Arianne 198 - Wege des Lichts

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Wege des Lichts

Sie wurden gejagt. Schwere Raumkreuzer bewegten sich in einer Entfernung von wenigen Lichtjahren. Nur noch ein paar Minuten, dann würden sie das Sonnenschiff erreichen und zerstören.

Das Sonnenschiff. Es beherbergte 300000 junge Wesen, die der allgewaltigen Unifizierung entkommen waren. Alle waren gleich, teilten alles miteinander und gingen dann auf in einem gemeinsamen Kollektivbewusstsein.

Sie waren Wesen, die in Liebe miteinander verbunden waren. Sie wollten ihre Körper nicht zerstören lassen, sie liebten sie doch so sehr.

Aufgehen in der EINS? Warum nur? Das Leben als Individuum konnte doch so schön sein. Sie hatten paranormale Fähigkeiten, mit denen sie telepathisch kommunizieren konnten. So hatten sie sich auch gefunden. Es verschaffte ihnen das Gefühl der Einheit. Warum nur mussten sie ein Teil der großen Gesamtheit werden, die sich bereits aus Millionen von Generationen zusammensetzte?

18 Jahre lang konnten sie sich verstecken. Alle waren paranormal begabt, sonst hätten sie das System kaum täuschen können. Dann hatten sie es endlich geschafft. Fluchtpunkt war das Sonnenschiff gewesen. Aus allen Teilen des Universums hatten sie sich dort eingefunden. Doch nun, mehr als 150 Millionen Lichtjahre von der Heimatgalaxis entfernt, die Spürhunde hatten nicht aufgegeben. Das System der EINS duldete kein Entkommen.

Das Sonnenschiff hatte keine Abwehrsysteme. Wenn die Raumkreuzer es stellten, waren sie verloren.
Man würde das Schiff vernichten. Da sie sich der Integration widersetzt hatten, waren sie alle bereits zum Tode verurteilt. Die EINS duldete keinen Widerspruch. Nur wer sich ihr unterordnete, hatte für begrenzte Zeit einen kleinen Raum von individueller Freiheit. Dort sollte er lernen, Wissen erwerben, das dann in die EINS eingehen würde.

In der Kommandozentrale des Sonnenschiffes.

Emmalia: "Wir haben es nicht geschafft. Schade, es wäre so schön gewesen."

Jonathos; "Ja, alle unsere Träume, wir hätten sie verwirklichen können. Warum nur, warum musste dieser Zensor gerade jetzt nach uns rufen? Hätte er doch nur noch eine Nacht durchgeschlafen. Und nun?"

Vor ihnen der grenzenlose Weltraum. Leider nicht groß genug, um sich verstecken zu können.

Otas: "Seht ihr die Leuchterscheinungen dort vorne?"

Jonathas: "Ja, es sieht aus wie ein planetarischer Nebel, aber, es hat wenig Masse. Es verdeckt etwas."

Emmalia: "Fliegen wir dort einfach hinein? Vielleicht hilft es uns beim Verstecken?"

Aros: "Wir könnten daran vorbeifliegen. Aber dann haben sie uns, in 3 Minuten."

Emmalia: "Sonnenschiff, wie lange brauchen wir bis zum Nebel?"

Sonnenschiff: "Nun, wenn wir die Triebwerke ruinieren, 2 Minuten und 53 Sekunden ..."

Aros: "Tu es!"

...

Der Nebel. Er schien den ganzen Raum auszufüllen, sprang scheinbar auf sie zu. Und nun? Mittendrin. Jegliche Orientierung nach außen ging verloren.

Das Gute daran, die Verfolger waren auch nicht mehr zu sehen.

Emmalia: "X -3 Sekunden. Sie haben uns nicht *freu*"

Nach 2 1/2 Stunden Nebelflug existierten sie immer noch. Offenbar hatten die Verfolger ihre Spur verloren.

...

Plopp. Eine kleine Fairy saß auf der Kommandokonsole.

Nicht dass dies so ungewöhnlich gewesen wäre, man kannte sich ja aus mit paranormalen Aktivitäten. Aber gerade hier? Wo ohnehin jede Form der Orientierung verloren zu gehen drohte. Eingebettet in einen weißen Nebel. Irgendwie erinnerte das ganze an ein Universum aus Milch.

Emmalia: "Hallo Fairy, magst du dich uns vorstellen?"

<< Ich bin  AXXY. >>

Aros: "Hallo AXXY, bist du von hier?"

<< Ja, aber ihr seid es nicht. Ihr hättet hier gar nicht sein dürfen. Wie konntet ihr den Eingang nur finden ??? >>

Otas: "Der Eingang? Wohin denn? Wir wissen nicht, wo wir hineingeflogen sind. Wir wollten uns nur verstecken, sonst hätten sie uns vernichtet."

<< Diese Raumkreuzer? Die sind schon einige hundert Lichtjahre weitergeflogen. >>

Emmalia: "Dann haben sie den Eingang nicht gesehen? Schon etwas merkwürdig? Dann ist er doch nur für uns in Erscheinung getreten! Ist das nicht eine Einladung? Aber wohin?"

<< Eine Einladung? Nein, davon weiß ich nichts. Ihr seid in das Netzwerk des Lichtes eingedrungen. Das ist eigentlich unmöglich für Wesen der Existenz. >>

Emmalia: "Das Netzwerk des Lichtes? Davon haben wir noch nie etwas gehört."

<< Nun, ihr kennt vielleicht den Begriff Hölle >>

Otas: "Die Hölle? Sind wir in die Hölle eingeflogen?"

<< Nein, die Hölle ist genau so wenig materiell wie das Netzwerk des Lichts. Es sind unterschiedliche Sichtweisen auf die Existenz, getragen vom Wesen des Teufels und von ... >>

Emmalia: "Ja???"

< >

Otas: "Das ist kein Name. < >."

<< Ich werde euch ihren Namen nicht sagen. Ihr dürft gar nicht hier sein. >>

Emmalia: "Dann schickst du uns wieder fort? Hinaus in die alte Welt mit ihren Killerkommandos? Unsere Triebwerke sind kaputt, wir können sie nicht mehr reparieren, das wäre für uns der sichere Tod."

<< < > würde es nicht wollen. Aber hier dürfen nur Wesen des Lichtes sein, sonst könnte es das ganze Kontinuum zerstören. Wenn sich die Sichtweise plötzlich unkontrolliert verändert, es könnte das Wesen dahinter zerstören. Das könnten wir nicht ertragen, es würde uns zerbrechen und wir sind viele, sehr viele. Nun, diabolisch seid ihr nicht, das sehe ich auch so. Aber ob ihr kompatibel seid ... ?>>

Aros: < >, ist sie der Gegenpart des Teufels, Gott?

Schweigen. Die Fairy wirkte seltsam abwesend, als würde sie mit einem anderen Wesen kommunizieren.

<< Nein, sie ist nicht Gott. Sie ist ein Wesen der vierten Stufe der Unendlichkeit, das Wesen des spirituellen Lichtes. Wir nennen sie Lighty >>

Emmalia: "Lighty *freu*. Ein schöner Name für Gott. Lieber Gott, dürfen wir in dein Paradies einfliegen? Wir möchten dich so gerne kennenlernen. Bitte lass uns hier nicht verrecken, wir lieben das Leben doch so."

Ein Gebet. Die Fairy schaute ganz seltsam. Aber war da nicht auch die Andeutung eines Lächelns in ihrem Gesicht?

...

Der Nebel lichtetet sich. Sterne wurden sichtbar. Eigentlich nichts ungewöhnliches für Raumfahrer. Was würden sie hier erfahren?

Eine spirituelle Aura streifte die Wesen des Sonnenschiffes. Die Ahnung einer Größe, die ins Unendliche reichen musste. Es war nicht unangenehm, eine Berührung der dritten Art, die glücklich machte. Und alle wussten, wer diese Aura verbreitetet.

Emmalia: "Fairy, ist das Lighty?"

Die kleine Fairy nickte nur. Ihre großen Augen leuchteten voller Glück.

<< Seid willkommen, ihr verirrten Wesen. >>

Emmalia: "Das muss Lighty gewesen sein! Sie lässt uns herein *freu*."

Alle lagen sich mit einem mal in den Armen. Aros ging auf die kleine Fairy zu, berühre sie ganz vorsichtig und streichelte sie sanft.

Aros: "Sind wir denn würdig, in dieses Reich eingeladen zu werden?"

Fairy: << Ihr seid nicht perfekt, aber nicht das ist wichtig um dazuzugehören. Seht, eure Lebensweise, sie ist durch Liebe geleitet, Liebe zur Natur, zu Euch selbst, zu den anderen Wesen, zu allem was ist. Ihr wollt es nicht zerstören, ihr bewundert es und ihr wollt es erhalten. Und das in einer Welt, die nur ein Ziel im Sinn hat, die große Vereinigung. Damit verbunden ist die Vorstellung von unbegrenzter Macht. Macht über das Leben, über die Natur. Allein dieser Widerstand macht euch schon zu Kandidaten des Lichts. Aber es ist noch viel mehr in euch drin. Ihr versucht die positiven Eigenschaften eurer Spezies zum Durchbruch zu verhelfen. Viele andere haben das längst aufgegeben. >>

Emmalia: "So viel Macht? Wozu ist sie denn so wichtig?"

Fairy: << Sie ist nicht wichtiger als andere Dinge. Nur eine Richtung, die sich manifestieren kann. Ja, es gibt unendliche Wesen, die genau diese Ziele verkörpern. Aber wenn sie nur dieses eine Ziel verfolgen, es geht ihnen dann oft nicht anders als den schweren Massen. Ihr wisst, was ich meine >>

Aros: "Meinst du den Gravitationskollaps zu einem Schwarzen Loch?"

Fairy: << Unendlichkeit kann auch in unendlichen Tiefen enden. Aber bedenkt, dies ist eine extreme Ausprägung der Natur. Viele Entwicklungen enden viel früher, weil unterschiedlichen Strömungen sich gegenseitig auslöschen können, mit der Zeit. Die Macht ist eine Strömung, der sich viele widersprechende Strömungen unterordnen. Dadurch schafft sie es manchmal, Unendlichkeit zu erreichen.

Das ist Evolution. Einmal ausgelöscht ist das Ende einer Entwicklungslinie für alle Zeiten. Es gibt aber immer wieder einen Neubeginn, da eine unendliche Monotonie einen Widerspruch hervorruft. In allen Fällen ist ein Neubeginn einer unendlichen Machtkonzentration vorzuziehen. Die fehlende Einsicht liegt dann bei den Wesen, die diese Macht verkörpern. Aber sie sind bei weitem nicht so groß und mächtig wie sie glauben. Macht ist immer relativ. Und sie geht immer wieder verloren. >>

Otas: "Bewirkt eine unendliche Monotonie die Vakuumfluktuationen? Unsere Theoretiker wissen nicht, was sie hervorruft."

Fairy: "Du bist schon auf dem richtigen Weg. Warte noch ein wenig. Lighty will euch persönlich treffen. Sie muss sehr viel von euch halten. Wenn ihr sie seht, sie ist kein Einzelwesen, sie ist ein Paar, ein Liebespaar. Lighty ist das Paar, nicht die Einzelwesen, aus denen es besteht."

Aros: "Und die Einzelwesen, haben sie keine Namen?"

Fairy: << Danach hat noch nie jemand gefragt. Sie sind schon merkwürdig, eure Fragen. Es sind Janema und Jarusa. Sie sprechen aber nicht einzeln zu euch, sie sind telepathisch miteinander gekoppelt und bilden ein gemeinsames Bewusstsein. Es geschieht immer dann, wenn Lighty mit einem anderen Wesen kommuniziert. >>

<< Seht das nicht so eng. Hi, ich bin Janema. Ich freue mich, euch zu sehen *freu*. Fairy, bitte nicht sauer sein, dass ich dir widersprochen habe >>

Dass telepathische Freude so viel Glück vermitteln kann!

Fairy: <<Janema hat zu mir gesprochen, Janema, Janema ... >>

Die Fairy war fassungslos. So etwas hatte sie noch nie erlebt. Aber es machte sie so glücklich.

...

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