Arianne 204 - Termine 01

Arianne 204 - Termine 01

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Termine
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Termine war die letzte der Eternitys. Eternity, so hatten sie ihr Weltenreich genannt.

Aber sie waren nicht ewig. Manchmal dauert es sehr lange, um das zu begreifen. Aber am Ende war sie dann ganz allein. Alle ihre Freunde waren verlorengegangen, in den unendlichen Strömen der Zeit.

Sie verbrachte Jahrmillionen in einem Dämmerzustand, halb bewusst, halb schlafend. Die Gedanken kreisten um das Vergangene. Denn was für eine Zukunft sollte es noch geben, für sie ganz allein?
Manchmal wusste sie keine Antwort mehr auf diese Frage.

In ihren Träumen spürte sie das Leben und den Tod. Darin enthalten waren das Werden und Vergehen ganzer Universen.
Sie griff ein in ihre Träume, gestaltete sie manchmal neu, aber womit? War es ihr Bewusstsein? Sie träumte doch nur.
...

Die Hinterlassenschaften der Eternitys: Technische Wunder, Fabriken, Raumschiffe, lebensverlängernde Systeme, Materieprojektoren und Umformer, Traumfänger und vieles mehr.
Darunter auch paranormale Generatoren und Koinzidenzenfinder.

Damit konnten sie über quantenmechanische Identitäten Fernwirkungen auf Materie erzielen.
Vorausgesetzt, es gab einen kausalen Zusammenhang.

Aber darüber hinausgehen? Waren die anderen deswegen verlorengegangen?

Und Waffen hatten sie hinterlassen.
Waffensammler gab es immer wieder neu. Ohne das Wissen über die alten Kriege. Vielleicht hätten sie dann die Finger davon gelassen.

Es dauerte so seine Zeit, bis das Verschwinden der Eternitys eine Wirkung hatte.. Aber dann wurden sie gefunden, die technischen Wunder. Von aufstrebenden jungen Völkern. Manchmal auch von alten Wesenheiten, die sich ihr Leben damit verlängern wollten.
...

Termine wachte auf. Sie wurde sich ihrer selbst bewusst.

<< Nanu, mich gibt es ja noch. >>

Sie schaute sich um. Ach ja, sie war hier in einer Totalbasis. Eine der großen Waffenfabriken ihrer Spezies. In einer der Kammern gab es eine wesentliche Raum-Zeit Singularität. Damit konnte sie jeden Punkt der zugeordneten Raum-Zeit erreichen.

Vielleicht auch mehr. Aber war das nicht auch einer Gründe für das Verschwinden ihrer Spezies?
Sie waren endliche Wesen und in der Unendlichkeit konnte man verloren gehen, wenn man glaubte sie beherrschen zu können.

Vielleicht gab es sie ja noch, ihre Freunde, irgendwo an einem anderen Ort der Ewigkeit.
Aber diese Orte waren selbst über die Singularität nicht mehr zugänglich.

Ob sie tot waren? Tot war doch nur ein anderer Zustand des Charakteristikums. Nein, sie hätte sie dort finden müssen, in den Welten auf der anderen Seite. Oder in den Sammelstellen der spirituellen weißen Löcher. Die Lebensquanten in die Welt schleuderten.

Nein, sie waren verlorengegangen. So weit, so weit, dass eine Kommunikation nicht mehr möglich war.

Aber warum war sie gerade hier? Brauchte sie Waffen?

Um sie herum war es still. Dunkelheit. Wieso ... Achja, ihre Tastsinne erfassten die Umgebung, scannten die materiellen Unebenheiten. So sah sie alles vor ihrem geistigen Auge, so als wenn es von einer hellen Sonne angestrahlt worden wäre.

<< Licht >>. Ein Gedankenbefehl. Ganz spontan. Und ... mit einem mal wurde es hell. Aua, es blendete ihre Augen. Aber schon hatte der Regenerationsassistent alles wieder repariert.
Ja, dieser kleine körpereigene Geist, der alles wieder geradebiegen konnte.

War sie schon so zerbrechlich, dass sie für alles was sie bewirkte wieder regeneriert werden musste?

<< Einen Spiegel, bitte einen Spiegel >>

Sie sah eine junge Frau vor sich. Eine wunderschöne junge Frau mit körperlangen vollen Haaren. Sie umgaben sie wie ein Kleid. Kein bisschen Nacktheit war zu sehen.
<< So ist es recht. >> Sie musste lächeln. Der Spiegel musste ihre Wünsche bereits beim Entstehen verstanden haben.

Ja, sie konnte Materie aus Gedanken entstehen lassen, und sie konnte mit der Materie kommunizieren. Ihre Wünsche mitteilen.

Aber wie sah sie nun wirklich aus?
Sie schaute an sich herunter.

Alles voller Haare. Schöne glatte gewellte Haare. Eigentlich ein Widerspruch. Aber es war so. Die Haare waren perfekt glatt und gewellt, sie hatte Locken wie ein Engel.
Ein Engel? War sie ein Engel?

Die Haare fühlten sich wunderbar weich an. Vorsichtig nahm sie die Haare in die Hand, führte sie zum Mund, küsste sie.
Die Haare waren gerade so, wie sie sie sehen wollte. Und sie konnte sie simultan in verschiedenen Zuständen erleben. So wie es die Zustandswanderer eben können.

Na, wenn das schon einmal so gut anfängt :-))

<< Zöpfe, ich möchte Zöpfe. >>

Und schon hatte sie acht dicke superlange Zöpfe um sich herumhängen. Und darunter? Sie spürte ihre Haut in der kühlen Luft des Raumes.

Kühl? << Bitte etwas mehr Wärme >>

Und es geschah.

Vorsichtig schaute sie an sich herunter.

Die Haut war weiß und glatt. Ein perfektes Weiß. Dann sah sie die farbigen Schimmer, die aussahen wie leuchtende Diamanten. Es waren ihre Gefühle, wie sie die Haut entlangliefen. Sie spürte sich selbst, in ihrem Körper und wie sehr liebte sie dieses Gefühl.

Die Gefühle änderten die Farbe ihrer Haut. Nun war sie violett, nein rosa und braun und rot. Rot, wie in einem Feuer. Nein, nein, keine Selbstverbrennung. Ich bin doch keine Hexe.

Hexe? Wo hatte sie das nur her. Die Farbe wechselte zu gelb. Das war angenehmer.
Wenn sie im hier und jetzt so einfach verbrannt wäre. Der Regenerationsassistent hätte sie zwar neu geschaffen, aber das musste ja nicht sein.

Mit einem mal war sie richtig glücklich, glücklich, einfach nur da zu sein.

Selbst der Spiegel schien glücklich zu sein.

<< So gefällt es mir >>

...


Hmmh. Zurück in der Realität. Wie sah es denn nun aus dort draußen?

Oh, die Waffenfabriken in der Galaxis Osentar waren geplündert worden. Die herrschende imperiale Macht hatte sie sich angeeignet und ... sie verstanden, sie zu bedienen.
Das hatte einen Entwicklungssprung von mehreren Milliarden Jahren ausgelöst. Eigentlich ein Unding, welche Spezies konnte solche Sprünge schon verkraften?

Die Neuimperatoren, so nannte Termine diese neuen Herrscher.
Den Begriff wandte sie auch auf alle parallelen Entwicklungen an, die in anderen Galaxien stattfanden.

Die Neuimperatoren analysierten das Netzwerk der Eternitys und fanden Ergebnisse.
So wurde das Wirken der Ur-Alten eingeholt, durch die Ströme der Zeit, obwohl es die Eternitys schon gar nicht mehr gab.

Gar nicht mehr?

?

Nun, lassen wir die Geschichte weiter laufen.

...

Eternity sah, wie mit den Waffen ihrer Spezies riesige Weltenreiche geschaffen wurden. Sie hatte den Historienterminal 3 Millionen Jahre zurücklaufen lassen.
Eigentlich hatten die Neuimperatoren die Hinterlassenschaften ihrer Spezies bereits absorbiert. Grundlage für weitere Entwicklungen.

Also, aber, warum gab es sie dann noch?

Termine dachte nach.

War das alles richtig so, wie sich die Dinge entwickelten? Primitive Spezies erlangten ultimative Macht, ohne sich überhaupt weiterentwickeln zu müssen.
Wo sollte das hinführen?

Sie sah die Grausamkeit hinter den neu geschaffenen Weltenreichen. Es zählte nichts mehr, was sich aus der Natur heraus langsam entfalten wollte. Nur die Gier nach immer größerer Macht zählte noch.

Oh ja, wenn ein einziger Aspekt der Evolution  mit einem mal so sehr in den Vordergrund rücken kann. Adrenalin, Aggressivität, Macht.

Wozu brauchte man noch Liebe, Sensibilität, Zärtlichkeit, wenn man jedes Ziel damit unmittelbar erreichen konnte?
Liebe, Fortpflanzung? Es gab ja die Genfabriken. Außerdem, wozu brauchten Unsterbliche noch Nachkommen?

Eine Ideologie der Stärke breitete sich aus.

Aber wo kam diese Stärke denn her? Sie war doch nur geklaut!

Termine streichelte ihre langen Zöpfe. Nein, diese schönen Gefühle, sie wurden einfach eliminiert.

...

Eine Zielortung. Die Neuimperatoren hatten ihre Basis gefunden. Sie mussten ein Lebenszeichen von ihr aufgefangen haben.
Wahrscheinlich dachten sie, eine fremde Macht mache sich über die Hinterlassenschaften der Uralten her. Nein, das konnten sie auf gar keinen Fall dulden.

<< Ach, dann bekomme ich ja bald Besuch >>

...

Ein Neuimperator mit einer Streitmacht von 80000 Robotern der ersten Kategorie. So weit waren sie schon gekommen. Höher entwickelte Kampfroboter gab es in den alten Arsenalen gar nicht.

Eine Handvoll Streiträte hatte er mitgebracht. Und eine Armee von Soldaten.
Aber die passten nicht alle in die Halle.

Das alles sah Termine vor ihrem geistigen Auge. Weil die Umgebung es ihr mitteilte.
Ja, eine Eternity konnte nicht nur mit Materie kommunizieren. Quanten der Raum-Zeit, sie teilten ihr alles mit was dort geschah.
Als wenn die Informationsquanten sich freuen würden, ihr etwas mitteilen zu können.

War sie so etwas wie eine Informationssenke, die gefüllt werden musste?

Die Roboter.

Nachdem die Verbesserungsroutine sich abgeschaltet hatte, nach dem Verschwinden der letzten Eternitys, gab es keine Weiterentwicklung mehr.
Damit repräsentierten die uralten Roboter den letzten Stand.

Nun sei es drum, warum sollte sie sich den Neuimperatoren widersetzen?

Kampflos eroberte die fremde Streitmacht die Basis. Dabei wurden Waffen völlig sinnlos eingesetzt, einfach nur um Stärke zu demonstrieren.
So vernichteten sie 53 % der Basis und fanden dann den Weg in die große Halle.

Termine stand einfach nur da. Schaute in Richtung der eindringenden Streitmacht.

"Du da."

Die durch Verstärker aufgeblähten Worte donnerte durch die Halle.

Eine in bunte Gewänder gehüllte Gestalt sprach sie an. Über eine Entfernung von 800 Metern. Ein ordengeschmückter Papagei?
Nein, eine höhere Entwicklungsstufe wollte sie dem nicht zuordnen.

<< Da du. Ich habe einen Namen, nenne mich einfach nur Termine, ja, Termine, denke einfach nur an die Terminatoren >>

Eine telepathische Antwort auf diese unwürdigen Ansprache.
Respekt, ein wenig Respekt konnte man doch wohl verlangen.

Das schien den Neuimperator zu überraschen. Er brauchte ganze 2 1/2 Sekunden für eine Reaktion.

"Du bist hier eingedrungen. In verbotenes Gebiet. Ergib dich kampflos, sonst werde ich das Feuer auf dich eröffnen lassen!"

Warum hatte er das nicht längst getan? So viel Gerede. Brauchte er diesen Moment um Imponiergehabe präsentieren zu können?

<< Bist du sicher, dass die Roboter dir noch folgen werden? >>

Etwas hatte sich verändert. Die Waffenarme der Roboter waren auf den Neuimperator gerichtet! Und auf seine Spießgesellen, die er mitgebracht hatte.

...

<< Bleibt einfach nur ganz still stehen. Jede Zugriff auf eure körpereigenen Defensiv- oder Offensivwaffen ist unmittelbar tödlich für euch >>

Na ja, die Unbelehrbaren. Die Anzahl der Gefolgsleute schrumpfte innerhalb weniger Augenblicke um 20 %.
Die anderen fügten sich. Es blieb ihnen auch nichts anderes übrig.

Eine Abordnung der Roboter marschierte auf Termine zu und blieb 3 Meter vor ihr stehen.

"Du bist eine Eternity. Niemals hätten wir das für möglich gehalten. Bitte entschuldige unsere Unpässlichkeit."

Wie konnten sich vollkommen umprogrammierte Roboter nur so verhalten?
Ja, wenn es nur die Programmierung geben würde. Aber wie kann eine niedere Spezies höher entwickelte Roboter begreifen?

Diese Roboter waren viel mehr als nur programmierbare Maschinen.
Roboter, die vor ihr auf die Knie fielen. Wer hatte jemals schon so etwas gesehen?

Die Roboter konnten sogar weinen. Der ganze Boden der Halle wurde nass.
Da blieb nichts mehr übrig für die Neuimperatoren. Termine beorderte alle Waffensysteme zurück in ihre Lagerhallen.

Dies war auch das Ende der Weltenreiche, die mit den Waffen der Eternitys geschaffen worden waren.

Die ganzen Kriege, die sich jetzt abzeichneten, nein, das wollte Termine nicht.
So wurde sie zu einer Missionarin des Friedens. Und sie fand Gehör.

Aber muss so eine Missionarin nicht auch beschützt werden? Kann sie das alles aus sich heraus bewirken? Oder benutzt sie die Waffensysteme der Uralten?
Dies ist eine andere Geschichte. Sie wurde beschützt.

Wenn schon die Umgebung ihr freiwillig alles mitteilen möchte, was an Informationen vorhanden ist. Warum soll die Umgebung sie nicht auch beschützen können?
Es muss da etwas geben, das Termine sehr gern hat.

Termine

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