Arianne 215 - Gody 02  - <<Home>> nächste Seite =>

Ein einsames Wesen

Gody war nun ganz allein. Sie hörte nichts mehr, kein Whispern, Schreien, Rufen, Bitten um Hilfe, keine Lobpreisungen, Flüche ...  Flüche?
Gibt es eine Gottheit ohne erbitterte Gegner? Sie war doch keine Gottheit! Nur das lebende Bewusstsein eines Universum!

Nur? *grins*

Mit wem redete sie da eigentlich? Das konnte doch nur ihr eigenes Selbst sein. Dass solche Gedanken entstehen konnten! Aus dem Unbewussten heraus? Bewusstes und Unterbewusstes getrennt? Noch nie hatte sie so etwas erlebt. Aber diese Situation war auch so ganz anders. Sie war nicht mehr Teil einer Bewegung und steuerndes Element der Bewegung, sie stand außerhalb und nichts bewegte sich mehr.

Alles war totenstill.
Eingefroren in der Zeit.
Aber sie gab es doch noch, sie dachte, fühlte.

Ich denke, also ich bin *freu*

Aber womit? Ihre Eigenzeit existierte nicht mehr, die Eigenzeit des Universums. *grübel*
Gab es eine Zeit hinter der Zeit? Irgendetwas SEIENDES, auch wenn das unmittelbar SEIENDE verschwindet?
Gedanken brauchten doch auch Zeit, um einen Anfang und ein Ende erfahren zu können. Oder dachte sie alles simultan, GLEICHZEITIG?

Nein, die Gedanken hatten eine Kausalität, und die entstand erst während des Denkens.
Die Gedanken brauchten keinen Raum. Nur, Raum hatte sie eigentlich genug.

Wie kam die Kausalität dort hinein?

Dann fiel ihr die Hilfe ein, die Berührung, die sie erfahren durfte.
Da war etwas! Aber mehr wusste sie auch nicht.
Wenn man das ganze höherdimensional betrachtete? Die Zeit als Komponente eines höherdimensionalen Raumes? Oder mehrere Dimensionen in der Zeit?
In höherdimensionalen Räumen bewegte sie sich normalerweise nicht, zumindest nicht in ihrem bewussten Sein. Aber alles musste einmal einen Anfang haben!
Nur Zugang zu den höheren Räumen, den hatte sie im Moment nicht. Dazu brauchte sie eine aktive Raum-Zeit-Singularität. Verflixt, es war doch alles eingefroren.
...

Spekulationen. Fantasie. Aber sie lebte, wie auch immer das möglich war. Ihr Körper, das Universum, all die vielen Lebensformen darin, sie waren wie tot.
Waren sie tot? Ist denn eingefroren in der Zeit etwas anderes als der Tod?
...

Sie näherte sich ihrer Lieblingsgalaxis. Alle Wesen dort waren so positiv. Sie liebten sich und das Universum und Jody liebte sie.
Was war aus ihnen geworden?

Eine Welt. Ein Haus. Ein Zimmer. Joswita und Werelin. Ein Liebespaar. Beide waren dort, ganz nahe beieinander. Ihre Lippen hatten sich fast berührt, es fehlten nur noch ein paar Millimeter. Und die Hände, sie suchten die nackte Haut des anderen. Oh, wie sehr hatten sich die beiden nacheinander gesehnt.

Gody hatte ihnen ein wenig geholfen, sich zu finden. Und nun?
Keine Gefühle, keine Bewegung, nichts. Die kleine Schutzfairy stand nur stumm und steif auf dem Podest.
Selbst deren Geist war eingefroren.

Wenn sie doch die Zeit nur ein wenig ankurbeln könnte, dass die beiden sich berühren konnten. Sie spürte die Energie in sich. Sie konnte es. Wie ein Sommer den Winter hinwegschmelzen lässt.

Hinwegschmelzen? Nein!!! Sie wollte die beiden doch lebend, teilhaben an ihrem individuellen Glück. Sie begleiten auf ihrem Weg in die Zukunft.

Dieser verfluchte Imperator. Neuronal verbunden mit einem planetengroßen Supercomputer. Dass so ein einzelnes Wesen in einen so gewaltigen Machtrausch verfallen konnte. Wie war das nur möglich? Ein kleiner endlicher Körper und so massive Gefühle? Massive Gefühle, fast so stark wie die Liebe, nur eben in eine andere Richtung.

Diese kleinen Wesen. Da musste einfach mehr sein als nur der Körper.
Aber wenn das Universum sich wieder bewegen würde? Dann würde auch dieser Vernichtungsfeldzug stattfinden...

Jody war verzweifelt.

Es gab so viel Schönes, das sie unbedingt fortsetzen wollte, und dann diese Abgründe. Wie konnte das Leben nur solche Abgründe hervorbringen. Als wenn die Dinge nur geschaffen wurden um sie wieder zerreißen zu können.

Ob dahinter eine Idee steckte? Und ein Wesen, das diese Idee verkörperte?
Ein Gegenpart zu der Liebe?

Die Liebe als Idee, als Wesen. Jody musste innerlich lächeln. Ein schöner Gedanke.
Aber sie wusste es nicht. In ihrem Universum gab es so etwas nicht. Oder vielleicht doch?

Ein Wesen, das weiter entwickelt war als sie? In ihrem eigenen Zuhause?
Ein scharfer Blick durch das Universum, von einem zum anderen Ende. Und es gab viele Enden.
Sie konnte nichts erkennen. Alles war eingefroren. Keine Bewegung, nichts.
...

Diese Gedanken, sie erzeugten nur Verwirrung. So dachte sie gar nichts mehr und schwebte einsam durch den Raum ohne Zeit.
Wie konnte sie sich nur darin bewegen? Das war genau so verrückt wie das Denken und dass sie sich selbst spüren konnte. Ganz ohne Körper. Der war ja eingefroren in der Zeit.

Ob sie träumte? Nur, wie konnte sie sich im Traum solche Fragen stellen? Und in einem Traum aus einem Traum aufwachen wollen, das konnte doch nur ein Wunschtraum sein.
Ein Wunschtraum in einem Traum. Mmmmh.

Ob das Universum unter den absoluten Nullpunkt gefallen war? Sie hatte doch all dieses selbst bewirkt, aber wie eigentlich?
Ach ja, ein Gedanke, ein terminaler Gedanke, einfach alles anhalten zu wollen. Dass der solche Konsequenzen haben konnte!

Sie erinnerte sich an eine Rekursion, an eine unendliche Rekursion, in die sie hineingefallen war.
Unendlich? Ups. Das hätte sie zerrissen. Also daher der terminale Gedanke.
So allmählich fand sie sich wieder zurecht, in sich selbst.

...

Und dann erreichte sie die Grenze des Universums. Die Grenze, der sie sich nie zu nähern gewagt hatte. Was war dahinter? Sie hatte Angst, die Grenze zu überschreiten.

Angst, warum?

Als wenn Angst eine Begründung bräuchte.

Die Alternative?

Allein in einem erstarrten Universum.

Nein, es musste weitergehen. Wenn sie selbst erstarren würde, dann war sie tot. Ob es dann jemals einen Neubeginn geben würde? Vielleicht würde dann das Universum einfach aus den Naturgesetzen herausfallen und weg wars. Sie selbst lebte ja noch. Dann war auch das Universum noch nicht verloren.
Jetzt gab es kein Zurück mehr. Sie durchstieß die Grenze und ... sie fiel in einen sich bewegenden Strom der Zeit.

...

Es war so verlockend dort einfach mitzuschwimmmen. Aber ... sie hatte Angst, ihr Universum zu verlieren.
Ein lebendiger Zeitstrom! Was wusste sie darüber?

Sie kannte das Leben in ihrem eigenen Zeitstrom und sich selbst, sie war ja das zusammenhängende Bewusstsein aller Lebensformen ihres Universums.
Aber nun, nun bewegte sie sich durch eine Zeit, in der nichts aber auch gar nichts vertraut war. Femde Gedanken tauchten auf. Eher Gedankenfetzten aus fernen Welten, die sich hierher verirrt hatten.

Raum und Zeit hinter ihrem eigenen Universum. Ob es weitere Universen gab? Sie kannte ja nur ihr eigenens, das Leben und Sterben, die Wiedergeburt. Es war wie ein pulsierendes Herz. Ein fremdes Universum hatte sie noch nie gesehen.

Erinnerungen tauchten auf, Erinnerungen an ihre früheren Leben.

Da waren auch Erinnerungen an ihr eingefrorenes Universum. Ohne dass sie eine Berührung damit hatte. Sehr seltsam. Und diese Erinnerungen an frühere Leben, d.h. an frühere Universen, ob sie die früher auch schon hatte?

Sie wusste es nicht.

Die Erinnerungen konnten nicht aus dem Zeitstrom kommen, in dem sie sich gerade bewegte. Also war da etwas? Was?
Als körperlose Wesen umkreist von den eigenen Erinnerungen? Hatten die denn ein Eigenleben?
Oder waren sie archiviert in der Zeit hinter der Zeit und sie warf nur einen Blick darauf?

Es verwirrte sie.

Sie hatte Bezug zu Dingen, die sie nicht verstand.
Arme Gody, was geschieht hier mit dir?
...



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