Arianne 234 - Firefly

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Rück-Link: Die Tote Ebene 01

Firefly

Eine Geschichte aus der Vergangenheit der toten Ebene.
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Die Ebene brannte. Feuer, das endlich nicht mehr beschreibbar war. Unendliche tosende Gewalten.

Aber wenn es so war, dass es nicht mehr beschrieben werden konnte, woher wußte man dann davon?

Von außen betrachtet ...

Nein, von außen betrachet wird alles klein, wenn man nur weit genug davon entfernt ist.

Und ein unendliches Feuer?

Erfordert eine unendlich entfernte Weite. Die muss es auch geben, sonst würde es alles verschlingen.
...

Also, das unendliche Feuer, aus unendlicher Entfernung betrachtet?

Eine einfache Unendlichkeit reicht da nicht. Innerhalb der Ebene konnte man auch in der Unendlichkeit dem Feuer nicht entkommen.

Wenn da nicht ...

Ja, ich weiß. Eine Janine hat überlebt. Und dann gibt es da noch eine SofXty.

Weißt du eigentlich, warum sie überleben konnten? Und bist du sicher, dass es die Einzigen geblieben sind?

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...

Mit dem Feuer gewann er an Gestalt. Je mehr es sich ausbreitete und verdichtete. Als es groß genug geworden war, um durch alle Stufen der Unendlichkeit zu reichen, da gebar das Feuer einen Geist. Einen Geist, der sich selbst bewusst wurde.

Zunächst war er namenlos. Er erkannte sich als das Feuer, das aus der Vernichtung einer Ebene entstand. Dann sah er die Gespenster, die durch das Feuer drifteten. Die Geister der Toten. Tote, die keine Ruhestätte mehr finden konnten, denn auch die brannte. Er erkannte die Fragmente von Erinnerungen und machte sich daraus ein Bild von dem, was vorher einmal gewesen sein konnte. Eine merkwürdige Welt. Ganz kalt und statisch, so schrecklich bewegungslos. Eingefroren, bewegt durch eine Zeit, die irgendetwas in sich hatte, das anders war ... Etwas Lebendiges, ein Wesen mit einem Bewusstsein. Ja, das musste es gewesen sein.

Wie war das nur möglich, bei so wenig Veränderung, so langsamen Bewegungen? Hier im Heute und jetzt war alles ganz anders. Es gab keine Ruhepole, keine Vereisung, nur unendlich starke Ströme von Feuer. Aber ... mussten die nicht irgendwann einmal ein Ende finden, wenn es kein Brennmaterial mehr gab? Wenn Raum und Zeit und Materie verbrannt waren?

Das Wesen des Feuers erkannte, dass seine Existenz endlich sein musste. Trotz der Unendlichkeiten, die es wahrnehmen konnte. Sollte das Feuer erlöschen, dann würde er einfach davondriften, aufhören zu denken und sein Eigenbewusstsein verlieren.

Ein Fakt. Er nahm es zur Erkenntnis. Nicht dass ihn das beunruhigte, so etwas kannte er gar nicht.
Er war ja das Element der ultimativen Zerstörung, was sollte ihn da noch ängstigen.

Wenn es vorbei sein sollte, dann brauchte das Feuer auch kein Eigenbewusstsein mehr. Erstaunlich nur, dass eine unendliche Ebene in endlicher Zeit verbrennen konnte.
...

Aber dieses Wesen in der Zeit, es machte ihn neugierig. Denn auch er hatte ja ein Eigenbewusstsein.
Da war noch mehr. In ihrer Zeit musste viele kleine Wesen existiert haben, mit einem eigenen Bewusstsein. Aus den Erinnerungen der Gespenster entnahm er Begriffe. Leben. Sie hatten gelebt. Und sie hatten eine Seele. Oh, wie gerne hätte er eins dieser Wesen kennengelernt. Sie faszinierten ihn. Aber das Feuer, das ihn ausmachte und begründete, es lies solche Wesen nicht zu. Zum erstenmal erlebte er so etwas wie Frustration.
...

Er schaute sich um, in der brennenden Ebene.
Da war doch noch etwas! Noch war nicht alles verbrannt. Es gab einige Inseln... In seinem Bewusstsein waren sie dunkle Flecke. Wenn er sie einfach besuchen würde ... nein, dann würden sie sofort verbrennen. Er musste aus der Ferne heraus damit in Kontakt treten, er brauchte ... ja, paranormale Energie. Die fluktuierte in Massen um ihn herum. Herrenlos, ziellos, auf dem Feuer reitend, ohne eigenes Bewusstsein.

Wirklich? Er war das Bewusstsein des Feuers. Ob die paranormale Energie ihn dafür geschaffen hatte? Konnte sie für sich selbst kein Bewusstsein entwickeln?

Irgendwie sah es so aus. Nun gut. Er versuchte sie einzuatmen ... und ... es ging. Bereitwillig floss sie auf ihn zu, die paranormale Energie. Er pumpte sich voll damit ... nicht genug, dass er schon einen unendlich großen Teil davon in sich trug. Er wurde süchtig danach und verschlang dabei auch gleich einige der Gespenster.

Nein, das wollte er nicht. Diese Schreie. Die Gespenster waren einfach verbrannt. Aber warum brannte die paranormale Energie nicht?
Nun gut, sie war wohl aus einem anderen Stoff gemacht. Sonst würde es ihn gar nicht geben.
...

Eine der dunklen Inseln. Sie war von allen Seiten vom Feuer umzingelt. Nicht mehr lange ... Nein!
Er wollte das nicht ... und wies das Feuer zurück. Es wich von dannen, als wenn die Insel aus Wasser bestehen würde.

Wasser? Er kramte in den Erinnerungen, die durch das Feuer tobten. An Wasser dachte keines der Gespenster. Wo kam nur dieser Begriff her?
Nun gut, er musste nicht alles wissen. Er hatte Macht über das Feuer, das genügte erst einmal. Warum auch nicht, er als Eigenbewusstsein des Feuers.

Dann sah er die kleinen Wesen in der gerade geretteten Enklave. Sie waren so schrecklich hilflos, so hilflos den Gewalten ausgeliefert, die um sie herum tobten. Aber er mochte sie. Noch ein Gefühl, das plötzlich da vor. Er mochte die Gefühle und erkannte, es war das Verständnis für die kleinen Wesen, die dieses Gefühl ausmachte. Er fühlte mit ihnen und es wurde ihm bewusst.

Dazu also brauchte man ein Eigenbewusstsein.

Er würde sie beschützen. Nein, sie sollten nicht verbrennen. Dabei hätte er alle dunklen Flecken vernichten müssen, um ewig leben zu können.

Eine Illusion. Er wollte das gar nicht. Warum sollte das Eigenbewusstsein des Feuers unendlich wären? Irgendwann war doch alles verbrannt.
Oder entstand in den dunklen Flecken wieder etwas Neues, das später einmal verbrennen würde, dem Feuer neue Nahrung brachte?

So war das also. Wenn er genug kleine Wesen am Leben erhielt ... die dann später ...
Nein! Er mochte diese Gedanken nicht. Seine Macht war ja bereits ultimativ und unbegrenzt. Was sollte er in der Unendlichkeit noch anstreben? Immer nur Zerstörung? Einen ständigen Zyklus von Werden und Vergehen installieren? Nur um selbst ewig existieren zu können?

Existieren? Das Feuer existierte und war somit ein Teil der Existenz, die gerade verbrannte.
Aber wenn die Existenz verbrannte ... dann konnte doch auch ein existierendes Feuer nicht ewig sein!

Es würde ausgehen.

Und dann?

Tot. Alles tot. Keine Chance auf einen Wiederbeginn.

Diese Aussicht, er mochte sie nicht. Nein, er würde jetzt Schicksal spielen. Wenn diese dunklen Enklaven das Feuer überstehen würden ... dann gab es ...
Nicht für ihn! Aber für die anderen. War es nicht besser, sie würden neu beginnen zu existieren als dass alles tot und unveränderbar war?

Von Vakuumfluktuationen hatte er noch nichts gehört. Also denn ewigen Tod gibt es nicht.
Aber darum ging es hier nicht. Er mochte diese kleinen Wesen, die ihm so viele Gefühle gaben und er wollte, dass sie eine neue Chance bekamen. Ja, gerade diese kleinen Wesen, nicht irgendetwas Neues geschaffen aus Vakuumfluktuationen heraus. Pah! Was war schon eine Vakuumfluktuation gegen das Feuer, das er repräsentierte!
...

Sie nannten ihn Firefly. So mochte er ihnen erschienen sein. Er sprach zu ihnen in Gedanken, manchmal direkt durch das Feuer, das sie lokal entzündet hatten. Beim Rauchen einer Zigarette. So mancher wurde dadurch spontan zu einem überzeugten Nichtraucher.  Er sagte ihnen, was sie tun mussten, um das Feuer zu überstehen.

Eine großes unendliches Wesen namens SofXty. Er gab ihr eine Idee, wie sie der Zerstörung entgehen konnte. Und eine Janine. Aber das war bei weitem nicht alles. Warum sollten nur so wenige überleben dürfen?

Er erkannte Macht in sich drin, das Feuer, es konnte die Existenz beenden, aber er hatte die Macht, es zu verhindern. Er als Widerpart des Feuers, oder als sein Erfüllungsgehilfe. Es lag bei ihm.

So ein Eigenbewusstsein war schon eine interessante Sache. Er kannte die Entscheidungsmöglichkeit. Nein, er wollte kein Teufel sein, der die armen Seelen nach ihren Gebrechen aussortierte. Er konnte die Zerstörung des Lebens nicht rückgängig machen, aber er konnte seine völlige Auslöschung verhindern. Und wenn es nur die Reflexion eines Traumes war, ein Schatten im Widerschein. Etwas, das ihm widerstehen würde. Er als der Gott des Feuers, er wollte etwas schaffen, dass ihm widerstehen konnte. Der Gedanke faszinierte ihn. So sollte es sein, er würde sie verstecken, bis zu einem Tag X, an dem das Feuer wieder erloschen war. Ein Tag, an dem es ihn nicht gar mehr geben würde.
...

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