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Haare - Arianne 182

Sie lieben ihre langen Haare und sie wollen sie nicht hergeben, trotz aller Diskussionen und gegen den gesellschaftlichen Zwang.
Eine fremde Frau ermutigt sie zu ihren Wünschen zu stehen.


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Haare

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Seine langen Haare reichten fast bis zu den Fußknöcheln. Damit machte er seiner Schwester Konkurrenz.

Meistens lege er sie mehrfach übereinander, so dass man die ganze Länge gar nicht sehen konnte, aber heute? Die Bänder hatten sich gelöst, bis auf das eine, das sie zum Teil noch zusammenhielt. Und er konnte seine Mütze nicht finden, unter der er die Haare meistens versteckte.

So stand er nun vor seinem Erziehungsberechtigten. Mit langen, teilweise offenen Haaren.

"Die Haare müssen ab. So kann man einfach nicht herumlaufen. Du bist doch kein Mädchen. Und selbst Mädchen haben keine derart langen Haare. Wenn man einmal von deiner Schwester absieht. Aber darüber reden wir noch. Schämst du dich überhaupt nicht? Man kann doch als Jugendlicher nicht so weiblich wirken wollen. Soll ich mich für dich schämen?"

"Warum denn nur? Die Haare sind doch ein Teil von mir, der niemand anderem schadet."

Diese Diskussionen um lange Haare. Wie oft waren sie schon geführt worden. Dabei versteckte er seine Haare meistens. Nur alle Haare konnte er manchmal nicht verbergen. Und nun stand er ziemlich bloß da.

Seine Freunde hatten die gleichen Probleme. Manchmal gab es richtig aggressive Auseinandersetzungen in den Familien. Die meisten hatten sich bereits gefügt. Man wollte ja nicht auf der Straße enden.

"Die Nachbarn, die Lehrer, es wirkt provozierend, als wenn du ihnen beweisen willst, dass du anders bist. Und man kann doch als Junge nicht so weiblich wirken wollen."

"Warum müssen Männer kurze Haare haben? Es ist doch kein Naturgesetz. Warum haben wir denn Haare, wenn wir sie nicht wachsen lassen dürfen? Haare sind doch nicht geschlechtsbezogen. Frauen dürfen lange Haare haben und Männer nicht. Warum wird das so bestimmt?"

"Es bilden sich Normen und Verhaltensregeln in einer Gesellschaft heraus. Und wenn jemand sich total dagegen stellt? Die Gesellschaft akzeptiert das nicht. Dann bist du ein Außenseiter. Sie meiden dich. Aber wie willst dann in Zukunft dein Geld verdienen? Arbeitgeber müssen dich nicht einstellen. Und denke an das Militär. Soldaten mit so langen Haaren? Das geht nicht."

"Sind wir denn alle von Geburt an Soldaten? Warum muss das so sein?"

"Wirtschaftsinteressen, Expansionsdrang. Ein Land, das sich nicht verteidigen kann wird sehr schnell geschluckt. Das ist die Natur der Menschen."

"Der Menschen? Sind es nicht immer nur wenige, die davon profitieren?"

"Nicht nur. Manchmal wollen auch die kleinen Leute den Krieg. Nationalistische Gefühle können wie ein Strohfeuer wirken. Und ob wir den dann auch haben wollen, den Krieg, die anderen fragen vielleicht nicht danach. Darum brauchen wir Soldaten. Um uns zu schützen."

"Was ist mit den Einsetzen in fremden Ländern. Geht das dabei wirklich nur um Schulen, Straßen und Freiheit für die Unterdrückten? Wieviel Freiheit habe ich denn?"

"Frei ist, wer 100 Millionen auf dem Konto hat und seinen Wohnsitz damit auch frei wählen kann, überall in der Welt. Die anderen müssen sich anpassen. Tun sie es nicht, der Strom der Zeit wird sie hinwegfegen."

Ach ja, der Frisörtermin, das gilt auch für deine Schwester. Mit ihren bodenlangen Haaren, damit wird sie keinen Job kriegen."

"Das ist dann die Gleichheit der Geschlechter? Was der eine nicht darf, darf die andere auch nicht?"

"Ihr seid jetzt 16, erwachsen, fast schon volljährig. Als Kinder konnte man euren Haarwahn gerade noch ertragen. Doch nun ist es vorbei damit. Geht gemeinsam zum Frisör. Es wird euch schon gefallen, so wie bei den anderen Jugendlichen in eurem Alter. Damit beende ich die Diskussion. Wenn ihr weiter in meinem Haus leben wollt, dann fügt euch."

Einfach so dahergesagt. Nur dahergesagt? Woher kamen denn die ganzen Straßenkinder?

So schlecht war er ja gar nicht, der EB. Wenn man sich seinen Anordnungen fügte. Dies alles aufgeben, wegen der Haare? Draußen auf der Straße gab es keine Zukunft mehr.

Wenn er seine Haare nicht so sehr lieben würde. Und seine Freunde, sie mochten sie doch auch. In der Schule kam er gut zurecht. Er zeigte die volle Länge seiner Haare auch nicht in der Öffentlichkeit.

Liebe zu langen Haaren, wen von den vielen Menschen da draußen interessierte das schon?

Dass es überhaupt so etwas gab. Für viele sicher nur eine absurde Vorstellung.

Oft hatten sie ihre eigenen Vorstellungen, wie jemand auszusehen hatte, den sie akzeptieren wollten. Und da die meisten alle 4 Wochen zum Frisör gingen, war das die Norm.

Es musste so sein.

Nun denn. Wie unabhängig und frei konnte man hier schon sein?

Nach einer Diskussion, die die ganze Nacht dauerte, Erwin und Amelia gemeinsam beim Frisör. Die Haare hatten sie unter der Kleidung versteckt, die Ohren frei, so wirkten sie schon recht passend.

"Wie soll es denn werden."

"Modern und damit kurz. So wie die beiden auf dem Bild an der Wand. Machen sie uns gleich"

Die Frisöse konnte die Länge der Haare gar nicht sehen. Sie sah nur, dass sie in der Kleidung verschwanden.

"Dann nehmt bitte Platz. Wir haben gerade zwei Stühle frei. Eure Kleidung könnt ihr dort am Ständer ablegen."

Beide zogen ihre Jacken und Mäntel aus. Und? Man sah immer noch nichts. Die Haare waren um die nackte Haut herumgewickelt, darüber die Kleidung.

"Eure Haare reichen unter die Kleidung. Wollt ihr sie nicht herausholen?"

"Warum denn. Wenn die Haare ohnehin im Nacken abrasiert werden. Dann braucht auch niemand zu sehen, wie lang sie wirklich gewesen sind."

"Wie ihr wollt."

"Den weißen Umhang brauchen wir dann auch nicht."

"Wie sie möchten. Wir werden sie simultan stylen, meine Kollegin und ich."

Stylen. Was das schon bedeuten sollte. Abrasieren war wohl der passendere Ausdruck.

...

Der Rasierer in der Hand der Frisösinnen.

"Wollt ihr wirklich?"

"Nein."

"Mmmh"

...

Die Tür ging auf und eine Frau mit offenen langen Haaren kam herein. Erwin und Amelia konnten sie im Spiegel bewundern. Haare von einer Schönheit, dass sie die Blicke nicht davon lassen konnten. Auch die beiden Frisösinnen schienen ihre Arbeit einen Moment zu vergessen.

Die Frau lächelte und setzte sich auf einen freien Stuhl, die Haare nach vorne gelegt. Sie bedeckten ihre Vorderseite völlig.

"Ihr zwei dort auf den Stühlen, ihr seid so sehr in meine Haare verknallt, und ihre habt eure Haare versteckt, das sehe ich. Darf ich denn eure Haare einmal sehen, bevor sie abgeschnitten werden?"

Erwin und Amelia standen wie auf Kommando gleichzeitg von ihren Stühlen auf.

"Wir müssen nur einmal kurz auf die Toilette, hier können wir ja nicht unsere ganze Kleidung ablegen."

"Warum nicht, die Haare verdecken doch eure Nacktheit völlig."

Erwin und Amelia schauten sich an. Woher wusste sie das?

"Wer bist du?"

"Kommt, zieht euch aus. Keiner wird sich daran stören. Oder?"

Nun, Nacktheit war nicht verpönt, in dieser Gesellschaft. Aber war dies ein FKK Club?

"Hier, einfach hier?"

Die beiden Frisösinnen schien das irgendwie anzusprechen.

"Wir gehören dem hiesigen FKK Club an. Uns stört das nicht. Wir sollten nur die Eingangstür verschließen. Wir wissen ja nicht, welche Kunden noch herein kommen könnten."

"FKK Club? So etwas gibt es hier?"

"Nun ... wir haben gerade einen gegründet :-))"

So geschah es dann.

"Nun sind wir ganz unter uns."

Merkwürdig, diese Situation, aber alle Beteiligten spürten so ein prickelndes Gefühl auf der Haut.

Erwin und Amelia zogen sich aus.

Ja, sie waren beide völlig von Haaren eingehüllt. Ein fantastischer Anblick.

"Dürfen wir ein Photo machen?"

"Bitte, vielleicht ein Erinnerungsfoto, so können wir die ganze Pracht auch später noch bewundern."

Die fremde Frau schaute sie an.

"Nein,ihr werdet eure Haare nicht abschneiden lassen. Ihr wollt es doch nicht und die anderen, sie werden euch deswegen nicht umbringen. Man muss das, was man mag, auch verteidigen. Sonst verliert man doch einen Teil von sich dabei."

Erwin und Amelia mussten lächeln. Es war das erste mal, dass jemand sie so direkt ermutigt hatte.

Die beiden Frisösinnen. "Dürfen wir eure Haare durchkämmen?"

Keine Scheu vor der Nacktheit. "Ja, bitte."

Alle mussten lächeln. Es bildete sich erotische Spannung in dem kleinen Laden. Sie konnten sich nicht mehr zurückhalten, lagen sich in den Armen, streichelten sich, überall von Haaren umgeben.

Eine Art von Streichelsex, der sie glücklich machte.

...

So behielten Erwin und Amelia ihre langen Haare. Nach Hause zurück mit kurzhaarigen Perücken, die Haare versteckt unter der Kleidung. Ja, irgendwie eine Lösung, auch wenn sie nicht optimal war. Aber ohne Kompromisse einzugehen, kann man kaum leben.

Es gab nun einen kleinen Freundeskreis, der Bestand hatte. Dort brauchte man sich nicht zu verstecken.

Und die fremde Frau?

Ja, sie war eine Göttin. Alle wussten es. Aber sie brauchte sich nicht zu offenbaren. Sie gehörte einfach dazu.
Und sie hatte ihnen eine Telefonnummer mitgegeben, für den Fall, dass es überhaupt keinen Ausweg mehr geben sollte ...
Haare


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