Arianne 193 - Belladia - <<Home>> nächste Seite =>

Ein Liebespaar
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Sie war schön, einfach wunderschön. Mit golden langen Haaren, die ihren Körper bedeckten.

Mit offenen Haaren sah man sie sehr selten, es war einfach ein wenig unpraktisch und es ziemte sich nicht. Man gab sich sehr bedeckt in diesen Zeiten. Aber ihre Schönheit, sie konnte sie nicht verstecken. Ihre Art sich zu bewegen, ihre Hände, das Gesicht, die Augen.

Man hätte sie einfach nur anschauen können, stundenlang und wäre dabei so glücklich gewesen.
Aber wer machte das schon. Es ziemte sich nicht.

Ein Künstler vielleicht ...

Ja, es gab einen Schnitzer im Ort. Der Jababibas. Manchmal besuchte sie ihn und das Werk machte Fortschritte. Irgendwann würde es die heilige Göttin Jasmina darstellen.

Der Haken dabei, Jasmina entsprach nicht dem Gottesbild der Moralwächter. Dort gab es nur mächtige patriarchalische Götter, ganz oben den Obertores. Also würde man dieses wunderbare Werk verstecken müssen.

Nur die Zeit, die würde es irgendwann einmal frei geben und damit auch die Erinerung an etwas sehr Schönes, das einmal gewesen war.

Ihre Haare sahen aus wie Gold, nicht einfach nur blond. Das erzeugte auch Neid.
Gold als Wertanlage kannte man ja schon. Warum nicht auch goldene Haare?

Wer Macht und Geld hat, er meint wohl alles Schöne muss käuflich sein. Manche sahen dann auch Menschen mit schönen langen Haaren als Schafe, die man scheren sollte.

Gerade dann, wenn sie arm waren oder nicht über Macht und Einfluss verfügten.
Oder Sklaven. Aber war nicht jeder ein Sklave, der nicht mindestens 1000 Diaten besaß?

1000 Diaten. Dafür mussten manche 30 Jahre lang arbeiten.
Dafür wurden sie dann auch verachtet, von denen, die mehr als 1000 Diaten besaßen.

Gerade die hochwohlgeborenen Damen schmückten sich gerne mit fremden Haaren, wenn der eigene Skalp den Ansprüchen nicht mehr genügte.

Bei der weitverbreiteten Inzucht in den adligen Kreisen verzichtete die Natur auch schon mal auf eigene Haare.
Aber nicht nur da.
Sie hatte schon genug damit zu tun die Neugeborenen am Leben zu erhalten.

Aber auch die weniger betuchten Damen wollten alles Schöne für sich haben. Jede war doch irgendwie die Schwiegermutter eines Schneewittchens.

Warum können die Menschen das Schöne nicht einfach nur lieben, warum wollen sie es besitzen, meistens auch noch ganz für sich allein?

...

Und wenn sie ihr Gesicht durch einen Schleier verdeckt?
Nein, das ging hier nicht. Die Menschen wollten sehen, mit wem sie es zu tun hatten.

In ihren privaten Räumen, dort lies sie die superlangen Haare herunter. Sie sah dann aus wie eine Märchenfee.
Oder wie eine besonders schöne Elfe.

Einer der mächtigen Moralwächter hatte ein Auge auf sie geworfen. Nicht, dass er besonders häßlich war, aber warum sollte sie sich ihm hingeben?

Sie schwärmte für den jungen Jonas, nur der traute sich nicht, sie anzusprechen. Er wich ihr aus, so viel Schönheit, es machte ihn scheu. Er glaubte wohl, das hätte er nicht verdient.
Dabei mochte sie ihn so sehr. Sollte sie sich stattdessen diesem Moralwächter hingeben, der wenig im Geiste hatte? Dafür aber ein besonders Gespür für Macht. Macht über andere.

Seelig sind die Armen im Geiste. Na ja, für den traf das wohl nicht zu.

Wie vielen hatte er schon den Tod gebracht. Nein, in eine Sexsklaverei wollte sie sich nicht einlassen. Auch wenn das in diesen Zeiten ihren Tod bedeuten konnte.

So kam es wie es kommen musste.
Er beschuldigte sie der Hexerei. Darauf stand die Todesstrafe durch Verbrennen. Auch eine Kreuzigung war möglich, je nach Schwere der Schuld.

Er war der Ankläger. Der Prozess sollte ihr noch in dieser Woche gemacht werden. Morgen würde er sie in Begleitung bewaffneter Wächter abholen und zur Folterung in den Kerker abführen.
Wenn er sie nicht haben konnte, Schönheit war so vergänglich. Das zumindest konnte er ihr zeigen. Nach der Folterung würde sie bestimmt keiner mehr haben wollen.

Ihre Haare, die würde er morgen beim Hausbesuch gleich abschneiden, sie würden sich gut als Wertanlage eignen.

Am anderen Morgen fand man ihn tot in seinen Gemächern.
Durchbohrt von einem Stück Eisen.

Belladia, ist sie noch einmal davongekommen?

Nun, da es keinen Ankläger gab, fiel der Prozess erst einmal aus. Auch die Einkerkerung fand nicht statt. Man brauchte ja mindestens einen Zeugen. Aber es fand sich keiner.

...

Das war nicht im Sinne der Vollstrecker. Die Lust der Zerstörung, es lag ihnen im Blut. Die schriftliche Anklage mochte reichen. Der Gerechtigkeit musste Genugtuung verschafft werden.
So machten sie sich am Abend auf den Weg zum Haus der schönen Belladia.

Die Dunkelheit. Es musste ja nicht jeder sehen, was sie vorhatten, aber ... die im Dunkeln, die sieht man nicht.

Am anderen Tag fand man sie tot auf der Straße liegend. 3 Kilometer vom Haus der schönen Belladina entfernt. Sie waren übel zugerichtet worden.
Nein, eine schwache fragile Frau konnte das nicht gewesen sein. Und dass man jemanden durch Schönheit umbringen konnte, das glaubten selbst die Allerbesserwissenden nicht.

...

Oder war es doch Hexerei? Der Gedanke ließ sich nicht mehr vertreiben.

...

Belladia auf der Straße nach Hause. Sie war Einkaufen gewesen. Dass man ihr überhaupt noch etwas verkaufte, es war schon fast ein Wunder. Fünf verschiedene Bäckereien hatte sie aufsuchen müssen.

Viele sahen sie als Hexe, die noch einmal davongekommen war. Schuld daran waren auch die Gottesdiener in den Kirchen, die Hexerei predigten. So war es bestimmt nur eine Frage der Zeit ...

Kurz vor ihrem Haus kam ihr Jonas entgegen.

"Hallo, Belladia". Und schon wollte er sich wieder davonmachen.

"Hallo Jonas. Bitte, bleib doch stehen."

Mitten im Schritt bremste er ab. Kerzengerade stand er nun vor ihr, wie ein Soldat beim Appell vor dem Spieß der Kompanie.

"Jonas, ich will doch nur ein bisschen mir dir reden."

Seine Gedanken überschlugen sich. Ja, reden wollte er mit ihr. Aber was sollte er ihr sagen?
Seine Wünschen, wenn er sie anschaute, er liebte sie doch so sehr.

"Belladia, gerne. Weißt du, ich möchte so gerne mit dir reden."

"Dann lass uns doch ein wenig zusammen gehen."

Freude durchströmte ihn. Ein Wall war gebrochen.

Sah er sie denn nicht als Hexe?
Nein. Was kümmerte ihn das Gerede der Leute. Er mochte sie, sehnte sich nach ihr. Kleine Seelenbeben erschütterten ihn, wenn er nur an sie dachte. Aber sie für sich haben wollen?

Dieser Gedanke, sie war doch so schön. Nein, er passte nicht zu ihr. Sie brauchte einen Ritter, einen der sie beschützte, gegen die Ungemach der ganzen Welt um sie herum.

Und er selbst?

Er war nicht hässlich, aber nicht sehr stark. Eher ein wenig feminin.
Er mochte seinen Körper, aber eine Belladia, die würde bestimmt etwas anderes suchen.

"Jonas, weißt du, ich mag dich ganz gerne."

Abrupt blieb er stehen. Sie ging erst 2 Schritte weiter, kehrte dann zu ihm zurück. Ganz nah stand sie bei ihm. Er schaute sie an.

"Belladia, ich liebe dich."

"Das weiß ich doch."

"Und du läufst nicht einfach davon?"

Sanft berührte sie ihn.

"Komm mit zu mir. Lass uns miteinander reden, wenn andere nicht zuschauen können."

...

Beide zusammen in Belladias Wohnzimmer. Ganz nahe beiander.
Sie schauten sich an. Voll in die Augen.

Und was sahen sie?

Glitzernde Sterne.

Eine erotische Spannung lag in der Luft ... Wenn man die in Volt aufwiegen würde ...

Sanft löste Belladia Jonas Haarknoten.

"Ich mag deine langen Haare."

Belladia hatte Jonas Haare nun in ihren Händen. Knielange Haare. Wunderschöne Haare. Schade, dass er sie nicht offen zeigen durfte.

Sind das nicht ein wenig viel Haare für einen Jungen?

Vielleicht für die Gesellschaft um ihn herum, nicht aber für ihn.
Und nicht für Belladia :-))

Zärtlich streichelte Belladia Jonas lange Haare.

Glücklich schaute er sie an. Dann griff er vorsichtig nach ihren Haaren. Nein, er wollte sie nicht besitzen, das ganze Gold, es war doch ein Teil von ihr. Nun hielt er es in seinen Händen.
Aber es war nicht getrennt von ihr.

Und dieser Gedanke war so schön.

Und seine Haare? Sie gehörten ihm und nun auch ihr. Die Berührung mit all den Haaren, sie war für beide so wunderschön.
So streichelten sie sich gegenseitig ihre schönen langen Haare und meinten dabei doch die Seele.

Vorsichtig kam er ihr immer näher, bis seine Lippen die ihrigen sanft berührten.

Wellen von Glücksgefühlen durchströmten die beiden. Noch nie hatten sie sich so körperlich gefühlt und so voller Liebe.
Die Seele, sie berührte das Fleisch und sie wurde eins damit. Ihre Körper, wie schön sie doch waren, und das ganze Universum mit all seiner Schönheit mitten drin.

Die erotische Spannung. Beide genossen sie, wollten sie gar nicht entladen. Vorsichtig rückte er wieder ein wenig von ihr ab, um ihr Gesicht ganz genau sehen zu können. Sie lächelten sich an, küssten sich mit den Augen. Dann berührten sich ihre Lippen wieder...

Dann geschah es doch. Leidenschaftlich küssten sie sich, minutenlang.
Nein, schon etwas länger.

Die ganze Kleidung um sie herum. Die Sehnsucht nach der nackten Haut, sie wurde so stark.
Vorsichtig streiften sie sich gegenseitig die Kleidung von der Haut.

Nun saßen sie sich mit nackten Oberkörpern gegenüber. Es gab jetzt so viel nackte Haut, die geküsst werden wollte.
So viel Zärtlichkeit in dieser kleinen Wohnung. Wenn das die Götter nicht zum Lächeln bringen würde ...

Nach einer Stunde waren sie völlig nackt. Eng umschlungen lagen sie in ihrem Bett ...

...

Klopf  klopf. Krach. Die Tür wurde eingetreten. 5 Bewaffnete stürmten ins Schlafzimmer.
Dort fanden sie 2 nackte Menschen vor. 2 völlig nackte Menschen, die nicht miteinander verheiraten waren. Was für eine Ausgeburt von Unzucht.

Die 2 anwesenden Gottesdiener wurden ganz rot vor Scham.

Nein, da brauchte es keine Ankläger mehr.

"Bindet sie so wie sie sind auf den Eselskarren. Wir fahren sie durch die Stadt, direkt zum Galgenberg."

Auf dem Weg durch die Stadt.

Eine Lady Godiva und ihr Begleiter. Die langen Haare wehten um die nackten Körper herum und verdeckten sie zu einem großen Teil. Gerade dann, wenn besonders Lüsternde ihre Augen ganz weit aufrissen. Natürlich nur, um sich voller Inbrunst moralisch entrüsten zu können.

Solche Haare, dass die sich nicht schämten. Nein, und dann waren sie auch noch nackt. Wie infam.

Das Vergügen, die Haare abzuschneiden, es gehörte dem Oberprediger. Dort oben, auf dem Galgenberg, sollte es geschehen.
Auch um die Andersartigkeit der beiden zu zeigen, hatte man sie ihnen noch gelassen. Wer solche Haare mit sich herumschleppte, der konnte doch kein normales gottesfürchtiges Leben führen.

Mit Tomaten und roten Farbbeuteln wurde nach ihnen geworfen. Der Volkszorn entlud sich, oder war es einfach nur die Lust, die beiden zu demütigen? Da sich beide nackt in der Öffentlichkeit zeigten, musste sie ja des Teufels sein.

Dass die beiden das nicht freiwillig taten, wurde einfach übersehen.

Nun wurde die Demütigung der zwei ganz offiziell geduldet. Für manche war das wohl schon eine Art Schlachtefest. Nichts anderes mochte ihnen mehr Vergnügen bereiten.

Nach kurzer Zeit waren die nackten Körper von Belladia und Jonas mit roter Farbe überzogen, es sah aus wie Blut.
So sahen Menschen aus, nachdem die Folter vollzogen wurde.

Am Ort der Hinrichtung.

Beide wurden an Holzkreuze gebunden. So standen sie sich nun gegenüber, jeder beiden sollte ja  miterleben, wie der andere leiden musste.

Die Hölle für die zwei, nachdem sie zuvor noch das Paradies erleben durften. Das machte es für die Folterknechte besonders schön. Diabolische Fantasie. Warum nur gibt es Menschen, die dabei Lust empfinden, wenn sie andere quälen können?

Ach, ja, die Nägel fehlten noch. Man würde sie an Händen und Füßen festnageln, an den Kreuzen.

Und die Haare?

Die ware noch dran. Warum auch immer. Das schöne goldene Blond war jetzt rot eingefärbt.

Ein Mob hatte sich eingefunden.

"Kreuzigt sie. Tötet sie."

Der Unwillen über den unsittlichen Lebenswandel. Die Hexe, nun hatte man sie endlich, und ihren Liebhaber gleich dazu.
Manche hatte auch nur Mitleid mit Belladia. Der Tod am Kreuz würde ja ihre Seele retten.

Einer der Holzknechte setzte einen Nagel an und wollte gerade zuschlagen, da brach er zusammen. Von einem Pfeil durchbohrt.

"Was zum Teufel ... "

Eine wilde Horde von Reitern näherte sich, durchbrach die Linie der Wächter und den Mob der Lüsternden nach Blut und Gewalt. Nicht für sich, nein, für andere. Damit sie sehen konnten, wie gut es ihnen ging?

Der Anführer der Reiterhorde sah nur die beiden Menschen an den Kreuzen, voller Blut?

"Ich bin wohl zu spät gekommen. Das wird mir Jasmina nie verzeihen."

Belladia: "Nein, nicht, es ist nur Farbe."

Danach ging alles sehr schnell. Und weg waren sie.

...

In der Höhle von Räuber Hotzka.

"Belladia, wir glauben an das Schöne, auch wenn wir eine wilde Horde von Gesetzlosen sind.
Doch das Schöne muss beschützt werden, in dieser Welt."

"Dann habt ihr mich beschützt?"

"Ja, Gorillas, ein Mensch, halb Gorilla, er hat sie aus dem Weg geräumt, bevor sie dich peinigen konnten."

"Aber es gab so viele Tote, meinetwegen ... "

Belladina musste weinen.

"Es tut uns leid, aber anders ging es nicht. Sie hätten dich sonst als Hexe verbrannt. Für sie taugt das Schöne nur als Privatbesitz, oder es muss vernichtet werden."

Belladina sagte nichts mehr. Jonas umarmte sie ganz fest.

"Jonas, du bist nun ein Teil von ihr. Deswegen haben wir dich mitgenommen. Du musst sie beschützen. Damit du das kannst, werden wir dir einiges beibringen. Meister Harkus steht bereit. Vielleicht 2, drei Wochen. Mache dich auf einen 24 Stundentag gefasst. Dann müsst ihr gehen. Sie werden tausende von Soldaten schicken, um uns zu fangen. Auf die Dauer können wir uns hier nicht verstecken. Und mit uns ziehen? Wir sind Räuber und Mörder. Das passt nicht zu euch. Es würde euch zerstören."

"Wohin sollen wir gehen?"

"Wir haben ein Schiffchen für euch gebaut. Damit könnt ihr der großen Meeresströmung folgen.
Sie wird euch tausende von Kilometern weit wegbringen. Diese hier haben euch nicht verdient.

Die Götter sollen euch beschützen."

"Die Götter? Der Obertores?"

"Nein, der nicht. Der ist nur ein Hirngespinst der Oberprediger. Aber Jasmina ist Realität. Wir wissen, dass es sie gibt. Nur sie lässt sich nicht beeinflussen. Sie tut was sie will.
Aber euch beide, wir entlassen euch in ihren Schutz. Ihr seid so etwas besonderes, dass sie eigentlich auf euch stolz sein müsste...

...


Nach zwei Wochen, am Vorabend des Abschiedes.
Ein Wetterleuchten, es endete in einem hell leuchtenden Stern. Er gab eine Richtung an.

So etwas hatte man noch nie gesehen.

Plötzlich war da eine Streichel-Pflanze in der Luft. Sanft schwebte sie hernieder und streichelte dabei den Räuber Hotzka.

...

Belladia und Jonas in love



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