Arianne 216 - Gody 03
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Ein Splitter der Unendlichkeit
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Gody schwamm mit dem Strom der Zeit. Es gab dort keine Strukturen, keine Ereignisse, keine Materie. Nur Zeitquanten, die sich aneinanderreihten und eine Richtung der Zeit definierten.
Eine Zeit ohne Inhalte?
...

Eine Zeit die vergeht, ohne dass etwas passiert? Mmmh. Schon etwas merkwürdig. Aber dies ist der leere Raum, weit entfernt von allen materiellen Dingen. Von denen kannte sie nur ihr eigenes Universum.

War sie nicht selbst Energie?
Nein, etwas anderes. Etwas Spirituelles, das physikalisch gar nicht fassbar war. Aber den Einsichten der Naturwissenschaften zum Trotz dennoch existierte.

Sie lebte nun in ihren Erinnerungen. Sortierte sie, betrachtete sie aus verschiedenen Blickwinkeln und kam so immer wieder zu neuen Einsichten. Dadurch fühlte sie das Verstreichen der Zeit.
Und sie entfernte sich, von ihrem eigenen Universum. Billiarden von Lichtjahren musste sie bereits zurückgelegt haben.

Lichtjahre? Wo es hier doch gar keine Energie gibt? Keine Lichtteilchen. Wie will man da Lichtjahre messen?

Es ist so ein Gefühl. Dicht gepackt waren die Universen hier jedenfalls nicht.

Dann, eines Tages hatte sie Kontakt.
Tage? Wo es doch gar keine Sonne gibt, keine Nacht, kein Wechsel zwischen hell und Dunkelheit ...

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Da war etwas. Eine Blase, ein etwas, das ihr entgegenkam. Durch den Strom der Zeit.
Ein in sich verwobenes Gebilde aus Raum-Zeit. Und es hatte Materie und Energie in sich drin.

Ein Splitter eines anderen Universums? Der herausgelöst worden war? Oder eher Urmaterie, aus denen sich Universen bilden konnten?
...

Besonders groß war das Gebilde nicht. Aber woran sollte man hier Größe messen? Es gab ja gar keine Vergleichsgrößen!
Es kann beliebig groß oder beliebig klein sein.

Eine Kugel von der Größe eines Fußballs.
...

Gody misst mit absoluten Maßstäben. Sie bestimmt damit auch absolut, was groß oder klein ist.
Es sind ihre Gedanken, die Maßeinheiten in der Leere schaffen.

Wenn sie will, kann sie hier an diesem Ort auch ein neues Universum erschaffen.

Kann sie denn Materie und Energie erzeugen? Aus dem Nichts heraus?

Sie denkt. Ihre Gedanken sind Energie und Materie. Die Quelle dafür, es ist ihr spirituelles Ich.

War dies nicht alles an ein Universum gekoppelt gewesen ...

Ja, das war es. Aber nun, losgelöst von der Schwere, zeigt sich ihr wahres Selbst.

Sie hat eine Berührung mit dem Kontinuum, ohne es zu wissen. Daraus schöpft sie ihre Kraft und Energie.
...

Dialoge. Wer führt denn hier Dialoge?

Die Zeit. Sie greift die Gedanken und Gefühle von Gody auf. Sie sammelt Informationen dazu aus ihrem schier unerschöpflichen Reservoir und sie schafft dann Antworten, die sie Gody wiederum vermittelt.

Und Gody? Wie fühlt sie sich dabei?

Sie denkt und am Ende gibt es ein Ergebnis, das sie begutachten kann. Sie spürt den Dialog und sie benutzt ihn. Sie betrachtet ihn als Teil ihres Selbst.
...

Das Angucken des Fußballes alleine genügte ihr nicht.

Wollte sie damit spielen?

Nein, sie drang in das Innere ein...

...

Die Zeichen standen auf Krieg. Eine gewaltige Schlachtflotte hatte sich versammelt. Der Gegner hatte nicht weniger Gewaltiges aufgeboten. Und hinter seiner Flotte standen Superwesen, Entitäten, die alles mit ihren paranormalen Fähigkeiten steuerten.

Wie sollte man dagegen ankommen? Schiffe mit normalen Sterblichen?

Sie brauchten Unterstützung, eine eigene Entität, die sich den fremden Mächten entgegenstellen würde. Dann konnte man die feindlichen Raumschiffe abwehren.

Nur, wo war sie?

Atobar, der Oberkammandierende, sah unter den gegebenen Umständen keine Möglichkeit, den Krieg zu gewinnen.

Und die bedingungslose Kapitulation?

Keine Alternative. Der Feind würde sie vernichten.

Also kämpfen bis in den Untergang. Das Einzige, was den Verlorenen bleiben würde.

"Atobar, da ist etwas. Etwas Spirtuelles verdichtet sich in unserem Bereich!"

Ploppp. Ein Gestalt materialisierte in der Kommandozentrale.

"Medusa! Es ist Medusa. Unsere Janine!"

...

Ehrfürchtig schaute die versammelte Elite auf das Wesen. Ja, Medusa war zwar nur eine Janine, aber was für eine! Mit ihr konnten sie den Konflikt wagen und ... gewinnen. Daran hatte niemand der Versammelten einen Zweifel.

Medusa schüttelte ihr Haupt. Die Schlangen bewegten sich in alle Richtungen, zeigten ihre Zungen.

Aber sie waren nicht aggressiv, sie fauchten nicht und sie zeigten ihre Zähne nicht. Sie schauten einfach nur.

So konnte man Medusa direkt anschauen, ohne befürchten zu müssen ...
Medusa schaute dem Kommandanten direkt in die Augen.

"Atobar. Wollt ihr wirklich den Krieg? Ich werde diese Frage jedem einzelnen von Euch stellen, den Generälen, ihren Offizieren, den Unteroffizieren, Feldwebeln, Gefreiten, den einfachen Soldaten und allen Hilfskräften."

Atobar schaute sie an. Den Krieg wollen? Nein, das wollte er nicht. Er war unvermeidbar. Der Feind wollte sie vernichten. Aber wenn Medusa diese Frage stellte? Das war nicht nur eine gewöhnliche Frage ...

"Nein, Medusa, ich will den Krieg nicht."

Medusa: "Gut. Das Ergebnis der Befragung: 0,73 % von Euch wollen den Krieg."

Atobar schaute sie an. Das hatte er nicht erwartet. Es gab viele in seiner Armee, die nach Ruhm und Ehre strebten, den Kampf wollten. Aber wenn die Frage direkt von ihrer Göttin gestellt wurde?

Medusa: "Ich habe den Feind befragt. 0,73 % des Feindes wollen den Krieg."

Atobar: "Aber die feindlichen Entitäten? Die treibenden Kräfte hinter allem?"

Medusa: "Darauf kommt es nicht so sehr an, wie du glaubst. Es ist euer Wille, der über Krieg und Frieden entscheidet. Nur wenn sich viele von euch für den Krieg entscheiden, kann er stattfinden. Diese Entitäten, sie werden letztendlich durch euch bewegt."

Oras, einer der versammelten Berater: "Das verstehe ich nicht. Die Soldaten können sich doch nicht dagegen wehren, in eine Armee eingegliedert zu werden? Das System bestimmt über den Einzelnen."

Medusa: "Es kommt auf die Gedanken und die Gefühle des Einzelnen an. Das System ist machtlos, wenn sich die Einzelnen nicht in seine Richtung bewegen. Es ist ähnlich wie mit den Magneten.
Erst wenn sich viele kleine Elementarmagneten ausrichten, dann kommt es zu der globalen Erscheinung des Magnetismus."

Oras: "Kosmische Entitäten als Resultat der spirituellen Ausrichtung vieler kleiner Lebensformen?"

Medusa: "So ähnlich, es sind nur Analogieschlüsse. Sie haben auch ein eigenes Bewusstsein, einen eigenen Willen. Andernfalls könnten sie leicht manipuliert werden durch viele kleine Wesen, die das System durchschauen. Aber sie bestimmen das Geschehen nicht einfach nur, denn die kleinen Wesen sind ein Teil ihres Selbst."

Papalia: "Und wenn sich viele von uns zusammentun und gemeinsam beten, ist das nicht eine spirituelle Ausrichtung?"

Medusa: "Ja, das ist es. Aber die Gläubigen sollten nicht vergessen, dass ihre Götter einen eigenen Willen haben. Damit ist es auch besser, sie nicht personifizieren zu wollen. Aber nun zurück, zu der Befragung.

Dass so wenige den Krieg wollen, es ist schon sehr außergewöhnlich und es spricht für euch.
Ich kenne Zivilisationen, da wollten 93 % der Befragten den Krieg.

Es gibt sie nicht mehr.
Kritisch wird es bereits bei 23 %."

Adabas: "Wenn alle wissen, dass du sie befragst? Du bist doch unsere Göttin. Sie werden glauben, es gibt dann keinen Krieg, wenn sie es nicht wollen."

Medusa: "Ja, es ist meine Evidenz, die das Ergebnis dominiert. Viele derjenigen, die eigentlich den Krieg wollen, geben das eigene Denken dann einfach auf. Sie lassen die Gottheit entscheiden."

Oras: "Aber, warum fragst du sie dann?"

Medusa: "Ich nehme euch ernst, in der Beantwortung der Frage. Und ich bin, also handele ich. Wer den Krieg nicht will, er kann diesen Platz verlassen. Ihm/Ihr wird nichts geschehen. Die anderen, die ihn wollen, ich kann und will sie nicht verändern. Sollen sie ihren Krieg führen. Es wird zu einem Austausch von Wesen kommen, die die Raumschiffe bevölkern. Wer den Krieg nicht will, wird herausgenommen. Wer den Krieg will, er/sie wird seinen Platz einnehmen. Er soll ihn dann auch alleine für sich führen, er braucht keine Göttin dazu.

Um die feindlichen Entitäten werde ich mich kümmern."
...

30.000.000 Schlachtschiffe prallten aufeinander. Die Wucht der Explosionen war so gewaltig, dass sie Teile der Raum-Zeit einfach zersplitterten. Dadurch wurden Prismen geschaffen, in denen sich die Ereignisse spiegelten und einer dieser Prismen ... Gody, darin bist du nun.
...

Gody sah Medusa direkt vor sich und sie sah noch mehr ... etwas schlich sich von hinten an Medusa heran, mit einem Schwert in der Hand.

"Medusa! Pass auf! Du wirst bedroht!"

Gody konnte nicht anders, sie schrie es einfach hinaus.

Medusa wandte sich blitzartig in Richtung der Bedrohung. Ihr Schlangen zeigten die Zähne und sie schrien ihren Zorn hinaus. Etwas Unsichtbares wurde sichtbar und ... es verwandelte sich in Stein.

Das war es also, die Kraft der Medusa.
...

Medusa: "Danke, hier bin ich wirklich gefährdet, denn ich bin nur ein gespiegelter Abdruck meiner Selbst. Ein virtuelles Bild, das Bewusstsein erlangt hat. Dabei lebe ich gar nicht, ich bin nur ein Bild eines wirklichen Wesens."

Gody: "Diese Welt, sie ist beschränkt. Ich erkenne ihre Grenzen."

Medusa: "Ja, das ist sie. Die gespiegelten Ereignisse hier drin, es ist nicht die Gesamtheit, nur ein Teil des Ganzen. Dadurch werden die realen Ereignisse unscharf und sie zerfließen, aber sie können sich nicht beliebig ausbreiten. Es kommt zu rekursiven Katastrophen durch Selbstspiegelungen an den Wänden der Welt.
Ich kann diese Welt nicht verlassen, dabei kennt mein ursprüngliches Selbst keine Grenzen.

Hier lauern tödliche Bedrohungen auf mich und irgendwann, irgendwann werden sie mich erwischen. Die Erinnerungen der Zeit an das Schicksal der Medusa, sie schaffen hier ihre Vollstrecker."

Gody: "Rekursive Katastrophe? Das kenne ich! Ich weiß nichts über Medusa. Ich selbst bin auf der Suche nach etwas Großem, das mir einst geholfen hat."

Medusa: "Ich spüre dich. Du kannst diese Welt verlassen. Was sind deine Probleme?"

Gody: "Mein Universum, es ist eingefroren in der Zeit. Ich kann es nicht wieder bewegen, ohne es zu verbrennen.  Und die vielen Schicksale darin, ich weiß auch gar nicht, ob ich es will.
Dadurch wird so viel Elend verhindert aber ... das Schöne, das alles ist auch nicht mehr. Ich weiß nicht, was ich tun soll."

Medusa: "Die Wehen der Existenz."

Gody: "Existenz? Ja, ich spüre sie, aber was bin ich nun? Ich habe mein Universum verlassen, dabei ist es doch ein Teil von mir."

Medusa: "Du bist ein gebundenes Wesen. Ja, ich sehe es jetzt. Die Blase aus Erinnerungen, die dich umhüllt, sie ermöglicht dir Existenz. Du lebst in deinen Erinnerungen, nur, wenn sie alle aufgebraucht sind, nichts Neues mehr schaffen können ..."

Gody: "Und dann? Werde ich dann sterben? Und mein Universum? Wird es dann einfach aufhören zu existieren?"

Gody sah mit einem mal ganz traurig aus und ... sie musste weinen.

Medusa: "Liebe Gody. Du bist nicht allein, nur, ich bin nur ein Schatten meiner Selbst. Vielleicht kann ich dir helfen, wenn du mich in dich aufnimmst, die Zeit in deinem Universum wieder bewegen, ohne dass es verbrennt ... aber besser wäre es, du würdest mein wahres Selbst finden."

Gody: "Dein wahres Selbst? Ein Wesen im Zeitstrom außerhalb dieses Splitters?"

Medusa: "Sie ist die Janine des Zeitstromes, des Zeitstromes, in den auch dein Universum eingebettet ist. Sie umfasst alles, Raum, Zeit und Materie."

Gody: "So viel und so groß?"

Medusa: "Lass uns gemeinsam nach ihr suchen. Du kannst mich in dich aufnehmen und dann können wir gemeinsam diese Blase verlassen."

Gody: "Und all die anderen Bewusstseine hier drin? Sind sie dann nicht ganz allein? Wer hilft ihnen dann noch gegen das drohende Ende?"
...

Gody schaffte es die Blase zu stabilisieren. Die vielen ungeordneten Bewegungen, sie beruhigten sich. Die Unschärfe der Wirklichkeit reduzierte sich auf ein erträgliches Maß. Hatte sie nun ihr neues Universum gefunden?

Gody: "Medusa, ich werde den ganzen Splitter in mich aufnehmen, dafür bin ich groß genug. Aber ich weiß nicht, was ich hier tue. Ich erhalte Bewusstseine ohne Leben, existieren sie überhaupt? Ja, es muss so sein, alles was denkt, es ist."

Medusa: "In dieser Sichtweise würde auch ein Bewusstsein existieren, das tot ist. Aber was nimmt es dann wahr?"

Gody: "Ich weiß, dass Leben verschwinden kann und Bewusstseine, sie können aufhören zu existieren. Aber Tote mit einem Bewusstsein? Das kenne ich nicht."

Medusa: "Es kommt vielleicht auf die Art der Wechselwirkung an. Wenn die Toten mit den Lebenden nicht wechselwirken? Ich erinnere mich an eine Legende. Sie erzählt über ein Wesen des Todes, Persephonia, aber ich kenne sie nicht."

Gody: "Persephonia? Ich erfahre hier Dinge ... Es macht mir auch Angst. Mein bescheidenes Universum mit seinen Zyklen von Geburt und Tod ... es gab mir so viel Sicherheit. Aber hier, es droht alles grenzenlos zu werden ..."

Medusa: "Die Unendlichkeit ist nicht strukturlos. Du darfst sie nicht berühren, aber das weiß sie und sie will dich nicht vernichten. Daher ist sie für dich nicht fassbar. Aber bei dem Potential, das du hast. Habe keine Angst, du bist noch nicht am Ende, du musst nur bereit sein, neues aufzunehmen. Das, was dich töten kann, ist ein Erstarren innerhalb deiner Grenzen, wenn du sie für unabänderbar und ewig betrachtest."

Gody: "Danke für den Zuspruch, Medusa. Ich nehme jetzt den Splitter in mich auf und damit auch dich und alle Bewusstseine hier drin."
...

Gody
gody

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