Arianne 212 - Julia und Juliane

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Die Haare der Rapunzel

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"Julia, warum willst du dir das antun? Diese Modelshows verändern dich doch nur negativ. Du bist so schön in deiner Natürlichkeit. Und was machen sie aus dir? Ein Produkt, das für viele greifbarer erscheint. Durchschnittsware. Das könnten sie dann ja auch für sich tun. Aber du, du verlierst so viel dabei."

"Juliane, du siehst das zu eng. Sie werden mich neu einkleiden, schminken, stylen ..."

Julia: "Stylen, ja, das werden sie. Und was werden sie aus deinen Haaren machen? Weißt du das? Du hast so wunderschöne natürlich blonde Haare und sie sind so schön lang. Sie reichen bis zu deinen Füßen. Und was kommt dann? Irgendein kinnlanges rot grünes Gemix das aussieht wie mit Tomaten und Petersilie beworfen. Ich könnte heulen, wenn ich nur daran denke."

Juliane: "Du magst meine Haare so gerne, danke, liebe Juliane :-))). Aber woher willst du das so genau wissen? Nein, sie werden nichts mit meinen Haaren anstellen, was ich nicht will?"

Julia: "Hast du nicht die Bilder der Shows vom letzten Jahr gesehen? Was dabei heraus gekommen ist? Schau, hier, ich zeige sie dir hier auf meinem Tablett."

"Hmmh. Aber so schlimm war es doch nun auch nicht. Die mit den polangen Haaren bekam einen Stoppelschnitt verpasst ... Eigentlich schade. Aber es betont doch ihr Gesicht und die Augen
...

"Diese Stylisten *schimpf*. Zeigen sie dir nicht ganz deutlich, wie überflüssig sie sind? Ist es nicht so wie früher mit den Glasperlen für Indianer, im Tausch gegen wirklich wertvolle Waren? Und für so etwas willst du deine Haare hergegeben? "

"Nein, eigentlich nicht. Aber so weit wird es nicht kommen. Ich passe schon auf. Und ich brauche das Geld. Hier nur rumsitzen mit meinen Haaren und auf bessere Tage hoffen, das kann es doch auch nicht sein. Die Wohlfahrt ernährt mich dann und meine Haare, obwohl sie doch auch einen Wert darstellen, den ich zu Geld machen könnte."

"Weißt du, du wirst einen Vertrag bekommen und dann kannst du dich gar nicht mehr wehren. Sie machen aus dir was sie wollen. Deine abgeschnittenen langen Haaren bekommen die Kurzhaarigen
dann als Extensions. Wechselfrisurenspiel nenne ich so etwas. Und das herumsitzen, bist du nicht auch ein wenig glücklich mit deinen Haaren? Ich mag sie doch so gerne."

Juliane griff sanft nach den Haaren von Julia und streichelte sie. Julia schaute sie ganz liebevoll an.

"Ach was. Die anderen haben doch auch alle lange Haare, bis auf Geshia vielleicht ... und Opsala und ..."

"Und, willst du deine Haare auf am Kopf von Opsala bewundern?"

"Nein!!!"

"Siehst du, wenigstens da sind wir uns einig."

"Die werden doch ihre eigenen Extensions haben ..."

...

Die Diskussion dauerte noch eine Weile, ohne ein wirkliches Ergebnis. Am Ende war es dann doch das Geld, für das Julia ihre Seele verkaufen wollte. Und nicht nur die Seele. Diese wundervolle natürliche Harmonie, die ihr ganzes Wesen ausmachte, das alles würde dann gekünstelt und gekupfert daherkommen. Juliane sah schon Rost in dem ganzen. Ob sie Julia dann immer noch so lieb haben würde? Nein! Nicht solche Gedanken! Das würde sich nicht ändern.

Nur, wenn sie sich beide freundschaflich umarmen würden, und das würden sie, würde sie dann nicht ihre Augen manchmal zumachen müssen?
Seufz. Wer arm ist, muss er dann auch wirklich ganz arm sein?

Beide streichelten sich gegenseitig. Juliane die schönen langen Haare von Julia, oh, wie sehr würde sie die Haare vermissen.

Und die eigenen Haare?

Ach, die waren eingebunden in etwas, das ihr bis zu den Kniekehlen reichte. Zum Teil waren sie auch in der Kleidung versteckt. Nicht umsonst sah sie ein wenig mollig aus, dabei war sie in ihrer vollen Natürlichkeit superschlank.

Sie hatte so viel davon, von den Haaren. So viel, dass sie nur gebunden getragen werden konnten.

Hatte überhaupt schon einmal jemand die volle Länge ihrer Haare gesehen?

Nein.

"Juliane, ich würde gerne einmal deine Haare offen sehen! Meine magst du doch so gerne, wenn sie lang und frei herunterhängen. Aber deine sind immer irgendwie eingebunden. Ich weiß gar nicht, wie lang sie sind."

"Die sind lang, sehr lang, so lang, dass ich sie nicht offen tragen kann. Wahrscheinlich bräuchte ich einen ganzen Tag um sie wieder zu entwirren. Auch das würde nur gehen, wenn mir meine besten 5 Freundinnen dabei helfen würden."

Julia schaute sie ungläubig.

"So lange Haare? Aber, was willst du damit? Die sind doch eher eine Qual als eine Freude."

"Julia, magst du deine Haare nicht auch sehr gerne? Es ist ein Gefühl, ein Gefühl für die Haare. Ich kann sie nicht hergeben, ich möchte mit ihnen zusammen leben. Und sie sind wunderschön, wenn ich sie ganz privat für mich ganz vorsichtig einmal aufmache. Sie sehen aus wie goldene, transparente Diamanten und ... nein, das sage ich nicht."

"Sind das Wunderhaare? Juliane! Du fantasierst. Das sind doch nur Haare!

"Warte, ich öffne sie ein wenig, für dich. Aber bitte, sei ganz lieb zu den Haaren. Das ist aber nicht so ganz einfach. Ich muss mich dafür ausziehen, völlig ausziehen, weil ein Teil der Haare unter der Kleidung steckt."

Das mit dem Ausziehen war kein Problem. Schließlich waren sie die besten Freundinnen. Julia wurde es auch schon ganz warm und schwups, saß sie völlig nackt vor Juliane.

"Nun kannst du dich auch ausziehen."

Juliane musste in sich hineinlachen. Ja, so konnte man Zustimmung auch ausdrücken.
Sie legte ihre Kleidung ab und ... sie war ganz in den Haaren eingewickelt!

"Oh!!!. So viele Haare!"

Juliane löste die Bänder um ihren Körper und plötzlich waren ihre Haare mehr als körperlang und dabei vielfach ineinander gewunden.

"Komm, bitte hilf mir ein bisschen. Wir müssen sie auseinanderrollen."

Gaaaaanz vorsichtig griff Julia nach Julianes Haaren.
Das Ausrollen dauerte eine ganze Stunde und dann ... die Haare mussten jetzt bereits eine Länge von mehr als 4 Metern erreicht haben.

"Juliane, wie lang sind deine Haare?! Das ist ja bereits Weltrekord!"

"Kennst du die Geschichte der Rapunzel, in ihrem Turm?"

Julia schaute sie ungläubig an.

"S i e   h a t t e  2 0 m  l a n g e  H a a r e"

"Ja, nun weiß du es."

Nach eine weiteren Stunde lag die ganze Haarpracht von Juliane nun ausgebreitet im Raum. Wenn der Raum nicht mindestens 40 Quadratmeter groß gewesen wäre! Aber das reichte kaum. Der ganze
Raum war voll von Haaren.

"Nun, liebe Julia, nun kannst du meine Haare streicheln :-)))"

...

Für so viele Haare braucht man sehr viel Zeit. Schließlich darf ja auch kein einzelnes Härchen vergessen werden. Juliane half Julia natürlich auch kräftig dabei. Es kann so schön sein, wenn
lange Haare gestreichelt werden. Die Gefühle dabei, sie lösten kleine seelische Erdbeben aus.

Beide waren richtig glücklich miteinander.

Nach einer Stunde waren sie von den Haaren vollig eingehüllt.
Und Juliane vergaß dabei nicht, dass auch die Haare von Julia Liebe brauchten. Keinen Moment lang.

"Nun, was würdest du sagen, wenn ich dies alles den Stylisten opfern würde? Daraus würde sie für eine 10 köpfige Gruppe Extensions machen können. Sie würden mich bestimmt kahlscheren,
damit der Wechsel auch vollkommen sei."

"Nein! Bitte nicht. Ich wusste gar nicht, sie schön so eine Menge Haare sein können. Irgendwie wirken sie lebendig auf mich, gar nicht wie eine riesige Menge von totem Keratin.
Ist das eine Täuschung, oder ... du hast ja Rapunzel bereits mit einbeuzogen und ... sie hatte Wunderhaare!!!"

''Ja, das hatte sie. Meine Haare, liebe Julia, sie sind mehr als nur totes Keratin. Aber ich habe Angst dir alles mitzuteilen, Angst davor, dass du mich für verrückt erklärst. Es ist so ein schmaler Pfad zwischen dem Besonderen und der Idiotie. Wenn man das Besondere nicht begreifen kann, dann bleibt oft nur die Idiotie übrig."

"So schlimm ist es. Mmmh. Wenn ich die Lebendigkeit der Haare nicht selbst irgendwie spüren würde ... dann bin ich ja auch ein Idiot! Okay, ich akzeptiere, wir beide sind Idioten und glauben an die Lebendigkeit deiner Haare."

Dabei musste sie grinsen, also so ganz ernst nahm sie das ganze wohl nicht.

"Das überhaupt so lange Haare möglich sind, das ist doch keine Idiotie, oder? Ich habe sie nicht zusammengeklebt, sie sind kommen alle aus den Wurzeln meiner Kopfhaut."

"Ich glaube dir. Wir sind doch die besten Freundinnen, dazu gehört auch Vertrauen, das man nicht ständig hinterfragen muss. Vielleicht sind wir beide auch in einem Traum und wissen es nur nicht. Dann ist aber auch alles möglich."

"Okay, dann sind wir in einem Traum. Aber es wird kein Alptraum sein. Du darfst nur keine Angst bekommen. Denke an die Geschichte der Rapunzel und was passierte, als sie ihren Haaren etwas vorgesungen hat."

Nun schaute Julia sie doch mit ganz großen Augen an. Der schmale Pfad! Wie würde sie damit umgehen.

Juliane: "Mach bitte das Licht aus."

...

Leuchtende Haare in der Dunkelheit. Es war wunderschön. Das Licht kam aus dem Innern der Haare. Leuchtende Diamanten. Juliane hat ja so recht. Und so viel Schönheit! Julia konnte gar nicht mehr an die Idiotie denken. Sie musste weinen, so schön war es.

Juliane trocknete Julia die Tränen.

"Siehst du, diese Haare sind etwas besonderes. Sie leben und sie können leuchten. Aber ..."

"Du magst es nicht sagen?"

"Doch, ich sage es dir, die Haare flüstern, sie reden mit mir. Es ist Telepathie."

"Oh."

...

"Und was sagen sie dir?"

"Juliane, gib auf dich acht. Du bist zu etwas ganz besonderem berufen. Du kannst eine Janine werden."

"Eine Janine?"

"Ich weiß auch nicht, was eine Janine ist. Es muss etwas wichtiges sein. Aber ich bin zu klein und ich weiß zu wenig, um das zu verstehen."

"Janine? Es ist ein Name, aber es muss mehr sein, als nur ein Name. Lass uns ein wenig herumsuchen, im weltweiten Netzwerk."

...

Nichts.

"Können deine Haare nicht ein wenig mehr Auskunft geben?"

"Ich versuche es."

Juliane wirkte mit einem mal völlig geistesabwesend. Aber nur für einige Minuten.

"Die Legende von Alphatos besagt, Janines sind Wesen hinter der Endlichkeit der Welt."

"Alphatos? Diese Legende ist wohl älter als unsere Aufzeichnungen. Welche Quellen können deine Haare denn wahrnehmen?"

"Ich frage sie mal."

...

"Das geht über Informationskanäle des Vakuums, kosmische Strings, quantenmechanische Verschränkungen. Ob ich von all dem etwas verstehe?"

"Nun ja, die Quantenphysik ist mir nicht so ganz unbekannt. Ein bisschen Vorstellung von dem, was du sagst, habe ich schon. Nur, zu der heutigen Zeit weiß man nicht viel darüber, es ist alles nur Theorie."

"Ups. Dann könnten meine Haare einiges bewegen, in der Wissenschaft."
...

Der andere Morgen. Es wurde an der Zeit, aufzustehen und ... diese Modelshow. Julia hatte einen Termin!

"Ich muss gleich los."

"Ich lasse dich nicht alleine gehen. Nein. Vielleicht brauchst du mich."

"Aber, deine Haare, die sind hier total verteilt."

"Ach, lass mich nur machen. Geh einfach ins Bad und wenn du zurückkommst ... Denke an den Wettlauf des Hasen mit dem Igel."

"Okay, ich bin also der Hase. Dann bis gleich."

...

Julia kehrte zurück und ... Juliane saß bereits fertig angezogen auf dem Bett und all ihre Haare, wo waren die Haare?  Julia bekam einen riesigen Schreck.

"Die Haare sind alle in der Kleidung drin. Ich bin dort völlig eingewickelt. Siehst du nicht, wie mollig ich bin?"

"Na ja ... So schlimm ist es nun auch nicht. Aber ein Skelett bist du nicht."

Beide machten sich nun auf den Weg. Eine Naturwissenschaftlerin und eine potentielle Janine. Auf den Weg in eine Modelshow.
...

Juliane und Julia

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