Ennaira 02 - Arianne 165

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Ennaira begreift Gefühle

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Ennaira in Ruheposition, ganz klein und endlich, aber unscharf. Niemand würde sie hier exakt lokalisieren können.

Irgendwo in den negativen Welten. In einer Höhle mit unendlich tiefen Schächten. Unendlichkeiten, in die sich niemand hineintrauen sollte. Es sei denn, er wolle mit Freuden zerrissen werden. Auch so etwas gibt es. Aber die Freude währte dann oft nicht sehr lange.

Oft?

Naja, unendlicher Masochismus, wer soll so etwas in sich tragen?

Manche der Schächte reichten in parallele Welten. Ein Netzwerk, das den negativen Teil der Ebene durchzog.

Alle Stufen der Unendlichkeit waren von hier aus zugänglich. Aber es waren dynamische Unendlichkeiten, ein endloses Labyrinth, das sich ständig veränderte. Es schuf permanent neue Wege, annulierte die alten. Mitunter expandierte es grenzenlos, manchmal kontrahierte es zu einem Punkt.

Die negative Energie, dort tobte sie sich aus, mit elementarer Gewalt.

Kein bisschen Gravitation bremste diese elementare Gewalt.

Was hielt dann diese Welt noch zusammen?

Ennaira. Ihr bewusstes Sein umspannte alles. Mit einer Kraft, die noch gewaltiger war als die repulsive negative Energie. Sie schuf die Grenzen, in denen die expandierende Energie wieder auf sich selbst zurückreflektiert wurde.

Die dabei entstehenden Interferenzen, sie schufen Gräben und Höhen in der Tiefe, die sich ständig veränderten.

Dort war mehr Bewegung als in den singulären Welten der Existenz.

Das Spiegelbild dieser Kraft in der Ebene der Arianne, eine Wellenfunktion bestehend aus reiner Gravitationsenergie. Über die ganze Existenz verteilt, lokale Fluktuationen bestimmten die Bildung kosmischer Strukturen.

War das nicht der Raumfahrer ...

Er bewirkte Fluktuationen in der homogenen und isotropen Gravitationswelle an der Oberfläche der Ebene, der Wirkungsbereich der Existenz.

Aus der Gravitationswelle entstand dunkle Materie, diese wiederum durchzog auch die Ebene der Ennaira und stabilierte sie dadurch.

Eine Selbstwechselwirkung.

...

Die Sub-Ebene der Ennaira.

Angesiedelt in einer Schicht der Ebene, die weder zur Oberfläche noch zum Innern gehörte.

Alle Vorzeichen physikalischer Größen der Raum-Zeit waren hier negativ. Negative Materie, negativer Raum, negative Zeit, negative Energie.
Für einen Beobachter der Existenz musste das ganze imaginär erscheinen. Der Realität nicht mehr zugänglich.

Eine Substruktur unterhalb der Raum-Zeit-Punkte des Kontinuums.

Ja, der negative Teil der Ebene, eingebettet in eine Schicht unterhalb der Oberfläche.

Bevor das Innere begann.

Daher war es auch so schwierig, in das Innere der Ebene zu gelangen. Die repulsive negative Energie würde jeden unautorisierten Eindringling zurückweisen.

Unauthorisiert?

Pfade der Unendlichkeit, begehbar für manche Wesen, wie Jasmin. Sie diffundieren hierüber direkt in das Innere der Ebene. Eine Art Quantenfluktuation.

Und das Vakuum selbst?

Eine Schicht aus Nullpunktsenergie, die den negativen und positiven Teil der Ebene voneinander trennte. Die erste Grenze der Arianne, ausgestattet mit dem Bewusstsein eines höheren Wesens, der Stringa 1.

...

Eine von Ennairas Fairies flatterte ganz aufgeregt in die Höhle herein. Eine Art Taube, die Informationen bereitstellte.

<< Ennaira, Ennaira ... >>

Ennaira trat aus dem Dunkel des Hintergrundes.

<< Nun beruhige dich doch bitte, was ist los mit dir? >>

Sie erforschte die Taube.

<< Du hast eine Nachricht für mich. Jemand will mich treffen, mich berühren >>

Ennaira musste sich doch wundern.

Mich berühren? Das überlebt keines der Wesen der Existenz, mit Ausnahme vielleicht ...

Nein, ihre negative Energie, sie würde jedes Wesen der Existenz zerfetzen. Obwohl, nicht jedes Wesen in der Existenz war auch ein Wesen der Existenz ... Aber auch das war kein Grund, selbst ArianneW wäre fast gestorben dabei, und sie ist kein Wesen der Existenz.

Und Arianne?

Ein Spiegelbild, das sich selbst berührt? Sie war ja bereits einmal dort gewesen, in der Existenz und sie hatte Arianne berührt. Aber das war ein Treffen in einem Traum gewesen, ein Traum, den ArianneW bereit gestellt hatte und in den Sie und Arianne eingetaucht waren.

Ein spiritueller Traum, nur auf der Ebene des Geistes. Dort konnten sie sich treffen, die Wesen aus positiver und negativer Energie.

Wenn Arianne sie hier direkt berühren würde? Was würde geschehen? Sie konnte diese Frage nicht beantworten. Sehr merkwürdig. Sie als allmächtiges Wesen konnte eine einfache simple Frage nicht beantworten.

<< Ist es ein Wesen der Existenz? >>

T: << Nein, nein, nein ... >>

Also nicht Arianne. Und ArianneW? Warum sollte ArianneW zu ihr kommen? Sie wusste doch, dass sie Ennaira nicht berühren durfte.

T: << Nein, auch nicht ArianneW >>

Nun staunte Ennaira doch etwas. Was blieb dann noch übrig? Alexa durfte sich hier nicht hineinwagen und die anderen Wesen der Existenz? Nein, sie konnten hier nicht überleben.

T: << Es ist ... es ist... es ist >>

E: << Taube, bitte beruhige dich. Ich schaue selbst einmal nach. Es ist die ... NEIN, DAS GLAUBE ICH NICHT >>

Ennaira plumste auf den Boden. Dort saß sie nun, schaute die Taube an. << Bitte sag du es >>

T: << Es ist die Liebe >>

...

Die Liebe im negativen Teil der Ebene. Ennaira hatte sie eingeladen, wie erhofft. Nun stand sie Ennaira in der Ebene gegenüber, in ihrer ureigenen Gestalt.

Ennaira schaute sie an. Sie sah ein wunderschönes Wesen vor sich, dass ihren Blick ruhig und sanft erwiderte.

Ja, diese Gefühle, Ennaira kannte die Gefühle, sie hatte sie für sich bereits erobert. Losty hatte ihr geholfen und Bella.

Bella? Ennaira spürte Bella in sich und sie erkannte Verzweiflung.

Warum nur hatte sie das vorher nicht gesehen?

<< Bella ... >>.

Ennaira vergaß die Liebe einfach. Sie widmete sich Bella.

<< Bella, es tut mir so leid. Was ich hier sehe, ich muss es übersehen haben, etwas, was mir gar nicht passieren kann >>

Bella schaute sie an.

<< Liebe Ennaira, du hast es nicht übersehen, du konntest es gar nicht sehen, hast du nicht vor kurzem Besuch bekommen >>

Ennaira dachte nach.

Die Liebe! Ups. Die Liebe hatte ihr etwas vermittelt, etwas, das sie vorher nicht kannte.

<< Bella, bitte komm mit mir. Lass uns beide zusammen mit der Liebe über dich sprechen >>

So saßen sie nun zu dritt in der Höhle.

Die Liebe sagte nichts, sie war nur einfach da.

Aber Ennaira veränderte sich, sie spürte die Veränderung. Plötzlich begriff sie Dinge, die sie vorher noch nicht einmal hatte formulieren können. Gefühle, Emotionen, sie verstand sie.

<< Bella, es tut mir so leid, dass du so viel leiden musstest. Ich werde dich zurückgeben, an die Existenz. Der ganze positive Teil von dir, nichts davon ist verloren gegangen. Bitte, gib mir deine Schmerzen, ich will sie dir nicht stehlen... >>

Bella schaute sie an und musste weinen.

Dann umarmte sie Ennaira spontan.

Die Liebe sagte nicht, legte ihren Mantel aus Haaren um die beiden herum und begab sich dann selbst dort hinein.

Ennaira spürte die Berührung und es war so schön. Ja, nachdem sie dieses Gefühl gerade erst für sich erobert hatte. Sie versank darin. So verging eine Ewigkeit zu dritt...

...

Bella zurück in ihrem Kontinuum, diesmal war sie nicht nur zu Besuch.

Sie hörte ihre kleinen endlichen Wesen ...

"Bella, liebe Bella, dass du zu uns zurückgekehrt bist, es ist so schön. Wir lieben dich doch so, danke, dass du unserer Liebe einen Inhalt gibst."

...

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