Verlorene Seelen - Arianne 171

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Ari0nne und Ramona

Ramona hatte einen neuen Auftrag. Sie sollte Louis223 begleiten, als Gesellschafterin. Ihr war ganz mulmig zumute. Dieser Zuhälter und oberste Boss der Straßenfeger. Er neigte zu Gewalttätigkeiten Frauen gegenüber. Man sagte ihm übles nach, aber es gab keine Beweise.

Und selbst, wenn es welche gab, wer war nicht korrupt in dieser Stadt oder hatte Angst vor den mächtigen Bossen?

Straßenfeger, es klang eigentlich ganz harmlos, aber das war es nicht.

Sie als Gesellschafterin, das war offiziell gar nicht mit Sex verbunden. Aber solche Klientel? Bisher konnte sie das immer vermeiden, aber dieser Moloch würde sie persönlich abholen, wenn sie zu dem bezahlten Treffen nicht erschien.

Der Gedanke daran war gar nicht lustig.

223. Die Bedeutung dieser Zahl? Hatte er 223 Frauen vergewaltigt? Sie wagte gar nicht daran zu denken.

Man sagte ihm nach, dass er die Frauen mit Gewalt nahm. Er verprügelte sie, machte sie ganz klein. Dabei hatte er es gar nicht nötig, aber es musste ihm Spaß machen. Warum sonst verhielt er sich so?

Warum gerade sie?

...

Ramona machte sich fertig, schaute in den Spiegel. Die langen schwarzen Haare bedeckten eine Hälfte ihres Gesichtes und sie reichten bis zum Boden. Sanft streichelte sie die langen Haare. Oh wie gerne würde sie sich unter den Haaren verstecken. Sie liebte ihr Leben doch so, trotz der ganzen Frustration, die sie täglich erleiden musste. Aber wenn sie abends allein im Bett lag, das ganze Glück ihres Lebens, es gehörte nur ihr.

Nun war sie an einer Grenze angekommen. Ob sie dieses Treffen überleben würde? Oder würde er sie als Sexsklavin auf die Straße schicken?
Nein, das würde ihr das Herz brechen. So konnte sie nicht leben.

"Tschuess, liebes Spiegelbild. Ob wir uns jemals wiedersehen werden? Ich wünsche dir alles Gute und ich wünsche dir so sehr, dass dich jemand beschützen wird."

Sie küsste dem Spiegelbild direkt auf den Mund.

Das Spiegelbild! Es schien mit ihr reden zu wollen! Sie lächelte bei diesem Gedanken, und das Spiegelbild lächelte zurück.

Ein Gedanke erschien in ihrem Bewusstsein. << Bitte habe keine Angst. Ich will dir nur helfen. Siehst du deine kleine Fairy dort hinten in der Ecke, wie sie anfängt zu leuchten? >>

Ramona war verwirrt. Gedanken in ihrem Gehirn, die so merkwürdig waren. Warum sollte sie so etwas denken? Ob das vom Spiegelbild kam? Mit großen Augen schaute sie sich an. Dann sah sie das Leuchten ihrer kleinen Fairy. Oh, sie liebte diese kleine Figur so sehr. Wie oft hatte sie sich ihr anvertraut, mit ihr zusammen geweint, sie gestreichelt, ihr so viel Liebe gegeben. Irgendwie schien die kleine Figur ihr zu helfen, sie wusste nicht wie, aber es ging ihr danach oft so sehr viel besser.

Sie ging zu der kleinen Fairy, hockte sich nieder, nahm sie in ihre Hände, schaute ihr direkt in die kleinen Augen. "Fairy, was ist mir dir? Du hast nie etwas zu mir gesagt, aber nun leuchtest du plötzlich?"

Ein neuer Gedanke und sie spürte, dass er direkt von der Fairy kam.

...

<< Liebe Ramona, die Zeit des Schweigens ist vorbei. Lass mich an deiner Stelle mit diesem Zuhälter gehen. Ja, ich kann deine Gestalt annehmen. Du bleibst einfach nur hier. Niemand wird dich stören, bis ich wieder da bin >>

Ramona schaute ihre Fairy an. "Kommt das wirklich von dir? Bilde ich mir das nicht nur ein?"

<< Ja, es kommt von mir. Lege dich einfach ins Bett, schlafe ein. Ich wache über dich. Wenn du eingeschlafen bist, werde ich mich verwandeln und zu diesem Treffen gehen. Glaube mir, er wird seine Begegnung der dritten Art erleben. >>

Etwas schien sie zu berühren, etwas Spirituelles, das ihre Seele streichelte. Es wirkte so ungemein beruhigend, gab ihr grenzenloses Vertrauen. Dann legte sie sich ins Bett, so wie sie war. Deckte sich zu und schlief ein.

...

Ari0nne in der Gestalt der Ramona. Mit einem Taxi fuhr sie zu dem Treffen mit Ludwig dem 16. Ach, so ganz stimmte die Zahl nicht, aber jetzt war Revolution.
Die Deliquenten kamen nicht aufs Schaffott. Aber es gab etwas anderes, in den heiligen Hallen des Oberpriesters. Eine ganz harmlos aussehende Büchse. Es gab wohl keinen, der nicht das Schaffott der Büchse vorgezogen hätte ...

...

Ludwig gab sich zuvorkommend. So wie man es von einem kultivierten Gesellschafter erwartete. Man war ja auch in den besten Kreisen unterwegs. Ramona-Ari0nne wurde allen wichtigen Personen der Stadt vorgestellt. Dabei war es bereits eine Art Abschied. Niemand würde sie jemals wiedersehen. So dachten die anderen, sagten es aber nicht.

Der Abend verging.

Danach. Ramona und Ludwig alleine im großen Speisesaal. Die anderen hatten sich bereits diskret entfernt.

"Zieh dich aus."

Wechsel der Konversationsstufe. Nun sollte es ganz trivial werden.

Aus einem Schrank entnahm er eine Peitsche. Das war es also. Er wollte sie nackt auspeitschen. Warum nur? War das Hass gegen Frauen? Nein, Ari0nne las es in seinen Gedanken. Es machte ihm einfach nur Spaß. Macht, wer die Macht hat, will sie auch auskosten können.

Er hatte Spaß daran etwas Schönes zu zerstören, und Ramona war wunderschön. Wenn sich das Schöne nicht selbst schützen konnte, es lud doch dazu ein. Das Schöne auf sich wirken lassen, sich daran  erfreuen. An so etwas dachte er gar nicht. Es war ihm zu simpel, einfach zu naiv.

Vielleicht würde er sie einfach nur totprügeln und sich dann eine andere holen.

Ramona-Ari0nne schaute ihn nur an. Da war etwas in ihrem Blick, das ihn irritierte. Es hatte Angst erwartet, einen Ausdruck von Furcht auf dem Gesicht.
Verzweiflung, Bitten, Flehen. Oh wie sehr ihn das anmachte, wenn die Hilflosen versuchten ihn umzustimmen. Ja, dann erst richtig, die Emotionen hochtreiben bis zu einem Exzess. Was gab das Leben sonst schon her?

Nichts von alledem konnte er sehen. Die Frau schaute ihn an wie ein Insekt, das sie im nächsten Moment erschlagen würde.

Ludwig war nicht der Dümmste von allen.

Irgendetwas stimmte hier nicht.

Es holte sein Sprechfunkgerät hervor und rief nach seiner Leibgarde. Weiter sagte und tat er nichts. Setzte sich in einen Sessel und wartete.
Es dauerte keine 20 Sekunden, eigentlich schon eine viel zu lange Zeit.

5 Bewaffnete stürmten herein.

"Reißt ihr die Kleider vom Leib. Ich will sie nackt sehen."

...

Befehlsempfänger. Sie bemühten sich seinen Anweisungen nachzukommen, wie immer, aber das war es dann auch schon. Mit schmerzhaften Prellungen klebten sie an der gegenüberliegenden Wand. Sonst war ihnen nichts passiert. Eigentlich hätten sie diesen Flug durch den Raum nicht überleben dürfen. Etwas hatte sie fliegen lassen und den Aufprall abgefedert. Aber sie konnten sich nicht mehr rühren. Ihre Kleidung war fest mit der Wand verschmolzen.

Um sich zu lösen, mussten sie versuchen irgendwie aus der Kleidung herauszukommen.

Dass über ihnen ein Fluch lastete wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Sie würden nie wieder Kleidung tragen können. Nach einiger Zeit würde sich die Haut von den Knochen lösen. Das Ende in der Büchse war ihnen gewiss. Befehlsempfänger. Sie können sich nicht aus jeder Verantwortung herausreden. So viel Leid, wie sie verursacht hatten, ein einzelnes Leben kann das gar nicht ausgleichen.

Ludwig saß nur da. Hier hatte er sich offenbar übernommen. Noch etwas war seltsam, erst wusste er nicht was es war. Dann sah er es, seine Kleidung hatte sich einfach aufgelöst, er war nackt. Und die Peitsche, sie schwebte drohend einen halben Meter neben ihm. Als hätte sie eine eigene Lebendigkeit erreicht.

Dann zog sie einmal voll durch, zerschmetterte den Tisch neben ihm in 2 Teile.

Der Schreck. Noch so ein Ereignis und Ludwigs Herz würde einfach stehenbleiben.

Dass so ein Individuum überhaupt Angst und Schreck empfinden konnte. Manche waren ja ohne jedes Gefühl.

Für Ludwig war dies eine Begegnung der dritten Art. Das lag wohl an seiner Intelligenz, die tatsächlich mehr als das nur das Unmittelbare begreifen konnte. Aber Intelligenz schützt vor Trivialität nicht.

Dennoch, die Intelligenz vermittelte ihm Einsichten. Es gab offenbar etwas, das über die Endlichkeit seines Lebens hinausging.

Ramonas Haare begannen zu leuchten, aus sich selbst heraus. Sie sah nun aus wie eine Göttin. Oder wie der Teufel? Dafür war sie doch viel zu schön. Aber wer weiß schon so genau, wie ihm der Teufel gegenübertreten wird.

Ludwig hatte Angst, Todesangst. Da war keine aufkommende Schicksalsergebenheit, Zynismus gegen das eigene Selbst. All das hatte Ari0nne schon erlebt.

L: "Was geschieht nun mit mir?"

R-A: "Was ich in deinen Erinnerungen so lese, es reicht für die Hölle. Mehr als nur einmal. Das kann ich nicht verzeihen. Und in deinen parallelen Welten, Ludwig Parallel als ... Zuhälter und Mörder. Nein, es ist kaum zu glauben. Wenn ich dich so sehe, so ganz unrecht hatte der Teufel nicht. Nur, wenn ich die Galaxis zurückgebe, das diabolische Netzwerk schluckt auch die Unschuldigen, und das ist in diesem Fall Ramona."

L: "Bist du der Teufel? Aber seit wann mischt der sich in die Belange der Lebenden ein?"

R-A: "Für dich bin ich der Teufel, ja, das musst du jetzt so hinnehmen. Du weißt ja wie es ist, wenn man seine Macht unbegrenzt ausüben kann. Nun bin ich an der Reihe, ich vermittele dir eine Sicht von der anderen Seite. So wie du dich verhalten hast, bei deiner Intelligenz, du hast die Hölle freiwillig selbst gewählt. Nun sieh zu, wie du damit klarkommst. Er wartet schon auf dich, in seiner Büchse."
...

Ari0nne versuchte zu helfen, wo sie nur konnte. Aber auch sie war ein Wesen mit Gefühl. Es nahm sie sehr mit, was sie hier alles erfuhr. Das Erleben dieser Erinnerungen, sie spürte es bis ins Innerste ihrer Seele. Der Schmerz wurde ein Teil von ihr. Snowwhite hätte sehr viel leiden müssen, um ihre Ziele erreichen zu können. Nun denn, sie hatte die Aufgabe von Snowwhite übernommen und bei der allmächtigen Arianne, sie würde diese Aufgabe erfüllen.

Arianne? War sie wirklich allmächtig? Ari0nne wünschte sich so sehr, Arianne einmal kennenzulernen. Ob das überhaupt möglich war? Vielleicht durften sich Wesen dieser Größenordnung gar nicht nahekommen. Allein, dass sie diese Frage nicht beantworten konnte, zeigte ihr bereits die Grenzen der eigenen Allmacht.

Nun sei es drum. Die Allmächtigen aus vergangenen Ewigkeiten, sie mögen anders gewesen sein, aber es gab sie nicht mehr.
...

<< Ramona, ich bin deinetwegen hier. Mache dir keine Gedanken darüber, ob du es wert bist. Du bist es wert. Wesen wie du gehören der Liebe, nicht dem Teufel. Deinetwegen und wegen all dieser liebenswerten Geschöpfe wurde die Galaxis aus dem diabolischen Netzwerk herausgenommen. Ihr werdet eure eigene Welt bekommen, wenn diese nicht mehr zu reparieren ist.

Diesen Ludwig gibt es nicht mehr. Seine eigene Dunkelheit hat ihn geschluckt. Es war einfach zu viel. Deine Fairy wird dir helfen, auf deinem weiteren Weg.
Wenn du Probleme hast, bitte, vertraue dich ihr an, ich werde dann mit dir sein >>
...

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