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Veraenderungen - Arianne 183

Die Welt des Krieges, sie verändert sich.
Waffen und Kommandierende werden zu Wachs und Zinnsoldaten.

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Veraenderungen

Etwas hatte sich verändert. Er spürte es. Der Himmel war nicht so schwarz, wie er sein sollte, und es war nicht der Mangel an Farbe.
Der Atem einer Größe streifte ihn.

Nur ganz sanft. Aber er spürte sie. Sie musste gewaltig groß sein.
Er wusste es einfach.

<< Und wer hören kann, der erfährt von ihm, alles. >>

Wo kam das nur her? Die Gedanken flossen ihm zu. Er spürte die Spiritualität des Universums. In dieser Nacht, im Schützengraben. Ein kleines verletzbares Wesen.

<< Leiber zerfetzt von eisernen Splittern ... >>

Wie oft hatte er das bereits erleben müssen. Fast musste er sich erbrechen. Die Vorstellung, sie war kaum zu ertragen. Er wollte schreien, aber er durfte ja keinen Laut von sich geben. Es war Krieg. Der Feind, der hörte alles.

Warum musste er hier sein? Es war doch nicht sein Krieg. Er liebte doch das Leben so sehr, seine Körperlichkeit, seine Freunde und seine Freundin. Und nun? Morgen würde man seine zerfetzten Überreste zusammenkehren oder die Ratten würden sie fressen.

So wie es auf den Schlachtfelder immer aussah, am anderen Morgen.

Wie oft war das schon geschehen?
Aber er spürte keinen Groll. Wenn die Götter nicht helfen wollten. Sie hatten das Leben geschenkt und sie nahmen es wieder. Nur, dass es so grausam sein musste. Das verstand er nicht.

Er hatte schon so viele zerfetzte Leichen gesehen.

Und die vielen Verstümmelten, die so viel leiden mussten. Hatte ihnen der Krieg nicht bereits alle Freuden des Lebens genommen?

<< Welcome to the Machine >> 

Sie zermalmte alles, was ihr zwischen die Räder kam. Nur die Generäle, sie saßen außerhalb an den Schalthebeln und die Politiker, gut geschützt in ihren Bunkern.
Machtspielereien mit lebenden Schachfiguren. Was wussten die schon von dem Leiden der einfachen Soldaten. Interessierte sie das überhaupt?

Er hatte noch die Schreie der zerfetzten Leiber in seinen Ohren. Sie würden ihn nie wieder verlassen.

Musste er nun selbst töten? Er wusste, dass sich viele groß und stark fühlten mit einer Waffe in der Hand. Nein, das brauchte er nicht. Er hatte die Patronen aus seiner Waffe entfernt.
Eine Waffe mit Sprenggeschossen, die große Wunden reißen konnte.

<< Silent running >>

Wenn der Befehl kam, laufen, laufen, einfach nur weiterlaufen, weglaufen, in die Dunkelheit. Was sollte er sonst tun?

Durch das Minenfeld? Wie weit würde er kommen?

Dann kam der Befehl zum Sturmangriff. "Raus aus dem Schützengraben".
Gerade jetzt musste er an seine Freundin denken. Und er vergaß den Befehl.

Er spürte sie mit einem mal ganz nah bei sich. Als hätte sich eine Verbindung zwischen ihnen aufgetan.
Dann ihre Gefühle und Gedanken.

Und sie?
Ja, sie spürte ihn, seine Gefühle und seine Gedanken. Sie kreisten umeinander. Er spürte sie und sich selbst durch sie. War dasTelepathie? Oder ein Traum? Träumte er sich einfach hinweg, aus diesem Krieg?

...

Ein Offizier richtete seine Waffe auf ihn ... und er erstarrte zu Wachs. Der Offizier stand da wie eine Wachsfigur.

Wie konnte Jeronimo das im Dunkeln so genau sehen? Oder wusste er um Dinge, die er gar nicht sehen konnte?

Jeronimo verlies seinen Schützengraben. Schaute sich um.

...

Wachsfiguren und Zinnsoldaten. Was war nur passiert? War er der einzige noch lebende Soldat?

...

Nein, einige andere bewegten sich ziellos zwischen den Figuren.

Und die Minen? Nichts geschah.

Dann trat er auf eine Mine und erstarrte. Sollte sie ihn jetzt doch noch zerreißen, nachdem alles so anders geworden war?

Aber sie war nur aus Wachs. Mit einem mal wusste er es.
Er spürte das Wachs durch seine Stiefel hindurch.

Und wo war der Feind?

Das konnte man hier gar nicht mehr so genau unterscheiden. Kriegerische Handlungen gab es keine mehr.

Offiziere und Generäle auch nicht.
Wieder ein Wissen, das ihm irgendwie zufloß.
...

Die Wachsfiguren begannen wie Kerzen zu leuchten. Sie erhellten die Nacht.

Einige schienen zu schmelzen.

Plötzlich materialiserte Felina, seine Freundin, direkt vor ihm. Jeronimo konnte es nicht glauben, er rieb sich die Augen. Dann berührte sie ihn, ja er spürte sie. Das Gefühl von Liebe durchflutete die beiden. Sie umarmten sich.

Überall schienen sich Pärchen zu bilden.

Aber nicht nur, einige der überlebenden Soldaten blieben allein.

...

Geisterhafte Erscheinungen enstanden scheinbar aus dem Nichts. Sie näherten sich den einsamen Soldaten und materialisierten.
Nein, niemand blieb diese Nacht allein.

...

Die Welt hatte sich verändert. Große und Mächtige gab es nicht mehr. Die Welt gehörte nun den vielen kleinen Leuten, die übrig geblieben waren.
Eine zweite Chance. Sie konnten sich ihre Welt selbst neu erschaffen.

...

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