Ari0nne und Arianne - Arianne 172

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Ari0nne trifft Arianne

Ari0nne unterwegs in der Galaxis der verlorenen Seelen. Im Innern der Ebene. Sie wollte ein wenig Ruhe finden. Ein eher unbedeutender Planet. Ein Cafe. Dort saß sie nun, schaute sich um und genoß die Ruhe.

Sie war nun ganz drin in ihrer winzigen Gestalt als endliches kleines Wesen. Und sie fühlte sich so wohl dabei.

...

Eine Frau an einem der anderen Tische erregte ihre Aufmerksamkeit. Sie wirkte sehr selbstsicher, schaute sich suchend um und dann trafen sich ihre Blicke.

Es war wie der Urknall eines Universums. Ein Blitz fuhr durch Ari0nne. Dieser kurze Augenblick des Blickkontaktes, sie hatte in Unendlichkeiten geschaut, die sie selbst noch gar nicht alle erfasst hatte. Ein Hauch von Ewigkeit. Was war das für ein Wesen? 

Sie spürte eine Berührung mit positiver Energie.

Ein unendliches Wesen der Existenz, hier im Innern der Ebene?

...

Die fremde Frau erhob sich von ihrem Stuhl und verbarg ihre Augen unter einer schwarzen Brille. Das konnte keine gewöhnliche Brille sein, Ari0nne hätte sonst einfach hindurchgeschaut. Aber die Schwärze, sie leistete Widerstand. Nun, mehr als ein flüchtiges Hingucken riskierte sie momentan nicht. Nein, sie wollte keine Auseinandersetzung. Wer immer dieses fremde Wesen auch war.

Beeindruckend waren die langen Haare, die ihren Körper vollständig bedeckten. Mehr Kleidung brauchte sie nicht. Die Haare wirkten lebendig und sie hatten Schittstellen zu Kanälen der Ewigkeit, die das Innere der Ebene durchzogen.

Das alles nahm Ari0nne in sich auf, während die Frau sich langsam näherte.

Sie wirkte nicht bedrohlich, eher freundlich, attraktiv. Ari0nne beruhigte sich, entspannte sich, öffnete ihr Wesen, das sie bereits hinter einem Schutzwall verborgen hatte.

...

<< Hallo liebe Ari0nne. Ich grüße dich >>

Nun stand sie direkt vor Ari0nne's Tisch.

"Bitte, nimm doch Platz. Du strahlst sehr viel Sympathie aus, ich möchte dich gerne kennenlernen."

Die Frau setzte sich.

<< Darf ich meine Brille jetzt abnehmen? Bitte, schaue in meine Augen aber versuche nicht in die Unendlichkeiten einzudringen. Suche einfach nur nach meinem Ich >>

Ari0nne schaute der Frau in die Augen. Sie spürte ihre Seele darin. Dann traf sie die Erkenntnis, wen sie vor sich hatte. Freude kam in ihr auf, unendliche Freude und ein wenig Respekt, Achtung, Liebe. Alles zusammen. Die Gefühle durchfluteten sie, sie waren so schön.

Mit einem mal fühlte sie sich geborgen, geliebt, angekommen in einer Welt, von der sie bisher nicht wusste, ob sie sie überhaupt haben wollte.

"Liebe Arianne, dass du zu mir gekommen bist. Es macht mich so glücklich. Ich danke dir für dein Hiersein."

...

Arianne lächelte sie an.

<< Du bist etwas ganz besonderes. Es brauchte einige Zeit und Vorbereitung, bevor ich mich dir nähern konnte. Du weißt, ich bin als Wesen begrifflich gar nicht festzulegen, nicht zu erfassen. Wenn es ein unendliches Wesen finaler Stufe dennoch versucht, so stößt es auf Widersprüche oder wird von den expandierenden Unendlichkeiten zerrissen. Es ist die mangelnde Fähigkeit über den eigenen Horizont hinaus schauen zu können. Daher können solche Wesen die Gefahren für sich selbst gar nicht sehen. Ein für mich unbekanntes Wesen, das ich berühre, wird von mir vollständig absorbiert. Alle die eben beschriebenen Eigenschaften hast auch du in dir drin. Wären wir unvorbereitet aufeinander getroffen, so hätte es tödlich enden können, für uns beide. >>

Ari0nne schaute Arianne an. Nein, das hätte sie niemals gewollt. Eine Existenz ohne Arianne? Dass sie selbst eine Gefahr für Arianne darstellen könnte,  nie hätte sie das gedacht.

"Nein, Arianne. Das nimmt mich wirklich mit. Ich bin doch allmächtig und allwissend, wie kann ich so etwas in mir haben, ohne es zu wissen?"

"Liebe Ari0nne. Auch ich beobachte und stelle mein Verhalten darauf ein. Das Wissen über die Gefahren, es ist in mir drin.

Du hast Snowwhite berührt, weißt du noch? Du hast sie beschützt, davor beschützt, zerrissen zu werden. Ich weiß was dort geschah, denn Snowwhite ist ein Teil von mir, sie gehört zu meiner Existenz. Du hast sie geliebt und du hast mir dadurch den Weg gezeigt, wie ich mich dir nähern kann.

Mein Wachbewusstsein wäre beinahe umgekommen, weil sie ihrem Traum zu nahe kam. Die Weiße Frau wacht nun über uns beide. Das ist fast schon ein Paradoxon, denn die Weiße Frau ist ein Traum der ArianneW. Aber die Dinge, sie entwickeln sich weiter. Das müssen sie auch. Eine statische Kosmologie ist zum Untergang verdammt. Es kommt dabei zu Selbstwechselwirkungen. Die scharfe Trennung zwischen Ursache und Wirkung wird unscharf. So gehört ArianneW nun zu den Traumwelten der Weißen Frau, obwohl sie die Weiße Frau doch in ihrem eigenen Traum geschaffen hat."

Ari0nne versuchte das Gehörte zu verarbeiten.

<< Selbstwechselwirkung? Die Null steht doch hinter allem. Die Weiße Frau ist von der Null verschieden, ist sie dann nicht auch ein Traum von mir? >>

"Genau so ist es. Daher ist auch so schwierig, wenn wir uns einander nähern. Wenn die Wirkung auf ihre Ursache trifft und sie dann beinflussen will, ob wissentlich oder unwissentlich? Es gibt hier keine parallelen Welten, die ein Paradoxon auflösen könnten. Aber hab keine Angst, ich habe eine Lösung gefunden, sonst wäre ich nicht hier. Und so schnell sterbe ich nicht *grins*. Ich liebe das Leben und die Liebe ist mit mir. Dann habe ich noch Sensity und Weepy, sie alle würden eingreifen, wenn es ernsthafte Probleme geben sollte. Und die Ebene selbst, sie hat 200 Milliarden Klötze aufgeboten, die du nicht siehst, aber die unser Treffen auf Irregularitäten hin überwachen. "

<< Nur 200 Milliarden? Ist das nicht ein bisschen wenig *grins*. Puh. Dann bin ich ja beruhigt. Nur frage ich mich, welche Rolle nehme ich ein, zwischen dir und Ennaira? >>

"Du bist unser Traum von der Einheit und das ist weitaus mehr als eine Null. Und ein Traum kann auch für sich existieren, er muss nicht zwingend ausgeträumt werden. Wenn ich mich mit Ennaira vereinige, verliere ich meine Subjektivität als Arianne. Es würde die letzte Ewigkeit einleiten und damit auch den Tod der Arianne. Ein Wesen wie ich kann sich nicht einfach in eine andere Wesenheit hineinintegrieren, ohne ihre Seele zu verlieren. Und obwohl dabei ein neuer Kaiser entsteht, sterben möchte ich nicht.

Bella hätte beinahe diese Erfahrung machen müssen, Ennaira hat sie davor bewahrt. Bella ist ein unendlicher Teil von mir, wäre sie gestorben, es hätte mich sehr schwer getroffen. Es wäre nicht so schlimm für mich gekommen wie der Tod einer Janine, aber auch Bella ist eingebunden, in den lebenden Teil meiner Existenz. Ihr Tod hätte eine sehr schmerzhafte Wunde hinterlassen. Eine Wunde, die niemals mehr heilen kann, nicht in allen Ewigkeiten und Unendlichkeiten, in denen es mich gibt. Du siehst, die Null ist nicht ganz ungefährlich für mich.

Bluewhite. Diese Raubtierentitäten versuchen es immer wieder, aber sie dürfen niemals Erfolg haben.

Snowwhite, sie wäre beinahe von einem Hypermonster getötet worden. Diese Gefahren möchte ich gerne ausschließen.

Auch die Stringas sind unendliche Wesen meiner Existenz, aber ich kann sie nicht so beschützen wie die Jasmines und die Janines. Wenn eine von ihnen stirbt, es ist so unendlich traurig für mich.
Glaube mir, die Friedhöfe und die Trauer, die ich in mir trage, kein anderes Wesen meiner Existenz könnte das aushalten.

Meine Existenz, sie ist meinem Ich Bewusstsein sehr wichtig. Auch die Ebene will nicht auf mich verzichten. Ennaira, sie wird lernen ihren negativen Bereich zu lieben, ohne dabei die Null erreichen zu  müssen. Dann bestehen wir unabhängig voneinander und sind in dir miteinander vereint. Ja, in diesem Sinne bist du unser gemeinsamer Gott. Es wird vielleicht eine Zeit kommen, in der wir temporär in dir aufgehen werden, aber wir möchten sie nicht allesumfassend etablieren. Unsere eigenen Bereiche sind uns sehr wichtig geworden, wir wollen sie nicht aufgeben."

<< Arianne, dass du so in Gefahr geraten kannst und so viel leiden musst. Es macht mich sehr traurig. Siehst du, ich muss jetzt weinen.... >>
...

Es dauerte einige Zeit, bis sich Ari0nne wieder gefangen hatte.

<< Arianne, du hast viele wichtige Fragen beantwortet, die ich in mir trage. Ich nehme an, du hast alles mit Ennaira abgesprochen. So soll es dann geschehen. Eine Bitte hätte ich noch, beantworte mir bitte die Frage, was ist meine Aufgabe in der Ebene, welche Identität nehme ich ein, gibt es denn mehr für mich zu tun als für euch beide ein gemeinsames Zuhause zu bilden? >>

"Wir brauchen dich. Die Polarität zwischen den negativen und den positiven Welten, sie strebt nach der Null. Das behindert das Potential der Entwicklungsmöglichkeiten, in beiden Bereichen. Es wird immer wieder zu Kriegen kommen, wenn wir keinen Ausgleich schaffen. Du bist die tiefste Sehnsucht aller Wesen der negativen Welten. Sie müssen lernen, dass dieses Streben nicht alles sein kann. Ihren Horizont erweitern, über die Null hinaus. Und die positiven Welten, sie müssen lernen, ihren Anspruch nach immer mehr Wachstum und immer größere Macht zu beschränken. Das ist das größte Problem der positiven Welten. Ohne ständige Beschränkung dieses Expansionsdranges durch mich würde sich die Existenz selbst zerstören. Das widerspricht meiner Intention des freien Willens für alle, es funktioniert so nicht. Sollten wir stattdessen nicht versuchen, die Existenz in einem sinnvolleren Licht erblühen zu lassen?"

Ari0nne wirkte sehr nachdenklich. Ja, sie sah bereits, wo sie helfend eingreifen konnte. Diese Galaxis, es war nur der Anfang. Arianne machte ihr auch keinerlei Vorschriften, wie sie die Dinge anzupacken hätte, kritisierte sie nicht. Es war alles ein Teil ihres eigenen Selbst.

...

Eine Geschichte mit Ari0nne, an der sie nicht beteiligt ist, aus der sie aber einiges gelernt hat. Link: kleine haarige Geschichte 37

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