Arianne 219 - Romeo und Lisa
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Romeo und Lisa

Romeo mit seiner Familie beim Frühstück. Seine langen Haare hingen offen hinter ihm die Stuhllehne hinunter.
Papa Stoneface griff nach der Morgenzeitung. Etwas hatte seine Aufmerksamkeit erregt.

"Seht. In der alten Arena findet ein Haarfestival statt. Und was für eins! Erst werden die Preisträger ermittelt und anschließend dürfen sie ihre Haare spenden. Ist das nicht ein sehr schönes Ereignis?"

Prüfend schaute er Romeo an. Es wurde allmählich Zeit. Romeo war bereits 16, die Schulzeit ging zu Ende und er musste sich um eine Lehrstelle bemühen. Mit den Haaren??? Das würde niemals klappen.

Lisa konnte mir ihren Haaren die Fußknöchel streicheln. Im Stehen! Nein, das musste aufhören. Hatte er nicht neulich wieder mehr als 2 Stunden gebraucht, um den Abfluss im Bad zu säubern?

Und wer würde sie einstellen? Sie mit ihren 17 Jahren. Sei einem Jahr war sie nun schon auf der Suche nach einer Lehrstelle.

Und weiterführende Schulen?

Auch das noch. Nein, die würden ihm noch etwas vorlesen und sich schlauer fühlen. Er hatte bereits genug Geld investiert. Sollten sie endlich eigenes Geld anschaffen.

Anschaffen?

Nicht was du denkst. Pfeifenkopf.

"Lisa und Romeo, das ist genau das Richtige für euch. Endlich habt ihr einen Grund, diese elendigen langen Haare loszuwerden und dann als nützliche Mitglieder unserer Gemeinschaft tätig zu werden."

Beide schauten ihn an, irgendwie betroffen. Es hatte ihnen so viel Mühe gekostet, die anderen Familienmitglieder davon zu überzeugen, wie sehr sie ihre Haare liebten. Und nun dieses, einfach alles weg, nur wegen einem Artikel in der Zeitung?

Was waren die ganzen Kompromisse und Versprechungen dann überhaupt wert?

Romea: "Nein, wir möchten das nicht."

Papa Stoneface schaute ihn nur strafend an.

"Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, habe ich hier noch zu bestimmten. Und ich sage, die Haare kommen ab."

Mama Stoneface: "Seht nur, was für eine Freude du damit machen kannst! Sei doch nicht so egoistisch, du brauchst die Haare doch gar nicht. Und die armen krebskranken Kinder, sie haben sie so nötig."

Lisa: "Aber, die Haare werden doch gar nicht für krebskranke Kinder verwendet ..."

Papa Stoneface: "Schweig! Bring diese wundervollen Menschen nicht in Mißkredit. Was verstehst du schon davon. Nach dem Frühstück, wir fahren gleich los. Das Ereignis läuft bereits. Wir wollen doch nicht die letzten sein! Denkt doch auch einmal an die Nachbarn. Wie stolz werden sie auf euch sein!

Dann hat das ewige Haarewachsen endlich einen Sinn bekommen."

Papa Stoneface war von kräftiger Gestalt und er setzte diese Kraft auch ein, wenn er es für notwendig hielt. So griff er nun Romea und Lisa jeweils an einem Arm.

"Ins Auto mit euch. Umziehen braucht ihr euch nicht. Nur die Haare solltet ihr mitnehmen."

War das nun als Witz gedacht?

"Nein, wir wollen das nicht!"

Patsch. Das saß. Eine Ohrfeige rechts, eine links.

Nun saßen sie in dem Auto. Papa und Mama Stoneface vorne.

...

Das Auto hatte Papa Stoneface direkt bis vor die Bühne gefahren. Ja, es war ein Festival. Rundherum saßen mehr als 2000 Menschen auf den Tribühnen und schauten zu ... oder warteten darauf, an dem Ereignis teilnehmen zu dürfen.

Die meistend der Zuschauer hatten sehr kurze Haare. Die wenigen Langhaarigen dazwischen, na ja, man wusste schon. Nicht mehr lange, und sie zählten dann auch zur großen Gemeinschaft.

Romeo und Lisa stiegen aus, d.h., eigentlich wurden sie aus dem Wagen hervorgezerrt. Sah denn niemand, dass ihnen hier Gewalt angetan wurde?

Nein, die Zuschauer sahen nur die langen Haare und dachten wohl an das, was nun geschehen würde. So gab es dann auch Beifall und motivierende Zurufe.

So wie die Kommentare in der Nachbarschaft oder in manchmal in der Schule?
Diese Menge hier war ruhiger. Es gab keine negativen Kommentare. Warum auch.

Nun standen Romeo und Lisa auf der Bühne. Endlich wurden sie losgelassen. Weglaufen konnten sie wohl nicht mehr.

"Was für wunderschöne lange Haare ihr habt. Das wird eine besondere Freude für diejenigen sein, die auf eure Haare angewiesen sind."

Madame Hairlove hantierte bereits mit einer Schere in der Hand.

"Eure Haare sind so lang, wir werden sie euch im Stehen abschneiden. Das Ausmessen können wir uns schenken, ihr habt ohnehin gewonnen und somit dürft ihr auch die ersten sein ... "

Es wurde gar nicht gefragt, auf welcher Länge die Haare abgeschnitten werden sollten. Zum Spenden waren doch gerade mal 30 cm gefordert. Man würde ihnen die Haare einfach im Nacken abschneiden. Das gab dann sicher den größten Beifall.

Aber zuerst mussten sie zusammengebunden werden, aber, Madame LoveHair wollte gleich eine Probe nehmen. Denn einmal angeschnitten ...

Ungefragt griff sie nach den Haaren von Romeo.

"Aua!" Sie ließ die Schere fallen.

"Deine Haare, sie sind elektrisch aufgeladen! Was für eine ungeheure Frechheit. Wo sind die Drähte?
Dafür werden wir dir die die die ... Haare bis auf den letzten Millimeter abscheren!"

Romeo konnte doch gar nichts dafür. Er hatte keine Drähte in die Haare eingesponnen.

"Was ist mit Lisa?"

Der gleiche Versuch, das gleiche Ergebnis.

"Da wird doch wohl ..."

Lisa. "Dann lasst uns doch einfach gehen."

Das war noch nie vorgekommen, dass jemand mit langen Haaren diese Bühne wieder verlassen hatte.

"Nein. Setzt euch auf diese Stühle. Wir werden eure Haare eingehend untersuchen."

Romeo: "Sie haben keine Polizeigewalt ..."

"Ist dort ein Polizist in der Menge ..."

...

"So, nun setzt euch. Ihr seid vorläufig festgenommen, wegen Austeilung elektrischer Schläge an die Veranstalter. Die Untersuchung der Haare wird an Ort und Stelle vorgenommen."
...

Romeo und Lisa standen immer noch. Kräftige Hände griffen nach den beiden, setzten sie auf die Stühle. Oh ja, Helfershelfer für Gewaltanwendung waren so leicht zu finden.

Diese Haare. Das war schon etwas seltsam. Zunächst einmal wurden die Haare ausgiebig betrachtet, ausgeleuchtet, niemand wagte sie direkt anzufassen.

"Wir sollten einen Schneideroboter einsetzen, der einmal quer über den Skalp fährt."

Gesagt, getan. Der Roboter näherte sich den beiden und ...

"Was habt ihr getan! Der teure Roboter ist nur noch Schrott!"
...

Von der zuschauenden Menge gab keine Kommentare. Die Leute staunten oder einfacher ausgedrückt, gafften nur noch.

"Im Nahmen der Staatsgewalt ..." Ach ja, festgenommen waren die beiden ja schon.

"Ich habe Verstärkung angefordert."

Eine Hunderschaft näherte sich der Bühne. Ja, man konnte mit solchen Hexen nicht vorsichtig genug sein.

Hexen?

Natürlich, was hier geschieht ist doch wohl Zauberei.

Aber Hexen gehören ins Mittelalter ...

Und was ist, wenn zwei davon übrig geblieben sind?

Der Dialog zwischen den Exekutivorganen.

"Ihr da, wir fordern euch auf in den Mannschaftswagen zu steigen."

Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, zog er seine Pistole. Aber das war nicht die einzige Waffe, die auf die beiden gerichtet wurde.

Nun wurde es allmählich dramatisch. Wenn einer von denen die Nerven verlor...
...

"Wir gehen ja schon. Steckt doch bitte die Waffen ein. Wir tun euch doch nichts."

Finstere Blicke. Keine der Waffen wurde gesenkt. Wenn jetzt so ganz aus Versehen eine Maschinenpistole losging ...

Romeo und Lisa im Mannschaftswagen.

Wo fuhr der denn hin?

...

Im Institut für Parapsychologie, Parakinetik und supernatürliche Kräfte. Beide eingesperrt in einen Käfig aus Metall. Ein  Faradayscher Käfig. Sollte der vor parakinetischen und sonstigen Dingen schützen?

Nun, was gegen elektromagnetische Wellen und sogar gegen Blitze hilft, das wird doch wohl auch ...
Aber die beiden, es sind doch nur die Haare, die eigentümlich sind. Und auch nur, wenn man ihnen mit der Schere ...

Papalapapp.

Ein Exorzist saß im Nebenraum. Man konnte ja nie wissen. Die alten Hexenbücher ... Obwohl, von den Haaren war da nicht viel die Rede. Eher von fliegenden Besen, krummen Nasen und ...

Hexen haben rote Haare!

Mmmh. Die von Romeo sind braun und die von Lisa ...blond.

"Also ihr beiden, nun erzählt man ganz ruhig."

"Was denn?"

"Was hat es mit den Haaren auf sich?"

"Wir wissen es nicht."

"Und warum sind sie dann so lang?"

"Wir lieben unsere Haare."

Mmmmh. Was es für eigentümliche Formen von Liebe geben an. Nun ja, manche lieben ja auch ihren Aschenbecher.

Der Stand auf dem Tisch, voller Kippen. War denn das Rauchen nicht verboten, hier in der Klinik? Für die Parapsychologie galten wohl besondere Regeln.

"Euch ist doch wohl klar, dass wir dies nicht durchgehen lassen können. Ihr bleibt so lange in dem Käfig, bis die Dinge geklärt sind."

Es wurde Nacht. Romeo und Lisa alleine im Käfig.
...

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