Arianne 25 - Etienne

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Etienne

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Sie liebte ihre langen Haare, Haare, die ihre Seele streichelten.

Die Haare umrahmten ihren ganzen Körper, sie konnte sich darin einwickeln. Manchmal ruhte sie in den Haaren, stundenlang, und sie war so glücklich dabei.

Und es war so schön damit zu spielen, mit ihren Freundinnen und Freunden.
Alle liebten ihre Haare. Na ja, fast alle.

Der Vater mochte sie nicht, die langen Haare, aber er war meistens in der Welt unterwegs und die Mutter würde es wohl auch gerne sehen, wenn die Haare kürzer wären.

Aber man lies sie in Ruhe, bis heute.

Der Friseur ihrer Mutter hatte Geld geboten, für die Haare. Nun sollten sie ab. Für ein paar hundert Euro. So viel Schönheit, war es mit Geld überhaupt aufzuwiegen? Wahrscheinlich brauchte er die Haare für irgendeine Schauspielerin, vielleicht ein Film, in denen eine Fee vorkommen sollte. Eine Scheinwelt. Sie hatte die Haare doch hier, in der wirklichen Welt.

Alles musste jetzt so schnell gehen.

Morgen sollte sie schon zum Frisör. Sie hatte gar keine Zeit mehr, das mit ihren Freunden zu besprechen.

Nun war die Nacht vorbei.

Sie hatte bereits die ganze Nacht geheult, alles war nass von ihren Tränen.

Ihre Eltern lieferten sie persönlich dort ab.

Der Frisör.

Es war voll, aber sie kam sofort dran.

Der Frisierstuhl.

Nein, man wollte ihr die Haare im Stehen abschneiden. So stand sie nun da, teilnahmslos, hinter ihr die Eltern.
Sie war so unendlich traurig.

Der Frisör packte die Haare mit beiden Hände, band eine Schleife darum und schob den Kreis ganz nach oben, bis zum Haaransatz. Er wollte alles haben.

"Lasst ihr doch wenigstens schulterlange Haare", meinte die Mutter.

Frisör: "Ich möchte die ganzen Haare und lege noch einmal 150 Euro drauf, für die restlichen 10 cm"

Schweigen. Was zählte sie in dieser Runde. Sie war ja erst 14.

Etienne: "Wenn die Haare ab müssen, darauf kommt es dann auch nicht mehr an"

Sie schluchzte.

Der Frisör nahm sich eine Schere, wollte an den Haaren ansetzen.

Sie brach zusammen, lag auf dem Boden und weinte hemmungslos.

Ein Gast betrat den Salon, setzte sich auf einen freien Stuhl. Eine Frau mit einem riesigen Dutt. Man konnte nur erahnen, was sich an Haaren dahinter verbarg.

Mutter: "Mach nicht so ein Theater. Es sind doch bloß Haare. Wir bekommen einen guten Preis dafür. Du kannst damit zum Überleben der Familie beitragen. Die Haare wachsen ja wieder. Das Geld reicht sogar für eine Langhaarperücke, wenn auch nicht aus Echthaar"

Die Erwachsenen stellten sie wieder auf die Beine, die Mutter wischte ihr die Tränen aus dem Gesischt. Doch sie weinte hemmungslos, bebte am ganzen Körper.

"Die beruhigt sich schon wieder. Warten wir noch ein paar Minuten, dann ist sie ruhig."

Gast: "Wenn sie so an ihren Haaren hängt, müsst ihr ihr das antun?"

Vater: "Mischen sie sich da nicht ein, dies ist eine Familienangelegenheit."

Gast: "Wenn ich andere Menschen leiden sehe, versuche ich zu helfen."

Vater: "Diese Haare, wir brauchen das Geld, schließlich habe ich sie auch schon 14 Jahre lang ernährt. So ein Thesater wegen der Haare. Wenn sie ins Berufsleben eintritt, so kann sie da ohnehin nicht rumlaufen. Noch bestimme ich, was in der Familie geschieht"

Gast: "Wenn sie einem Menschen das nehmen, was er an sich wirklich liebt, was erwarten sie dann noch von ihm? Wenn sie es nur wegen des Geldes tun, das können sie auch von mir haben, ohne dass ich dafür die Haare fordere. Nein, ich geben ihnen das Doppelte, unter der Bedingung, dass sie ihre Haare behalten darf"

Frisör: "Sie, mischen sie sich da nicht ein. Sie treiben nur den Preis in die Höhe. Können sie überhaupt so viel bezahlen, das wären jetzt bereits 1150 Euro."

Der Gast griff in die Tasche, legte 2 nagelneue tausend Euro Scheine auf den Frisiertisch.

"Nehmen sie das hier, das Wechselgeld können sie behalten."

Sie gab das Geld dem Vater.

"Nun zeigen sie aber auch, dass sie es verdient haben"

Der Vater kämpfte sichtlich mit sich. Schließlich redete ihm jemand in seine Angelegenheiten hinein, Aber andererseits, er machte dabei ein besseres Geschäft. Nur die Haare sollten ohnehin abgeschnitten werden, so war es in der Verwandtschaft abgesprochen. Allen Mädchen wurden mit 13 die Haare abgeschnitten. Er liebte seine Tochter ja, dachte er, aber diese Haare, die mussten ab. Mit 14, die hätten schon letztes Jahr verschwinden müssen. Die Verwandtschaft nörgelte schon.

Vater: "Nein, die Haare müssen so oder so ab. Das ist einfach so, weil es schon immer so war. Dass wir dafür Geld bekommen können, warum soll man es nicht mitnehmen?"

Gast: "Sie sehen die Schönheit der Haare nicht"

Vater: "Er reicht jetzt. Halten sie sich da raus."

Frisör: "Verlassen sie bitte sofort diesen Salon, sonst rufe ich die Polizei."

Polizei.

"Bitte nehmen sie diesen Gast mit, er weigert sich zu gehen."

Polizist: "Was geht hier vor"

Gast: "Sie wollen dem Mädchen gegen seinen Willen die Haare abschneiden. Es wird der Kleinen das Herz brechen und niemand nimmt für sie Partei."

Polizist: "Das sieht mir eher so aus wie eine Familienangelegenheit. Da hat sich kein Fremder einzumischen."

Gast: "Nun gut, Argumente zählen hier wohl nicht. Etienne, willst du mit mir kommen?"

Vater: "Wollen sie meine Tochter entführen? Herr Polizist, bitte nehmen sie diese Person fest."

Aber der Polizist konnte sich nicht mehr rühren. Alles wirkte wie eingefroren in der Zeit. Nur der Gast und Etienne konnten sich bewegen. Aber alle anderen bekamen mit, was dort geschah.

Etienne: "Wohin? Sie wollten mir helfen, vielen Dank, aber ich kenne sie nicht. Sie wirken so sanftmütig und dabei wie jemand, bei dem man sich unendlich geborgen fühlen kann."

Gast: "Etienne. Keine Angst, ich will dir nichts Böses. Du kannst jederzeit wieder zurück, wenn du willst."

Etienne: "Ich spüre etwas, das ich sonst nicht kenne. Etwas großes, einmaliges. Die anderen wirken so eingefroren. Bist du ein X-Men oder ein Gott? Oder bin ich jetzt tot, gestorben an gebrochenem Herzen, weil die anderen so grausam sein wollten?"

Gast: "Wenn ich mich offenbare, es könnte wie Kitsch wirken. Ich kann dir das Universum zeigen, den Kosmos und ich kann dir darin eine Bestimmung geben. Aber sieh es dir selbst an, es ist für dich wie eine Reise in die Fantasie. Wenn es dir Angst macht oder du  nicht mehr willst, ich kann alles zurückdrehen. Nur, ich weiß, was sie hier mit deinen Haaren anstellen werden."

Etienne: "Wie heißt du."

Gast: "Arianne."

Etienne: "Arianne, ja bitte zeige es mir."

Arianne fasste Etienne leicht an der Schulter und weg waren sie.

Was blieb zurück? Eine Lücke in der Raumzeit. Vater, Mutter, Polizei und Frisöre, sie hatten den Gast und Etienne verschwinden sehen. Keiner würde ihnen das glauben. Die Eltern hatten ihre Familientradition verteidigt, aber eine Tochter verloren.

Arianne und Etienne.

Arianne zeigte ihr den Kosmos und die Janines.  Etienne war begeistert, so schön wie das alles war und wie groß. Warum gab es im kleinen nur so schreckliche Dinge? Ja, sie wollte eine Janine werden, auch wenn sie die Unendlichkeit ein wenig fürchtete. Aber sie hatte ja Arianne. Sie lernte Jasmin kennen und andere Wesen, die so waren wie sie.

Etienne



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