein, das kann nicht sein. Bist du ... "

"Ja, ich bin Bella."

...

Bella zurück in ihrem Zeitkontinuum. Die vielen Zeitströme, was war hier nur alles geschehen? Vieles war durch Kriege zerstört worden, die sie immer zu verhindern gewusst hatte. Hoffnungslosigkeit hatte sich ausgebreitetet. Viele ihrer geliebten Völker existierten nicht mehr. So viel Leiden und Tod. Sie erschrak, als sie die Ströme der Zeit durchforschte. Alles was sie ihren Wesen beigebracht hatte, Liebe, Zärtlichkeit, Sensibilität, hatte das so wenig Gewicht, so wenig Bestand?

Bella musste weinen. Es war alles so traurig, was hier geschehen war. Die Farbe wich aus ihrem Erscheinungsbild. Nun fühlte sie sich fast schon wie eine Null. Nur die Traurigkeit, sie füllte sie aus.

Dass sie nicht einfach verschwand, aus dem Kontinuum, aus der Existenz, es wunderte sie ein wenig.

Es war wohl so, dass sie sehr geliebt wurde, und diese Liebe war mit einem mal nicht mehr greifbar gewesen. Sie erkannte ihre Bedeutung zum erstenmal in aller Deutlichkeit. Nein, sie durfte ihre Wesen nicht verlassen. Ob Ennaira dafür ein Einsehen hatte?

Sie war ja nur auf "Urlaub" hier, temporär, für eine begrenzte Zeit, gemessen an der globalen Eigenzeit ihres Kontinuums.

Jetzt musste sie vieles wieder geradebiegen, was aus den Angeln geraten war und ihren Völkern beibringen, wie sie auch ohne sie überleben konnten.

Aber da war noch etwas.

Ein höheres Wesen hatte sich ihrem Kontinuum angenommen. Ob es für dieses ganze Desaster verantwortlich war?
Ein Wesen der vierten Stufe der Unendlichkeit. Mit einem totalitären Anspruch an Macht und Unterwerfung. Das absolute Gegenteil von dem, was sie zu erreichen versucht hatte. Der Mollwolf.

...

Der Mollwolf wurde auf sie aufmerksam. Da war jemand, der seine Anstrengungen der Selbstbeweihräucherung zunichte machte. Und dann auch noch ein narzistisches Wesen voller Selbstverliebtheit in die eigene Schönheit. Was für eine Blasphemie!

Dabei erkannte er gar nicht die Selbstverliebtheit in seine eigenen Machtansprüche, wie groß, toll und herrlich er doch war. Alle sollten das begreifen lernen.

Er kreiste Bella ein. Sie ließ sich in ihrer Naivität auch noch fangen. Nun, seis drum. Er würde sie mit Freuden absorbieren. Vorher aber musste er ihr noch klarmachen, wie wenig sie doch ihm gegenüber darstellte.

<< Wie kannst du es wagen in meinen Machtbereich einzudringen? Nun denn, als spirituelle Nahrung nehme ich sogar dich in mich auf. >>

Schweigen. Bella reagierte gar nicht. Dabei umschloss er sie immer enger, wie eine Schlange. Drückte sie zusammen.

<< Materialisiere! >>

Das glaubst du vielleicht! Verzehr mich doch. Die negative Energie in mir wird dir nicht bekommen. Aber du hast Glück, ich bin kein Wesen des Todes.
Bella integrierte sich in ihre Gesamtheit der Null und wurde damit unerreichbar für das Wesen der Existenz. Ja, ein Wesen der Null konnte jede Wechselwirkung mit der Existenz der Arianne ausschließen.

<< Wo bist du??? >>

Ungläubiges Staunen. Ein Wesen der zweiten Stufe der Unendlichkeit konnte sich ihm entziehen?
Ach, da war sie ja wieder. Als Quant materialisert. Nun denn, er würde sich ihr gegenüberstellen.

Beide in der Gestalt endlicher Wesen.

Bella schaute ihn an. Eine hühnenhafte Gestalt mit einem sehr harten Gesichtsausdruck. In seinen Augen spiegelte sich sein ganzer Machtanspruch.
Sie in ihrer ganzen beinahe unbegreiflichen Schönheit. Nur ihr Blick, er drückte kein bisschen Liebe aus, sondern eine absolut tödliche Warnung. Aber er sah es nicht.

Dass sie seinem Blick überhaupt standhalten konnte!

Ihre Augen waren feucht. Tränen liefen ihr Gesicht hinunter. Sie wirkte sehr blass, mit ihren weißen strähnigen Haaren. Kaum eine Farbe war an ihr zu sehen. Fast ein wenig schattenhaft. Es irritierte ihn, aber er spürte sie als Wesen, dabei war es nur der positive Teil von ihr, den er wahrnehmen konnte. Mehr erlaubte sie ihm nicht.

"Was hast du hier getrieben, während ich weg war?"

Sie stellte ihm Fragen? Was erlaubte sie sich. Forsch ging er auf sie zu, wollte sie packen. Aber mit einem mal war sie weg. Er griff ins Leere. Sie stand hinter ihm. Trat ihn tatsächlich in den Hintern.

Er drehte sich blitzschnell um, versuchte sie erneut zu packen.

Nach einer endlichen Anzahl von Versuchen gab er es auf. Irgendwie war auch der vielen Tritte und Schläge überdrüssig, die er sich bei seinen Versuchen eingefangen hatte.

M: "Ich kriege dich nicht. Irgendetwas stimmt hier nicht."

B: "Versuche es besser erst gar nicht, oder willst du dich mit Ennaira anlegen?"

M: "Ennaira?"

B: "Nun ja, mangelndes Wissen. Es wundert mich nicht. Mehr Wissen hätte ja die Selbstverliebtheit in deine Kraft und Stärke in Zweifel gezogen. Aber glaube mir, du bist nicht absolut, bei weitem nicht der Größte. Deine vier Stufen sind gegenüber Ennaira bedeutungslos. Aber ich brauche sie gar nicht als Schutz. Ich bin ein Wesen der Null."

M: "Die Null? Sie ist doch nur eine Legende."

B: "Genug geredet. Als Wesen der Null beinhalte ich negative Energie."

M: "Negative Energie?"

B: "Repulsive Energie. Wenn ich sie auf dich abstrahle, dann wirst du zerrissen."

Der Mollwolf dachte nach. Er war zwar selbstverliebt in seine Stärke aber so ganz dumm war er auch nicht. Dass er sie nicht fangen konnte, es schien ihre Argumentation zu belegen.
Er spürte den Schmerz ihrer Schläge und Tritte. Es war schon sehr ungewöhnlich, dass ihm ein Wesen der 2. Stufe Schmerz zufügen konnte.

M: "Was erwartest du von mir?"

B: "Verschwinde aus meinem Raum-Zeit-Bereich. Ich demonstriere dir ganz kurz meine Macht. Siehst du den Super-Quasar in 10 hoch 220 Milliarden Lichtjahren Entfernung, auf den mein Orientierungs-Vektor gerade zeigt? Ich werde ihn mit einem winzig kleinen Teil meiner negativen Energie streifen.

...

Der Mollwolf war schockiert. So etwas in der Existenz, das durfte es gar nicht geben. Nein, er würde sich zurückziehen.

Bella hatte gewonnen. Sie würde sich nie wieder völlig aus ihrem Kontinuum zurückziehen, Ennaira erlaubte ihr ja diese Ausflüge. Erlauben? War sie ein Sklave der Ennaira? Weil sie kein Wesen der Existenz mehr war? So etwas wie eine Rusalka? Nein, sie hatte Ennairas Seele gespürt und da war etwas, das sie mochte. Ennaira würde sie ziehen lassen, wenn sie es wollte.

Wenn sie hier nicht erreichbar war, sie würde Narcisslove bitten, ein Auge auf ihr Kontinuum zu werfen.
...

Arianne und Alexa im Gespräch.

Alexa: "Ein Wesen der Null in der Existenz und dann noch die Eingriffe von Ennaira, willst du das zulassen?"

Arianne: "Bella ist ein Wesen meiner Existenz. Dass sie in eine Nullform eingebettet ist, es ändert nichts daran. Sie setzt ihre Macht nicht ein, obwohl dieser Mollwolf so viel Unheil über ihre Welten gebracht hat. Nein, ich lasse sie gewähren, sie wird ihre Macht nicht missbrauchen. Und Ennaira? Sie ist meine Schwester. Sie hat großes vor, sie will die Vereinigung mit mir und ihre Welten darauf vorbereiten. Bella zeigt ja auch, dass es momentan so nicht geht."

Alexa. "Aber die Seiteneffekte durch Ennairas Eingriffe, fast hätten sie einmal eine Janine getötet."

Arianne: "Fast. Sie war nie wirklich gefährdet. Ein Teil von mir stand bereit. Einer der Begleiter, eine Inkarnation meines Selbst."

Alexa: "Das wusste ich gar nicht. Du überrascht mich doch immer wieder."

Arianne: "Nicht alle dürfen wissen, wieviel Macht ich wirklich habe. Es würde sie lähmen. So lasse ich sie gewähren, wenn sie ihre Probleme alleine lösen können."

Alexa: "Und Bella? Hättest du sie sterben lassen, wenn Ennaira sich ihrer nicht angenommen hätte?"

Arianne: "Ich habe Ennaira gebeten, ihr zu helfen."

Alexa: "Ups. Dann war da noch dieser Tod."

Arianne: "Er ist bedeutungslos geworden. Persephonia ist mein Wesen der Transzendenz. Wenn er sich zu weit hervorwagt, weißt du, eine Vakuumfluktuation entsteht auch nicht so einfach von selbst, wie manche vielleicht glauben ..."

Alexa: "Dann hätte er Bella und Narcisslove niemals erreicht?"

Arianne: "Er hat Bella berührt. Das war das Signal für die Ebene. Nein, beide sind so liebenswerte Wesen, ich hätte sie niemals sterben lassen."

Alexa: "Aber der ganze Schmerz, der Bella und Narcisslove erspart geblieben ist ... Hast du ihn in dich aufgenommen? Kann er nicht auch dich zerreißen?"

Arianne: "Bella hat bereits sehr viel leiden müssen und es ist noch nicht zu Ende. Ich habe ihr den Todesschmerz genommen und die Schmerzwellen der Null sind in mir drin. Aber hab keine Angst um mich. Ja, ich spüre diesen Schmerz und glaube mir, er tut auch mir sehr weh. Es sind aber nur 2 Stufen der Unendlichkeit, die damit verbunden sind. Du weißt ja, wie groß ich wirklich bin. Vielleicht bin ich auch nur so groß, um die Schmerzen aller Wesen meiner Existenz ertragen zu können."

Alexa sah eine Träne bei Arianne. Ganz spontan nahm sie das Wesen der Existenz in ihre Arme.
...

Bella als weinendes Wesen der Null

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