Amalia und Annelie - Arianne 176 <<Home>> nächste Seite =>

Ein besonderes Pärchen

Ein junges Liebespaar. Anders als die Norm es vorschrieb. Sie liebten sich, so wie sie waren, beide Geschlechter in sich vereint.
Sie hatten ihren Spaß daran, sich mal männlich, mal weiblich zu geben. Mit ein bisschen Schminke, Perücken und der passenden Kleidung, es gelang fast immer, die Umgebung zu täuschen.

Doch nun waren sie krank. Ein Virus hatte sie erwischt. Von den Assistenten der Ärzte wurden sie nackt ausgezogen, und dann ...

Sie sollten sich für ein Geschlecht entscheiden. Die Medizin war fortgeschritten genug, um die nötigen Eingriffe vornehmen zu können. Ein solches Zwischenstadium, nein, das passte nicht in diese wohlgeordnete Gesellschaft.

Man hatte ja bereits die Ursachen für gleichgeschlechtliche Liebe erkannt und konnte sie medikamentös behandeln. Wer sich nicht belehren ließ, der wurde eben bekehrt.

Dass es im verborgenen dennoch gleichgeschlechtliche Paare gab ... Man hatte die Dinge unter Kontrolle. Solange sie nicht auffällig wurden.
Aber Hermaphroditen? Das ging ja nun überhaupt nicht. Morgen früh sollten sie transformiert werden.

Ach ja, diese langen Haare, die würde man bei den Operationen gleich mit verschwinden lassen. Männlich und lange Haare, nein, das gab es schon seit Jahrhunderten nicht mehr. Und weibliche lange Haare? Ein Anachronismus, er wurde geduldet, aber nur im verborgenen. Wenn sich eine Gelegenheit bot ...

Man war sehr besorgt um das Einhalten der Norm. Die Menschen waren glücklich, wenn sie ihre Grenzen genau kannten und wussten, dass sich jemand darum sorgte.
...

Amalia und Annelie allein in ihrem Zimmer. Der andere Morgen, sie wussten, was auf sie zukommen würde.
Amalia umbenannt in Amalius, der männliche Teil. Annelie umbenannt in Annelia? Man würde sie in eine Frau transformieren.

Anschließend konnten sie sich dann ganz offiziell trauen lassen.

Mit lächelnden Gesichtern der Verwandtschaft, der Ärzte, der Nachbarn ... Alle würden zufrieden sein.

Aber was waren sie dann? Was blieb noch von dem Ich, das sie jetzt ihr eigen nannten?

Amalia legte sich zu Annelie ins Bett. Dort lagen sie nun eng umschlungen und sie liebten sich. Und dabei schlossen sie gerade die Geschlechsteile mit ein, die man ihnen am anderen Tag wegnehmen wollte.

Die Gefühle, die sie durchströmten, es war doch alles ein Teil ihrer Selbst. Jeder Teil des Körpers gab ihnen Gefühl, war erogen. Das konnte man doch nicht einfach wegschneiden oder umfunktionieren, verkümmern lassen.

Ja, sie liebten sich so, wie sie waren. Sie wollten nicht den Transfer in die Norm, die man ihnen aufzwingen wollte.

Es war schon spät, weit nach Mitternacht.

Dass sie sich so lieben konnten. Der Virus, er hatte sie sehr geschwächt.
Ihre Körper kämpften ums Überleben. Aber bei der Aussicht auf morgen, es war ein Aufbäumen, Energie, die mit einem mal frei wurde und das ganze Kranksein vergessen ließ.

Es war nicht ungefährlich, vielleicht würde es sie umbringen. Aber wenn es ein letztes mal war?

Ihr ganzes Leben war ein ständiges Versteckpielen gewesen. Dass es bisher immer so gut geklappt hatte, eigentlich schon ein kleines Wunder.
Wer nicht ständig auf der Hut war, der wurde gefressen. So war das Leben, in seinen animalischen Wurzeln. Nur in dieser Zivilisation wurde man auch gefressen, wenn man auf der Hut war. Das sollte nun der große Fortschritt ein?

Seufz. Intellektuelle Freiheit kann manchmal so schmerzhaft sein.

Die Gläubigen hatten es einfacher. Es gab andere, die für sie bereits vorgedacht hatten. Denen brauchten sie jetzt nur noch zu folgen.

Der Rausch der Gefühle. Nun lagen sie nebeneinander, berührten sich sanft mit den Händen.
Es hatte ihnen so gut getan. Die ganze Krankheit, war sie damit besiegt? Endlich konnten sie wieder denken, nicht nur daliegen und hoffen, es würde wieder besser werden.

Ein kleines Licht schwebte durch den Raum.

Annelie: "Amalia, was machst du da? Wenn sie das sehen, sie werden uns zu Hexen erklären, oder zu X-Men, dann haben wir überhaupt keine Freiheit mehr."

Amalia: "Ach, lass mich doch. Ich denke an das Morgen. Nein, das wollen wir nicht. Aber wenn wir uns weigern, sie werden uns einschläfern, und dann können wir uns nicht mehr wehren."

Annelie: "Was ist das nur für ein System? Die Norm bestimmt das Leben, dabei soll sie doch nur helfen, ein bisschen Orientierung geben."

Amalia: "Es sind die Wissenschaftler, die Ärzte. Sie wollen ihr Wissen und ihre Möglichkeit umsetzen. Die Gefühle von anderen interessieren sie dabei nicht."

Annelie. "Und die Politiker. Als Hermaphroditen bringen wir ihr ganzes sorgsam ausgeklügeltes Sozialsystem ins Wanken. Es könnte ja noch andere geben, die wir ermutigen. Und wenn die erst wüssten, dass wir zaubern können ..."

Amalia: "Die anderen gibt es auch. Im verborgenen. Jeder ist so sorgsam darauf bedacht nicht als schwul oder lesbisch zu gelten, dass man diese Dinge gar nicht erst hochkommen lässt. Unser kleines Zauberwunder. Es kommt bereits wieder. Ob unsere Körper den Kampf gewonnen haben?"

Annelie: "Hoffentlich. Wenn es nur ein letztes Aufbäumen ist, dann sind wir morgen früh schon tot. Seufz. Schwule und Lesben. Gleichgeschlechtliche Zuneigung. Man kann sie hormongesteuert ohnenhin so gerade biegen, wie man es haben will."

Amalia: "Nicht wirklich. Die Menschen leiden darunter. Die Medizin kann dies nicht alles erfassen. Aber genau das akzeptieren sie nicht. Die Wissenschaftler und die Ärzte."

Annelie: "Und die Religion. Gott schuf den Mann und die Frau. Alles andere wird als eine Fehlgeburt betrachtet. Dabei sind wir beide in der Lage, die Evolution auch ohne die Geschlechtertrennung weiterzuführen. Aber das wissen noch nicht einmal die Ärzte. Sie werden es auch nie erfahren, wenn sie uns morgen transformieren."

Amalia: "Nein, das will ich nicht. Du willst es nicht. Wollen wir überhaupt weiterleben, wenn es keinen Ausweg mehr gibt? Töten tun sie uns ja ohnehin, das was unser Ich ausmacht. Unsere Haare werden sie uns auch wegnehmen. Wenn schon normiert, dann auch richtig."

Annelie: "Du denkst an Selbstmord? Es wäre ganz einfach, wir liegen hier in der 27. Etage. Aber ... nein, das will ich nicht. Ich werde eine Botschaft auf einen meiner kleinen Datenspeicher sprechen und sie hinaussenden. An die XYX Wahrhaftigen."

Amalia: "Diese Gruppe, die im Untergrund agiert und die strikte Trennung der Geschlechter ablehnt?"

Annelie: "Ja, am besten jetzt gleich. Vielleicht können sie uns helfen."

<< Hallo ihr, wir sind echte natürliche Hermaphroditen, mit körperlangen Haaren. Aber nicht mehr lange, wenn uns niemand hilft. Sie wollen uns verstümmeln, um der Norm gerecht zu werden. Wenn ihr uns helfen könnt, dann müsst ihr euch beeilen. >>
...

Der Morgen dämmerte bereits. Es war 6:00. Das Frühstück. Nein, die Operationsschwester würde kommen, um 6:15. Mit einer Betäubungsspritze. Wahrscheinlich in der Begleitung von 4 schwergewichtigen Pflegern.

Wir sind Krankenhaus. Widerstand ist zwecklos.
Man würde sie einfach so in ihren Betten in den Operationssaal fahren.

Die Tür wurde aufgestoßen. Es war 6:02!

Die hereinkommenden Schwestern kannten sie gar nicht.

"Seid ihr die beiden, die uns gerufen haben?"

Amalia und Annelie nickten.

"Legt euch ganz still hin. So als wäret ihr betäubt. Rührt euch nicht."
Wir haben wenig Zeit. In 5 Minuten müssen wir in der Tiefgarage sein."
...

In einer konspirativen Wohnung der XYX Wahrhaftigen.

Amalia: "Danke, dass ihr uns da rausgeholt habt."

"Es liegt nicht nur an uns, wir haben Besuch, der uns motiviert hat. Gegen die Argumente eines solchen Besuches kann man wirklich nicht ankommen. Darf ich euch Ari0nne vorstellen?"
...

Annelie: "Ari0nne? Es gibt da so ein Gerücht, so ganz unbekannt ist uns der Name nicht."

Ari0nne: "Ich weiß. Ihr mit euren langen Haaren und euren Besonderheiten, ihr habt etwas in euch, das weit über das gewöhnliche Maß hinausreicht."

Fragend schauten sich Amalia und Annelie an.

"Noch mehr Besonderheiten?"

Ari0nne: "Ihr wisst, was ich meine."

Amalia: "Die telepathische Erfahrung? Das kleine Licht? Dass wir unsere Gefühle und Gedanken manchmal gemeinsam empfinden? Oder die telekinetische Evidenz, die ein paarmal aufgetreten ist. Als ich von Underdogs bedroht wurde und sie mit einem Gedanken wegschleudern konnte. Was sollte es sonst sein?"

Ari0nne: "Ja, so langsam setzt sie sich durch, die paranormale Energie. Wundert ihr euch denn gar nicht, dass ihr so viele Jahre unter den Normierten leben konntet? Trotz eurer superlangen Haare und eurer geschlechtlichen Besonderheiten? Ihr seid nicht verheiratet und lebt zusammen, manchmal seht ihr aus wie ein Lesbenpärchen, manchmal wie ein Schwulenpärchen, manchmal aber auch wie ein heterosexuelles Liebespaar. All dies geschieht, die anderen sehen es und schauen darüber hinweg. Das ist sehr seltsam, wenn man bedenkt, wie normorientiert sie alle sind. Ihr seid wie ein Ordner in Regenbogenfarben zwischen lauter grauen Ablagen. Und dann euer Traumleben. Ihr wisst gar nicht, was ihr dort bereits alles bewirkt habt. Dieser Virus hat euch schwer getroffen, damit seid ihr völlig wehrlos geworden. Der Preis für das Überleben. Wenn sie euch morgen verstümmelt hätten, wäre vielleicht alles verlorengegangen. Oder es hätte eine paranormale Eruption gegeben, die gleich den ganzen Planeten vernichtet hätte, oder die Galaxis. Erstaunlich, dass ich den Ausgang selbst nicht weiß. Nicht nur deswegen habe ich eingegriffen."

Annelia: "Was hätte verloren gehen können?"

Ari0nne: "Ihr habt einen besonderen Status, der in dieser Galaxis einmalig ist. Und das nicht nur in dieser Galaxis. Ihr habt das Potential von Janines.
Allein das macht die Entführung der Galaxis durch Snowwhite bereits zu einer unbedingt notwendigen Angelegenheit."

Amalia: "Snowwhite? Die Gottheit in unseren uralten, heute verbotenen Legenden? Das Wesen der Liebe? Eine Göttin, die mit einem mal verschwunden war? Bevor das dunkle Zeitalter unser Leben bestimmt hat."

Ari0nne: "Ich sehe, ihr wisst schon einiges :-)). Ja, genau die. Sie hat eure Galaxis entführt, direkt aus der Hölle. Wie sie dort hineingekommen ist? Ich werde dem Teufel einen Besuch abstatten, danach weiß ich es."

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