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Arianne 207 - Medusa

Medusa kämpft um ihr Leben und ihr wird geholfen.


Medusa

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"Du bist Medusa. Dein Schicksal ist bereits entschieden."

Aber ... was wird mit mir geschehen?

"Ein Sterblicher wird kommen und dein Haupt mit sich nehmen. Er wird es einer Göttin schenken und sie wird es an ihrem Schild befestigen."

Mein Haupt? Ich bin doch mehr als nur das, meine Arme, meine Beine mein Körper, mein Ich. Wie soll das gehen?

"Er wird dir den Kopf abschlagen."

Den Kopf abschlagen ... Es dauerte, bis Medusa das verdaut hatte. Nein, bitte, nein, Genoveva, bitte mach nicht solche Prophezeiungen.

"Du bist Medusa. Das ist ihre Geschichte. Sonst gäbe es dich gar nicht."

Aber ... ich lebe doch, ich liebe mein Leben. Warum das nur? Nein. Ich will leben. Sieh doch, wie schön mein Körper ist. All das soll vernichtet werden?

"Du bist schön und sexy. Ganz anders als in den alten Geschichten, wo sie dich als diabolisches Monstrum sehen. Aber, es wird geschehen. Wehre dich nicht. Dein Schicksal ist mit deinem Namen verknüpft. Es hat dich hier entstehen lassen, in der göttlichen Wolke der Vorsehung, damit sich dein Schicksal erfüllt."

Mein Schicksal erfüllt? Ich brauche dieses Schicksal nicht.

"Begreifst du es denn nicht? Nur weil sich dein Schicksal erfüllen muss, existiert du überhaupt. Ohne dieses Schicksal würde es dich gar nicht geben. Genieße doch einfach nur die Zeit, die du leben kannst. Sie ist ein Geschenk."

Ich lebe, ich fühle. Ist das nicht wunderbar? Wozu dieses Schicksal. Nein, ich will es nicht.

"Ob du es willst oder nicht, das ist hier nicht die Frage."

Sein oder nicht sein, ich bin. Und ich werde mich zur Wehr setzen.

"Er wird unsichtbar sein, für dich. Wie willst du dich da wehren. Wenn du schläfst wird es sich erfüllen.
...

Medusa allein mit sich. Vor sich einen großen Spiegel. Sie liebte dieses Spiegelbild doch so.
Die Schlangen, die aus ihrem Haupt wuchsen, sie waren nicht häßlich und giftig waren sie auch nicht. Kleine Wesen, die Liebe brauchten.

Ihre wundervolle Haut, die sie so gerne streichelte. Die ausdrucksstarken Augen. Die Sanftheit in ihrem Gesicht. Ihre Arme, Beine, Hände, ihr ganzer lieber Körper, alles war doch von vollendeter Schönheit, so voller Leben. Und das nur, damit es vernichtet werde? Was war denn ihr Haupt ohne den lebenden Körper? Nichts als eine leere Hülle. Und damit wollten sich die Götter schmücken?

Eine Träne bahnte sich ihren Weg. Und noch eine ...
War da nicht ein Geräusch, im halbdunklen Hintergrund? Sie fuhr auf, sprang zu Seite.

Da war etwas.

Sie konnte sich doch wehren. Sie verwandelte sich, ihre Augen glühten, sie fauchte in eine ganz bestimmte Richtung. Einfach intuitiv und ... sie traf.

Eine Gestalt wurde sichtbar, ein Sterblicher, mit einem Schwert in der Hand. Er schaute sie an. Sie sah den Schrecken in seinem Gesicht. "Nein, nein, nicht in die Augen schauen."

Blitzschnell wandte sie ihr Haupt zur Seite.
Was war denn das?
Warum darf ich dich nicht ansehen?

<< Medusa, dein Blick verwandelt die Sterblichen in Stein. Du tötest sie damit.>>

Eine Antwort aus dem Nichts? Darum würde sie sich später kümmern.

Das war es also, ihre Macht. Wenn sie einen Sterblichen anblickte, erstarrte er zu Stein.
Aber war sie nicht selbst sterblich? Wenn sie nun in diesen Spiegel schaute...
War sie bereits zu Stein geworden und wusste es nur noch nicht?

Nein, sie fühlte, sie dachte. Und sie fühlte, dass sie diese Kraft beherrschen konnte. Ihr lebendiges Ich, es konnte sie zurückhalten.
Nun wusste sie auch, warum andere ihren Tod wollten. Ohne dieses Ich, diese Kraft, sie würde dann ungebremst hinausstrahlen.
Und andere töten. Etwas, das sie gar nicht wollte. Durch ihren Tod würden andere über Leben und Tod entscheiden können.

Mit den Sterblichen hatte sie sonst nie eine Berührung gehabt. Nur ihr Schatten, er war nicht mehr auffindbar. Ob ihn jemand gestohlen hatte?

Der Schatten. Ihre Vergangenheit. Sie erinnerte sich nicht. Wo kam sie her? War denn immer schon alles so gewesen wie jetzt?

<< Nein. Du warst einmal eine wundervolle junge Frau mit sehr langen, schönen Haaren, für die dich die Götter beneideten. Einer von denen griff nach dir und vergewaltigte dich. Im Tempel einer Göttin. Dabei wolltest du nur zu ihr beten. Sie hat nicht ihn dafür bestraft, sondern dich. Deine Schönheit hat sie dir genommen und deine Haare in Schlangen verwandelt. Und sie hat dir einen Fluch geschickt. Jeder Sterbliche, den du anschaust, muss zu Stein erstarren. So wird die Geschichte erzählt. Aber du hast auch viele Freunde, die dich anders sehen wollen, die dich lieben und verehren. Und was hier geschieht. Manchmal ist das Ergebnis überraschend.  >>

Wer bist du? Das können doch nicht nur meine Gedanken sein? Genoveva mit ihren Weissagungen, ich habe Angst, fürchterliche Angst.

<< So viele Fragen auf einmal. Ich bin der Widerpart >>

Ein Widerpart? Wogegen denn?

<< Ja, wenn ich das wüßte. Eigentlich müsste hier ein unendliches Wesen sein, aber da ist nichts. Schon sehr merkwürdig. >>

Widerpart. Was kann ich tun? Ich will nicht sterben. Ist denn alles schon entschieden. Die Götter, was haben sie damit zu tun? War es Athena, die mich ... ?

<< Athena. Sie wird von vielen in ein falsches Bild hineingepresst. Sie projizieren ihre eigene Fehlbarkeit in sie hinein und machen eine riesige Geschichte daraus. Dann ist die eigene Kleinheit erträglicher. Nein, das ist alles Trug. Nur wer sie wirklich liebt und innig mit ihrem Geist eins sein möchte,  wird sie sehen, so wie sie wirklich ist. Athena ist ein wundervolles, liebes sanftes Wesen. Nie würde sie dir so etwas antun. Und du, bist du denn so abgrundtief häßlich wie es erzählt wird, ist dir deine Schönheit gestohlen worden? >>

Nein, aber ...

<< Zwischen den Zeilen, es gibt negative Wesen die sich vom Unglück anderer ernähren. Und je tiefer jemand fällt, desto größer ist der Genuß. In dieser Welt der Fantasien. Jemand hat da seine Fäden gespannt. Vielleicht auch eine Sie. Wer weiß das schon so genau. Kristallisierte Gefühle, die ein Eigenbewusstsein erlangt haben. Sie wirken im Dunkeln und sie stehlen die Schatten der Lebenden. >>

Mein Schatten ... ? Er ist weg, gestohlen. Was haben sie damit angestellt?

<< Alles Üble was man dir nachsagt. Mit deinem Schatten haben sie es bewirkt. Die Medusa als Monstrum. So negativ, dass ihre Enthauptung eine Erleichterung sein muss. >>

Die Sterblichen. Sie sind Geschöpfe der Götter. Und ich selbst? Bin nicht auch so ein Geschöpf?

<< Ja, das bist du. Aber selbst die Götter wissen nicht alles. Eine Berühung mit dem Leben, es hat dir eine Seele gegeben. Du bist so positiv in deinem Wesen, dass das Leben dich gesucht und gefunden hat. >>

Und was geschieht jetzt?

Noch nie habe ich meine Wirkung auf die anderen Sterblichen so bewusst erlebt. Die Götter wissen offenbar sehr gut über mich Bescheid.
Was nun? Damit werden sie sich nicht abfinden. Ich muss etwas tun. Der Boden unter mir, ja, den so präparieren, das ein Sterblicher einfach darin hängenbleiben muss.

Die Spinne! Ich habe mich immer gut mit ihr verstanden. Wenn sie den ganzen Raum mit feinem Gewebe durchsetzen würde, da kann niemand unerkannt durch. Auch wenn er unsichtbar ist.

<< Ich gehe jetzt. Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte. Verteidige dich! >>
...

Mich verteidigen? Der Sterbliche hatte sich ihr genähert, langsam und leise. Nun war er nur noch 3 Meter von ihr entfernt. Mit dem Schwert in der Hand.
Erschrocken wich sie zurück. Er setzte nach.

Nein! Eine wilde Verfolgungsjagd zwischen den Säulen der Finsternis. Solange sie ihn nicht anschaute, war er nicht in Gefahr. Er konnte sie ja auch von hinten töten.
Aber sie entwand sich ihm. Dies war ihr Labyrinth. Dann, dann stand sie 10 Meter vor ihm, schaute ihn direkt an. Er erstarrte. Aber ...

Du wirst nicht zu Stein, wenn ich es nicht will. Ich beherrsche die Kraft, sie beherrscht nicht mich.
Warum willst du mich töten? Habe ich dich verletzt? Dir etwas Böses getan?

"Nein, aber die Götter ... !"

Es geht dir nur um dich selbst. Du suchst eine Bestätigung. Ein Held, der sich beweisen will. Dabei dringst du feige hier ein, in mein Zuhause, willst mich im Schlaf enthaupten und dich dann mit der Trophäe brüsten. Oh Sterbliche, warum müsst ihr immer so tief fallen.

Ja ich weiß, du bist Perseus. Du willst dein Schicksal erfüllen. Aber ich, ich will mein Schicksal nicht, ich will leben.

Er stand nur da. Mit dem Schwert in der Hand.
Sie ging auf ihn zu.

Bitte leg das Schwert weg. Ich will nicht sterben.
Wenn er nun einfach auf sie einschlagen würde. Und er versuchte es.

Aber Medusa war nicht naiv. Sie war viel zu schnell für ihn.

Warum bist du so unfair? Denk doch bitte einmal darüber nach, was du tun willst. Ich liefere mich dir nicht aus. Wenn du mich töten willst ... ich hätte dich schon längst töten können.
Denke doch bitte einmal darüber nach, warum ich es nicht getan habe.

Perseus dachte nach. Man konnte es ihm ansehen.

Dann lies er das Schwert fallen.

"Nein, ich will es nicht."

Medusa ging auf ihn zu. Ihre Lippen berührte seine. Dann brach der Bann. Leidenschaftlich küßten sie sich. Beide waren nackt. Und war nicht der Körper für die Liebe gemacht ...
...

Perseus war nicht der Einzige, der es versuchte. Wo die alle herkamen?
250 Angreifer konnte sie zurückschlagen. Nicht alle konnte sie überzeugen, so wie Perseus. In ihrem Garten standen nun steinernde Statuen, so wie es die alten Geschichten prophezeit hatten. Sollte sich ihr Schicksal dann doch noch erfüllen?

Die Götter gaben einfach nicht auf. Es waren immer Einzelwesen gewesen, die hatte sie abwehren können. Die vielen Kämpfe hatten sie sehr geschwächt... Wenn nun eine ganze Armee auf sie zukommen würde?

Sie erkannte die Grenzen ihrer Möglichkeiten und musste weinen. Nein, sie wollte nicht sterben.
Waren es nicht gerade diese Tränen, die nun das Weitere einleiteten?
...

Ein Geräusch und noch eins. Das mussten zwei sein. Wie sollte sie sich entscheiden? Nein, es waren noch viel mehr. Sie spürte die Signale durch das Spinnengewebe.
Es mussten mehr als 500 sein, die nun von allen Seiten auf sie eindringen wollten.
Die konnte sie nicht alle abwehren.

Sie setzte sich auf den Boden, vergrub ihr Haupt zwischen den Armen und weinte.
Das lebende Haupt der Medusa, in dem ihr Ich wohnte und das sie so sehr liebte.

Sie wartete auf das Ende. Irgendwann würde einer nach ihr schlagen, in der Hand das Schwert  ... So viele Tränen. Sie schloß ihre Augen. Nein, sie wollte den Tod nicht mit offenen Augen empfangen.
...

Es geschah nichts.

Nach einer gefühlten Ewigkeit machte Medusa ihre Augen wieder auf. Eine weiße Frau stand direkt neben ihr. Sie reichte ihr die Hand. Richtete sie auf. So standen sie sich Auge in Auge gegenüber.
Die Augen der Medusa. Sie sahen die Ewigkeit in den Augen der anderen und ihr Spiegelbild darin. Die ganz Liebe und Güte, aus der dieses Wesen bestand, und wie sie ihre Seele streichelte.

Die weiße Frau. Sie hatte lange weiße Haare, die sie vollständig einhüllten.

<< Komm, ich schützte dich >>

Ganz spontan umarmte Medusa diese Frau und die weißen Haare legten sich von selbst um sie herum. Noch nie hatte sie sich so geborgen gefühlt.
...

Medusa weinte sich die Augen aus. Warum müssen wir alle ein Schicksal erfüllen?
Die weiße Frau streichelte sie sanft.

<< Nein. Ich will, dass du lebst >>

Wer bist du? Hast du so viel Macht um gegen die Götter bestehen zu können? Sie beherrschen doch alles hier.

<< Alles, das ist sehr viel. Teile dieses Zeitstromes sind voll von paranormaler Energie. Sie bestehen aus Träumen, aus Träumen und Geschichten, die andere sich erdacht haben. Du, liebe Medusa, hast in einem dieser Träume das Leben berührt. Daher hast du eine lebendige Seele.

Ich will nicht, dass du ein Schicksal erfüllen musst, das andere sich ausgedacht haben. Du sollst leben. Die Götter hier, sie haben keine Macht mehr über dich. Komm mit mir, in eine andere Welt. Dort kannst du leben ohne Angst, dass sich dein Schicksal erfüllen muss. >>

Nichts geschieht ohne Widerspruch.

Da waren sie schon, die Götter. Persönlich, nachdem ihre ausgesandten Hifstruppen nichts bewirken konnten.

<< Wir fordern das Haupt der Medusa! >>

Die weiße Frau: << Nein, ihr bekommt es nicht. >>

Was nun? << Dann holen wir es uns >>

Leuchtende Bahnen kreisten um die Weiße Frau herum. Sie zogen sich immer enger, bildeten Wirbel.

<< Was soll ich nur mit euch machen? Ihr habt noch nicht einmal ein eigenes Selbst. Und ihr wollt Medusa enthaupten? Ein Wesen, das eine Seele hat? Wenn es mich nicht gäbe ... aber es gibt mich >>

Plopppp

und weg waren sie.

Zurück blieb Ratlosigkeit. Eine Geschichte der Medusa ohne die Medusa? Wo soll das nur hinführen?
Bald gibt es dann vielleicht eine Geschichte der Rapunzel ohne Rapunzel. Eine Rapunzel, die ihre Haare behalten darf oder ... Wer weiß was sonst noch so alles passiert.

Warum so pessimistisch? Es ist das Leben selbst, der lebende Geist darin, der seine eigene Geschichte schreibt. Warum sollte es ihn sonst geben in den unendlichen Tiefen der Ströme der Zeit?
...
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