Arianne 208 - Medusa 02
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Arianne 208 - Medusa 02

Medusa und die Weiße Frau. Ein Dialog über die Existenz.


Medusa und die Weiße Frau

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<< Medusa, Arianne möchte dich gern sehen. >>

Arianne? Du betonst ihren Namen so ehrfurchtsvoll, sie muss etwas sehr großes sein. Ist sie eine Göttin? Die Göttin aller Götter und Göttinnen, die es überhaupt geben könnte?

<< Stelle dir einen Gott vor, so groß wie auch immer, er wird vor ihr verschwinden, als wäre er ein Nichts >>

Aber wenn die Götter so groß sind, ich verschwinde dann doch auch? Und du? Wie groß bist du?

<< Sieh, es gibt viele Leben in der Existenz. Aber alle sind beschränkt, in ihren Gedanken und Empfindungen. Arianne umfasst sie alle. Sie sieht und empfindet mit allen >>

Aber dann muss sie sich doch auflösen, wie kann sie das alles zusammenbringen? Diese ganzen Lebensformen widersprechen sich doch. Sie kann doch nicht gleichzeitig Medusa und Perseus sein. Oder eine Katze und eine Maus. Wenn die Maus stirbt, dann erlebt sie doch den Tod in sich?

<< Es ist aber nicht das Ende der Existenz. Sie erlebt auch die Geburt neuen Lebens und sie hält alles zusammen. Würde der Zusammenhang verlorengehen, dann könnte nichts mehr existieren. Sie gibt allen Lebewesen ein Bewusstsein, eine Seele und sie fühlt mit ihnen >>

Auch mit mir? Ich habe so viel geweint, um mein Leben, um die vielen Toten, die meinetwegen zu Stein geworden sind. Hätte sie mich sterben lassen, wenn du nicht gekommen wärest?

<< Eine schwierige Frage, die ich nicht beantworten kann.  >>

Es sterben so viele Menschen. Manche, manche reißen tiefe Löcher in die Seele derjenigen, die zurückbleiben.

<< Ja, ich weiß. Du verstehst es nicht und du kannst es auch nicht verstehen. >>

Es macht mich so traurig, dass auch ich daran eine Schuld trage. Aber wenn ich das nicht verstehen kann, warum will sie mich dann sehen? Ich kann dann doch für sie nicht so wichtig sein.

<< Glaube das nicht. Kein Lebewesen ist unwichtig für sie. Sie will dich sehen, weil, sie, ich spreche es einfach mal aus, sie sieht eine Janine in dir >>

Eine Janine?

<< Eine Janine ist das am meisten geschützte Wesen in der Existenz und das am meisten Gejagte. Die Jäger dürfen niemals Erfolg haben, denn das könnte Arianne tödlich verletzen >>

Ariannes Schicksal hängt ab vom Schicksal einer Janine? Aber, wie kann eine so großartige Göttin sich so abhängig machen?

<<Janines sind nicht schwach. Sie können sich wehren und sie werden beschützt und geliebt. Sie verteilen das Leben in der Existenz. >>

Eine schöne Aufgabe. Aber, ich möchte nicht mehr gejagt werden, ich möchte meinen Frieden finden. Da ich sterblich bin, bitte, ein paar Jahre Frieden, irgendwo, wo ich nicht ständig Angst haben muss, dass einer das Haupt der Medusa für sich haben will.

<< Janines sind keine endlichen Wesen und potentiell unsterblich. Nur, wenn sie jemand fressen sollte oder die Existenz sich auflöst, dann finden auch sie ihr Ende. >>

Unsterblichkeit? Ist das so erstrebenswert? Puh. Unendlichkeit. Ich kann mir das gar nicht vorstellen, unendlich zu sein. Würde das meine Seele nicht einfach zerreißen. Kann ich dann überhaupt noch ich sein?

<< Viele Janines wurden aus endlich Wesen geboren. Es ist der Hauch der Ewigkeit, der in jedem Lebewesen steckt. Er ist auch in dir. Wenn du stirbst geht deine Seele zurück zur Arianne. Wäre es nicht schön, wenn du bereits als lebendes Wesen die Arianne sehen könntest? >>

Sehen? Ich habe Angst vor so viel Größe. Die Götter, die ich bereits kenne, ich konnte ihnen niemals etwas entgegensetzen. Sie denken sich etwas und es ist. Wenn sie mich zu einer Ameise gemacht hätten, hättest du mich dann überhaupt gefunden, in dem großen Haufen?

<< Ich hätte dich gefunden >>

Was wird dann aus meinen Schlangen? Waren es nicht einmal meine Haare? Aber, ich spüre sie, ich spüre ihr Leben. Müssen sie dann sterben?

<< Nein, wenn du deine Identität als Medusa nicht aufgeben willst. Sie werden mir dir wachsen, ein eigenes Bewusstsein entwickeln und mit dir kommunizieren, so wie es die Haare der Janines mit ihnen tun >>

Wie lang sind denn die Haare einer Janine? Wenn ich deine Haare so sehe, sie scheinen in die Unendlichkeit zu ragen. Ich möchte keine unendlich großen Schlangen auf meinem Haupt.

<< Nein, sie bleiben so wie sie sind, in ihren Proportionen. Als Janine kannst du dich transformieren, in eine Psi-Welle. Das ist eine unendlich ausgedehnte  Raum-Zeit-Welle mit einer spirituellen Hülle. Dein Ich, deine Seele. Sie ist weder räumlich noch zeitlich lokalisierbar. Damit erreichst du jedes Raum-Zeit-Ereignis der einfachen Unendlichkeit. >>

Der einfachen Unendlichkeit?

<< Die Dinge, die existieren, verknüpfen sich miteinander, bilden Strukturen, die nächsthöhere Stufe der Unendlichkeit umfasst alle realen und möglichen Strukturen als Basiselemente, die sich auf einer niedrigeren Ebene bilden können >>

Aha. Dann gibt es Hierarchien von Unendlichkeiten? Und Arianne steht ganz oben?

<< Es gibt kein Oben. Wenn jemand Arianne dort finden will, wird es ihn irgendwann zerreißen, da die Unendlichkeiten inflationär expandieren. >>

Hmm, und ein solches Wesen wie Arianne existiert trotzdem?

<< Ja, sie umfasst alles, sie ist Alles >>

Und dich?

<< Nun, es gibt Dinge die gehören zur Existenz und stehen dennoch außerhalb. Die Existenz der Arianne könnte ein Traum sein, von mir, oder ich bin ein Traum der Arianne, beides ist möglich und da es möglich ist, auch realisiert. >>

Mmmh. Beim Haupt der Medusa ... Dann träumst du die Arianne, in ihren Träumen dich selbst und darin wieder im Traum der Arianne dich selbst ... ???

<< Behalte dein Haupt. *grins*. Unendliche Wesen müssen keine unendlichen Rekursionen fürchten. Du willst leben und das sollst du auch. Wenn du keine Janine werden willst, Arianne kann dir auch den Frieden geben, den du dir so sehr wünschst. >>

Das würde sie tun? Dann möchte ich sie gerne sehen. Aber ich bitte schon jetzt um Verzeihung für meine Fehlbarkeit. Und muss ich mein Haupt nicht verbergen und die Augen ...
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