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Arianne 206 - Whity

Whity im Tempel der absoluten Keuschheit, sie erscheint dort als eine unheilige Frau.
Sie verhindert eine Wiederholung des Mordes an Hypatia.


Die Unheilige

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Ein großes Aufgebot von Moralwächtern hatte sich eingefunden. Gemeinsam wollten sie beten, zur Göttin der allerheiligen Keuschheit. Ihre Statue im Tempel war perfekt eingehüllt in alle möglichen Arten von Gewändern. Selbst das Gesicht war verhüllt. Dass nur kein abwegiger Gedanke aufkommen möge.

Eine Göttin musste ja schön sein. Wie verstand sich das mit der Unheiligkeit in ihrer Erotik? Alles Körperliche an ihr musste verborgen werden. Vor aller Augen. Als göttliches Beispiel für all die anderen Frauen zu Hause.

Frauen waren hier gar nicht zugelassen.
Warum betete man dann eigentlich zu einer Göttin?
Und wenn Frauen diese heiligen Hallen nie betreten dürfen?
...

Ein Affront. Eine nackte Frau stand plötzlich direkt vor dem heiligen Altar. Wo war die nur hergekommen? Mit langen Haaren, die bis auf dem Boden reichten.
Direkt vor der Opferschale des Blutes. Die war nun perfekt blank und sauber geputzt.

Seufzer der Entrüstung machten sich bemerkbar, wurden immer lauter.
Von der andachtsvollen Stimmung war nicht sehr viel übriggeblieben.

"Ergreift sie! Opfert sie! Reißt ihr die Haut vom Fleisch! Füllt die Opferschale mit ihrem Blut!"

Das hatte es doch alles schon einmal gegeben.  Aber nun? Wer war diese Frau?
Die andachtsvolle Gesellschaft transformierte sich in einen blutrünstigen Mob.
Das Besondere dabei, die Frau dort vorne, sie zeigte kein bisschen Angst.

Irgendwie wurde ihnen das bewusst. So blieb der Mob fünf Meter vor ihr stehen. Wie vor einer unsichtbaren Schranke. Irgendwie ratlos, zum Stillstand gekommen, ohne zu wissen warum. Nur weil bei ihrem Opferlamm kein bisschen Angst zu sehen war?

Standing still.

Nichts rührte sich. Totenstille in den heiligen Hallen. Sie spürten das Besondere dieser Situation. Diese Frau war nicht irgendwer. Alle Mordlust war verflogen. Wie war so etwas möglich? Das konnte und durfte doch nicht sein. Eine nackte Frau in den heiligen Hallen der aboluten Keuschheit, in ihrer ganzen unverhüllten, unheiligen Erotik?

Ja, sie strahlte pure Erotik aus. Mit einer Intensität, dass sich die Gene in den Männern wohl einfach geweigert hätten, einen solchen Mord zuzulassen.
Gene, die einen Mob gestoppt hätten?

<< Hier ist alles ein wenig anders. Ich bin nicht Hypatia und ihr seid keine Christen >>

"Aber ... Wer bist du?"

<< Vielleicht Erotica *grins*. Es wäre eine mögliche Inkarnation. Nein, ich bin mein eigenes Selbst. >>

"Und ... bist du eine Göttin, unsere Göttin?"

<< Vielleicht. Ich könnte es sein, wenn ich es wollte. >>

"Warum verstößt du gegen unsere Regeln? Dieser Tempel ist uns heilig. Nacktheit ist so sündig. Du machst ihn zu einer Halle der gefallenen Frauen."

<< Gefallene Frauen? Bin ich gefallen, weil ich nackt bin? Ist nicht die körperliche Nacktheit mit das Schönste dessen, was die Seele streicheln möchte? Bin ich denn in euren Augen unwürdig so zu sein, wie ich mich darstelle? >>

"Nein, du bist sehr schön. Aber, die Sünde..."

<< Es ist eine Sünde die Schönheit des Lebens zu verneinen. Keuschheit zu welchem Zweck? Warum ist Enthaltsamkeit so erstrebenswert? Glaubt ihr wirklich, durch Verzicht würdet ihr eine Anwartschaft auf etwas erhalten? >>

"Du redest klug daher. Aber wer bist du wirklich? Du entweihst unseren Tempel. Warum ergreifen wir dich nicht?"

<< Ihr könnt es nicht, weil ich eure tiefsten Empfindungen direkt anspreche. Für mich ist das einfach, aber es gab ein anderes Wesen, das wurde zerfleischt, vor einem Altar. Von Wesen die so waren wie ihr.

Blut und Schmerz zur Ehre eines Gottes? Was versteht ihr davon? Wenn ihr leiden wollt, so leidet. Aber erwartet keine Belohnung dafür. Wenn ihr leben wollt, dann lebt. Nur dann bin ich mit euch und in euch. >>

"Du redest wie eine Göttin, und wir verstehen nicht warum wir so empfinden. Aber wir empfinden dich so."

<< Noch vor wenigen Minuten wolltet ihr mich zerfleischen. Und ihr hättet es getan, wäre ich nicht stärker gewesen als ihr. >>

"Aber, wir stehen doch hier."

<< Weil ich es so will. >>

"Was geschieht nun mit uns?"

<< Ihr seid wie Tiere in euren Gefühlen. Wer soll euch da richten? Es ist der Geist, der erwachen sollte. Aber es ist nur die Macht, die Unüberwindbarkeit, die euch in Schranken weisen kann. Ihr wollt es nicht anders haben. Ich schenke euch etwas, über das ihr nachdenken könnt. Was dabei herauskommt, es liegt an euch selbst. Wollt ihr den Weg des Geistes beschreiten oder lieber wie ein Tier leben und sterben? Ein Tier, das seinen Intellekt nur gebraucht um in einen Rausch der Gefühle zu versinken. >>

"Aber du sagst doch selbst, dass Erotik schön ist."

<< Ja, sie ist schön im Geiste, wenn sie die Seele und den Körper erfasst und alles, was aus dieser Einheit werden könnte. Wenn sie das Leben im Auge hat und dem Geist darin eine Zukunft schaffen will.

Aber was macht ihr daraus? Scheinheiligkeit im Tempel, zu Hause haltet ihr euch eure Sexsklaven. Ganz individuell. Ihr nehmt den Frauen ihre Lust und die Freude an der Sexualität, als wäre sie nur für euch gemacht. Deren Leiden, es interessiert euch nicht. Es ist erstaunlich, wie so ein bisschen Geist Widersprüche produzieren kann und wie er gelernt hat damit zu leben. Würde eine Göttin sich so verhalten, sie würde sich selbst vernichten und damit auch alles, was sie jemals hätte schaffen können. >>

"Wir verstehen dich nicht."

<< Das ist eine ehrliche Aussage. Damit habt ihr wieder einiges gutgemacht. Ich will euch nicht strafen, ich will euch nicht verändern und ich werde euch nicht helfen. Es war mir nur so ein Bedürfnis euch mitzuteilen, was ich denke. Denn auch ich habe ein Bewusstsein, eine Seele, ich fühle und ich denke. >>

Irgendwie erfasste die versammelte Menge so etwas wie Spiritualität. Sie fielen auf die Knie und beteten, sehr individuell, jeder für sich und jeder allein mit seiner Göttin, die er nun gefunden zu haben glaubte.
...

Whity


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