Arianne 224 - Sweety 06

Sweety: 01   07
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Im Innern der toten Ebene

Sweety: << Fährmann, wohin geht die Reise? >>

Fährmann: << Ich weiß es nicht. Dieser Fluß hat kein Ende. >>

Alena: "Mmmmh"

Otto: "Und wenn die Reise unendlich lange dauert? Wie lange können wir hier überleben, Sweetie?"

Sweety: << Macht euch darüber keine Sorgen. In meiner Gegenwart seid ihr unsterblich. Aber so lange will ich euch nicht warten lassen. Ich lote einmal die Tiefe aus. >>

Sweety expandierte in die Unendlichkeit hinein. Ein Teil von ihr blieb zurück, schließlich mussten die jungen Menschen und Fragile ja beschützt werden. Und die ganzen Zeitströme, die sie mitgenommen hatte.

Sweety hat ihre Zeitströme mitgenommen?

Ja.
...

In der ersten Stufe der Unendlichkeit, nichts als Leere. Dann die zweite Stufe, das Kontinuum. Wieder nichts. Irgendwo musste doch ein Echo von Janina und Jasmina vorhanden sein?

Sweety wechselte die Kontinua. Dann fand sie den Tod.

Den Tod? Den hatte doch Weepy ersetzt?

Für Ariannes Ebene mag das ja gelten, aber dort sind wir nicht mehr. Wir haben Ariannes Existenz verlassen. Und die vielen Toten hier ... Es wurde ja die gesamte Ebene vernichtet, in allen ihren Unendlichkeiten. Der Tod als Zusammenhang dieser Vergänglichkeit? Vielleicht ist es auch gar nicht der Tod, etwas anderes, das diese Vergänglichkeit als Erinnerung konserviert.

Sweety schickte ihre telepathischen Fühler aus ... und traf auf Erinnerungen. Sie sah eine brennende Ebene. Die Zeitströme brannten. Universen kollabierten oder erfuhren den finalen Endknall. Dann zerstrahlten sich die schwarzen Löcher. Sie verbrannten einfach. Vakuumfluktuationen, die neue Universen schaffen wollten. Sie vergingen in dem allgegenwärtigen Feuer. Im spirituellen Bereich, Panik und Schmerz überall. Intelligentes Leben wurde zu Staub. Ein unendlich große Schmerzwelle rollte auf Sweety zu.

Erschrocken zog sie sich wieder zurück.

Dieser Tod. Er verinnerlichte das Sterben einer ganzen Ebene.
...

Der Tod erkannte ein fremdes Wesen der Unendlichkeit und er berührte sie.
Nichts geschah. Sweety hatte nur ihre toten Teile expandiert.

Gespenster wurden sichtbar. Todesfairies umrahmten Sweety und wollten sie abtransportieren. Aber ... es gelang ihnen nicht. Sweety war für sie nicht erreichbar. Sie fanden nur den Tod ... aber der hatte sie doch gerufen?

<< Wo soll es denn hingehen? >>

Sweeties toter Teil begann mit dem Tod zu interferieren. Das konnte ihr gefährlich werden. Wenn ihr bewusstes Sein diese ganzen Erinnerungen wahrnehmen würde ... Sweetie erkannte, das würde sie nicht überleben. Sie koppelte sich ab, kein Informationsfluss mehr aus dem toten Teil.

Die Interferenzen. Sie versuchte sie so zu steuern, dass sie destruktiv auf den Tod wirkten.

Schlagartig verschwand er und seine Armee der Finsternis.

Hatte sie ihn nun ausgelöscht, oder war er geflüchtet? Sweety spürte ja nichts mehr aus ihrem toten Bereich. Vielleicht hatten sich die beiden Teile gegenseitig ausgelöscht?

Vorsichtig öffnete sie sich wieder den Toten. Nein, es gab sie dort noch, ohne Bereichsverluste in den Unendlichkeiten. Der Tod musste geflüchtet sein.

Nun denn, zu irgend etwas musste dieser Teil in ihr doch auch von Nutzen sein.

Sweety begann weiter zu suchen.

Kann sie denn die ganze Ebene erfassen?

Zumindest durchsuchen. Sweety ist ein Wesen der Existenz, das zu über 90 % tot ist. Und dieser Teil ist richtig tot, kein transzendenter Bereich wie er Weepy und Persephonia ausfüllt. Daher kann er auch nicht mehr sterben. Der lebende Teil von Sweety, er kommuniziert damit. Es ist wie die Kommunikation eines lebenden Wesens mit den Toten.

Zu 90% tot? Was sind denn 90% eines unendlichen Wesens?

Das ist immer noch unendlich.
Betrachte z.B. die Menge der geraden natürlichen Zahlen, sie machen 50 % der natürlichen Zahlen aus, dennoch sind es unendlich viele.

Mmmmh.

Bei den Primzahlen ist es schwieriger. Ihre Häufigkeit nimmt mit der Größe der Zahlen ab. Am Ende sind es vielleicht nur 0 % aller natürlichen Zahlen, dennoch gibt es sie.

<>

Der tote Teil von Sweety, wie kann er eine Wellenfunktion bilden? Die braucht man doch für Interferenz.

Auch Sweetie hat Informationen in sich drin, die ihren Tod betreffen. Es ist wie mit den Photonen. Die Informationen breiten sich wellenförmig aus und sie können als Quant materialisieren. Dieses Quant ist dann ein totes Wesen, mit dem sie kommunizieren kann.
...

Sweety sah Untiefen in der Unendlichkeit, in die sie sich nicht hineintraute. Allein das war schon ungewöhnlich. Sie empfand Angst, wenn sie dort hineinschaute. Woher kam nur die Angst? Ob die Ebene ihr das mitteilte?

Gab es hier einen positiven und einen negativen Teil, wie einst in Ariannes Ebene? Oder mündeten die Untiefen in Bereiche der Nichtexistenz?
Oder gab es Bereiche, in denen die Angst sich als spirituelles Wesen manifestiert hatte? So wie der Tod?

Sweety erkannte Singularitäten des Wirklichen. Ob sich dort Bewohner hineingeflüchtet hatten, als die Ebene brannte? Singularitäten waren gefährlich, sie konnten jedes Wesen in unendlich kleine Teile zerfetzen und diese dann über die gesamte Ebene verteilen.

Daneben gab nur endlose Leere, in allen Stufen der Unendlichkeit. Warum waren die nicht längst kollabiert, was stützte sie noch?

Dann spürte sie einen Impuls, einen Gedankenfetzen. Jasmina! Er musste von Jasmina stammen!
...

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