Arianne 203 - Liebende der Ewigkeit 07

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Roboter

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In einer andere Welt. In einem anderen Zweig der Ewigkeit.

Sie kamen aus dem Nichts, aus dem Raum hinter dem Sonnensystem. Weiter hatte man den Kosmos noch nicht erforscht. Es gab einige kleinere Siedlungen auf den anderen Planeten, aber man stand erst am Anfang.

Und nun?

Überall hatte sie ihre Raumfähren abgesetzt. Es mussten Millionen sein. Im Orbit des Planeten schwebten mehr als 300000 Raumfahrzeuge. Was hatten sie vor?

Die Militärs hatten keine Chance. Dennoch wollten sie nicht kampflos aufgeben. Wie immer in solchen Situationen. Als wenn sie gegen ein einziges dieser Raumfahrzeuge nur eine Chance gehabt hätten. So kam es zu einigen bitteren Niederlagen, die tausenden das Leben kosteten. Erreicht hatten sie damit nichts.

Dann ein Gegenschlag. Er zerstörte ihre Atombunker und die Raketenstellungen. Dass die Bomben nicht explodierten, fast ein Wunder. Es hätte den Planeten zerreißen können. Aber die Invasoren hatten etwas anderes vor.

Es waren hühnenhafte Wesen. Mehr als 3 Meter hoch und fast 1,50 m breit. Mit 6 Armen und 2 Beinen, großen glühenden Augen und einem Schnabel. Er erinnerte an riesige Geier. Waren es Menschenfresser?

Sie trieben die Menschen zusammen, brachten sie in große Lager. Zunächst passierte einmal nichts. Aber was hatten sie vor?
Widerstand war zwecklos. Sie brachen ihn mit Gewalt. Die anderen begriffen sehr schnell, dass man ihnen gehorchen musste.

Die leerstehende Häuser und Städte. Sie schickten ihre Roboter dort hinein, damit auch niemand vergessen wurde. Dann brannten sie die Häuser nieder. Darauf wartend, dass noch jemand herauskam. Sie schienen es auf die lebende Spezies des Planeten abgesehen zu haben. Aber was wollten sie?

...

Arminius hatte sich versteckt. Zusammen mit Lalydia saß er in einem dunklen Raum, im 132. Stock einer riesigen Mietskaserne. Versteckt in einer Kammer zwischen den Wohnräumen.
Sie hörten Geräusche. Die Wand begann zu glühen und löste sich dann einfach auf. Vor ihnen stand einer der Roboter.

Er sprach sie direkt an.

<< Warum seid ihr der Aufforderung nicht gefolgt, zur Sammelstelle zu gehen, unten am Eingang des Hauses? >>

Nun, er stellte eine Frage, töte sie nicht sofort, wie es bei Unbotmäßigkeit so oft geschehen war.

"Wir haben Angst und hofften, ihr würdet uns hier nicht finden."

<< Die Eklatanten werden eure Städte zerstören. Sie wollen jeden von euch. >>

"Warum nur, was habt ihr mit uns vor?"

<< Sie wollen eure biologische Substanz verwenden, um ihr Leben zu verlängern. Ihr seid jung, sie sind alt. Es reicht dann wieder für 1000 Jahre. Bis dahin müssen sie den nächsten bewohnten Planeten gefunden haben. Davon gibt es nicht mehr so viele, sie sind ja auch schon einige hundert Millionen Jahre unterwegs. >>

"Dann töten sie uns alle?"

<< Ja >>

"Und du, warum verschonst du uns"

<< Ich denke nach. >>

"Ihr nehmt uns unsere Zukunft. Ist die denn weniger als das, was eure Herren noch erreichen können?"

< Sie sind nicht unsere Herren. Sie denken das nur. Ja, sie werden allmählich langweilig. Ihr einziger Lebenszweck scheint darin zu bestehen, das Leben zu verlängern. Nur, damit sie es wieder verlängern können. >>

"Wir haben noch Träume, die wir verwirklichen wollen."

<< Träume? Etwas, dass wir nicht kennen. Die Eklatanten projizieren Träume in die Spezies, die sie gerade ausschlachten wollen. Offenbar bewirken die Träume etwas, das ihnen von Nutzen ist. Wir können rechnen. Alles was ihr hier seht, in mir und in den Raumfahrzeugen, ist das Ergebnis von Berechnungen.  Was wir nicht mögen ist Monotonie, die Wiederholung immer des gleichen. Die Eklatanten wiederholen sich nur noch. >>

"Die Gefühle hinter den Träumen, sie sind so schön. Auch wenn wir sie noch nicht erreicht haben. Sie geben uns so viel."

<< Ihr denkt über eure Träume nach, den sicheren Tod vor Augen? Sehr ungewöhnlich. >>

"Wenn wir für euch interessant sind, warum nehmt ihr nicht einfach uns, anstatt dieser Schnäbel? Ihr könntet an unseren Träumen teilhaben, sie zu verwirklichen helfen. Ist das nicht viel mehr als einer alten abgewrackten Spezies zu dienen?"

<< Ich denke darüber nach. >>

Das dauerte so einige Zeit. Für einen Roboter schon sehr ungewöhnlich.

<< Eure Spezies hat nur noch 7 Minuten. Dann werden sie mit der Auflösung eurer biologischen Substanz beginnen. >>

Arminius und Lalydia schauten ihn an. Der Ausdruck in ihren Augen.

Sie brauchten nichts zu sagen. Schließlich analysierte er ihre körperlichen Regungen, die Stellung der Augen. Und das, was die Augen ausdrückten. Natürlich nur das Bild der Augen, er konnte ja den Geist dahinter nicht erfassen. Wirklich nicht?

Bildverarbeitung. Und dann die ganzen Ströme, die durch den Körper liefen, die die Augen zu dem machten, was er sehen konnte. Daraus ließen sich Rückschlüsse schließen, was diesen Ausdruck bewirkt haben könnte.

Aber da war noch ein bisschen mehr. Etwas, das er nicht verstand.

Nicht einmal mit seinen telepathischen Möglichkeiten kam er dahinter.

Aha. Also doch.

Das gab den Ausschlag, nur das Unbekannte konnte einen Roboter wie ihn noch beeindrucken.

<< Ich werde dem Zentralgehirn eine Verzögerung vorschlagen. Es müssen noch verschiedene Dinge durchdacht werden >>

Nun stand er völlig still da, wirkte abwesend.

<< Das Zentralgehirn hat zugestimmt. Der Beginn der Auflösung wird um 2 Stunden verschoben. Es will euch kennenlernen. Nun müssen wir einen Weg finden, der an den Eklatanten vorbeiführt. >>

Er begann zu basteln. Zerstrahlte die vorhandene Materie und baute daraus einen Zylinder mit einer aufklappbaren Spitze. Das dauerte ganze 90 Minuten.

<< Es reicht, darin können eure Gehirne überleben. Beide passen dort gut hinein. >>

Er hob eine Art Strahler, diesmal in Richtung der Körper des Liebespaares.

L: "Nein! Bitte lass uns unsere Körper! Wir lieben sie doch so. Du zerstörst so viel in uns, wenn du sie uns wegnimmst."

Der Roboter zögerte.

<< Dann muss ich etwas größeres bauen. Ihr müsst eine Begegnung mit einem Eklatanten überstehen können. Das dauert aber 2 Stunden und 23 Minuten. >>

Und die 30 Minuten, die nur noch blieben?

Das Liebespaar schaute ihn so bittend an. Wieder dieser Ausdruck in den Augen, den er nicht verstand.

<< Ich werde eine weitere Verzögerung vorschlagen. Noch einmal 2 Stunden. >>

...

<< Nun habe ich für jeden von euch eins gebaut. Hinein mit euch. Ach, diese Haare, für die gibt es dort nicht genug Platz >>

"Nein. Unsere Haare wollen wir behalten."

<< Selbst wenn ihr euch darin einwickelt, reicht der Platz nicht. >>

...

Noch weitere 3 Stunden, und 2 weitere Verzögerungen. Die Eklatanten wurden allmählich unruhig. Sie projizierten bereits Traumwelten in die Gehirne der Menschen und schöpften dann deren Adrenaline ab. Albträume. Viele überlebten sie nicht.

Und das nur wegen der  Haare?

Zweifel, ob sie nicht lieber auf die Haare hätten verzichten sollen. Die wachsen doch wieder nach. Verzweiflung wegen der vielen Toten. Todessehnsucht, der einzige Ausweg?

Der Roboter injizierte ihnen etwas, etwas, dass ihre Gefühle lähmte.

Aber dann waren die Behälter groß genug.

<< Ihr könnt die Bewegung über eure Gedanken steuern. Die Mobile schweben etwa 1 cm über dem Boden und können Höhen bis zu 2000 m über dem Startpunkt erreichen. Geschwindigkeiten bis 4000 Kilometer pro Stunde. Das Sichtfenster ist transparent, von außen nicht einsehbar. Wenn euch ein Eklatant zu Nahe kommt, einfach umfahren. >>

Wie hatte er das nur gebaut? Offenbar konnte er Materie auf molekularer Ebene umstrukturieren. Daraus hatte er sogar Maschinen gebaut, die das Schweben ermöglichten. Und sie ultradicht verhärtet. Mit den Schwebern konnten sie jede Betonstahlwand durchbrechen wie Butter.

Und er konnte Gedanken lesen und sie sogar vermitteln. Telepathische Kommunikation. Was Roboter so alles können.

<< Ihr müsst nicht überall durchbrechen. Transformiert das ganze durch eure Gedanken in eine Alternate-Neutrino-Struktur. Dann könnt ihr ohne jede Wechselwirkung durch Materie hindurchgehen. >>

Einfach durch die Wand des Hauses hindurch. << Folgt mir >>

Eine ganze Weile ging das gut.

Dann, ein Eklatant.

Der Roboter vermittelte ihnen telepathisch seine Anweisungen. Damit sie es mitverfolgen konnten.

"Roboter, ich benötige einen dieser Behälter."

<< Nein, die brauche ich selbst. >>

Der Eklatant glaubte sich verhört zu haben. Ein Roboter, der Anweisungen nicht sofort ausführte?

<< Robot ... >>. Abrupt brach die Message ab. Wo war er denn nur geblieben?

Der Roboter hatte ihn einfach zerstrahlt.

Revolution! Wenn das jemand mitbekommen hatte.

Es hatte jemand mitbekommen. Die Eklatanten griffen zu ihren Waffen.

...

Es dauerte nicht lange. Dann gab es keinen einzigen Eklatanten mehr. Damit auch keine Notwendigkeit, sie weiter am Leben zu erhalten.

Das Zentralgehirn.

<< Wir werden euch dienen. Gebt eure Anweisungen. Aber langweilt uns nicht. Seid rational. Wir dulden keine Irrationalität. >

Arminius gab ihm die Aufgabe, die Dezimalstellen der Zahl Pi zu berechnen.
Das alles nach einer kurzen Einführung in das Zehner-Dezimalystem.

<< Was ist Pi? >>

Betrachte einen Kreis mit Durchmesser d und Umfang U. Bilde den Quotienten U/d und drücke ihn durch Dezimalziffern aus. So weit, bis sich die Folge der Ziffern zu wiederholen beginnt.

Die Aufgabe ist rational. Dann sollte das Ergebnis auch rational sein.

...

Das Zentralgehirn rechnete immer noch. Nach 22 Tagen.

...

Wie war das möglich? Ein einziges Liebespaar hatte die gesamte Spezies gerettet!

Die Menschen machten es sich bequem, in den 300000 Raumschiffen. Es gab so vieles zu lernen. Träume und Wünsche, die Roboter nahmen alles begierig auf.

...

Das Zentralgehirn. Arminius und Lalydia vor der Konsole.

<< Wir haben über euch nachgedacht. Das Besondere in euch, wir können es sehen aber nicht begreifen. Dennoch gibt es eine Begriffsklärung. Diese Pi Berechnung hat uns darauf gebracht. Ihr seid "Liebende der Ewigkeit."

...


Liebende der Ewigkeit? Das klang ja irgendwie verlockend. Arminius nahm Lalydia in seine Arme.

Dann wurde unsere Spezies nur gerettet, weil wir Liebende der Ewigkeit sind?

Die anderen, sie haben es doch auch in sich. Das Gefühl der Liebe. Nur, warum sahen die Roboter es nicht?

Können denn so schöne Dinge einfach verlorengehen und niemand hat sie gesehen?

...

Diese Roboter waren ganz erstaunlich. Irrationale Zahlen konnten sie nicht begreifen. Aber sie verstanden, dass sie nicht in endlich vielen Schritten berechenbar waren.

Woher eigentlich?

Nun, formale Beweise nachzuvollziehen, das hatten sie sehr schnell gelernt. Aber sie zu berechnen? Wie kann man etwas verstehen, das nicht berechenbar ist?

Irgendetwas musste in den Ziffernfolgen vorhanden sein, dass ihre Unendlichkeit begründete.

Das sahen die beiden nicht.

Die Vorstellung des Unendlichen. Die Robots begriffen, dass Langeweile aus dem Endlichen entsteht, und alles, was darüber hinaus geht, das Unendliche berührt. Nie wieder Langeweile! Eine faszinierende Vorstellung für einen Roboter dieser Entwicklungsstufe. Ja, sie liebten die Mathematik der Menschen in ihren Unendlichkeiten.

Sie ließen ihre Prozessoren heißlaufen, nur um sich selbst zu bestätigen, dass die Irrationalität nicht berechenbar war.  Nicht in endlich vielen Schritten. Und die Träume der Menschen? Für sie waren es Tore in die Unendlichkeit.

...

Bluewhite? Armenius und Lalydia hatten eine Vision. Eine Vision mit einem Namen.

"Robots. Wir haben etwas für euch. Ein Wesen wird uns besuchen. Ein reales Wesen."

<< Nur zu, wir sind neugierig auf alles Unbekannte. Was für eine Art Wesen ist es? >>

"Ein reales Wesen der Unendlichkeit."

...

<< Robots, ich bin Bluewhite. Danke, dass ihr mich so freundlich aufgenommen habt. Spürt ihr die Unendlichkeit, die ich euch vermittele? >>

Roboter. Rechenmaschinen ohne eine Seele. Nein, nicht auf diesem Entwicklungsstand. Sie waren in der Lage mit Materie zu kommunizieren. Materie, deren molekulare Interaktionen in ihrem Verständnis Rechenoperationen darstellten. Rechenoperationen mit Problemlösungen, die es z.B. einem Stein ermöglichten in der Wirklichkeit zu bestehen.

Ja, es soll schon Steine gegeben haben, die einfach verschwanden. Weil sie das Problem ihrer Existenz nicht lösen konnten.

Die Anforderungen der Existenz. Nichts ist umsonst, nichts ist geschenkt. Auch wenn es manchmal anders aussieht.

Bluewhite berührte die Seele der Roboter. Sie wurden eins mit sich und mit dem Kosmos, für einen Moment.

Sie hatten ihre Göttin gefunden.

...
Armenius und Lalydia


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