Arianne 26 - Die Reise

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Die Reise

Nun war es endlich so weit. Elisa konnte ihr kleines Raumschiff besteigen und in die Weite des Universums fliegen.

Das Ziel der Reise? Sie wollte die Unendlichkeit erforschen.

Das Schiff war wunderschön. Es erinnerte an die Blüte der großen roten Kugelrose und es hatte einen maximalen Durchmesser von etwas mehr als 5 Metern, genug Raum für sie und die wichtigsten Dinge, die sie mit auf die Reise nehmen wollte.

In diesem Zustand war es sehr komprimiert. Sie konnte es bis zu einer Größe von 120 m aufblähen. Waffen hatte sie keine an Bord. Sie wollte ja keinen Krieg führen. Wenn Gefahr drohte würde sie einfach fliehen. Oder sich tarnen.

Es gab ja eine Zeitmaschine an Bord, die das ganze Raumschiff erfassen konnte.

Das Schiff konnte Energie aufnehmen und in Materie transformieren, insbesondere konnte sie damit beliebige Nahrungsmittel herstellen. Die Energiereserven innerhalb des Schiffes waren auf 50 Jahre ausgelegt. Bis dahin musste sie eine externe Energiequelle gefunden haben.

Innerhalb des Universums war das kein Problem, aber sie wollte ja viel weiter hinaus, hinter die große Leere schauen.

Das Raumschiff bewegte sich durch den Raum im Strom der Zeit, in das auch ihr Universum eingebettet war.

Der Planet fiel hinter ihr zurück.

Sie genoss den Blick in den Weltenraum. Das Leuchten von tausenden von Sternen. Ja, sie flog ihnen entgegen.

Nun war sie bereits 3 Wochen unterwegs. Die Galaxis fiel hinter ihr zurück, eine phantastische riesige Scheibe. Sie bewegte sich nun im Lehrraum zwischen den Galaxien. Die Völker ihres Galaxienhaufens kannte sie ja schon, sie wollte etwas neues erleben.

Die Nachbargalaxis bewegte sich vorbei, immer tiefer flog sie hinein in die Weite.

Nach 2 Monaten hatte sie den Galaxienhaufen hinter sich gelassen. Nun befand sie sich in der großen Leere. Endlich konnte sie die Geschwindigkeit ihres Raumschiffes voll ausfahren. Sie legte Milliarden von Lichtjahren zurück, gelangte in den Grenzbereich ihres Universums.

Was nun? Das Universum lag hinter ihr. Ein statisches Universum, ohne Expansion und Kontraktion. Nun begann die wirklich große Leere. Ob es dahinter noch etwas gab? Ja, das wollte sie herausfinden.

Die Messinstrumente lieferten keinen Input. Gab es nichts mehr zu erforschen? Der Raum sollte unbegrenzt sein, nach den Aussagen der Wissenschaftler ihrer Welt. Also, in der Unendlichkeit konnten viele Welten verborgen sein.

Sie bewegte sich durch die kosmische Leere, ein halbes Jahr schon. Nichts schien sich ändern zu wollen. Ein bisschen hatte sie Angst verloren zu gehen. Noch hatte sie ja Lichtsignale von ihrem eigenen Universum, das jetzt schon mehr als 20 Milliarden Lichtjahre entfernt war. Ob die Lichtteilchen eine endliche Lebenserwartung hatten? Was wäre, wenn ihr diese Orientierung verlorengehen würde? Allein in der Weite des Nichts?

Nein, nur keine Panik aufkommen lassen.

Nach 2 Jahren immer noch nichts. War ihr Universum derart isoliert? Nun war sie bereits 278 Milliarden Lichtjahre entfernt. Und dann passierte es. Die Signale von ihrem Universum erloschen. Sie war allein.

Was sollte sie tun? Von außen gab es gar keinen Input mehr. Keine Signale. So konnte sie nicht zurückfinden und wusste nicht wohin.

Sie wusste noch nicht einmal, ob sie sich überhaupt noch bewegte. Es gab keinerlei Orientierung mehr. Nur die Eigenzeit in ihrem Raumschiff bewegte sich weiterhin.

Sie fühlte sich einsam. Ganz allein in der Leere, hunderte von Milliarden Lichtjahren von ihrem Zuhause entfernt.

Sie hatte sich zu weit vorgewagt, gestrandet in der Unendlichkeit. Es drückte ihr das Herz zusammen. Nein, dieses Gefühl war schrecklich, würde sie nun sterben?

Sie starb nicht, beschäftigte sich mit wissenschaftlichen Themen. Außerhalb des Raumschiffes nur Schwärze.

Alarm!

Sie schrag zusammen. Etwas beschleunigte ihr Raumschiff, eine externe Energiequelle? Sie sah nichts.

Analyse. Ein fremdes Graviationszentrum griff nach ihr. Ein schwarzes Loch innerhalb der großen Leere? Sie analysierte die geodätische Abweichung. Das Zentrum war nur 10 Millionen Lichtjahre entfernt und es kam rasend schnell näher. Ein zusammengebrochendes Universum?

Sie bewegte sich mit millionenfacher Überlichtgeschwindigkeit auf das Schwarze Loch zu. Sie hatte genug Energiereserven um sich zu befreien. Aber das musste schnell gehen, bei ihrer momentanen Geschwindigkeit. Nein, dieses Loch würde sie nicht fangen.

Puh. Schwarze Löcher in der großen Leere. So ganz leer war sie wohl doch nicht.

Aber sie war neugierig, bestieg ihre Zeitmaschine. Milliarden Jahre zurück.

Ein Lichtreflex. Sie hatte ein einzelnes Photon eingefangen.

Nun gut, sie bewegte sich in die Richtung des Photons. In dieser Zeit.

Dann hatte sie Kontakt. Ein fremdes Universum lag vor ihr, mit einem Durchmesser von 18 Milliarden Lichtjahren.

Bei ihrer Reise in die Vergangenheit musste sich die Raum-Zeit ganz schön ausgedehnt haben.

Das Universum war instabil. Die innenwohnende Materie würde es kollabieren lassen. Bevor dies geschah, würde aber noch einige Zeit vergehen. Sie flog hinein in das Universum, in Richtung der leuchtenden Materie.

Ein Planetensystem, von dem sehr viele Signale ausgingen.

Es musste sich um eine hochentwickelte Zivilisation handeln.

Sie flog den Zentralplaneten an. Ihr Sprachenanalysator arbeitete in Koordination mit einer Vielzahl von Messinstrumenten, die das Leben auf dem Planeten erforschten und die auch mit fremden Rechnersystemen kommunizierten. Dann hatte sie die fremde Sprache analysiert.

"Hallo, fremdes Raumschiff, bitte identifizieren sie sich."

Elisa: "Ich komme von weit draußen und würde gerne bei ihnen Station machen."

"Von weit draußen? Sie machen uns neugierig. Bitte folgen sie dem Leitstrahl, den wir ihnen zusenden werden."

Ihr Schiff wurde gescannt, nach Waffensystemen, vermutete sie. Und der Antrieb war natürlich interessant. Ein Quanten-Triebwerk. Es verwendete topologische Äquivalenzen, um sich fortzubewegen. Ja, Gemeinsamkeiten in der kosmischen Struktur, die nur scheinbar voneinander verschieden waren. Das Quanten-Triebwerk ermöglichte Sprünge durch die Raum-Zeit. Raumartige Bewegungen, ohne Zeitverlust.

Ein Hilfstriebwerk auf der Basis von Gravitation gab es auch noch. Falls die Gemeinsamkeiten irgendwann einmal zu Ende waren. Es suchte nach Potentialgefällen in geodätischen Linien und es konnte Wurmlöcher identifizieren, sie zur Fortbewegung benutzen. Auch diese Bewegungen erfolgten ohne Zeitverlust. In einer flachen Raum-Zeit funktionierte dieses Triebwerk allerdings nicht mehr.

Für diesen Fall gab es noch den Materie-Antimaterie-Antrieb, ein "Photonen-Schubtriebwerk". 10 % der Masse des Raumschiffes bestanden aus hoch komprimierten Materie-Antimaterie-Blöcken. Die Materie war dabei so ineinander verdrillt, dass Materie und Antimaterie nicht direkt miteinander reagieren konnten. Man konnte die Blöcke also nicht als Bombe verwenden.

Dieses Triebwerk konnte ihr Raumschiff beschleunigen. Allerdings nur auf Geschwindigkeiten unterhalb der Lichtgeschwindigkeit. Große Entfernungen konnten dennoch zurückgelegt werden, da der Raum durch die Beschleunigung kontrahierte, für sie als Insasse des Raumschiffes. Dabei gelangte sie dann aber auch in ihre eigene Zukunft.

Mit dem Quantentriebwerk hätte sie eigentlich zurückfinden müssen, wenn auch in vielen Sprüngen, nur, sie musste eine Raum-Zeit-Richtung vorgeben und die hatte sie jetzt leider verloren. Sie wusste ja nicht einmal mehr, in welcher Zeit sie sich befand. Und Richtungen des Raumes, sie befand sich in einem unendlich ausgedehnten dreidimensionalen Raum.

Sie parkte ihr vermeindlich kleines Raumschiff auf dem Raumflughafen. Nicht weit entfernt von einer Eingangsstation. Dort stand es nun. Wie eine blühende Rose. Es war wunderschön.

Der Planet schien recht friedlich zu sein. Man behandelte sie freundlich, gab ihr das Gastrecht und damit auch die Möglichkeit, außerhalb ihres Raumschiffes in einem Hotel zu wohnen, ohne dass hierfür Bezahlung verlangt wurde. Nur, mit den Wissenschaftlern des Planeten hatte sie einige Termine zu absolvieren, man wollte ja dazulernen.

"Sie kommen von jenseits der großen Leere. Es gibt viele verschiedene Universen, die dafür in Frage kommen."

Elisa: "Nun ja, ich kann auch nicht mehr so genau sagen, aus welcher Richtung ich gekommen bin."

"Wir haben ihren Antrieb analysiert. Sie sagen, dass sie das Materie-Antimaterie-Triebwerk verwenden mussten, da die anderen Komponenten versagt haben. Es herrschte eine flache Raumzeit vor und es waren keine quantenmechanischen Koinzidenzen mehr identifizierbar. Das heißt, wir haben uns unabhängig voneinander entwickelt. Das ist in der Unendlichkeit vielleicht nichts ungewöhnliches. Aber mit diesem Triebwerk erzielen sie hochrelativistische Geschwindigkeiten. Sie müssen in der Zukunft gestrandet sein."

Elisa: "Das Raumschiff ist auch eine Zeitmaschine. Ich habe sie in der Vergangenheit gefunden."

"Vielleicht nur vermeindlich. Möglicherweise haben sie die Reise in die Zukunft damit nur wieder ausgeglichen. Aber das wissen wir nicht so genau. Was haben sie denn in der Zukunft vorgefunden?"

Elisa: "Nichts. Ein endloses Nichts und ein sehr massereiches großes Schwarzes Loch. Ich bin nahe an seinem Ereignishorizont vorbeigeschrammt."

"Das heißt, in der Zukunft geht alles verloren, was wir heute haben? Nun gut, das können Milliarden Jahre gewesen sein, aber es betrübt uns doch etwas."

Elisa: "Na ja, die Zukunft ist nicht deterministisch. Vielleicht war das auch nur eine Warnung. Aber wenn sie so viele Universen erfasst?"

"Wir wissen, wie sich einzelne Universen entwickeln können, aber ein Zeitstrom in seiner Gesamtheit? Da müsste man schon eine Janine fragen."

Elisa: "Eine Janine?"

"Ein höheres kosmisches Wesen, ein Wesen der Unendlichkeit. Aber Janines sind nur eine Legende, die Legende von Alphatos, wahrscheinlich nur eine Fiktion, ein Märchen für Erwachsene. Sie sollen das Leben in den Zeitstrom hineingebracht haben."

Elisa: "Höhere kosmische Wesen? In meinem Universum gibt es nur technische Zivilisationen."

"Höhere kosmische Wesen haben wir hier einige. Manche halten sich für Gottheiten, es sind aber nur vergeistigte hoch entwickelten Zivilisationen. Sie verfügen über natürlich gewachsene paraphysische Fähigkeiten, das hält sie auch irgendwie zusammen, denn körperliche Wesen, an Materie gebundenes Leben stellen sie nicht mehr dar."

Elisa: "Paraphysik ist ein Teil unserer Technologie. Ich habe einen Parachip implantiert bekommen, mit dem ich solche Kräfte bewirken kann."

Ein Stuhl schwebte plötzlich in der Luft und wurde dann sanft wieder abgesetzt.

"Bitte lassen sie das. Wir haben ein Alarmsystem, mit dem wir uns gegen paraphysisch begabte Wesenheiten zur Wehr setzen können."

Elisa befand sich plötzlich innerhalb eines Energiefeldes, das sie völlig lähmte. Es verschwand dann wieder.

Elisa: "Bitte lassen sie das. Ich habe Möglichkeiten mich dem zu entziehen. Ich möchte aber keine Konflikte heraufbeschwören, ich bin doch nur neugierig."

"Entschuldigen sie bitte, das Alarmsystem reagiert automatisch. Wir werden es in ihrem Fall außer Kraft setzen."

Elisa: "Also sind die höheren kosmischen Wesen nicht immer freundlich gesonnen?"

"Sie haben zum Teil einen Gottähnlichkeitsanspruch. Wir wollen uns dem aber nicht unterwerfen. Wir sind eine wissenschaftliche Zivilisation, es würde unsere weitere Entwicklung lähmen".

Elisa: "Dafür habe ich volles Verständnis."

Im Hotel. Es war Nacht. Sie löschte das Licht im Zimmer und kuschelte sich in ihr Bett. Es war ein sehr aufregender Tag gewesen. Sie lernte eine fremde Zivilisation kennen. Aber weiterhelfen konnte man ihr hier auch nicht. Sie hatte Heimweh, aber was sollte sie tun? Weiter in die Unendlichkeit hineinfliegen? Nein, sie hatte sehr viel Glück gehabt, dort nicht verloren zu gehen. Sollte sie den Rest ihres Lebens in diesem Bereich verweilen?

Die Jahre vergingen. Sie wurde ein Teil des Lebens in diesem Bereich der Unendlichkeit. Und eines Tages geschah es dann.

Sie befand sich in einem Cafe, saß allein an ihrem Tisch.

Eine fremde Frau kam auf sie zu.

"Darf ich mich zu ihnen setzen?"

Elisa: "Ja, gerne, ich heiße Elisa, darf ich ihren Namen erfahren?"

"Einen eigenen Namen habe ich gar nicht, aber ich bin etwas, eine Janine."

Eine Alarmglocke klingelte in Elisas Gehirn. Ungläubig schaute sie ihr Gegenüber an.

"Sie sind eine Janine."

"Ja."

Elisa: "Ja.... hallo .. hallo Janine. Schön, dass sie mich gefunden haben."

"Wir können uns duzen. Also, ich heiße Janine, hallo Elisa."

"Janine, bist du eine Janine, so wie es die Legende von Alphatos verheißt?"

"Ja."

Janine schaute ihr freundlich in die Augen.

"Weißt du, Elisa, ich empfinde deine Sehnsucht, nach Hause zurückzukehren. Du hast so viel auf dich genommen, um die unendliche Weite zu erforschen. Ich denke, ich sollte dir helfen. Ich bin ein Wesen der Unendlichkeit, ich weiß, wo dein Zuhause ist. Die Menschen dort vermissen dich, sie wollen dich zurückhaben. Sie haben mehrere Suchexpeditionen ausgesandt, ohne Erfolg. Deine Spuren verschwinden im Nichts."

Elisa. "Du kannst mir helfen? Ich brauche nur eine Richtung, dann findet das Raumschiff vielleicht zurück."

"Nein, der Zeitstrom ist dynamisch, er verschiebt sich ständig. Es bilden sich neue Universen und sie vergehen wieder. In Richtung deiner Heimat hat gerade ein kosmischer Urknall stattgefunden. Dort solltest du nicht hineinfliegen, er würde dich zerreißen."

Elisa: "Aber, dann ist der Weg zurück versperrt?"

"Weiß du, ich nehmen dich und dein Raumschiff in mich auf und wir materialisieren dann direkt auf deinem Heimatplaneten. Willst du?"

Elisa: "Ja, aber ich habe Angst um dich, die Abwehreinrichtungen gegen höhere kosmische Wesen werden sich aktivieren."

"Sie wirken nur auf endliche Wesen. Ich bin ein Wesen der Unendlichkeit. Komm, nimm meine Hand."

Plopp. Janine und Elisa im Innern des Rosenraumschiffes. Die Teleportation hatte zwar Alarm ausgelöst, aber Elisa wurden ja paraphysische Fähigkeiten zugestanden. Und Janine, für den übrigen Teil der Welt existierte sie gar nicht.

Plopp.

Elisa zurück auf ihrem Heimatplaneten. Sie wurde so freundlich und herzlich begrüßt begrüßt, dass alle Beteiligten weinen mussten. Janine, sie verschwand. Als hätte es sie nie gegeben.

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