Arianne 223 - Haare zum Verkauf

Home Mobil   Home PC
nächste Seite

Haare zum Verkauf

"Hanna, wo bist du?"

"Ich komme ja schon."

Was wollten die nur von ihr? Langsam ging sie in Richtung des Wohnzimmers, ganz in Gedanken versunken. Und dort drin?
...

Schreck! Ein Haarekäufer. Verdammt! Einen Kunden und einen Kameramann hatte er gleich mitgebracht.
Die wollten ein Video machen.

"Ach, da bist du ja endlich."

Ihre Familienmitglieder. Angetreten zum Haarappell. Die Haare bereit zum Verkauf. Ja, es war üblich in diesen Zeiten, aber warum gerade heute? Damit hatte sie nicht gerechnet. Der Kunde war gleich mitgekommen. Hier konnte er die Haare an Ort und Stelle abschneiden.

Wer war nun die Nächste?

Annabella stand dort mit hüftlangen Haaren. Ach, sie hatte die Hälfte ihrer Haare abgeschnitten. Bestimmte nicht aus Spaß, damit war sie nur kurzhaariger geworden. Und Jena? Nun mit einem polangen Pferdeschwanz. Wo waren die bodenlangen Haare hingekommen?

Damit hatte sie heute keine Chance mehr. Der Langhaarwettbewerb war gewonnen. Dafür durfte sie sich die Haare bestimmt gleich an Ort und Stelle abschneiden lassen.

Aber wenn man genau hinschaute, die Enden der Haare von Annabella und Jena, sie waren gar keine richtigen Enden. Versteckte Haare! Nein, so etwas!

"Wow, was für Haare. Damit habe ich gar nicht gerechnet. Dafür zahle ich dir 150 Solär. Na, ist das nichts?"

"Für jeden Zopf einzeln?"

"Natürlich nicht. Für beide Zöpfe."

Aha.

Die Würfel waren gefallen. Sie war diejenige, die ihre Haare heute verkaufen musste. Die anderen waren noch einmal davongekommen, bis zum nächsten Besuch. In ein paar Monaten vielleicht.

Beim letzten Besuch der Haaresammler in der Schule, damals hatte sie ihre Haare sehr gut versteckt. Gerade einmal bis Mitte Rücken hatten sie gereicht.
Sie wolle ihre Haare erst einmal ein paar Jahre wachsen lassen ... und niemand hatte sie verraten.

Die Gewinnerin des Langhaarwettbewerbs. Sie durfte dann ihre Haare gleich an Ort und Stelle verkaufen und abschneiden lassen.
Durfte? Ihre Familie hatte kein Geld mehr zum leben. Und arme Menschen mit schönen langen Haaren?

Damit waren sie einfach noch nicht arm genug. Solange es für irgendetwas noch Geld gab. Aber die Menschen, sie lernten ihre Haare zu verstecken. Sie wollten sie nicht aufgeben.

Die Gewinnerin des Langhaarwettbewerbes. Plötzlich war sie verschwunden, sie kam erst gar nicht zur Siegerehrung. Und all die anderen zweiten Plätze?
Mit einem mal war der Raum fast leer. Bis auf ein paar kurzhaarige Schülerinnen. Die Gewinnerin hatte dann gerade mal 10 cm lange Haare.

Nun ja, der nächste Versuch. Jetzt hier, an diesem Ort.

Der Frisierstuhl in der Mitte des Raumes. Hanna setzte sich, die Haare nach vorne gelegt. Sie hielt sie fest in ihren Händen. Dann streichelte sie ihre langen Zöpfe, mal oben, mal unten, küsste die Haare mit ihrem Mund.

Und das alles mit einer Zärtlichkeit die berührte. Es musste ganz tief aus ihrem Inneren kommen.
Nun, warum nicht. Es wurde alles schön aufgezeichnet. Ob sie ihre Haare nun erst einmal öffnen sollte? Nein. Man hatte wenig Zeit heute, es musste schnell gehen.

Annaballa wirkte betroffen. So viel Liebe für lange Haare. Ja, sie verstand es. Sie öffnete ihre Haare und ... wie ein Wasserfall flossen sie hinunter, bis auf den Boden. Nein, nicht Hanna, sollte sie doch die Erste sein.

Nun wollte auch Jena ihre Haare nicht länger verbergen. Nein, Hanna durfte ihre Haare nicht hergeben. Ihre mehr als 2,50 m langen Haare, sie würde den Langhaarwettbewerb gewinnen.

Der Haaresammler bekam ganz große Augen.

"Wollen wir den Wettbewerb nicht noch einmal neu starten?"

Der Kunde widersprach. Nein, er wollte genau diese Haare haben, keine anderen.
Aber Hanna hatte doch gar nicht die längsten Haare? Und sie liebte ihre Haare doch so. Konnte er das nicht sehen? Die anderen waren vielleicht froh, ihre Haare endlich loszuwerden, für etwas Geld.

Loswerden? Wirklich?

Nicht wirklich. Aber sie hingen doch nicht so daran, wie Hanna. Und überhaupt, es gab einige kurzhaarige Mädchen im Dorf, die ihre superlangen Zöpfe nicht haben wollten. Sie fühlten sich viel wohler mit kurzen Haaren. Sollte man nicht vielleicht bei denen einmal anklopfen?

Nein, diese Haare hier!

Aber warum nur? Ist es nicht egal, von wem die Haare kommen?

Offenbar nicht. Die beiden wollten ihren Spaß dabei haben. Haarfetischisten! Und das war nun wirklich als Schimpfwort gemeint.
Sie wollten das Mädchen weinen sehen. Und der Kameramann würde das alles schön aufzeichnen und ins Netz stellen. Ja, dafür gab es das große Geld.

Nur, Hanna ergab sich nicht so einfach in ihr Schicksal. Sie hielt die Haare fest in ihren Händen, gerade dort, wo sie abgeschnitten werden sollten.

"Nun lass doch endlich die Haare los. So kann ich sie nicht abschneiden."

"Steck dir doch dein Geld in den Arsch. Ich will meine Haare nicht hergeben."

Spontan stand sie auf, schaute den Haareabschneider und seinen Kunden ganz böse an.

"Hanna, was erlaubst du dir!"

"Mama, halt den Mund. Es sind meine Haare!!!!. Wenn ihr sie haben wollt, dann müsst ihr sie mir  mit Gewalt nehmen. Aber ... ich werde mich wehren!."

Sie schleuderte einen ihrer Zöpfe direkt gegen die Hand mit der Schere.

"Auaaaaaa."

Die Schere lag auf dem Boden.

"Meine Hand, sie ist gebrochen!!!"

"Blödsinn, nur ein wenig verstaucht. Verschwindet endlich!"

Wie eine Furie stand Hanna im Raum. Wut und Aggressivität. Niemand wagte es, ihr zu widersprechen.
...

"Nun Hanna, die beiden hast du vertrieben. Die kommen bestimmt zurück, mit der Polizei und die wird dir dann von Amts wegen die Haare abschneiden. Was hast du damit gewonnen? Wir kriegen nichts dafür und du gehst ins Gefängnis. Wegen Körperverletzung. Wahrscheinlich werden sie uns allen die Haare scheren, zur Strafe, und kriegen tun wir nichts dafür.

Du weißt doch, der Aufruf des Bürgermeisters ... wir sollen die Haare lang wachsen lassen und dann verkaufen, damit Geld hereinkommt und nicht so viele von der Sozialfürsorge leben müssen. Sozialfürsorge für Frauen mit langen Haaren, die Geld bringen können, nein das geht nun überhaupt nicht."

Sollen die sich doch ihren Haaa...rz in den Arsch stecken.

Der arme Arsch, für was der alles herhalten muss...

Und was willst du dann tun? Auf der Straße leben, mit langen Haaren? Damit kannst du dir dann die Schuhe putzen.

Nein! Sie sind doch so schön warm und es ist kalt dort draußen ... Vielleicht findet sie jemand schön und spendet mir dafür eine Tasse Kaffee.

Und das jeden Tag?

Sie werden dir die Haare rauben, für ein paar Solär. Und wenn du Pech hast, damit du sie nicht wiedererkennen kannst, werden sie dich vielleicht gleich an Ort und Stelle umbringen. Wer soll dich und deine Haare auf der Straße  beschützen?

Die Oberen betrachten dich dann doch nur als Unrat, der verschwinden muss.

Arianne, sie wird es tun. Sie wird mir helfen!

Blah. Solche Hirngespinste. Muss es dir erst wirklich dreckig gehen, damit du deinen Glauben endlich aufgibst? Sieh die Wirklichkeit. << Wer die Fülle hat, dem wird gegeben werden. Und wer wenig hat, dem wird auch das wenige genommen werden. >> Steht irgendwo in der Bibel glaube ich.

Und die Alternative? Ich verkaufe meine Haare und im nächsten Monat ist das Geld schon wieder weg.
Dann sind Jena und Annabella dran. Meint ihr, in drei Monaten sind meine Haaare dann schon wieder lang genug, für den nächsten Deal? Vielleicht gehen sie uns dann an die Organe. Meint ihr, diese Wirklichkeit ist besser für uns?

Wir sind verloren, so oder so, wenn ... wenn ... ja, wenn sie uns nicht hilft.

Bitte, bitte, bitte, liebe Arianne, bitte hilf uns.
...

Ring Ring klopff klopff.

"Hier spricht die Polizei, öffnen sie sofort die Tür!!!"

Krach, die Tür wurde einfach eingetreten und 8 bewaffnete Polizisten stürmten in den Raum.

"Keine Bewegung. Legt euch flach auf den Boden und rührt euch nicht mehr."
...

Alle lagen nun flach auf dem Boden, bewacht von den Polizisten. Haareabschneider und Kunde betraten den Raum. Wo war denn der Kameramann geblieben? Ach ja, die Öffentlichkeit musste ja nicht alles sehen.

Dann, plötzlich eine Stimme aus dem Regal.

"Hey ihr, und was ist mit mir?"

Die kleine geflügelte Fairy auf der Kommodo neben der großen Uhr. Das musste von ihr gekommen sein.
...

Eine sprechende Fairy? Das war ja etwas ganz tolles. Die Polizisten waren erst einmal verdutzt, aber dann, sprechende Puppen gab es ja zu kaufen.
Nur diese hier, sie hörte gar nicht mehr auf zu reden.

"Was soll ich nur mit euch machen? Ihr setzt euren Willen mit Gewalt durch und lernt nur durch Bestrafung. Wozu habt ihr eigentlich Intelligenz mitbekommen? Nun denn, ihr werdet einfach vergessen, warum ihr hierhergekommen seit.

Der Haareabschneider und sein Kunde, sie werden vergessen, warum sie hier waren. Und niemand von denen, die mit euch zu tun hatten, wird sich daran erinnern, was heute passieren sollte. Diese hier, sie stehen unter meinem Schutz und ich bin eine Arianne Fairy.

Wenn es sein muss, werden sich die Dinge wiederholen, so wie heute, immer und immer wieder und ob es den Verlauf der Welt nun ändert oder nicht, ich mag euch und ich beschütze euch, und du Hanna, deine Erinnerung wird bleiben. Es ist eine Berührung mit Arianne. Du erinnerst dich an Dinge, die für alle anderen niemals geschehen sind und die niemals geschehen werden. Aber du als Naturwissenschaflerin ... ich denke, du wirst es verstehen."

Als Naturwissenschaftlerin? Arianne, eine Berührung mit Arianne? Ja, manchmal spürte sie ihre Arianne. Wenn sie so ganz allein für sich an sie dachte ...
...

Dinge, die niemals geschehen werden? Wurden nicht einfach nur die Inhalte der Gehirne verändert. Neue Verbindungen geschaffen, die alten verändert, ersetzt?

F: << Nein. Ich ändere den Verlauf der Zeit. Was geschehen war, es geschieht nicht. Nur du siehst noch, was einmal gewesen ist. Es sind Erinnerungen an eine Zukunft, die es niemals geben wird. >>

H: << Aber ... was ist dann meine eigene Wirklichkeit? >>

F: << Die Erinnerungen treten in den Hintergrund, wie ein Traum. Lerne deine eigene neue Welt kennen, so wie sie die anderen dir mitteilen. >>

H: << Ups. Das soll gehen? >>

F: << Denke parallel. Du kannst es. Du siehst die Zeit, wie sie einmal war und wie sie sich verändert hat. Keine Angst! Dein Gehirn wird lernen, damit umzugehen. Es ist dann wie ein Traum, an den du dich erinnerst. >>
...

H: << Aber das, was bereits geschehen war? >>

F: << Es ist ein Teil der Arianne und sie beendet es, in diesem Augenblick. Als wäre es nie geschehen. Ein Paradox, aber keine Angst, sie kann damit umgehen. Sie denkt die Wirklichkeit anders als sie war und der alte Gedanke, er bleibt in ihr. Er hat sein Ende gefunden.

Sie kann das einmal Geschehene annulieren, ohne sich selbst durch die Paradoxie zu zerstören, denn die Wirklickeit, es sind ihre Gedanken. Andere Wesen darin müßten sich mit parallelen Zeitströmen herumschlagen. >>

H: << Andere? >>

F: << Die Wirklichkeit hinter dem Wahrnehmbaren, sie ist unendlich und dort existieren unendliche Wesen. Dazu möchte ich nichts weiter sagen, es würde dich nur verwirren. >>

H. << Parallele Wirklichkeiten? Heißt das, eine Änderung der Raum-Zeit in der Vergangenheit erzeugt eine parallele Wirklichkeit? >>

F: << Wenn ein unendliches Wesen der Existenz die Zeit verändert ... es gibt dann eine Verzweigung. Was mit der alten Zeit passiert, es ist nicht so klar. Sie kann instabil werden oder einfach weiterlaufen, als wäre nichts geschehen. Es hängt von den Umständen ab. Die Wächter der Naturgesetze können die Änderungen wieder rückgängig machen. Arianne hat ihnen die Macht dafür gegeben. Aber diese Änderung hier, sie ist von ihr bestimmt, sie will es so. >>

H: << Aber wenn Arianne so viel Macht hat, warum gibt es dann so viel Elend in der Welt? >>

F: << Diese Frage wurde schon sehr oft gestellt. Es ist der freie Wille, Entscheidungen selbst treffen zu können. Die Existenz muss sich beweisen, vor Arianne. Die Selbstwechselwirkung darin, sie bildet Bewusstsein, Leben. All das kann sich nur beweisen, wenn es einen eigenen freien Willen hat.

Manchmal, manchmal geht es auch schief. Wenn sich absolute Machtstrukturen bilden. Sie kollabieren irgendwann wie die Schwarzen Löcher der Gravitation. Diese Entwicklungen sind für die Existenz verloren.

Oder die Wesen der Existenz schaffen sich eine eigene Hölle, in der sie dann zugrunde gehen. Auch dann sind sie für die Existenz verloren.

Aber auch darin gibt es Individuen mit Bewusstsein, Individuen mit Sehnsüchten, Gefühlen, sie leben. Manchmal gibt sich Arianne nicht damit zufrieden, dass die Seelen nach dem Tode zu ihr zurück kehren.

Warum sie dann eingreift und warum sie es so oft nicht tut, ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass Arianne verletztbar ist, in ihrer Seele. Und wenn sie die positive Energie des Lebens einfach nicht mehr geben kann, weil das Bewusstsein des Elends sie selbst zu zerstören droht?

Arianne ist aus dem Nichts entstanden und dennoch existiert sie schon immer und wird immer existieren. Verstehst du das? Also bitte, frage nicht weiter. Arianne offenbart ihre Existenz, wenn sie in die Welt eingreift, den Verlauf verändert, oder wenn sie duldet, dass eine Janine oder eine Jasmin es tut. Vielleicht ist das gefährlich für sie ... die Fluktuationen des Nichts sind nicht berechenbar. Sie erzeugen Wesen der Existenz und ich weiß nicht, ob sie diese Wesen auch wieder vernichten können. Und wenn selbst ein Wesen wie Arianne nicht mehr darüber weiß? Bedenke, sie ist allwissend. >>

H: << Fairy, du weißt so viel. Ich weiß nichts über Janines oder Jasmins >>

F: << Es sind Wesen der Unendlichkeit, die die Existenz gestalten. Du lebst darin, ausgestattet mit einer neuen Qualität, Intelligenz und Bewusstsein. Auch wenn es für dich nur endlich ist, du bist ein Teil der großen Gesamtheit des Lebens und du gestaltest es mit. Mit jedem Gedanken, mit allem was du tust. Du bist ein Teil der Antwort auf die Frage der Existenz, warum sie mehr darstellt als das Nichts. >>

H: << Aber ... das sind doch die anderen auch. Und ich? Warum darf ich so viel mehr erfahren? Ich bin doch nichts Besonderes. Es kann doch nicht nur wegen der Haare sein. >>

F: << Die Haare werden von so vielen als unbedeutend betrachtet ... Du liebst sie, weil sie sind. Ist denn diese Liebe unbedeutend? >>

H: << Nein, für mich nicht. Sie macht mich glücklich. Aber, es gibt so viel Schlimmes, dass man verändern muss ... >>

F: << Versuche deinen Teil dazu beizutragen. Akzeptiere das, was du an dir magst, als wichtig. Versuche es nicht wegzurelativieren, indem du meinst, es gäbe viel wichtigere Dinge, allein dadurch änderst du die Welt nicht. Arianne mag dich so wie du bist und sie möchte dich darin erhalten. Es ist ihr Wille. Darum hat sie hier eingegriffen. >>

nächste Seite